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Zu: Jan van Eyck: Die Rolin-Madonna

Title: Zu: Jan van Eyck: Die Rolin-Madonna

Seminar Paper , 2001 , 19 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: M.A. Saskia Dams (Author)

Art - Painting
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Summary Excerpt Details

1. Altniederländische Malerei
Flandern, damals Teil des großen Herzogtums Burgund, gehörte neben Florenz
zur reichsten und wirtschaftlich fortschrittlichsten Region Europas. Wie in Italien
bildete sich auch hier eine städtische Kultur heraus, in der das Bürgertum an Einfluss
gewann.
Trotz dieser allgemeinen gesellschaftlichen Übereinstimmung hat es im Norden
jedoch keine der italienischen Renaissance vergleichbare Aufbruchstimmung in
den Künsten gegeben. Wesentlich länger blieb die Malerei mittelalterlichen Traditionen
verhaftet. Nur langsam holte im Norden das Diesseits die sakralen Themen
ein. Die Maler verlegten religiöse Szenen in ein irdisches Ambiente und versuchten,
Raum, Farbe, Körper und Licht möglichst naturalistisch wiederzugeben.
Während der italienischen Kunst im 15. Jahrhundert die mathematisch errechnete
Linearperspektive zugrunde lag, war für die Niederländer die sogenannte Erfahrungsperspektive bestimmend. Die Niederländer versuchten den Geheimnissen
der Welt durch den exakt beobachtenden Blick von außen, der jedes Detail erfasst,
auf den Grund zu kommen. Lehrmeister waren den Malern die unmittelbare Anschauung
sowie das Wissen um die Beschaffenheit der Dinge. Man malte, was man sah - und kam damit der zentralperspektivischen Wirkung sehr nahe.
Trotz der akribischen Detailgenauigkeit, mit der van Eyck Dinge im Vordergrund
wie im Hintergrund minutiös erfasst, bleibt die Einheit der Komposition durch eine alle Dinge gleichermaßen umspielende feine Farb- und Lichtmodulation gewahrt. Diese homogenisierende Malweise ist vor allem der im Norden früh verbreiteten Technik der Ölmalerei zu verdanken. Die geschmeidige, langsam trocknende Farbe erlaubte ein bedächtiges Arbeiten mit wiederholten Ein- und Überarbeitungen. Sie ermöglichte feinste farbliche Nuancierungen. Faltenwürfe wurden durch samtig verstrichene Übergänge zu immer helleren Tönen plastisch herausgearbeitet, und funkelnden Materialien konnten mit feinen Pinseln punktgenau zarte, helle Glanzlichter aufgesetzt werden. Gewänder, Körper und Gesichter erhielten eine bis dahin unbekannte naturalistische Stofflichkeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Altniederländische Malerei

2. Biographisches über Jan van Eyck

3. Historiographie

4. Die Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin

4.1. Bildbeschreibung

4.2. Perspektive, Komposition und Räumlichkeit

4.3. Farbigkeit

5. Die besondere Beziehung Rolins zur Madonna und ihre Hintergründe

5.1. Rolins Ebenbürtigkeit

5.2. Frömmigkeit

5.3. Biographische Begründungen

6. Interpretationsansätze

6.1. Versuch der Landschaftsidentifikation

6.2. Hortus conclusus

6.3. Die Säulenkapitellen

6.4. Die Gestalten an der Brücke

6.5. Der Mantelsaum der Madonna

7. Vergleichende Bezüge

7.1. Die Madonna des Kanonikus van der Paele

7.2. Die Lukas-Madonna des Rogier van der Weyden

8. Portrait und Andachtsbild

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das berühmte Gemälde "Die Rolin-Madonna" von Jan van Eyck mit dem Ziel, sowohl den kunsthistorischen Kontext als auch die spezifische Beziehung zwischen dem Auftraggeber Nicolas Rolin und der dargestellten Madonna zu ergründen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich das Werk von traditionellen mittelalterlichen Andachtsbildern abhebt und welche persönlichen sowie machtpolitischen Hintergründe des Kanzlers in die Bildkomposition eingeflossen sind.

  • Die kunsthistorische Einordnung der altniederländischen Malerei im 15. Jahrhundert.
  • Biographische Analyse des Lebens und Wirkens von Jan van Eyck sowie des Kanzlers Nicolas Rolin.
  • Detailgenaue formale Bildanalyse unter Berücksichtigung von Perspektive, Farbigkeit und Räumlichkeit.
  • Interpretation symbolischer Ebenen wie des "Hortus conclusus" und der Architekturdetails.
  • Vergleichende Untersuchung des Werks mit zeitgenössischen Madonnendarstellungen von van Eyck und van der Weyden.

Auszug aus dem Buch

4.2. Perspektive, Komposition und Räumlichkeit

Es liegt keine Zentralkomposition vor; es ist ein Gegenüber einer knienden und einer sitzenden Figur, aber nur der kniende Kanzler befindet sich in einer mit der Bildebene parallelen Schicht, Maria und das Jesuskind sind im Dreiviertelprofil leicht schräg gerückt. Die Blicke begegnen sich so nicht. Alle Tiefenlinien und räumlichen Blickbahnen kommen dort zur Ruhe, wo die Köpfe der Bildpersonen erscheinen.

Innenraum und Landschaft sind in dieser Komposition auf die überzeugendste Weise zu einer räumlichen Einheit verbunden. Die räumliche Tiefenachse kommt mit so ungebrochener Kraft vom nahen Vordergrunde an bis in die äußersten Fernen des Raumes zur Wirksamkeit. Zugleich aber ist die Tiefenbewegung auch auf das strengste gegliedert. Vorne gibt die scharf gezeichnete Flucht der sich verkleinernden Fliesen dem Blicke die Richtung Raumeinwerts bis zu den drei Arkaden hin, die das Landschaftsbild rahmen. Dann folgt ein kleiner Blumengarten, dessen Boden tiefer als der Boden der Halle liegt und den eine niedrige Mauer mit Wehrgang und Zinnenkranz gegen die eigentliche Landschaft hin abgrenzt. Diese liegt wiederum tiefer.

Sind diese Männer und auch die Pfauen, Vögel und Blumen des Gartens im Verhältnis zu den großen Gestalten im Vordergrunde des Bildes schon klein, so ist vollends jenseits der Brüstung ein Maßstab genommen, in dem die menschliche Erscheinung zum gänzlich Winzigen schrumpft. Noch in der Ferne sieht man Kirchen, Häuser und Burgen, Bäume und immer wieder Bäume bis zu punkthafter Winzigkeit hin.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Altniederländische Malerei: Einführung in die kunstgeschichtliche Bedeutung Flanderns und die Entwicklung der naturalistischen Ölmalerei im 15. Jahrhundert.

2. Biographisches über Jan van Eyck: Darstellung des Lebenslaufs des Künstlers, seiner Tätigkeit am Hof von Burgund und seiner bekannten Werke.

3. Historiographie: Erörterung der Forschungsdebatten um die Zuschreibung, Datierung und Herkunft des Gemäldes.

4. Die Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin: Analyse der formalen Bildstruktur, der Raumelemente und der architektonischen Details des Werks.

5. Die besondere Beziehung Rolins zur Madonna und ihre Hintergründe: Untersuchung der Rollenverteilung zwischen Stifter und Maria sowie der persönlichen Frömmigkeit Rolins.

6. Interpretationsansätze: Deutung spezifischer Bildelemente wie der Landschaftsidentifikation, der Kapitelle und der rätselhaften Rückenfiguren.

7. Vergleichende Bezüge: Analyse des Werks im Kontrast zur "Madonna des Kanonikus van der Paele" und der "Lukas-Madonna".

8. Portrait und Andachtsbild: Reflexion über die Funktion des Bildes als Gedenktafel und die neue Rolle des Individuums im religiösen Kontext.

Schlüsselwörter

Jan van Eyck, Nicolas Rolin, Rolin-Madonna, Altniederländische Malerei, Stifterbild, Ars nova, Ölmalerei, Hortus conclusus, Kunstgeschichte, Burgund, Sakrale Kunst, Bildanalyse, Mittelalter, Spätgotik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert das Gemälde "Die Rolin-Madonna" von Jan van Eyck, um die vielschichtigen Bedeutungsebenen, die kunsthistorische Stellung und die Intentionen des Auftraggebers Nicolas Rolin aufzudecken.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Neben der rein formalen Bildanalyse stehen die Rolle des Stifters, die Darstellung von Frömmigkeit im 15. Jahrhundert sowie der Vergleich mit anderen bedeutenden Werken der altniederländischen Malerei im Fokus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Verbindung zwischen der Darstellung einer Marienvision und den persönlichen sowie politischen Motiven des Kanzlers Nicolas Rolin zu erklären und das Werk in seinem zeitgenössischen Kontext zu verorten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt kunsthistorische Methoden wie die formale Stilanalyse, ikonographische Deutung und den Vergleich mit zeitgenössischen Quellen und kunsthistorischer Sekundärliteratur.

Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil behandelt die detaillierte Beschreibung des Bildaufbaus, die Deutung der Architektur und Landschaftselemente sowie die Hintergründe zur Person Nicolas Rolins.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Kernbegriffe sind Jan van Eyck, Nicolas Rolin, Stifterbild, Ölmalerei, Altniederländische Malerei und Sakrale Ikonographie.

Warum wird die "Madonna des Kanonikus van der Paele" zum Vergleich herangezogen?

Der Vergleich dient dazu, die Besonderheit der "Rolin-Madonna" herauszuarbeiten, insbesondere die außergewöhnliche Ebenbürtigkeit, mit der der Kanzler der Muttergottes gegenübertritt.

Welche Rolle spielt die Interpretation der Säulenkapitelle für das Gesamtverständnis?

Die Kapitelle liefern durch ihre biblischen Szenen wichtige Hinweise auf das Sündenbewusstsein Rolins und das Motiv der erhofften Erlösung, was das Bild stärker als individuelles Gedenkwerk kennzeichnet.

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Details

Title
Zu: Jan van Eyck: Die Rolin-Madonna
College
University of Heidelberg  (Kunsthistorisches Institut)
Course
Frühe niederländische Maler
Grade
2,3
Author
M.A. Saskia Dams (Author)
Publication Year
2001
Pages
19
Catalog Number
V1295
ISBN (eBook)
9783638108096
ISBN (Book)
9783638956284
Language
German
Tags
Van Eyck Kanzler Nicolas Rolin Madonna Andachtsbild
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Saskia Dams (Author), 2001, Zu: Jan van Eyck: Die Rolin-Madonna, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1295
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