Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Communications - Journalism, Journalism Professions

Qualitätsvorstellungen im Journalismus als Reproduktion des herrschenden Klassengeschmacks

Eine Analyse gängiger Qualitätsvorstellungen in Tageszeitungen im Hinblick auf Pierre Bourdieu

Title: Qualitätsvorstellungen im Journalismus als Reproduktion des herrschenden Klassengeschmacks

Term Paper , 2008 , 30 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: MA Manuela Beyer (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In der Arbeit wird auf Grundlage von Bourdieu argumentiert, dass gängige Vorstellungen von Qualität im Journalismus keineswegs wissenschaftlich herzuleiten sind, sondern vor allem die Qualitätsvorstellungen kultureller Eliten reproduzieren.
Es wird zunächst gezeigt, dass Qualitätsdefinitionen im Journalismus immer einem subjektiven Einfluss, sprich Geschmack, unterliegen. Auf Basis von Bourdieus "Die feinen Unterschiede – Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft" wird veranschaulicht, dass dieser scheinbar individuelle Geschmack so individuell nicht ist, da er stets im sozialen Milieu begründet liegt. Diese Analyse wird in der Hausarbeit auf das Medium Tageszeitung angewendet. Mithilfe Bourdieus lässt sich schließlich erklären, wo der Unterschied von Qualitätszeitung und Boulevardzeitung primär seinen Ursprung hat: gesellschaftliche und kulturelle Eliten geben die dominanten Vorstellungen von gutem Geschmack vor und verwehren den Massen den Zugang zu dieser legitimen Kultur.
Doch dieser Zustand darf nicht absolut gesehen werden: Die Definition des legitimen Geschmacks ist beständigem Wandel unterworfen und ist Schauplatz von Definitionskämpfen der herrschenden Klassen (vgl. Bourdieu 1993: 367f). Zum Schluss werden daher einige emanzipatorische Ansätze der Qualitätsforschung vorgestellt, die es noch nicht in den medienwissenschaftlichen Mainstream geschafft haben. Sie beziehen die Bedürfnisse aller Rezipienten, nicht nur der hochgebildeten Eliten, stark in ihre Vorstellungen von journalistischer Qualität mit ein, ohne dabei aber journalistische Qualität nur auf ökonomische zu reduzieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE SUBJEKTIVE DIMENSION BEI JOURNALISTISCHEN QUALITÄTSDEFINITIONEN

3. EXKURS: QUALITÄTSZEITUNGEN VERSUS BOULEVARDZEITUNGEN

4. BOURDIEU UND SEIN KONZEPT DES KLASSENABHÄNGIGEN GESCHMACKS

4.1. Einführung: Konzepte des Habitus und der Distinktion

4.2. Vertiefung und Anwendung Bourdieus auf das journalistische Gebiet

5. EMANZIPATORISCHE ANSÄTZE

6. SCHLUSSBETRACHTUNG

7. LITERATUR

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht journalistische Qualitätsvorstellungen unter Anwendung der Bourdieuschen Theorie des Habitus und der Distinktion. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Qualitätsdefinitionen im Journalismus keine objektiven Gegebenheiten sind, sondern als Ausdruck klassenspezifischer Geschmackspräferenzen fungieren, die bestehende soziale Hierarchien reproduzieren.

  • Soziale Konstruktion journalistischer Qualitätsbegriffe
  • Bourdieus Konzepte des Habitus und der Distinktion
  • Rolle des Publikums und soziale Milieus bei der Medienrezeption
  • Abgrenzung zwischen Qualitäts- und Boulevardpresse
  • Emanzipatorische Ansätze im Journalismus

Auszug aus dem Buch

4.1. Einführung: Konzepte des Habitus und der Distinktion

Im folgenden Teil geht es um Bourdieu und die Anwendung seiner Theorie des Geschmacks auf den journalistischen Printbereich.

In seinem nunmehr klassischen Werk Die feinen Unterschiede – Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft untersucht Pierre Bourdieu die sozialen Ursprünge unterschiedlicher kultureller Praxen in der Gesellschaft. Dabei argumentiert er, dass Geschmack und Vorliebe für eine bestimmte Kultur keine Naturgaben sind, sondern als kulturelle Bedürfnisse sozialisationsbedingt sind (Bourdieu 1987: 17). Auf Basis einer empirischen Erhebung identifiziert er drei unterschiedliche Arten des Geschmacks, die mit den sozialen Positionen der Bevölkerung korrelieren (ebd.: 36ff):

Zunächst ist da der legitime Geschmack. Sein Auftreten wächst mit steigender Bildung und ist am größten bei der herrschenden Klasse mit dem größten schulischen Kapital. Dann gibt es den mittleren Geschmack, der die minderbewerteten Werke legitimer Künstler sowie die legitimsten Werke der minderbewerteten Künstler umfasst. Er tritt vor allem bei Mittelklassen auf. Am unteren Ende der gesellschaftlichen Skala sieht Bourdieu den populären Geschmack. Er umfasst zum Beispiel leichte, oder durch Verbreitung entwertete Musik. Am häufigsten findet man den populären Geschmack in den unteren Klassen und er korreliert negativ mit dem Bildungskapital.

Bourdieu (ebd.: 39) stellt somit fest, dass ein „enger Zusammenhang zwischen Bildungskapital und Kenntnissen oder Tätigkeiten, die der Schulbildung […] fern stehen“, besteht. Er bezieht das nicht nur auf Geschmack in klassischen künstlerischen Domänen wie Malerei, Musik oder Literatur, sondern auch auf den Medienkonsum inklusive des Printbereichs. Er geht davon aus, dass gesellschaftliche Klassen mithin nichts strenger unterschieden werden als durch die Einstellung, die sie zur Konsumption legitimer Werke haben. Dabei geht es um Unterschiede in der Fähigkeit, eine rein ästhetische Betrachtungsweise einzunehmen und beliebige oder vulgäre Gegenstände (z.B. Kleidung, Wohnungseinrichtung) zu ästhetisieren (Bourdieu 1993: 80). Die ästhetische Einstellung ist die entscheidende Dimension eines Lebensstils.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Arbeit führt in die Thematik ein, dass journalistische Qualitätsvorstellungen nicht objektiv, sondern stark von kulturellen Eliten geprägt sind.

2. DIE SUBJEKTIVE DIMENSION BEI JOURNALISTISCHEN QUALITÄTSDEFINITIONEN: Dieses Kapitel verdeutlicht, dass Qualität im Journalismus ein normatives Konstrukt ist, das durch die subjektiven Vorstellungen gesellschaftlicher Akteure beeinflusst wird.

3. EXKURS: QUALITÄTSZEITUNGEN VERSUS BOULEVARDZEITUNGEN: Es wird die etablierte Trennung zwischen seriösem Journalismus und Boulevardpresse kritisch hinterfragt und aufgezeigt, dass diese Unterscheidungen oft auf normativen Vorurteilen basieren.

4. BOURDIEU UND SEIN KONZEPT DES KLASSENABHÄNGIGEN GESCHMACKS: Die theoretischen Grundlagen von Bourdieu, insbesondere Habitus und Distinktion, werden dargelegt und auf den journalistischen Bereich übertragen.

4.1. Einführung: Konzepte des Habitus und der Distinktion: Einführung in die zentralen Begriffe Bourdieus, um zu erklären, wie Geschmack und Lebensstile in der Gesellschaft entstehen.

4.2. Vertiefung und Anwendung Bourdieus auf das journalistische Gebiet: Die theoretischen Konzepte werden konkret auf die Rezeption journalistischer Produkte angewendet.

5. EMANZIPATORISCHE ANSÄTZE: Dieses Kapitel stellt Ansätze vor, die auch populäre Medienformen als gesellschaftlich relevant und demokratiefördernd betrachten.

6. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und es wird konstatiert, dass Qualität im Journalismus untrennbar mit den sozialen Strukturen und dem Habitus der Rezipienten verbunden ist.

7. LITERATUR: Auflistung der verwendeten Quellen.

Schlüsselwörter

Journalismus, Qualitätsbegriff, Pierre Bourdieu, Habitus, Distinktion, Klassengeschmack, Boulevardpresse, Massenmedien, Demokratische Partizipation, Medienrezeption, soziale Ungleichheit, kulturelle Eliten, Sozialisation, Journalistische Qualität, Systemtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, warum journalistische Qualitätsvorstellungen oft als objektive Standards wahrgenommen werden, obwohl sie tatsächlich soziale Konstrukte sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die soziale Konstruktion von Qualität, die Theorie von Pierre Bourdieu und die Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass Qualitätsurteile im Journalismus die herrschenden Klassengeschmäcker reproduzieren und zur sozialen Distinktion beitragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die systemtheoretische Perspektive sowie die soziologische Theorie von Pierre Bourdieu zur Analyse journalistischer Texte und deren Rezeption.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie der Habitus den Medienkonsum steuert und wie Eliten durch Qualitätsdefinitionen ihre soziale Position sichern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Habitus, Distinktion, Klassengeschmack, Qualitätsjournalismus und demokratische Partizipation.

Warum wird der Begriff "Qualitätszeitung" kritisch betrachtet?

Der Begriff wird kritisch hinterfragt, weil er oft als willkürliches Label dient, das von Eliten vergeben wird, um ihren eigenen Geschmack als "objektiv hochwertig" zu legitimieren.

Welchen Stellenwert haben emanzipatorische Ansätze?

Diese Ansätze sind wichtig, um aufzuzeigen, dass auch Boulevardmedien gesellschaftliche Funktionen erfüllen können und nicht per se als "minderwertig" eingestuft werden sollten.

Inwiefern beeinflusst der Habitus die Mediennutzung?

Der Habitus prägt die Präferenzen der Individuen so, dass sie jene Medien bevorzugen, die ihre soziale Identität und ihre erlernten Geschmacksmuster spiegeln.

Wie trägt "Distinktion" zur Abgrenzung zwischen den Klassen bei?

Indem sich die höheren Schichten über einen spezifischen Geschmack (z.B. den Konsum "seriöser" Blätter) von der Masse absetzen, reproduzieren sie ihre soziale Exklusivität.

Excerpt out of 30 pages  - scroll top

Details

Title
Qualitätsvorstellungen im Journalismus als Reproduktion des herrschenden Klassengeschmacks
Subtitle
Eine Analyse gängiger Qualitätsvorstellungen in Tageszeitungen im Hinblick auf Pierre Bourdieu
College
University of Leipzig  (Institut für Journalistik)
Course
Wie individuell ist Qualität
Grade
1,7
Author
MA Manuela Beyer (Author)
Publication Year
2008
Pages
30
Catalog Number
V129730
ISBN (eBook)
9783640359080
ISBN (Book)
9783640359400
Language
German
Tags
Qualitätsvorstellungen Journalismus Reproduktion Klassengeschmacks Eine Analyse Qualitätsvorstellungen Tageszeitungen Hinblick Pierre Bourdieu
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MA Manuela Beyer (Author), 2008, Qualitätsvorstellungen im Journalismus als Reproduktion des herrschenden Klassengeschmacks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129730
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  30  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint