In dieser Arbeit wird untersucht, inwiefern sich die Dauer von Erwerbslücken, welche durch eine Geburt verursacht werden, von jenen unterscheidet, die nicht durch eine Geburt verursacht werden. Damit soll der Einfluss der Familiengründung auf geschlechtstypische traditionelle Verhaltensmuster ausgewiesen werden. Zusätzlich soll dieser Effekt in Abhängigkeit davon untersucht werden, ob die jeweilige Frau ihre berufliche Verwirklichung durchsetzen konnte, um unter anderem zu prüfen, ob Freude an der Erwerbstätigkeit lange Erwerbslücken vermeiden und somit traditionelle Geschlechterrollen abschwächen kann.
Geschlechtsspezifische Ungleichheiten lassen sich in großem Umfang im Erwerbsleben feststellen. Vor allem Kriegs- und Zwischenkriegskohorten wurden noch mit traditionell-konservativen Leitbildern aufgezogen, welche Frauen einen Fokus auf Haushaltsführung und Kindererziehung zuschrieben. Diese Aufgabe der Erwerbstätigkeit zugunsten der Kindererziehung hatte damals sowohl als heute negative Auswirkungen unter anderem für die Karriere, Verdienste und den Ruhestand von Frauen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsstand
2.1 Dauer der Erwerbspausen von Frauen durch die Geburt eines Kindes
2.2 Selbstverwirklichung und Rückkehr zur Erwerbstätigkeit
3 Theorie
3.1 Werte, Normen und Sozialisation
3.2 Das Rollenbild der Frau und Erwerbsunterbrechungen
3.3 Theorie der sozialen Produktionsfunktionen
3.4 Kontrollvariablen
4 Daten und Operationalisierungen
5 Stichprobe
6 Methode
7 Deskriptive Ergebnisse
8 Regressionsergebnisse
8.1 Geburtseffekt
8.2 Effekt der Berufswunschverwirklichung und der Interaktion
8.3 Ergebnisdiskussion
9 Fazit
10 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Geburten auf die Dauer von Erwerbslücken bei Frauen der Geburtsjahrgänge 1919 bis 1921 und analysiert dabei, inwieweit die Realisierung berufswünschen Zusammenhänge zur Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit beeinflusst.
- Analyse geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in der Erwerbsbiografie
- Untersuchung des Einflusses von Geburten auf die Dauer von Erwerbsphasen
- Bedeutung der Berufswunschverwirklichung für die Rückkehr in den Arbeitsmarkt
- Theoretische Einordnung mittels Theorie sozialer Produktionsfunktionen
- Empirische Anwendung ereignisanalytischer Modelle auf die Deutsche Lebensverlaufsstudie
Auszug aus dem Buch
3.1 Werte, Normen und Sozialisation
Jedes Individuum wird in seiner Kindheit und Jugend in die Gesellschaft integriert, in der es zu diesem Zeitpunkt lebt (vgl. Tachtsoglu 2010, S. 29 in Anlehnung an Berger & Luckamnn 1980, s. 140). Hierfür erlebt es eine Sozialisation, indem meistens durch die Eltern entsprechende Werte und Normen weitergegeben und diese internalisiert werden (vgl. Tachtsoglu 2010, S. 29). Diese Werte und Normen können sich in spezifischen gesellschaftlichen Subkontexten etwas voneinander unterscheiden, sind aber in zentralen Punkten über alle gesellschaftlichen Subgruppen hinweg identisch. Spezifische Werte, die für die in der folgenden Analyse herangezogene Geburtskohorte galten, waren vor allem der des Autoritarismus und die sich dadurch ergebende eigene Unterwerfung und die Forderung der Unterwerfung anderer. Mit diesem Autoritarismusgedanken erwünscht waren Verhaltensweisen wie Fleiß, Ehrgeiz, Gehorsam, Disziplin und Ehrbarkeit. Dies sind alles Werte, welche mit einem starken Über- Ich und Selbstkontrolle einhergehen (vgl. Hennig 2001, S. 381). Im familiären Kontext bedeutete diese Wertestruktur die autoritär- patriarchale Stellung des Vaters und die Abhängigkeit der Mutter (vgl. ebd., S. 381). Somit standen Frauen an untergeordneter Stelle.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik geschlechtsspezifischer Erwerbsausstiege ein und begründet die Konzentration auf die traditionell geprägten Zwischenkriegsjahrgänge.
2 Forschungsstand: Das Kapitel reflektiert den aktuellen Stand zur Dauer von Erwerbspausen nach Geburten und diskutiert die Rolle der beruflichen Selbstverwirklichung.
3 Theorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen, insbesondere das traditionelle Rollenverständnis und die Theorie der sozialen Produktionsfunktionen, zur Hypothesenbildung herangezogen.
4 Daten und Operationalisierungen: Dieser Teil beschreibt die Datengrundlage der Deutschen Lebensverlaufsstudie und erläutert die Variablenkonstruktion, insbesondere der Erwerbslückendauer.
5 Stichprobe: Der Abschnitt erläutert die Auswahl der Westdeutschen Erwerbsbiografien und stellt die Stichprobenstruktur dar.
6 Methode: Es wird das ereignisanalytische Vorgehen sowie der Aufbau der Regressionsmodelle für die quantitative Untersuchung beschrieben.
7 Deskriptive Ergebnisse: Mittels Kaplan-Meier-Schätzern wird ein erster Überblick über die Erwerbslückendauern in Abhängigkeit von Geburten gegeben.
8 Regressionsergebnisse: Die Regressionsmodelle testen die Hypothesen zum Geburtseffekt und zum Einfluss der Berufswunschverwirklichung und diskutieren die Ergebnisse.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Geburten zu signifikant längeren Erwerbsunterbrechungen führen.
10 Ausblick: Der Ausblick diskutiert die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf jüngere Kohorten und benennt Potenziale für zukünftige Forschungsmodelle.
Schlüsselwörter
Erwerbslücken, Erwerbsbiografie, Geburtseffekt, Berufswunschverwirklichung, Frauen, Zwischenkriegsjahrgänge, Sozialisation, Rollenbild, Theorie sozialer Produktionsfunktionen, Ereignisanalyse, Arbeitsmarktzugang, Lebensverlaufsstudie, Erwerbstätigkeit, Familienplanung, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Studie befasst sich mit den Faktoren, die die Dauer von Erwerbspausen bei Frauen der Geburtsjahrgänge 1919 bis 1921 beeinflussen, insbesondere unter Berücksichtigung von Geburten und beruflicher Verwirklichung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft Arbeitsmarktsoziologie mit Erkenntnissen zum traditionellen Rollenverständnis, den Auswirkungen von Sozialisation und der Theorie der sozialen Produktionsfunktionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob Geburten die Dauer von Erwerbslücken verlängern und ob eine erfolgreiche Umsetzung persönlicher Berufswünsche diesen Prozess beeinflussen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt ereignisdatenanalytische Modelle sowie Kaplan-Meier-Schätzer zur Modellierung der Dauer von Erwerbsphasen auf Basis retrospektiver Paneldaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Hypothesen, die Beschreibung des Datensatzes, die methodische Vorgehensweise sowie die Darstellung und Interpretation der deskriptiven und Regressionsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Erwerbslücken, Geburtseffekt, Berufswunschverwirklichung, Lebensverlauf und traditionelle Rollenbilder.
Wie erklärt die Autorin den großen Effekt einer Geburt auf die Erwerbsdauer?
Die Autorin argumentiert, dass für die untersuchte Kohorte traditionelle Werte und die Erfüllung gesellschaftlicher Rollenbilder stark in die Kosten-Nutzen-Abwägung der Mütter eingriffen, was einen längeren Verbleib in der Erwerbspause begünstigte.
Welches Ergebnis lieferte die Analyse zur Interaktion von Berufswunsch und Geburt?
Die Hypothese, dass die Berufswunschverwirklichung die Dauer geburtsbedingter Erwerbspausen signifikant verkürzt, konnte anhand der vorliegenden Daten nicht bestätigt werden.
- Quote paper
- Sarah Engelhardt (Author), 2021, Der Einfluss von Geburten und der beruflichen Verwirklichung auf die Dauer von Erwerbslücken von Frauen. Kohortenbezogene Geschlechterungleichheiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1299510