Die Kreuzzüge gelten oft als Inbegriff des Krieges. Sie waren aber auch ein besonderer Krieg. Es handelte sich nicht nur um einen gerechten Krieg im Sinne der Definition des Kirchenvater Augustinus, ein „bellum iustum“, der von einer legitimen Instanz, dem Papsttum, mit einem legitimen Grund ausgerufen wurde um beispielsweise das Heilige Land zu gewinnen, sondern es handelte sich auch um einen Krieg für Gott. Der Lohn hierfür war eine Zusage für einen geistlichen Lohn in Form eines Ablasses.
Die Ziele des Aufrufs von Papst Urbans II 1095 in Clermont sind aus heutiger Sicht ganz klar die Befreiung Jerusalems und die Gründung von Kreuzfahrerstaaten und eine lateinischen, dem Papsttum unterworfenen Kirche. Doch kamen diese Ziele vermutlich erst im zweiten Schritt zustande. „Nach der Absicht des Papstes und der Konzilväter sollte eine begrenzte Zahl südfranzösische Ritter den byzantinischen Kaiser bei der Verteidigung und Rückgewinnung christlicher Gebiete im Osten unterstützen“. Im Vordergrund stand kein Krieg, sondern der Gottesfriede.
Man begegnet in der Literatur häufig der Meinung, dass es sich bei den christlichen Kriegern der Kreuzzüge um Pilger handelte.
In diesem Essay soll es um die Frage gehen, ob es sich bei den Teilnehmern der Kreuzzüge wirklich um Pilger handelte. Dies soll anhand der berühmten Rede Papst Urbans II von 1095 in Clermont untersucht werden.
Hierfür müssen zwei Dinge geklärt werden. Erstens: Was bedeuten die Begriffe Pilger und Pilgern? Zweitens. Was beinhaltet diesbezüglich die Rede von Papst Urban II?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen Pilger und Pilgern
3. Die Chronisten des Aufrufes von Papst Urban II
4. Der Aufruf von Papst Urban II nach Fulcher von Chartres
5. Eigenschaften eines Pilgers, die in der Rede zu finden sind
6. Fazit
7. Literaturangabe
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay untersucht die religionswissenschaftliche Fragestellung, ob die Teilnehmer der Kreuzzüge als Pilger im klassischen Sinne betrachtet werden können, indem es den historischen Aufruf von Papst Urban II. aus dem Jahr 1095 analysiert.
- Religionswissenschaftliche Definition von Pilger und Pilgern
- Kritische Analyse der Überlieferungen zum Aufruf Papst Urbans II.
- Untersuchung der Rede nach Fulcher von Chartres hinsichtlich pilgerspezifischer Kriterien
- Gegenüberstellung von kriegerischen Handlungen und religiöser Motivlage
Auszug aus dem Buch
4. Der Aufruf von Papst Urban II nach Fulcher von Chartres
„Liebste Brüder, ich, Urban, oberster Pontifex und mit Gottes Duldung Prälat der gesamten Welt, bin in dieser Zeit drängendster Not zu Euch, den Dienern Gottes in diesen Gebieten, als Überbringer göttlicher Ermahnung gekommen. Ich hoffe, dass jene, die Verwalter geistlicher Ämter sind, rein und ehrlich und frei von Heuchelei angetroffen werden.
Denn wenn einer verschlagen und unredlich ist und sich weit von einem Maß an Vernunft und Gerechtigkeit entfernt hat und das Gesetz Gottes vereitelt, dann werde ich mir mit göttlicher Unterstützung Mühe geben, ihn zurechtzuweisen. Denn der Herr hat Euch zu Haushaltern Seiner Hofhaltung gemacht, auf dass Ihr Ihn, wenn die Zeit naht, mit Speise maßvoller Würze versehen könnt. Ihr werdet freilich selig, wenn der Herr des Verwalteramtes Euch das tun sieht.
Man nennt Euch Hirten; seht zu, dass Ihr nicht die Arbeit von Gedungenen verrichtet. Seid wahre Hirten, die stets ihren Krummstab in Händen halten; und schlafet nicht, wachet nach jeder Seite über die Herde, die Euch anvertraut ist.
Denn wenn aus Sorglosigkeit oder Nachlässigkeit ein Wolf ein Schaf hinweg trägt, werdet Ihr sicher nicht nur des Lohns, der von Unserm Herrn für Euch bereitlag, verlustig gehen, sondern Ihr werdet, nachdem Ihr zuerst mit den Ruten des Liktors geschlagen worden seid, fristlos in den Aufenthalt der Verdammten geschleudert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen der Definition des Kreuzzuges als „gerechter Krieg“ und dem Anspruch einer bewaffneten Pilgerfahrt ein.
2. Definitionen Pilger und Pilgern: Dieses Kapitel erarbeitet eine wissenschaftliche Grundlage für die Begriffe „Pilger“ und „Pilgern“ durch eine Analyse ihrer etymologischen Wurzeln und ihrer inhaltlichen Merkmale.
3. Die Chronisten des Aufrufes von Papst Urban II: Es erfolgt eine kritische Würdigung der fünf unterschiedlichen Überlieferungen des Aufrufs, wobei Fulcher von Chartres als verlässlichste Quelle identifiziert wird.
4. Der Aufruf von Papst Urban II nach Fulcher von Chartres: Dieser Abschnitt bietet die textliche Grundlage der Rede, die als Basis für die weitere Untersuchung dient.
5. Eigenschaften eines Pilgers, die in der Rede zu finden sind: Die Rede wird systematisch auf die zuvor definierten sieben Kriterien eines Pilgers geprüft, um Gemeinsamkeiten und Abweichungen aufzuzeigen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Teilnehmer der Kreuzzüge als „pilgernde Krieger“ einzustufen sind.
7. Literaturangabe: Hier werden alle verwendeten Quellen und weiterführende Literatur zur Kreuzzugsidee und Pilgerschaft aufgelistet.
Schlüsselwörter
Kreuzzüge, Papst Urban II, Pilgern, Pilger, Clermont, Fulcher von Chartres, Religionswissenschaft, Bellum iustum, Gottesfriede, Ablass, Pilgerschaft, Heiliges Land, Mittelalter, Kirchengeschichte, Religionsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay primär?
Der Essay untersucht die religionswissenschaftliche Frage, inwiefern die Teilnehmer des Ersten Kreuzzuges nach dem Aufruf von Papst Urban II. als Pilger charakterisiert werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Pilgerschaft, die historische Quellenanalyse der Konzilsreden von 1095 sowie die Untersuchung der religiösen Motivation von Kriegern.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob die Kreuzfahrer, trotz ihrer kriegerischen Absichten, durch ihre Motivation und die päpstliche Zusage des Sündenablasses als Pilger im religiösen Sinne des Mittelalters gelten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine textanalytische Methode, bei der er die Rede Papst Urbans II. (nach Fulcher von Chartres) an einer zuvor erarbeiteten Liste von sieben pilgerspezifischen Kriterien misst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Begriffe, die Vorstellung der Chronisten, die Textpräsentation der Rede und die anschließende Prüfung der Kriterien anhand dieser Rede.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Pilgernde Krieger“, „Sündenablass“, „Gottesfriede“ und die Analyse der historischen Quelle von Fulcher von Chartres geprägt.
Warum wird Fulcher von Chartres als Quelle bevorzugt?
Der Autor stuft Fulcher von Chartres als die verlässlichste Quelle ein, da sein Bericht über das Konzil in Clermont als ausführlicher und glaubwürdiger gegenüber den anderen vier Überlieferungen gilt.
Wie lautet das Fazit zur Pilgereigenschaft der Kreuzfahrer?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Krieger motiviert durch den Papst als „pilgernde Krieger“ gehandelt haben, wobei Gott selbst den als heilig geltenden Ort der Pilgerreise repräsentiert.
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- Michael Dathe (Author), 2009, Der Aufruf Papst Urbans II 1095 in Clermont – Pilgern?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129753