„Die [Deutsche] Bank war immer mit den Mächtigen verbunden und wurde damit selbst zu einem Teil der Macht. Besonders fatal wurde diese Verbindung in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur .“
Dieses Zitat bescheinigt in sehr anschaulicher Weise, dass es in der Zeit des „Dritten Reiches“ nicht nur darum ging, möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften, sondern vielmehr den wirtschaftlichen wie politischen Einfluss zu stärken, und dies mit den Mächtigen der damaligen Zeit in Deutschland – den Nazis.
Doch wie war das Verhältnis der Bankiers zur NS-Führungselite in Wirklichkeit bestellt? Wurden die Verbrechen und Gräueltaten der selbst erkorenen „braunen Herrenrasse“ stillschweigend geduldet und mit den finanziellen Mitteln der Deutschen Bank gar mitfinanziert, oder gab es unter den Führungspersönlichkeiten des traditionsreichen Bankhauses auch Menschen, die nicht nur Reichtum, Machtausbau und persönliches Prestige trieb? Um Licht in das verborgene Dunkel zu bringen, will ich mich mit der Persönlichkeit des größten deutschen Bankhauses schlechthin näher beschäftigen und diese hinsichtlich ihrer Funktion, ihrer Nähe zur NS – Führungsriege oder auch potentiellen Mitschuld am Geschehenen betrachten – Hermann Josef Abs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Hermann Josef Abs und der Aufstieg im Bankwesen
2.2 Die Rolle von Abs und der Deutschen Bank im NS-Regime
2.3 Arisierung und wirtschaftliche Expansion
2.4 Verhältnis zur nationalsozialistischen Führungselite
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Deutschen Bank, insbesondere repräsentiert durch die Führungspersönlichkeit Hermann Josef Abs, und dem nationalsozialistischen Regime, mit dem Ziel, die Verflechtungen von wirtschaftlicher Machtausübung und politischer Kollaboration im „Dritten Reich“ kritisch zu beleuchten.
- Die persönliche Rolle von Hermann Josef Abs als Bankier im NS-Staat
- Die Beteiligung der Deutschen Bank an Enteignungsprozessen (Arisierung)
- Das taktische Beziehungsgeflecht zu NS-Größen wie Hermann Göring und Walther Funk
- Die Motivation hinter der wirtschaftlichen Expansion und Kriegsinvestitionen
- Die Nachkriegsentlastung und das Image des Bankhauses in der historischen Rückschau
Auszug aus dem Buch
Die Rolle von Hermann Josef Abs im Nationalsozialismus
Wer heute an die Deutsche Bank denkt, dem ist durchaus bewusst, dass es sich bei den Führungspersönlichkeiten meist um altgediente wie bewährte Mitarbeiter handeln muss, die sich in einem mehr oder weniger langen Prozess bis an die Spitze oder hier bis zur Führungselite hervorgearbeitet haben. Dass dies nicht immer so war, zeigt sich an einem ganz besonderen Beispiel. Als im Jahre 1937 der Chef der Auslandsabteilung der Deutschen Bank, Gustav Schlieper, starb, wurde der junge aufstrebende Privatbankier Hermann Josef Abs auf Drängen von Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht als Nachfolger dieses wichtigen Postens berufen. Abs, der eben Teilhaber der Delbrück-Schickler-Bank in Berlin gewesen war, wurde in den 8-köpfigen Vorstand und damit ins Haus der Deutschen Bank geholt. Der dynamische Jungbankier galt als gewandt, strahlte Bescheidenheit und Seriosität aus und verstand es geradezu meisterhaft, faschistisches Vokabular dort einzusetzen, wo es notwendig und angebracht war - um Geld zu machen und Einfluss zu erlangen. Im Gegensatz zu den Vorstandsmitgliedern der Dresdner Bank, die ausnahmslos in SA-Uniformen auftraten, zog Abs zivile Kleidung sowie smarte Umgangsformen vor, die ihn schnell aus der Masse der Vorstandsriege hervorstechen ließen.
Wer nun aber denkt, dass es sich bei Hermann Josef Abs um einen tadellosen Bankier handelt, welcher womöglich eigene Interessen hinten anstellt und im Sinne des Gemeinwohls handelt, der irrt. Sicher ist, dass Abs seine Macht und seinen persönlichen Einfluss stetig vergrößern konnte und somit dann auch in der Elite der Finanzwelt eine bedeutendere Rolle einnahm. Gleichzeitig konnte er damit ebenfalls den Einfluss seines Hauses, der Deutschen Bank, steigern. Dass er dafür auch oft über fragwürdige Entscheidungen wegsah und stillschweigend duldete, statt zu handeln, zeigt sich an mehreren Beispielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der engen Verflechtung der Deutschen Bank mit den NS-Machthabern ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Rolle von Hermann Josef Abs vor.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert den Aufstieg von Abs, seine aktive Beteiligung an "Arisierungs"-Prozessen und seine taktisch geprägten Verbindungen zur NS-Führungselite zur Maximierung wirtschaftlicher Gewinne.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Abs ein opportunistischer Taktiker war, der seine Machtposition ohne ideologische Überzeugung, aber mit kalkulierter Rücksichtslosigkeit ausbaute und nach dem Krieg erfolgreich Schadensbegrenzung betrieb.
Schlüsselwörter
Deutsche Bank, Hermann Josef Abs, Nationalsozialismus, Arisierung, NS-Führungselite, Wirtschaftsgeschichte, Drittes Reich, Kollaboration, Hjalmar Schacht, Hermann Göring, Walther Funk, Kriegsfinanzierung, Machtausbau, Opportunismus, Entnazifizierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von hochrangigen Führungspersönlichkeiten der Deutschen Bank, primär Hermann Josef Abs, zur nationalsozialistischen Führungselite und deren wirtschaftliches Agieren im "Dritten Reich".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themenbereiche der wirtschaftlichen Expansion während des NS-Regimes, die Arisierung jüdischen Besitzes und die persönlichen Machtstrategien von Hermann Josef Abs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Grad der Verstrickung des Bankhauses und seines Vorstandsmitglieds Abs in die Verbrechen des NS-Regimes aufzuzeigen und dabei zwischen rein wirtschaftlichem Interesse und politischer Nähe zu unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Fallstudie, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur basiert, um die Rolle einzelner Akteure im historischen Kontext zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Aufstieg von Abs, die Übernahme jüdischer Bankhäuser, seine Kontakte zu NS-Größen wie Göring und Funk sowie die Nachkriegsentlastung des Bankiers detailliert besprochen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören die Deutsche Bank, Hermann Josef Abs, Arisierung, NS-Kollaboration, Machtökonomie und die Aufarbeitung nach 1945.
Wie unterschied sich Abs von den SA-Bankiers der Dresdner Bank?
Abs setzte bewusst auf zivile Kleidung und smarte Umgangsformen, um Seriosität und Bodenständigkeit zu vermitteln, während andere Bankiers offen in SA-Uniformen auftraten.
War Hermann Josef Abs ein überzeugter Nationalsozialist?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass Abs primär ein geschickter Taktiker war, der die politische Nähe zum NS-Regime ausschließlich zur Förderung seiner eigenen Macht und der des Bankhauses nutzte.
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- Roman Behrens (Author), 2008, Führungspersönlichkeiten der Deutschen Bank und das Verhältnis zur NS-Führungselite, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129794