1. Vorbemerkung
Diese Arbeit befasst sich mit der Betrachtung des Zweitspracherwerbs in der Schule und den mit dem Zweitspracherwerb verbundenen Problemen. Unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung der Spracherwerbsforschung im mehrsprachigen Kontext werden des Weiteren mögliche Lösungen und Konzepte dargestellt, die für die Problemfelder Zweitspracherwerb und Textkompetenz obligat erscheinen.
Der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die die Schule ohne erreichten Abschluss verlassen ist höher, als der von Jugendlichen mit Deutsch als Erstsprache. Der Anteil der Auszubildenden ist im Vergleich gesehen geringer als ihr Anteil an der Altersgruppe. Anfang des Jahrtausends wurde von annähernd 50 % der Kinder mit anderer Erstsprache als Deutsch die elementare Kompetenzstufe 1 im Lesen nicht erreicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Zweitspracherwerb
2.1 Entwicklung des Faches Deutsch als Zweitsprache
2.2 Probleme beim Zweitspracherwerb
2.3 Konsequenzen
3. Lernziele der interkulturellen Didaktik
3.1 Lese- / Textkompetenz
3.2 Schlussfolgerungen für den Unterricht
4. Fazit / Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen des Zweitspracherwerbs bei Schülern mit Migrationshintergrund und beleuchtet den essenziellen Zusammenhang zwischen Sprachkompetenz und gesellschaftlicher Teilhabe. Dabei wird analysiert, wie durch eine gezielte interkulturelle Didaktik sowie die Förderung von Lesekompetenz und Sprachbewusstsein der Bildungserfolg von mehrsprachigen Jugendlichen nachhaltig verbessert werden kann.
- Historische Entwicklung der DaZ-Didaktik
- Problematiken beim natürlichen vs. gesteuerten Zweitspracherwerb
- Förderung der Lesekompetenz und kognitive Verstehensprozesse
- Implementierung von Language Awareness-Konzepten im Unterricht
- Didaktische Schlussfolgerungen für den schulischen Alltag
Auszug aus dem Buch
3.1 Lese- / Textkompetenz
„Die Ausbildung von Lese- und Schreibfähigkeiten ist die zentrale Aufgabe des Unterrichts in Deutsch als Zweitsprache“. Diese „zentrale Aufgabe“ führt zu der zentralen Frage, wie diese Ausbildung konkret zu bewerkstelligen ist. Um sich die Schriftsprache anzueignen muss ein zunächst basales Lese - / Textverständnis etabliert sein. Wortbedeutungen und Muster in Struktur und Form der Sprache weichen im Bereich der Schriftsprache von denen der genutzten Alltagskommunikation ab, was unweigerlich zu teils erheblichen Frustrationen beim strukturierten Lesen führen kann. Das Erlernen von kontextbasiertem Textverständnis benötigt daher ein Vielfaches an Zeit und gestaltet sich – gerade auf Grund der festen Strukturen von geschriebenen Texten – sehr mühsam. Beim Erarbeiten und Erschließen von Texten gibt es unterschiedliche kognitive Herangehensweisen, die bei der Worterkennung und dem kontextuellen Verständnis bedeutsam erscheinen: absteigende („top down“) und aufsteigende („bottom up“) Verstehensprozesse.
Die absteigende Vorgehensweise geht von so genannten „Wissensschemata“ aus, anhand derer man die Texte mit erworbenem Wissen abgleicht, um so den weiteren Verlauf hypothetisch vorwegnimmt. Es wird nach Anhaltspunkten gesucht, die bereits erworbenes Wissen beinhalten und so die Erwartungen an den Inhalt bestätigen. Vorkenntnisse über Satzbau, Wort- und Buchstabenkombinationen, grammatische Regeln sowie Sachwissen erfüllen dabei den Zweck, leere Stellen im Text komplettieren und lassen Inhaltszusammenhänge leichter verständlich werden.
Bei aufsteigenden Verstehensprozessen müssen zur Erschließung des Textinhaltes, vor allem bei komplexen Texten, die Strukturen und Textzeichen sehr viel konzentrierter und genauer betrachtet werden, um die Gesamtbotschaft des Textes zu entschlüsseln. Dies ist vor allem bei Fremd- und Zweitsprachenlernern der Fall. Aus Mangel an o.g. Vorkenntnissen (auch kultureller Art, siehe Punkt 2.1) und sprachlicher Eingeschränktheit müssen Texte Stück für Stück erschlossen werden. Der Text an sich ist dabei meist der einzige Bezugspunkt, an dem sich der Zweitsprachenlerner orientieren kann. Wortbedeutungen und Satzbau müssen in akribischer Kleinarbeit erarbeitet und zu einem Gesamtsinn zusammengefügt werden, was gerade bei längeren Texten zu Schwierigkeiten beim Verständnis des Gesamtzusammenhanges führen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Dringlichkeit der Arbeit und zeigt die Korrelation zwischen Migrationshintergrund, Sprachdefiziten und schulischem Erfolg auf.
2. Zweitspracherwerb: Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung des Faches Deutsch als Zweitsprache und erörtert, warum der Erwerb der Zweitsprache in der Schule trotz langjährigen Aufenthalts oft problematisch verläuft.
3. Lernziele der interkulturellen Didaktik: Hier werden innovative didaktische Ansätze wie Language Awareness vorgestellt und Strategien zur gezielten Förderung der Lese- und Textkompetenz bei Zweitsprachenlernern erarbeitet.
4. Fazit / Ausblick: Der abschließende Teil fordert eine zeitgemäße Bildungsoffensive und betont die Verantwortung von Lehrkräften sowie Politik zur Integration durch Bildung.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, Deutsch als Zweitsprache, Migrationshintergrund, Schriftspracherwerb, Sprachbewusstsein, Language Awareness, Lesekompetenz, Textverständnis, Interkulturelle Didaktik, Bildungserfolg, Sprachkompetenz, kognitive Verstehensprozesse, Sprachstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik des Zweitspracherwerbs in Schulen und untersucht, wie Lehrkräfte sowie didaktische Konzepte zur Verbesserung der Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der DaZ-Didaktik, den kognitiven Prozessen beim Lesen, dem Stellenwert der Muttersprache und der Notwendigkeit einer interkulturellen Ausrichtung des Sprachunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Lösungsansätze für die Sprachdefizite von Schülern mit Zuwanderungshintergrund aufzuzeigen, um eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe und Bildungsfähigkeit zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse fachdidaktischer Literatur und aktueller Bildungsberichte, um eine fundierte Argumentation für moderne Sprachvermittlungsstrategien zu stützen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Problemen beim Zweitspracherwerb, die Einführung in interkulturelle Didaktik-Konzepte sowie die detaillierte Darstellung von Lesestrategien und Verstehensprozessen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Language Awareness, Schriftspracherwerb, Sprachreflexion, DaZ, Lesekompetenz und interkulturelle Didaktik.
Welche Rolle spielen „top down“ und „bottom up“ Prozesse beim Lesen?
Diese Prozesse beschreiben zwei kognitive Wege der Texterschließung: Während „top down“ auf vorhandenem Wissen und Schemata basiert, erfordert „bottom up“ eine kleinschrittige, konzentrierte Rekonstruktion von Sprachstrukturen und Zeichen.
Warum ist laut Autor die „Leitkultur“-Debatte in der Bildungspolitik problematisch?
Der Autor argumentiert, dass Schlagworte wie „deutsche Leitkultur“ von der Verantwortung ablenken, notwendige finanzielle und strukturelle Bildungsoffensiven ehrlich und fachlich fundiert anzugehen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2009, Der Schriftspracherwerb im mehrsprachigen Kontext: Texterschließung, Textverstehen und Textproduktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129895