Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie diese für Spanien identitätsstiftende Verbindung zwischen dem sich ausformenden modernen Staat der spanischen Könige und der Religion zustande kam und ob man aufgrund dieses religiös geprägten Gemeinschaftsgefühls von Spanien als einer frühmodernen Nation sprechen kann.
Der untersuchte Zeitraum erstreckt sich über das spanische Siglo de Oro, das sogenannte Goldene Zeitalter, welches mit den Reyes Católicos, also den Katholischen Königen Isabella I. von Kastilien (*1451 +1504) und Ferdinand von Aragòn (*1452 +1516) und dem Ende der Reconquista im Jahr 1492 angesetzt wird und mit Philipp II. (1556-1598) ausklingt. Diese Epoche erlebt den Aufstieg Spaniens von einer durch Matrimonialunion geeinten Ländermasse zu einem machtvollen und prononciert katholischen Reich, in dem die Sonne sprichwörtlich nicht untergeht und das nicht nur der Reformation widersteht, sondern der Kirche Millionen neuer Seelen in seinen amerikanischen Kolonien hinzugewinnt.
Diese Arbeit nähert sich dem skizzierten Zeitabschnitt über einen ideengeschichtlichen Diskurs, welcher zunächst den Begriff der Nation untersucht und die Thesen entwickelt, welche in den folgenden Ausführungen verteidigt werden sollen. Im weiteren wird an ihren Entwicklungsstufen die Bedeutung der Religion hierfür erläutert.
Jede Vorstellung von Nation sieht sich vor die Aufgabe gestellt, die vorhandenen Unterschiede zwischen lokalen, sozialen und sprachlichen Schichten zu überwinden und die divergierenden Gruppen zusammenzufassen. Dementsprechend muss dieser Nationalismus auf gemeinsame Geschichte und Religion rekurrieren, da jeder Versuch nationaler Sinngebung eben auf Idealvorstellungen angewiesen ist, welcher alle Teile der Nation gleichermaßen anspricht. Sie unterscheidet sich von Ad-Hoc Interessengemeinschaften somit durch eine besondere, überdauernde Zielsetzung.
Das spanische Königtum bediente sich der Kirche somit im wesentlichen aus zwei Motiven heraus: Der Zentralisierung und Stärkung der staatlichen Macht und der Schaffung religiöser Homogenität.
Neben der Religion trugen auch andere ihr verbundene Diskurse zur Ausbildung und Konsolidierung nationaler Bindungen bei, vor allem die siegreiche Reconquista, die Kolonisation Amerikas und das Konzept der Limpieza de sangre. Diesen Umständen und ihren Akteuren ist der zweite Sinnabschnitt mit ereignisgeschichtlichem Schwerpunkt gewidmet.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einführung
- II. Der Begriff der Nation
- III. Nation und Religion. Ideengeschichtlicher Diskurs
- III. 1. Die Universalismen
- III. 2. Die Nation als Trägerin religiösen Sendungsbewusstseins
- III. 3. Reformation und katholische Konfessionalisierung
- III. 4. Der Staat und das „,christliche Gesetz“
- IV. Das Spanien der Katholischen Könige
- IV. 1. Das Ringen um die Patronatsrechte und die kirchliche Gerichtsbarkeit
- IV. 2. Die Spanische Inquisition und die Vertreibung der Juden und Mauren
- IV. 3. Die Limpienza di Sangre
- V. El rey planeta. Die spanischen Habsburger und ihr Weltreich
- VI. 1. Plus Ultra. Die Kolonisation der neuen Welt und das Reich Karls V.
- VI. 2. Das Scheitern der Reformation in Spanien
- VI. 3. Philipp II. und die Leyenda Nera
- VI. Schlussbemerkung
- VII. Bibliographie und Abkürzungsverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung des modernen spanischen Staates im Kontext der religiösen Entwicklungen des Siglo de Oro. Sie analysiert die Verbindung zwischen der sich formenden nationalen Identität und der katholischen Religion und hinterfragt, ob diese Verbindung Spanien als eine frühmoderne Nation ausweist.
- Die Rolle der Religion bei der Konsolidierung der spanischen Nation
- Der Einfluss der katholischen Kirche auf die politische Macht der spanischen Könige
- Die Bedeutung der Reconquista, der Kolonisation Amerikas und der Limpieza de sangre für die nationale Identität
- Die Auseinandersetzung mit der Reformation und die Rolle Spaniens als bastion der katholischen Kirche
- Die Frage, ob Spanien als eine frühmoderne Nation betrachtet werden kann
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den historischen Kontext der Arbeit vor und beleuchtet die kontroversen Standpunkte zur spanischen Geschichte, die durch die Rolle der katholischen Religion geprägt sind. Sie führt den Begriff der Nation ein und erläutert die Bedeutung der Religion für die nationale Identität.
Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Begriff der Nation und analysiert die verschiedenen Theorien zur Entstehung und Entwicklung nationaler Identitäten. Es wird die Bedeutung der Religion für die Überwindung von sozialen und sprachlichen Unterschieden innerhalb einer Nation hervorgehoben.
Das dritte Kapitel untersucht die ideengeschichtliche Entwicklung der Verbindung zwischen Nation und Religion. Es werden die Universalismen, die Nation als Trägerin religiösen Sendungsbewusstseins, die Reformation und die katholische Konfessionalisierung sowie die Rolle des Staates und des „christlichen Gesetzes“ analysiert.
Das vierte Kapitel widmet sich dem Spanien der Katholischen Könige und beleuchtet die Rolle der Religion bei der Konsolidierung der staatlichen Macht. Es werden die Auseinandersetzungen um die Patronatsrechte und die kirchliche Gerichtsbarkeit, die Spanische Inquisition und die Vertreibung der Juden und Mauren sowie die Limpieza de sangre analysiert.
Das fünfte Kapitel befasst sich mit dem Aufstieg Spaniens zu einem Weltreich unter den spanischen Habsburgern. Es werden die Kolonisation der neuen Welt, das Scheitern der Reformation in Spanien und die Rolle Philipps II. sowie die Leyenda Nera analysiert.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Nation, die Religion, Spanien, das Siglo de Oro, die Katholischen Könige, die Reconquista, die Kolonisation Amerikas, die Reformation, die Spanische Inquisition, die Limpieza de sangre, die Habsburger, Philipp II. und die Leyenda Nera. Die Arbeit analysiert die Rolle der Religion bei der Entstehung und Konsolidierung der spanischen Nation im Kontext des Siglo de Oro und hinterfragt, ob Spanien als eine frühmoderne Nation betrachtet werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Was war das "Siglo de Oro" in Spanien?
Das Goldene Zeitalter (ca. 1492–1598) markiert den Aufstieg Spaniens zur Weltmacht unter den Katholischen Königen und den Habsburgern, geprägt von der Entdeckung Amerikas und einer starken katholischen Identität.
Welche Rolle spielte die Religion für die spanische Nation?
Die katholische Religion diente als identitätsstiftendes Band, um lokale und sprachliche Unterschiede zu überwinden und religiöse Homogenität als Basis für den modernen Staat zu schaffen.
Was bedeutet "Limpieza de sangre"?
Die "Reinheit des Blutes" war ein Konzept, das Menschen ohne jüdische oder maurische Vorfahren privilegierte. Es war ein zentrales Element zur Festigung der nationalen und religiösen Einheit.
Warum war die Spanische Inquisition so bedeutend?
Die Inquisition diente den Königen als Instrument zur Zentralisierung der Macht und zur Durchsetzung religiöser Konformität, insbesondere nach der Vertreibung der Juden und Mauren.
Wie beeinflusste die Kolonisation Amerikas das spanische Selbstverständnis?
Die Eroberung der "Neuen Welt" wurde als religiöser Auftrag zur Missionierung gesehen und stärkte das Bild Spaniens als Schutzmacht des Katholizismus weltweit.
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- Christian Lannert (Author), 2007, Gott spricht Kastilisch - Nation und Religion im Spanien des Siglo de Oro, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129758