Der Schriftspracherwerb im mehrsprachigen Kontext: Texterschließung, Textverstehen und Textproduktion


Referat (Ausarbeitung), 2009

13 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Zweitspracherwerb
2.1 Entwicklung des Faches Deutsch als Zweitsprache
2.2 Probleme beim Zweitspracherwerb
2.3 Konsequenzen

3. Lernziele der interkulturellen Didaktik
3.1 Lese- / Textkompetenz
3.2 Schlussfolgerungen für den Unterricht

4. Fazit / Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Vorbemerkung

Diese Arbeit befasst sich mit der Betrachtung des Zweitspracherwerbs in der Schule und den mit dem Zweitspracherwerb verbundenen Problemen. Unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung der Spracherwerbsforschung im mehrsprachigen Kontext werden des Weiteren mögliche Lösungen und Konzepte dargestellt, die für die Problemfelder Zweitspracherwerb und Textkompetenz obligat erscheinen.

Der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die die Schule ohne erreichten Abschluss verlassen ist höher, als der von Jugendlichen mit Deutsch als Erstsprache .[1] Der Anteil der Auszubildenden ist im Vergleich gesehen geringer als ihr Anteil an der Altersgruppe. Anfang des Jahrtausends wurde von annähernd 50 % der Kinder mit anderer Erstsprache als Deutsch die elementare Kompetenzstufe 1 im Lesen nicht erreicht.[2]

„Während nur knapp 15 % der deutschen Kinder und Jugendlichen eine Hauptschule besuchten, waren es bei den ausländischen über 40 %. Fast die Hälfte der Deutschen (45 %) besuchte ein Gymnasium; bei den ausländischen Schülerinnen und Schülern war dies nur jede/-r Fünfte (21 %).“[3]

Beim Vergleich der PISA-Ergebnisse 2001 und 2006 sowie den Berichten der Migrationsbeauftragten der Bundesregierung 2003 und 2007 zeigt sich, dass sich in den letzten Jahren nur eine sehr geringfügige Verbesserung der Situation von Kindern mit Zuwanderungshintergrund ergab.[4] Diese Problematik lässt den eminent großen Zusammenhang zwischen Zweitspracherwerb und erfolgreicher Teilhabe am Bildungssystem und damit zwangsläufig am gesellschaftlichen Leben erkennen. Der Anteil von Kindern mit mindestens einem Elternteil mit Zuwanderungshintergrund stieg vor allem in Ballungsräumen rapide an und wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung noch weiter erhöhen. Die Bemühungen um eine Verbesserung der Bildungschancen sind verknüpft mit der

Fähigkeit, Chancengleichheit im Bildungssystem zu ermöglichen. Die Förderung der Sprachkompetenz, insbesondere beim Zweitspracherwerb, spielt dabei zentrale Rolle.

2. Zweitspracherwerb

Es ist zu beobachten, dass die Bildungserfolge zweisprachiger Jugendlicher mit einer anderen Erstsprache als Deutsch generell geringer sind, als die ihrer deutschen Altersgenossen ohne Zweitsprachigkeit. Wesentliche Ursache für diese Problematik sind dabei nicht ausreichende oder gar mangelhafte Sprachfertigkeiten in der Zweitsprache Deutsch. Diese führen zur Beeinträchtigung des Lernerfolges in nahezu allen Bildungsbereichen. Immense Sprachdefizite sind allerdings nicht nur bei solchen Jugendlichen zu beobachten, die nach Zuwanderung nur einige wenige Jahre zur Schule gingen. Es sind vor allem solche Jugendliche, so genannte Bildungsinländer, die häufig bereits vor der Einschulung ihre Kindheit in Deutschland verbrachten und die Schule lange Jahre besuchten. Es zeigt sich dabei, dass langjähriger Kontakt mit Sprechern der Mehrheitssprache und langjähriger Schulbesuch nicht automatisch dazu führen, dass die Zweitsprache Deutsch erfolgreich erlernt werden kann. Der Zweitspracherwerb unterliegt komplexen soziolinguistischen und soziokulturellen Mechanismen, die sich meist eher nachteilig auswirken, als dass sie förderlich sind.

2.1 Entwicklung des Faches Deutsch als Zweitsprache

Bis Mitte der 1970er Jahre wurden die sprachlichen Defizite der Zuwanderer und deren Kinder nicht als Problem angesehen. Vielmehr wurde davon ausgegangen, dass die als Gastarbeiter nach dem Krieg ins Land geholten Ausländer Deutschland wieder verlassen würden. Der Begriff Gastarbeiter wurde dabei wörtlich genommen: Die Gäste würden irgendwann ihre Koffer packen und abreisen. Dieses so genannte „Kofferdenken“ machte ein eine konkrete Didaktik für Deutsch als Zweitsprache weitgehend unnötig. Kindern von diesen Zuwanderern der 1. Generation wurden, sofern sie zur Schule gingen, in gleicher Form beschult, wie die Kinder Deutscher Eltern. „Im Zweitsprachenunterricht für Migrantenkinder verfuhr man anfangs nach Prinzipien des muttersprachlichen Deutschunterrichts.“[5]

Der Erwerb der deutschen Sprache fand somit im Wesentlichen audiolingual „auf der Straße“ statt. Die zunehmenden Probleme der Zuwanderer, sich im Alltag zu verständigen sowie die enormen sprachlichen Mängel der Minderheitenkinder in den Schulen, führten zu einem Umdenken. Um die Kinder in das deutsche Schulwesen zu integrieren, wurde eine Ausweitung des Lehrangebotes notwendig, welches auf die speziellen Schwierigkeiten der sich an den Schulen befindenden Zuwandererkinder zugeschnitten werden sollte. Anders als Fremdsprachenlerner, mussten diese die Befähigung des alltäglichen Gebrauchs der Sprache auch außerhalb der Schule erlangen. Die Forderung nach gesellschaftlicher und sprachlicher Integration führte zu einem mehr handlungsorientierten und kommunikativen Sprachunterricht. Die Alltagsbewältigung und damit die Teilhabe an der Gesellschaft rückten in den Vordergrund der didaktischen Überlegungen. Die Bedeutung der Ausgangssprache wurde als wichtiger Baustein beim Zweitspracherwerb anerkannt. Das Erkennen von Unterschieden im sprachstrukturellen Vergleich zwischen Erst- und Zweitsprache war Teil der über den kommunikativen Faktor hinausgehenden kognitiven Konzeptionen.[6] Seitdem wird beim Zweitspracherwerb die Kombination aus der Aneignung von Kommunikationsbefähigung (Sprache im Alltag nutzen können) und dem Erlernen von Regelwissen (Sprachstrukturen verstehen) als kommunikatives und kognitives Lehrverfahren verwendet. In den 1990er Jahren kam man zu der Überzeugung, dass beim Erwerb der deutschen Sprache als Zweitsprache soziokulturelle Hintergründe der Lernenden Beachtung finden müssen. Kulturspezifische Unterschiede in der Wahrnehmung von „Sprache“ rückten ebenso in den Fokus, wie die Betrachtung der sozialen Umstände, die für den Spracherwerb ebenfalls eine Rolle spielen.

2.2 Probleme beim Zweitspracherwerb

Wird die Zweitsprache auf natürlichem Wege erlernt, entstehen Defizite, da keine systematisch vermittelten Lernprozesse zum Erwerb grammatischer Strukturen und zur Einführung in die Schriftsprache stattfinden. Dabei wird auf Schreibgewohnheiten zurückgegriffen, die in der Erstsprache, und dort häufig bereits falsch, erworben wurden und ins Deutsche übertragen werden. In Vorbereitungsklassen wird zwar der mündliche Sprachgebrauch erlernt, jedoch werden oft nicht intensiv genug die für den späteren Schriftspracherwerb zwingend erforderlichen Grundkenntnisse vermittelt.

Die basalen sprachstrukturellen Kenntnisse, die bei Kindern mit deutschsprachigem Elternhaus quasi „automatisch“ erlernt werden, fehlen bei Kindern mit nicht-deutschsprachigem Elternhaus ganz oder teilweise. Auf Grund dieser Situation werden Defizite in der Schriftsprache von Schülern mit Deutsch als Zweitsprache auf eine Lernbehinderung zurückgeführt. Abweichungen von der hochsprachlichen Norm in Texten von Schülern sind meist systematisch und könnten durch gezielten Unterricht verbessert werden. Leider werden diese systematischen Abweichungen von den Lehrern meist nicht richtig erkannt und gedeutet. Außerdem stehen ihnen kaum theoretische Konzepte oder gezielte Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Das Erkennen solcher Systematiken stellt eine wichtige Funktion für Unterricht in DaF beziehungsweise DaZ dar. Die häufig noch nach „altem“ Muster ausgebildeten Lehrer und Lehrerinnen der Primar- wie auch der Sekundarstufe I können systembedingt oft nur schwer diese Problematik erkennen und gezielt nach individuellen Lösungen suchen.

[...]


[1] Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.): 7. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, Berlin 2007, S.43

[2] Deutsches PISA-Konsortium (Hrsg.): PISA 2000. Die Länder der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich . Opladen 2001, S.376

[3] Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.): 7. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, Berlin 2007, S.43

[4] Ebd., S.43ff

[5] Horn, Dieter/Tumat, Alfred J. (2003): Deutsch als Zweitsprache für nichtmuttersprachliche Lerner. In: Lange, Günter/Neumann, Karl/Ziesenis, Werner (Hrsg.): Taschenbuch des Deutschunterrichts. Bd.1., Baltmannsweiler 2003, S. 349

[6] Ebd., S.350

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Schriftspracherwerb im mehrsprachigen Kontext: Texterschließung, Textverstehen und Textproduktion
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Fachbereich A: Germanistik)
Veranstaltung
Deutsch als Zweitsprache
Note
1,0
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V129895
ISBN (eBook)
9783640406524
ISBN (Buch)
9783640406845
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit befasst sich mit der Betrachtung des Zweitspracherwerbs in der Schule und den mit dem Zweitspracherwerb verbundenen Problemen. Unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung der Spracherwerbsforschung im mehrsprachigen Kontext werden des Weiteren mögliche Lösungen und Konzepte dargestellt, die für die Problemfelder Zweitspracherwerb und Textkompetenz obligat erscheinen.
Schlagworte
Schriftspracherwerb, Kontext, Texterschließung, Textverstehen, Textproduktion
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Anonym, 2009, Der Schriftspracherwerb im mehrsprachigen Kontext: Texterschließung, Textverstehen und Textproduktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129895

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