Der ästhetische Kunstbegriff – Drei Worte und doch so undefinierbar, dass man ganze Bücher nur über diese Wortgruppe schreiben könnte. So hat doch wahrlich jeder Mensch eine andere Wahrnehmung von Ästhetik und darüber hinaus auch von Kunst. Was ist schön? Was ist Ästhetik? Und wie nehmen wir Menschen die Ästhetik wahr? Bedeutet, was ist für uns Menschen ästhetisch? Viele haben versucht diese Fragen zu beantworten, so auch der deutsche Philosoph Wolfgang Welsch, der, um den Begriff der Ästhetik zu erklären, noch einen ganz neuen Begriff eingeführt hat, die Anästhetik. In seinem Werk „Ästhetisches Denken“ von 1990 thematisiert er die Bedeutung und den Nutzen der Ästhetik und erklärt den modernen Wandel in seine Anästhetik. Diese Arbeit soll erklären, was genau die Bedeutung der Ästhetik und Anästhetik laut Welsch ist. Zur Hilfe und Bestätigung der Theorie „Anästhetik“ wird das Werk „Abendstern“ von Micha Ullman analysiert und die Merkmale Welschs auf das Werk angewendet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anästhetischer Kunstbegriff
2.1. Die wahre Ästhetik
2.2. Der Anästhetische Teil der Kunst
2.3. Hinter dem Vorhang der Anästhetik
3. Abendstern
3.1. Anästhetischer Bildhauer
3.2. Der Abendstern im Erdboden
3.3. Ein Hauch von Anästhetik
4. Vergleichbare Werke
4.1. Abendstern und Neumond
4.2. Eine Fontäne aus Anästhetik
4.3. Verborgene Tiefe
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den von Wolfgang Welsch geprägten Begriff der "Anästhetik" und analysiert dessen Präsenz sowie Bedeutung anhand des Kunstwerks "Abendstern" von Micha Ullman. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie anästhetische Kunst als kritische Reaktion auf die zunehmende Ästhetisierung unserer Lebenswelt fungiert und welche Rolle die bewusste Unsichtbarkeit oder Verborgenheit in solchen Werken spielt.
- Theoretische Fundierung der Begriffe "Ästhetik" und "Anästhetik" nach Wolfgang Welsch.
- Detaillierte Analyse des Werks "Abendstern" als anästhetisches Kunstobjekt.
- Vergleichende Betrachtung mit weiteren Werken (z.B. "Neumond", "Fountain", "Vertikaler Erdkilometer").
- Kritische Reflexion der Rolle des Betrachters bei nicht-visuell dominierter Kunst.
- Untersuchung der künstlerischen Intention hinter dem Stilmittel der Anästhetik.
Auszug aus dem Buch
Der Anästhetische Teil der Kunst
Anders als bei der Ästhetik steht die Anästhetik für die Aufhebung der Sinnhaftigkeit und Empfindungsfähigkeit. Die Anästhetik steht also für den Verlust und die Unterbindung und Unmöglichkeit jener Sensibilitäten, welche in der Ästhetik eine so große Rolle spielen, sie ist also quasi die Kehrseite der Ästhetik. Dabei gibt es sehr wichtige Dinge zu beachten: Die Anästhetik hat nichts mit Anti-Ästhetik, Un-Ästhetik oder Nicht-Ästhetik zutun! Dies sind weitere Disziplinen der Ästhetik, welche jedoch nicht in das ästhetische Denken gehören. Um die Umstände zu erklären nutze ich hierbei einmal beispielsweise die Frontsicht auf ein Einfamilienhaus: Die Anti-Ästhetik steht für den Verwurf sämtlicher Merkmale der Ästhetik, also für die Egalität sämtlicher ästhetischer Einflüsse, im Beispiel bedeutet dies, dass die Hauswand nicht gestrichen wurde und das Haus so belebt wird, wie es ist: Nur in der unveränderten Farbe der Baumaterialien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das breite Themenfeld der Ästhetik ein und stellt Wolfgang Welschs Konzept der Anästhetik als theoretische Grundlage vor, welches anhand des Werks "Abendstern" von Micha Ullman praktisch untersucht werden soll.
2. Anästhetischer Kunstbegriff: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Ästhetik und Anästhetik und grenzt die Anästhetik von verwandten, aber eigenständigen Konzepten wie der Anti- oder Un-Ästhetik ab.
3. Abendstern: Hier erfolgt eine ausführliche Vorstellung des Künstlers Micha Ullman und eine spezifische Analyse seines Werks "Abendstern" hinsichtlich seiner versteckten, anästhetischen Qualität im öffentlichen Raum.
4. Vergleichbare Werke: In diesem Teil werden Parallelen zu anderen anästhetischen Kunstwerken wie dem "Neumond", Duchamps "Fountain" und dem "Vertikalen Erdkilometer" gezogen, um die Relevanz der Anästhetik im Kunstkontext zu unterstreichen.
5. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass die Anästhetik eine notwendige, interpretative Herausforderung in einer zunehmend überästhetisierten Welt darstellt.
Schlüsselwörter
Ästhetik, Anästhetik, Wolfgang Welsch, Micha Ullman, Abendstern, Ästhetisierung, Kunsttheorie, Anästhesie, Neumond, Marcel Duchamp, Fountain, Walter De Maria, Vertikaler Erdkilometer, Interpretationsspielraum, Zeitgenössische Kunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Verhältnis von Kunst und Wahrnehmung in einer Zeit, in der die Welt zunehmend ästhetisiert wird, und untersucht dabei den von Wolfgang Welsch geprägten Begriff der Anästhetik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung der Anästhetik, die Analyse des spezifischen Kunstwerks "Abendstern" und der Vergleich mit anderen anästhetischen Werken der Kunstgeschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedeutung der Anästhetik als Stilmittel kritisch zu hinterfragen und zu verdeutlichen, wie Künstler durch bewusste Anästhetisierung eine Gegenposition zum oberflächlichen Konsumverhalten einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch das Werk von Wolfgang Welsch ("Ästhetisches Denken") und wendet diese Theorie in Form einer Fallanalyse auf das Werk von Micha Ullman an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen als auch die praktische Analyse von "Abendstern" durchgeführt sowie Vergleiche mit Werken von Künstlern wie Marcel Duchamp und Walter De Maria angestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ästhetik, Anästhetik, Ästhetisierung, Micha Ullman, Wolfgang Welsch sowie der Begriff der "Readymades" im Kontext der künstlerischen Bewegung.
Welche besondere Bedeutung hat das Loch im Gehweg bei "Abendstern"?
Das Loch dient an sonnigen Tagen als Sonnenuhr und spiegelt an regnerischen Tagen den Nachthimmel wider, was die Ironie verdeutlicht, dass das gesamte Universum in einem kleinen, unauffälligen Loch in Stuttgart präsent ist.
Warum ist der "Vertikale Erdkilometer" ein anästhetisches Werk?
Weil das Werk für den Betrachter an der Oberfläche kaum als Kunstwerk erkennbar ist und eine verborgene, nicht visuell unmittelbar erfahrbare Tiefe besitzt, was den Kern der anästhetischen Intention trifft.
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- Anonym (Author), 2019, Der Sinn und die Bedeutung der "Anästhetik" nach Welsch am Beispiel des Werks "Abendstern" von Micha Ullman, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1298304