Kreuzigung und Tod Jesu im Markusevangelium


Quellenexegese, 2008

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Kontextanalyse

2. Formanalyse

3. Synoptischer Vergleich
3.1 Der Vergleich mit Matthäus
3.2 Der Vergleich mit Lukas

4. Historische Rekonstruktion

5. Interpretation: Sach- und Motivanalyse

1. Kontextanalyse

Das Markusevangelium lässt sich in drei Haupteile gliedern.[1] Im ersten Teil des Evangeliums (Mk 1,1- 8, 26) werden Jesu Wirken, Verkündigung und vor allem seine von Gott gegebene Heilsmacht (Wundergeschichten, Heilungen, Dämonenaustreibungen, Sündenvergebungen) beschrieben. Im zweiten Teil (Mk 8, 27- 10, 52) erzählt das Evangelium von Jesu Weg nach Jerusalem, seinem Passionsweg. Dieser Abschnitt enthält die drei Leidensankündigungen Jesu, in denen Jesus seinen Jüngern seinen bevorstehenden Tod und die Auferstehung verheißt und sie zur Leidensnachfolge aufruft (Mk 8, 31; 9, 31; 10, 32- 34). Diese Abschnitte (u.a.) verdeutlichen, dass die Erzählungen des Evangeliums und alles in ihnen Geschilderte direkt auf die Kreuzigung und den Tod Jesu zusteuern und dass das Markusevangelium in dieser Erzählung seinen Höhepunkt findet.[2] Dem Leser des Evangeliums wird somit schnell klar, dass sich Jesus unmittelbar auf dem Weg zum Leiden befindet. Die Leidensankündigungen spielen darauf an, noch bevor die eigentliche Passionsgeschichte beginnt. Die ersten beiden Hauptteile des Markusevangeliums können als Makrokontext von Mk 15, 20b- 41, der Erzählung von Kreuzigung und Tod Jesu, betrachtet werden.

Die eigentliche Passionsgeschichte beginnt im dritten Hauptteil (Mk 14,1- 16,8) mit dem Beschluss des Hohen Rates zur Tötung Jesu und endet mit der Auferstehung Jesu von den Toten. Die hier zu untersuchende Passionserzählung Mk 15, 20b-41 ist Teil der gesamten Passionsgeschichte und zugleich ihr Höhepunkt, da sich in ihr das ereignet, was zuvor vorausgesagt worden ist: Jesus wird schließlich gekreuzigt und stirbt am Kreuz. Der dritte Hauptteil des Markusevangeliums bildet somit den engeren Kontext (Mikrokontext) für den Kreuzigungs- und Todesbericht nach Markus.

Diesem Text gehen im engeren Kontext die Erzählungen vom Judasverrat (Mk 14, 10-11), vom Letzen Abendmahl (Mk 14, 17-25), vom Gang zum Ölberg (Mk 14, 26- 31), von der Gefangennahme, dem Verhör vor dem Hohen Rat und die Verleugnung durch Petrus (Mk 14, 43- 72) voraus. Die unmittelbare Nachbarschaft des Kreuzigungs- und Todesberichtes bilden- nach vorne hin- die Verhandlung vor Pilatus (Mk 15, 1-15) und die Verspottung Jesu durch die Soldaten (Verse 16- 20a) und nach hinten das Begräbnis Jesu (Verse 42-47). Das Markusevangelium endet mit der Auffindung des leeren Grabes und mit Hinweisen auf Erscheinungen des Auferstandenen (Mk16, 1-8). In der nachträglichen Evangelien-überlieferung wird zudem noch von der Erscheinung des Auferstandenen berichtet (Mk 16, 9-20).

Inhaltlich lässt sich der Abschnitt Mk 15, 20b- 41 wie folgt von seinen Nachbartexten abgrenzen: Vers 20b leitet einen Szene- und Ortswechsel bzw. einen Handlungswechsel ein: „Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen“ (Mk 15, 20b). Zuvor wurde Jesus im Palast von den Soldaten verspottet, nun wird allerdings deutlich, dass die Kreuzigung unmittelbar bevorsteht. Jesus begibt sich nun auf den Weg zum Kreuz, das Verheißene bricht unwiderruflich an. Allerdings darf der Kontext nicht völlig außer Acht gelassen werden: Die Soldaten werden in Vers 20b nicht noch einmal vorgestellt- ihre Kenntnis wird vorausgesetzt. Vers 20b entwickelt zwar eine eigene Dynamik (unmittelbares Bevorstehen der Kreuzigung), spielt aber auf den vorangegangenen Abschnitt an, so dass beide Perikopen nicht völlig voneinander getrennt betrachtet werden können. Die Abgrenzung des Textes vollzieht sich also zunächst auf der Handlungsebene.

Mk 15, 20b- 41 erzählt von einer in sich abgeschlossenen Handlung, nämlich vom Weg zum Kreuz, der Kreuzigung und dem Tod Jesu. Betont, abgerundet und zusammengehalten wird der Bericht durch genaue Stundenangaben, die sich so im engeren Kontext nicht feststellen lassen: „Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.“ (Vers 25), „Als die sechste Stunde kam…“ (Vers 33), „…bis zur neunten Stunde“ (Vers 33).

Die Verse 42- 47 setzen wahrscheinlich erst am nächsten Tag ein („Da es Rüsttag war“, Vers 42) und stellen Josef von Arimathäa vor, der Pilatus um den Leichnam Jesu bittet und diesen anschließend begräbt.

Im theologischen Sinne ist der Tod Jesu natürlich keine in sich abgeschlossene Handlung, so dass erst durch die in Mk 16 erzählte Erwartung des Auferstandenen, der Tod Jesu an Bedeutung gewinnt und deshalb bzw. erst dann zum Höhepunkt des Markusevangeliums wird.

Es bleibt festzuhalten, dass trotz eines Versuchs der Abgrenzung des Kreuzigungs- und Todesberichts des Markus von seinem Kontext, der Text eben Teil einer (Passions-) Geschichte bleibt, die auf chronologische, aufeinander aufbauende Ereignisse angewiesen ist. Zwar lassen sich die Verse 20b- 41 durch Zeit-, Ort- und Handlungswechsel vom engeren Kontext abgrenzen, sind aber durch ihre Anspielungen auf vorangegangene Texte fest in den Gesamtkontext der Passionsgeschichte eingebettet und können auch nur von ihr her verstanden werden. Die Aufschrift mit dem Titel „Der König der Juden“, welche als Zeichen der Verspottung an Jesu Kreuz geschlagen wird, spielt z.B. auf Pilatus´ Frage an: „Bist du der König der Juden?“ und Jesus antwortet: „Du sagst es.“ (Mk 15, 2).[3] Außerdem spielt die Passionserzählung des Markus auf zahlreiche alttestamentliche Texte und Prophezeiungen an: „Denn nicht nur das Ganze des Geschehens steht im Licht alttestamentlicher Verheißung, die sich jetzt erfüllt, auch in den Einzelheiten erwachen Aussagen der Propheten und Psalmisten. So ist der Text durchsetzt mit Anspielungen und Zitaten aus dem AT.“.[4] Als ein Beispiel hierfür kann ein Zitat der Psalmen für das Leiden Jesu gelten: „Ich bin ein Wurm und kein Mensch, von den Menschen verspottet, von den Leuten verachtet“ (Ps 22,7).

Auch der Todesschrei Jesu am Kreuz („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Mk 15, 34) entspricht den Klageliedern der Psalmen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?“ (Ps 22,2).

2. Formanalyse

Mk 15, 20b- 41 lässt sich in drei Sinnabschnitte teilen: Der Weg zum Kreuz (Verse 20b- 23), die Kreuzigung (Verse 24- 32) und der Tod Jesu (Verse 33- 41). Ab Vers 24 wird ein Einschnitt gemacht, da das „Und sie kreuzigten ihn“ eine neue aktive Handlung impliziert. Während die vorangegangenen Verse 20b- 23 direkt auf die Kreuzigung abzielen, vollzieht sie sich schließlich ab Vers 24. Ab Vers 33 ist das Thema der Kreuzigung abgeschlossen und der Tod Jesu steht im Mittelpunkt der Erzählung.

Die Verse 20b- 23 berichten von dem Kreuzesweg Jesu. Vers 20b greift zwei Personalpronomina zur Bezeichnung von den Soldaten („sie“) und für Jesus („ihn“) auf. Wie in der Kontextanalyse schon erwähnt, wird hier vorausgesetzt, dass diese Personen bekannt sind. Dadurch greift Vers 20b vorangegangene Verse auf. Zum einen Vers 16, in dem die Rede von den Soldaten ist und der Leser das „sie“ somit identifizieren kann. Zum anderen Vers 15 in dem Pilatus den Befehl gibt, Jesus zu kreuzigen.

Vers 21 erzählt, dass ein Mann- Symon aus Kyrene- Jesu Kreuz tragen soll. Auffällig ist, dass der Erzähler diesem Symon von Kyrene relativ viel Aufmerksamkeit schenkt. Es verwundert, dass er ausführlich vorgestellt wird in Relation mit der sonstigen Straffheit des Textes. Die Leser erfahren, 1. dass er grade vorbeigeht, 2. dass er vom Feld kommt und 3. dass er zwei Kinder hat, die auch noch mit Namen vorgestellt werden. Scheinbar hat dieser Symon eine besondere Bedeutung (s. Interpretation).

[...]


[1] Schnelle, U.: Einleitung in das Neue Testament. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, 2002⁴, S. 248f

[2] Schlier, H.: Die Markuspassion. Johannes Verlag, Einsiedeln. 1974, S. 8f.

[3] Schlier 1974, S. 75

[4] ebd., S. 72

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kreuzigung und Tod Jesu im Markusevangelium
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Einführung in die Exegese
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V129826
ISBN (eBook)
9783640392452
ISBN (Buch)
9783640392605
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreuzigung, Jesu, Markusevangelium
Arbeit zitieren
Liwia Kolodziej (Autor), 2008, Kreuzigung und Tod Jesu im Markusevangelium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129826

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