Führungspersönlichkeiten der Deutschen Bank und das Verhältnis zur NS-Führungselite


Essay, 2008

7 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

„Die [Deutsche] Bank war immer mit den Mächtigen verbunden und wurde damit selbst zu einem Teil der Macht. Besonders fatal wurde diese Verbindung in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur[1].“

Dieses Zitat bescheinigt in sehr anschaulicher Weise, dass es in der Zeit des „Dritten Reiches“ nicht nur darum ging, möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften, sondern vielmehr den wirtschaftlichen wie politischen Einfluss zu stärken, und dies mit den Mächtigen der damaligen Zeit in Deutschland – den Nazis.

Doch wie war das Verhältnis der Bankiers zur NS-Führungselite in Wirklichkeit bestellt? Wurden die Verbrechen und Gräueltaten der selbst erkorenen „braunen Herrenrasse“ stillschweigend geduldet und mit den finanziellen Mitteln der Deutschen Bank gar mitfinanziert, oder gab es unter den Führungspersönlichkeiten des traditionsreichen Bankhauses auch Menschen, die nicht nur Reichtum, Machtausbau und persönliches Prestige trieb? Um Licht in das verborgene Dunkel zu bringen, will ich mich mit der Persönlichkeit des größten deutschen Bankhauses schlechthin näher beschäftigen und diese hinsichtlich ihrer Funktion, ihrer Nähe zur NS – Führungsriege oder auch potentiellen Mitschuld am Geschehenen betrachten – Hermann Josef Abs.

Wer heute an die Deutsche Bank denkt, dem ist durchaus bewusst, dass es sich bei den Führungspersönlichkeiten meist um altgediente wie bewährte Mitarbeiter handeln muss, die sich in einem mehr oder weniger langen Prozess bis an die Spitze oder hier bis zur Führungselite hervorgearbeitet haben. Dass dies nicht immer so war, zeigt sich an einem ganz besonderen Beispiel. Als im Jahre 1937 der Chef der Auslandsabteilung der Deutschen Bank, Gustav Schlieper, starb, wurde der junge aufstrebende Privatbankier Hermann Josef Abs auf Drängen von Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht als Nachfolger dieses wichtigen Postens berufen. Abs, der eben Teilhaber der Delbrück-Schickler-Bank in Berlin gewesen war, wurde in den 8-köpfigen Vorstand und damit ins Haus der Deutschen Bank geholt. Der dynamische Jungbankier galt als gewandt, strahlte Bescheidenheit und Seriosität aus und verstand es geradezu meisterhaft, faschistisches Vokabular dort einzusetzen, wo es notwendig und angebracht war - um Geld zu machen und Einfluss zu erlangen. Im Gegensatz zu den Vorstandsmitgliedern der Dresdner Bank, die ausnahmslos in SA-Uniformen auftraten, zog Abs zivile Kleidung sowie smarte Umgangsformen vor, die ihn schnell aus der Masse der Vorstandsriege hervorstechen ließen.

Wer nun aber denkt, dass es sich bei Hermann Josef Abs um einen tadellosen Bankier handelt, welcher womöglich eigene Interessen hinten anstellt und im Sinne des Gemeinwohls handelt, der irrt. Sicher ist, dass Abs seine Macht und seinen persönlichen Einfluss stetig vergrößern konnte und somit dann auch in der Elite der Finanzwelt eine bedeutendere Rolle einnahm. Gleichzeitig konnte er damit ebenfalls den Einfluss seines Hauses, der Deutschen Bank, steigern. Dass er dafür auch oft über fragwürdige Entscheidungen wegsah und stillschweigend duldete, statt zu handeln, zeigt sich an mehreren Beispielen.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle der Begriff der „Arisierung“. Dahinter verbirgt sich die von den Nazis und ihren Kollaborateuren unbarmherzig betriebene Praxis der „Entjudung“, nämlich der radikalen Enteignung von jüdischem Besitz und der zwangsweisen Entfernung von jüdischen Mitarbeitern aus deutschen Firmen. Auch Abs nahm an diesem Prozess der Enteignung teil, indem er großen Anteil daran hatte, dass beispielsweise die „Böhmische-Union-Bank“ mit seinen Sudetenfilialen übernommen wurden, und alle jüdischen Angestellten die Bank verlassen mussten. Ferner wurden im Vorfeld des 2. Weltkrieges in den Jahren 1937/1938 konkrete Gespräche zwischen Abs und den Vorständen der „Österreichischen Creditanstalt – Wiener Bankverein“ bezüglich einer Beteiligung bzw. Kooperation geführt, die aber später in eine Übernahme mündeten. Abs setzte seine internationalen Erfahrungen ein, um der Deutschen Bank und dadurch der deutschen Wirtschaft weiteres Kapital zu beschaffen, das später zur Finanzierung des Krieges genutzt wurde. Wenn vielleicht der Eindruck entstehen mag, dass dieser smarte Bankier ein überzeugter Nationalsozialist oder gar ein Antisemit gewesen sei, ist dies jedoch falsch. Er war vielmehr ein typischer Bankier, der seine Aufgabe lediglich darin sah, aus jeder sich nur bietenden Gelegenheit Profit zu schlagen. Doch ganz anders als seine Kollegen war er dabei unglaublich trickreich und talentiert. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass er die Übernahme des jüdischen Kapitals nicht als Raub erschienen ließ, sondern als „Hilfe für Bedrängte“. Er erschien den vom Faschismus bedrohten Juden allein schon aufgrund seiner Herkunft aus einfachen Verhältnissen, seriös genug, damit man ihm und damit der Deutschen Bank sein Kapital anvertrauen konnte. Dieses Bild, welches er in der Öffentlichkeit besaß, verschaffte ihm das Vertrauen der Menschen, und anders als beispielsweise die „braunen SA-Bankiers“ der Dresdner Bank repräsentierte er eine Bank, die im 19. Jahrhundert gegründet wurde und sich somit ihrer Seriosität und Bodenständigkeit im Volk rühmen konnte.

[...]


[1] Schwarz, Friedhelm: Die Deutsche Bank. Riese auf tönernen Füßen, Frankfurt a.M. 2003, S. 17f.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Führungspersönlichkeiten der Deutschen Bank und das Verhältnis zur NS-Führungselite
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
7
Katalognummer
V129794
ISBN (eBook)
9783640349562
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalsozialismus, Deutsche Bank, Regime, Führungselite, Bankier, Banker, Hitler, NS, Geld, Macht, Hermann Josef Abs, Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, Adolf Hitler, Hermann Göring, Baldur von Schierach, Joachim von Ribbentropp, Duce, Nazi, Deutschland
Arbeit zitieren
Roman Behrens (Autor), 2008, Führungspersönlichkeiten der Deutschen Bank und das Verhältnis zur NS-Führungselite, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129794

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