Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen literarischen Kleinformen des Mittelalters. In den einzelnen Abschnitten der Arbeit werden Spruch, Sprichwort, Quodlibet, Priamel und Klopfan sowie Sprichwortsammlungen näher untersucht. Eine zentrale Frage wird dabei sein, ob die jeweiligen Kleinformen eine eigene Gattung darstellen oder nicht. Es soll daher untersucht werden, ob sich Besonderheiten dieser literarischen Formen feststellen lassen und an welcher Stelle Differenzen bzw. Berührungspunkte auftreten. Ebenso werden wir uns mit der Frage auseinandersetzen, warum mögliche Abgrenzungen getroffen werden und ob diese überhaupt sinnvoll und notwendig sind. In diesem Zusammenhang wird die Gebrauchsfunktion der jeweiligen Aussagen bzw. Texte eine bedeutsame Rolle spielen. Wir werden den jeweiligen Gebrauchswert der Kleinformen untersuchen und uns mit der Frage beschäftigen ob eine Abgrenzung nach den jeweiligen Gebrauchsfunktionen zweckmäßig wäre.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Spruch
3 Das Sprichwort
3.1 Heutige Definitionen und Abgrenzungsproblematik
3.2 Mittelalterliches Begriffskonzept: Sprichwort und Sentenz
3.3 Entstehung und Funktionsveränderung
3.4 Das Sprichwort im Mittelalter
3.5 Sonderformen des Sprichworts
4 Priamel, Quodlibet und Klopfan
4.1 Das Priamel
4.2 Das Quodlibet
4.3 Der Klopfanspruch
4.4 Schlussbetrachtung zu Priamel, Quodlibet und Klopfan
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht verschiedene literarische Kleinformen des Mittelalters – konkret Spruch, Sprichwort, Quodlibet, Priamel und Klopfan – mit dem Ziel zu klären, ob diese als eigenständige Gattungen zu betrachten sind und welche Gebrauchsfunktionen sie im mittelalterlichen Kontext erfüllten.
- Analyse der Abgrenzungsproblematik zwischen literarischen Kleinstformen.
- Untersuchung der Rolle von Mündlichkeit und Tradierung bei der Entstehung dieser Formen.
- Erforschung der Gebrauchsfunktion und des Gebrauchswerts in mittelalterlichen Texten (exemplarisch bei Gotfrid von Straßburg).
- Typisierung der Kleinformen Priamel, Quodlibet und Klopfan sowie deren Verwandtschaft zum Spruchhaften.
Auszug aus dem Buch
4.1 Das Priamel
Der Begriff Priamel bezeichnet zum einen eine Stilfigur hauptsächlich der antiken Literatur, die eine einleitende Funktion besitzt beziehungsweise zur Pointierung eines Schlusselements dient. Zum anderen bezeichnet der Begriff eine Spruchdichtung des deutschen 15. und 16. Jahrhunderts. Diese Spruchdichtung wird nun im weiteren Verlauf betrachtet.
Beim Priamel werden Verse heterogenen Sachverhalts nach dem Prinzip der parallelen Reihung miteinander verbunden und im Endvers zu einer Einheit gebracht. Priameln sind von der Form her in zwei Teile selektierbar, in die hinführende Beispielkette und in die Pointe am Schluss, die den Zusammenhang der unterschiedlichen Aussagen der Beispielkette aufdeckt und eine Lehre, eine Weisheit aufzeigt. Das Priamel beinhaltet sprachlich-stilistische Mittel, wie sie bereits im Spruchteil dieser Arbeit erwähnt wurden, zum Beispiel: Parallelismen, Anaphern, Endreime etc.
Priameln gibt es in verschiedenen Bereichen und mit höchst verschiedenen Inhalten. Überliefert wurden geistliche Priameln, Lehrpriameln, Wirtschaftspriameln, Primeln aus der klassischen Literatur etc. Die Themen sind, nach Gerd Dicke, zum Beispiel normgerechtes Verhalten, Krankheit, Alter, Haushalt, Ehe, menschliche Schwäche und Narrheit. Der Versuch, die Themen des Priamels wie vorweg dargestellt zusammenzufassen, ist schwierig und kann der Beschreibung der Spruchdichtung nicht vollkommen gerecht werden, da der Begriff Priamel zwar hauptsächlich für die oben beschriebene Spruchdichtung verwendet wird, er jedoch auch für sehr verschiedene Kleinformen stehen kann und Abgrenzungen schwierig und nicht immer möglich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der literarischen Kleinformen des Mittelalters ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach deren Gattungscharakter sowie ihrer Gebrauchsfunktion.
2 Der Spruch: In diesem Kapitel wird das Phänomen des Spruchs erörtert, wobei Schwierigkeiten bei einer eindeutigen Definition aufgezeigt und das Spruchhafte als Situationsfunktion der Rede charakterisiert wird.
3 Das Sprichwort: Dieser Abschnitt widmet sich dem Sprichwort durch eine Definitionssuche, die Analyse des mittelalterlichen Begriffskonzepts, die historische Entwicklung sowie eine Untersuchung von Sonderformen.
4 Priamel, Quodlibet und Klopfan: Hier werden drei spezifische literarische Kleinformen detailliert vorgestellt, ihre Merkmale analysiert und ihre Klassifizierung im Hinblick auf das Spruchhafte kritisch hinterfragt.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Schwierigkeit starrer Gattungszuordnungen und konstatiert, dass jede dieser Kleinformen ein individuell entstandenes, historisch geprägtes Produkt darstellt.
Schlüsselwörter
Literaturwissenschaft, Mittelalter, Kleinformen, Spruch, Sprichwort, Priamel, Quodlibet, Klopfan, Gattungsgeschichte, Gebrauchswert, Situationsfunktion, Tradierung, Volkspoesie, Sentenz, Mittelalterliche Literatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung verschiedener literarischer Kleinformen des Mittelalters, darunter Spruch, Sprichwort und spezifische Formen wie das Priamel.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentral sind die Abgrenzung der verschiedenen Kleinformen voneinander, die Bedeutung der mündlichen Tradierung sowie die jeweilige Gebrauchsfunktion in der mittelalterlichen Gesellschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Kernfrage ist, ob die untersuchten literarischen Kleinformen als eigenständige Gattungen gelten können und inwiefern sich ihre Funktionen und Merkmale überschneiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin oder der Autor wählt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der auf der Analyse von Begriffsdefinitionen, historischen Überlieferungen und der Interpretation ausgewählter Primärtexte basiert.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Spruch, dem Sprichwort sowie den drei Sonderformen Priamel, Quodlibet und Klopfan unter Berücksichtigung ihrer historischen Kontexte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Zu den prägenden Begriffen gehören Literarische Kleinformen, Mittelalter, Gattungstheorie, Sprichwortforschung und die spezifische Terminologie der behandelten Kleinformen.
Was unterscheidet das Priamel von anderen Kleinformen?
Das Priamel zeichnet sich durch den Aufbau in einer hinführenden Beispielkette und eine abschließende Pointe aus, die eine Lehre oder Weisheit aufdeckt.
Welche Bedeutung hat das Quodlibet?
Das Quodlibet ist eine humoristische Kleinform, deren Komik aus der bewussten Verknüpfung von thematisch unzusammenhängenden Elementen resultiert.
Was versteht man unter dem Klopfanspruch?
Der Klopfanspruch ist eine Form von Sprüchen, die traditionell in der Klopfnacht zur Neujahrsbegrüßung oder als Orakel vorgetragen wurden.
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- Bachelor of Arts Britta Wehen (Author), 2007, Das Sprichwort und der Spruch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129770