Die Hausarbeit behandelt die Frage „Welche Gründe gibt es für die Wiederaufnahme und Beständigkeit des Nationalradikalen Lagers in Polen?“, im Hinblick auf die Zwischenkriegszeit in Polen und der Herausbildung einer politisch Rechten Szene. Im Fokus steht der Machtkampf der Oppositionellen Jozef Pilsudski und Roman Dmowski, sowie dessen politisches Wirken und den Auswirkungen auf moderne politische Strömungen in Polen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Hauptteil
2.1 Der Einfluss Dmowski`s auf das Nationalradikale Lager der 1930er Jahre
2.2 Die Neugründung im Jahre 1993: ONR 2.0?
2.3 Die Wichtigkeit der polnischen Unabhängigkeit
3. Fazit
4. Quellen und Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und die moderne Beständigkeit des rechtsextremen „Nationalradikalen Lagers“ (ONR) in Polen sowie dessen ideologische Verwurzelung im Denken des Politikers Roman Dmowski.
- Historischer Kontext der nationalistischen Strömungen in der Zweiten Polnischen Republik (1926-1939).
- Analyse der ideologischen Kontinuität und des Einflusses von Roman Dmowski auf die heutige Rechte.
- Die Transformation und Neugründung des ONR nach 1993 im Kontext der EU-Integration Polens.
- Die Rolle der politischen Polarisierung, der PiS-Partei und des Einflusses der katholischen Kirche.
- Vergleichende Betrachtung der gesellschaftlichen Identitätskrise in den 1930er Jahren und der Gegenwart.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Einfluss Dmowski`s auf das Nationalradikale Lager der 1930er Jahre
Das Nationalradikale Lager (Folgenden bezeichnet als: ONR für Obóz Narodowo-Radykalny), war eine nationalistische, rechtsextreme, antikommunistische und antisemitische polnische Partei, die im Jahre 1934 gegründet wurde (Holzer 1977: 406). Gründer der Partei, waren ehemalige Mitglieder des Großpolnischen Lagers (Gräfe 2001:810). Diese Opposition kämpfte in den 1930er Jahren, unter Führung des Politikers Roman Dmowski`s gegen die polnische Regierung und das Sanacja-Regime um den Marschall Jozef Pilsudski (Gräfe 2001: 809ff.). Sowohl die Mitglieder des Großpolnischen Lagers als auch später der ONR, waren Anhänger:innen der Bewegung Nationale Demokratie (auch genannt: Endecja), dessen Begründer abermals Roman Dmowski war (Gräfe 2001: 810f.). Die Anhänger:innen setzte sich zu einem Großteil aus jungen Polen zusammen.
Die Motive für ihre Anhängerschaft an Dmowskis Ideologie waren vielfältig. Durch die politischen Unsicherheiten, Instabilität der Wirtschaft, sowie gesellschaftliche Spannungen und die noch offene Frage über den Kurs der zweiten polnischen Republik, kam es gerade unter der jungen polnischen Bevölkerung zu Unmut (Wynot 1971: 1036f.) (Krzywiec 2010: 560f.). Die ungeklärte Identitätsfrage, was und wer „polnisch“ ist, beeinflusste die junge Generation und bot in den Ansichten der Endecja-Bewegungen Antworten (Krzywiec 2010: 561) (Wynot 1971: 1036). Die Ansichten beruhten auf der Ideologie des Gründungsvaters Roman Dmowski, der sich für einen ethnisch-einheitlichen polnischen Staat einsetzte (Morawiec 2012: 413f.). Zu seinen Zielen gehörte die Polonisierung der umliegenden Gebiete wie Belarus oder der Ukraine aber auch die Zurückgewinnung der westlichen Gebiete, die nach Dmowski „germanisiert“ wurden und ursprünglich Polen zugehörig seien (Morawiec 2012: 413ff.) (Gräfe 2001: 806). Im Fokus standen dabei die Gebiete um Ost- und Westpreußen als auch Teile Schlesiens (Gräfe 2001: 808f.). Dmowski ersah Polen, die polnische Kultur, Sprache und Traditionen; kurzum „das Polentum“ in Gefahr, durch die Einflüsse der Westmächte aber auch durch Minderheiten im Inneren (Gnauck 2018: 37f.). Seine Ideologie gründete auf dem Konzept eines Einheitsstaates, welches die Größe und Erhabenheit Polens gegenüber anderen Nationen verdeutlichen sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Spaltung in Polen und verortet die Untersuchung des Nationalradikalen Lagers im historischen Kontext der 1930er Jahre.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert die historische Ideologie von Roman Dmowski, die Entstehung des ONR in den 1930er Jahren sowie dessen Wiedererstarken und gesellschaftliche Integration nach 1993.
2.1 Der Einfluss Dmowski`s auf das Nationalradikale Lager der 1930er Jahre: Darstellung der Gründung des ONR, der nationalistischen Ideologie des „Polentums“ und der Ablehnung von Minderheiten durch die Endecja-Bewegung.
2.2 Die Neugründung im Jahre 1993: ONR 2.0?: Untersuchung der Reaktivierung rechtsextremer Organisationen nach dem Zerfall der Sowjetunion als Reaktion auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Identitätskrisen.
2.3 Die Wichtigkeit der polnischen Unabhängigkeit: Analyse des polnischen Unabhängigkeitstages 11. November als Schnittpunkt zwischen patriotischem Gedenken und der rassistischen Ideologie rechtsextremer Gruppierungen.
3. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass der heutige Rechtsruck durch eine Mischung aus historischen Ängsten, mangelnder Aufarbeitung der Vergangenheit und politischer Unterstützung der regierenden Kräfte befeuert wird.
4. Quellen und Literatur: Auflistung der verwendeten Literatur, Internetquellen und wissenschaftlichen Analysen.
Schlüsselwörter
Nationalradikales Lager, ONR, Roman Dmowski, polnischer Nationalismus, Rechtsextremismus, Zweite Polnische Republik, Identitätskrise, PiS-Partei, katholische Kirche, Antisemitismus, Patriotismus, gesellschaftliche Spaltung, Osteuropa, politische Geschichte, Minderheiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische und moderne Struktur des "Nationalradikalen Lagers" (ONR) in Polen und untersucht, wie nationalistische Ideologien aus den 1930er Jahren bis heute überdauern konnten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zu den Schwerpunkten zählen die Ideologie von Roman Dmowski, die politische Identitätssuche Polens zwischen Ost und West sowie der aktuelle Einfluss rechtsextremer Gruppierungen auf die heutige polnische Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung sucht nach den Gründen für die Wiederaufnahme und Beständigkeit des Nationalradikalen Lagers in Polen und fragt danach, inwieweit diese Ansichten im heutigen Polen als legitim wahrgenommen werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie zeitgeschichtliche Ereignisse der 1930er Jahre mit aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen kontrastiert und Parallelen herausarbeitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der historischen Wurzeln unter Dmowski, die Transformation des ONR nach 1993 sowie eine vergleichende Untersuchung des Umgangs mit Unabhängigkeit, Patriotismus und Minderheiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalradikales Lager, Roman Dmowski, Identitätskrise, Rechtsextremismus, ethnischer Nationalismus sowie das Verhältnis der polnischen Bevölkerung zu Tradition und Moderne.
Welche Rolle spielt die PiS-Partei für das ONR?
Die PiS-Partei fungiert laut der Arbeit als Unterstützerin, die rechtsextreme Inhalte in den Mainstream integriert und durch patriotische Rhetorik legitimiert, was dem ONR politischen Rückhalt verschafft.
Warum ist der 11. November für die Analyse so wichtig?
Der polnische Unabhängigkeitstag dient als Fallbeispiel für die Verschiebung der Grenzen zwischen Patriotismus und Nationalismus, da an diesem Tag ideologische Spannungen und radikale Strömungen besonders sichtbar werden.
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- Liza Colak (Autor), 2022, Polen in der Zwischenkriegszeit. Der Einfluss der politischen Rechten Szene seit 1930 bis heute, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1300517