Diese Hausarbeit behandelt das Thema „Theoretische Modelle der Angst“ und öffnet ein breites wissenschaftliches Feld, welches in seinem ganzen Umfang den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde und in ihr daher auch nicht erfasst werden kann. Ich möchte mich deshalb auf einige Angsttheorien beschränken, die mir wichtig erscheinen und lediglich die Grundzüge der Angsttheorien ausführen.
Diese Hausarbeit soll einen Überblick geben, was Angst eigentlich ist, wie Angst wissenschaftlich definiert wird, wie Angst entsteht, welche Formen der Angst auftreten können und wie diese analysiert werden können.
Die von mir zusammengefassten Theorien beziehen sich auf überwiegend psychische Prozesse, die bei der Angstentstehung stattfinden. Ihre Analyse soll mir helfen psychische Vorgänge der Angst zu verstehen, um sie in meiner späteren Arbeit als Lehrerin reflektieren zu können. Zu Anfang meiner Ausführungen gebe ich einen groben Überblick darüber, was man unter Angst versteht, welche Forschungsansätze es zu diesem Gebiet gibt und welche Angstzustände unterschieden werden (2. Was ist Angst?). Im Hauptteil meiner Arbeit
(3. Theoretische Modelle der Angst) sollen ausgewählte Angsttheorien herausgestellt und differenziert werden. Dabei soll einerseits die Unterschiedlichkeit der Ansätze in ihren Erklärungen gezeigt werden, andererseits sollen die Theorien in einen Zusammenhang gebracht werden. Dazu gehe ich insbesondere auf die Rolle der Emotionen im Zusammenhang mit der Angstauslösung ein, der Psychoanalyse der Angst nach Freud, den Konditionierungsmodellen (lerntheoretische Überlegungen) und den kognitiven Angsttheorien.
Der abschließende Teil dieser Arbeit geht der Frage nach, ob es einen bestimmten Persönlichkeitstyp gibt, der besonders dazu neigt, Angst zu empfinden und ob es einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Angstneigungen gibt und wie dieser begründet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Angst?
3. Theoretische Modelle der Angst
3.1. Emotionspsychologie der Angst
3.2. Psychoanalytische Theorien
3.3. Lernpsychologische Theorien
3.4. Kognitive Angsttheorien
4. Schlussteil: Persönlichkeitstheorien
Welche Rolle spielen Persönlichkeitsmerkmale bei der Angstentstehung?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und Modelle zur Entstehung und Wirkung von Angst, mit dem primären Ziel, psychische Prozesse der Angst für die spätere pädagogische Arbeit zu reflektieren und besser zu verstehen.
- Grundlagen der wissenschaftlichen Angstdefinition
- Einfluss von Emotionen auf Informationsverarbeitung und Leistung
- Psychoanalytische Ansätze der Angstentstehung (z. B. nach Freud)
- Lerntheoretische Modelle (klassisches und operantes Konditionieren)
- Kognitive Theorien zum Kontrollverlust
- Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Angstdisposition
Auszug aus dem Buch
3.1. Emotionspsychologie der Angst
Psychologen bezeichnen Emotionen als „komplexe, aus mehreren Komponenten bestehende psychobiologische Phänomene (…), die sich in Gefühlen, Gedanken und Handlungstendenzen ausdrücken (…)“ (Strian. Angst. Grundlagen und Klinik. Springer, 1983). Äußerlich sind Emotionen durch Reaktionen eines Individuums gekennzeichnet. Auch das Beurteilen, Verarbeiten und Wahrnehmen von Informationen spiegelt sich in Emotionen wieder. Demnach folgt auf jede erhaltene Information, eine Reaktion, die mit Gefühlen verbunden ist. Das Individuum nimmt eine Information aus seiner Umwelt wahr und beurteilt diese.
Dementsprechend erfolgt eine affektive Reaktion. Informationen werden als gut, schlecht, angenehm oder bedrohlich eingeschätzt und gleichzeitig werden auch ihre Konsequenzen eingestuft und beurteilt. Nach Arnolds kognitiv- motivationaler Emotionstheorie, schafft das Individuum eine Verbindung zwischen einer Situation und dem entsprechenden Verhalten. Zajonc betont in seiner Emotionstheorie, dass Emotionen selbst dann ausgelöst werden können, wenn die Objekte oder Situationen, die Angst auslösen, noch nicht bekannt sind. Das heißt, es bedarf zunächst keiner rationalen inhaltlichen Interpretation, um Emotionen auszulösen: „Bei affektiv bestimmten Entscheidungen fehlten (…) häufig vorausgehende rationale Überlegungen oder diese wurden nur sekundär und im Nachhinein zur Rechtfertigung affektiv feststehender Urteile vorgenommen.“ (Strian. Angst. Grundlagen und Klinik. Springer, 1983. S. 2). Bevor also rationale Überlegungen entstehen, haben sich emotionale Urteile bereits gebildet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über verschiedene psychologische Angsttheorien, um für die spätere Tätigkeit als Lehrkraft ein tieferes Verständnis für psychische Prozesse bei der Angstentstehung zu entwickeln.
2. Was ist Angst?: Dieses Kapitel definiert Angst als einen Gefühlszustand bei bedrohlichen, nicht bewältigbaren Situationen und unterscheidet zwischen Angst als Zustand und Angst als Disposition.
3. Theoretische Modelle der Angst: Dieser Hauptteil differenziert zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Erklärungsansätzen, wobei Zusammenhänge zwischen Emotionen, Trieben, Lernerfahrungen und kognitiven Prozessen aufgezeigt werden.
3.1. Emotionspsychologie der Angst: Untersuchung der Rolle von Emotionen bei der Informationsverarbeitung und die Auswirkung von Angst auf kognitive Leistungen und Leistungsblockaden.
3.2. Psychoanalytische Theorien: Analyse der Angstentstehung durch die psychoanalytische Perspektive nach Freud, insbesondere unter Berücksichtigung frühkindlicher Bindungserfahrungen.
3.3. Lernpsychologische Theorien: Beleuchtung der Angstentstehung durch klassische und operante Konditionierung sowie deren Bedeutung für Vermeidungsverhalten.
3.4. Kognitive Angsttheorien: Darstellung der sozial-kognitiven Lerntheorie nach Bandura, mit Fokus auf Kontrollverlust und die subjektive Einschätzung von Handlungskompetenzen.
4. Schlussteil: Persönlichkeitstheorien: Untersuchung der Frage, inwiefern Persönlichkeitsmerkmale und spezifische Dispositionen die Entstehung und Häufigkeit von Angst beeinflussen.
Schlüsselwörter
Angst, Angstforschung, Emotionen, Psychoanalyse, Klassische Konditionierung, Operante Konditionierung, Kognitive Angsttheorien, Angstzustand, Angstdisposition, Persönlichkeitsmerkmale, Ängstlichkeit, Stressbewältigung, Kontrollverlust, Psychologie, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen wissenschaftlichen Überblick über verschiedene theoretische Modelle zur Angstentstehung und deren psychologische Fundierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Angstmodellen, darunter emotionspsychologische, psychoanalytische, lerntheoretische und kognitive Erklärungsansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, verschiedene Angsttheorien zu erläutern und in einen Zusammenhang zu bringen, um psychische Vorgänge bei der Entstehung von Angst für die pädagogische Praxis besser reflektieren zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene psychologische Standardwerke und Ansätze zusammenfasst und miteinander in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden spezifisch die Emotionspsychologie der Angst, Freuds psychoanalytische Theorien, lerntheoretische Konditionierungsmodelle sowie Banduras kognitive Angsttheorien detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Angst, Angstforschung, Konditionierung, kognitive Prozesse, Persönlichkeitsmerkmale, Ängstlichkeit und psychische Dispositionsformen.
Worin liegt laut Bandura die Ursache für das Entstehen von Angst?
Bandura sieht den entscheidenden Faktor im wahrgenommenen Kontrollverlust über eine Situation, wobei die subjektive Einschätzung der eigenen Handlungskompetenz als ausschlaggebend gilt.
Wie unterscheiden sich „Angst als Zustand“ und „Angst als Disposition“?
Die „Angst als Zustand“ beschreibt ein temporäres Gefühl der Sorge bei akuter Bedrohung, während „Angst als Disposition“ ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal bezeichnet, das die generelle Neigung zu ängstlichem Verhalten in Situationen beschreibt.
Welche Rolle spielt die psychoanalytische Theorie nach Freud für die Angst?
Freud fokussiert insbesondere auf die frühkindliche Mutter-Kind-Bindung, wobei der Verlust der Bezugsperson oder das Fehlen von Schutz als prototypische Angsterfahrung betrachtet wird, die spätere Angstneigungen prägt.
- Arbeit zitieren
- Liwia Kolodziej (Autor:in), 2005, Theoretische Modelle der Angst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129819