Die vorliegende Studie wurde in der Schmerzambulanz der Universität Magdeburg durchgeführt. Dabei wurde von bisher zwei durch die Krankenkassen akzeptierten medizinischen Indikationen für Cannabis ausgegangen. Diese sind spastische Schmerzen bei Multipler Sklerose sowie Kachexie bei Tumor. Kritisch wird beleuchtet, dass in der klinischen Realität 50 Indikationen behandelt werden. Außerdem wird hinterfragt, dass Cannabis auch dann verabreicht wird, wenn Ärzte in der Therapie nicht weiter wissen.
Die Arbeit fußt auf Anfragen bei Krankenkassen, der Ärzte- sowie Apothekerkammer des Landes Sachsen-Anhalt sowie einer Literaturrecherche im Internet zum Zeitpunkt Februar 2021. Zur Frage der Suchtentwicklung unter Cannabis wurden Daten der Schmerzambulanz ab 2018 zur Cannabis- und Opioidverordnung einander gegenübergestellt. Ergänzt wird die Studie durch ein Interview mit den Ärzten der Schmerzambulanz der Universität Magdeburg.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Allgemeines
1.2 Cannabis in Deutschland
1.3 Fragestellung
2. Material und Methoden
2.1 Datenerhebung
2.1.1 Die Datengewinnung zu Cannabis erfolgte auf 3 Arten:
2.1.2 Bezugsgröße
2.2 Ethik
2.3 Ein- und Ausschlusskriterien Cannabisartikel
3. Ergebnisse
4. Diskussion
4.1 Ergebnisse
4.2 Methodenkritik
4.3 Ergebniskritik
4.3.1 Gebrauch auf Seiten der Ärzte
4.3.2 Gebrauch auf Seiten der Patienten
4.3.3 Sucht
4.4 Zukunftsaussicht
5. Zusammenfassung und Beantwortung der Fragen
6. Literatur
7. Anhang
7.1 Btm-Rezeptaufbau
7.2 Zubereitung Dronabinol
7.3 Tab.1: Verordnungen von (starken) Opioiden
7.4 Tab.2: Cannabisblüten: THC-/CBD-Gehalte der Cannabisblüten des niederländischen Herstellers Bedrocan
7.5 Tab.3: Übersicht Vergleich Opioide zu Cannabis [Grotenhermen und Häußermann 2019]
7.6 Tab. 4: Rang der verordneten starken Opioide in der Schmerzambulanz der Uni Magdeburg
7.7 Interview mit den beiden Ärzten der Schmerzambulanz der Uni Magdeburg, (C = Interviewer, Uni = Schmerzambulanzärzte)
7.8 Tab 5.: Cannabis und Opioide Verordnungen laut GKV
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die medizinische Verwendung von Cannabis im Vergleich zu Opioiden, um auf einer sachlichen Grundlage den Nutzen und potenzielle Suchtrisiken in der Schmerztherapie zu bewerten und einordnen zu können.
- Vergleichende Analyse von Cannabis und Opioiden in der Medizin
- Untersuchung von Indikationsstellungen und Verordnungshäufigkeiten
- Risikobewertung hinsichtlich Suchtentwicklung und Missbrauch
- Evaluation der Rolle von Cannabis als Lückenbüßer bei fehlenden Therapiekonzepten
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Gebrauch auf Seiten der Ärzte
Gebrauch in der Medizin meint hier die Verwendung durch Ärzte – streng nach „Leitlinie“. Schon diese Gruppe ist nicht homogen:
a) Streng nach „Leitlinie“:
Wie in der Einleitung beschrieben, verwenden viele Ärzte Cannabis wegen der Indikationen, bei denen in allgemeiner Übereinstimmung innerhalb der Ärzteschaft eine gute Wirksamkeit von Cannabis besteht: Kachexie, Spastik bei MS und Übelkeit.
b) Weitere Indikationen darüber hinaus:
Darüber hinaus gibt es aber noch mindestens 40 andere Indikationen, bei denen Ärzte den Einsatz von Cannabis versuchen. Daher werden bisher 40% der Anträge abgelehnt (laut MdK Sachsen-Anhalt, mündliche Information): die begründende Diagnose ist zu banal oder es bestehen bereits andere Therapien.
c) Lückenbüßer
Cannabis wird verwendet für Indikationen, die vor allem gemeinsam haben, dass bisher nicht die entscheidende Therapie gefunden wurde (Schmerz nach Schlaganfall, Fibromyalgiesyndrom). Oder aber sie sind dem behandelnden Arzt entweder nicht bekannt (s. Interview, Anhang 7) oder nicht geläufig. (Psychopharmaka bei Polyneuropathie). Bei neuropathischen Schmerzen besteht bei vielen Ärzten die Neigung nur mit Opioiden zu behandeln (s. Interview, Anhang 7). Doch lassen sich Neuropathien viel besser mit Psychopharmaka behandeln. So ergab das Interview mit den Ärzten der Schmerzambulanz, dass Ärzte in und um Magdeburg statt Psychopharmaka nur Opioide oder Medikamente wie Ibuprofen geben, damit nicht weiterkommen und nun Cannabis dem Patienten empfehlen. Der MdK bestätigte diesen Eindruck der Schmerzambulanz (s. Interview, Anhang 7).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Führt in das Thema medizinischer Cannabis ein, erläutert die rechtliche und historische Einordnung in Deutschland und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Material und Methoden: Beschreibt das Vorgehen der Datenerhebung durch Krankenkassendaten, Experteninterviews und Fachliteratur sowie die Festlegung von Ein- und Ausschlusskriterien.
3. Ergebnisse: Präsentiert die quantitativen Daten zu Cannabisanträgen und Opioidverordnungen und vergleicht diese miteinander.
4. Diskussion: Analysiert kritisch die ärztliche Verschreibungspraxis, den Einsatz von Cannabis als "Lückenbüßer" und thematisiert Suchtrisiken sowie gesundheitliche Gefahren.
5. Zusammenfassung und Beantwortung der Fragen: Synthetisiert die Ergebnisse der Arbeit und gibt direkte Antworten auf die eingangs formulierten Forschungsfragen.
6. Literatur: Listet die verwendeten Quellen, Fachbücher und statistischen Datengrundlagen auf.
7. Anhang: Enthält ergänzende Dokumente, Tabellen, Abbildungen und das vollständige Interview mit den Ärzten der Schmerzambulanz.
Schlüsselwörter
Cannabis, Medizin, Opioide, Schmerztherapie, Kachexie, MS, Suchtpotenzial, Indikation, Leitlinie, Dronabinol, Cannabisblüten, Patientenversorgung, Schmerzambulanz, Verschreibungspraxis, Versorgungsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der medizinischen Anwendung von Cannabis im Vergleich zur Opioidtherapie in Deutschland und untersucht kritisch den Nutzen sowie die Risiken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die Indikationsbereiche für Cannabis, die Analyse von Verordnungszahlen im Vergleich zu Opioiden sowie die Frage, ob Cannabis sachgerecht oder teilweise als "Lückenbüßer" verordnet wird.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die medizinische Cannabistherapie auf eine sicherere Grundlage zu stellen und zu klären, unter welchen Bedingungen sie sinnvoll ist und wo Gefahren entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Form der Versorgungsforschung, die Daten von Krankenkassen, Experteninterviews mit Ärzten der Schmerzambulanz und Fachliteratur systematisch auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Material und Methoden, die Darstellung der Ergebnisse zu Verordnungshäufigkeiten sowie eine ausführliche Diskussion der ärztlichen Praxis und Patientenrisiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Cannabis, medizinische Verwendung, Opioide, Schmerztherapie, Suchtpotenzial, Kachexie und Indikationsstellung.
Warum betrachten die Autoren den Einsatz von Cannabis bei Nervenschmerzen kritisch?
Die Autoren weisen darauf hin, dass Nervenschmerzen oft besser mit anderen Medikamenten wie Psychopharmaka behandelbar sind und Cannabis hier oft unkritisch als Ersatzmittel eingesetzt wird.
Was unterscheidet Cannabisblüten von Fertigarzneimitteln in der medizinischen Anwendung?
Fertigarzneimittel sind präzise dosierbar, während bei Cannabisblüten keine konstante Wirkstoffkonzentration garantiert ist und die Dosierung oft durch den Patienten selbst erfolgt.
Welche Schlussfolgerung zieht das Experteninterview für die Zukunft?
Die Schmerzmediziner betonen eine nüchterne, unvoreingenommene Betrachtung und fordern eine sehr strenge Indikationsstellung, um Missbrauch und Suchtentwicklungen ähnlich wie bei Opioiden zu vermeiden.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2021, Cannabis in der medizinischen Verwendung. Nutzen und Schaden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1297714