Die Wahlerfolge der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD). Die Modernisierungsverlierertheorie als Erklärungsansatz?


Akademische Arbeit, 2018

14 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Modernisierungsverlierertheorie nach Tim Spier

3 Einordnung der Partei „AfD“ als populistisch

4 Methodisches Vorgehen

5 Die AfD und die Modernisierungstheorie
5.1 Volkszentrismus und Antielitismus
5.2 Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen
5.3 Der populistische Moment

6 Antwort auf die Fragestellung

7 Schluss

I. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit ihrer Gründung im Jahr 2013 ist die junge Partei „Alternative für Deutschland“ weder aus der Medien-, noch aus der Parteienlandschaft wieder wegzudenken. Sie polarisiert, spaltet und fährt nach und nach beachtliche Wahlerfolge ein. Seit 2018 ist die Partei in jedem der 16 Landtage der Bundesrepublik vertreten. Auch bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2017 konnte die Partei ein zweistelliges Ergebnis erzielen und somit 94 Sitze im deutschen Bundestag einnehmen. Doch was macht diese Partei so schnell derart erfolgreich? Dieser Frage möchte ich in dieser Arbeit nachgehen, in dem ich versuche zu beantworten, ob die Wahlerfolge der AfD in den vergangenen Jahren durch die Modernisierungsverlierertheorie von Tim Spier erklärt werden können. Dazu werde ich zuerst diesen eben erläuterten Erklärungsansatz für die Wahlerfolge populistischer Parteien präsentieren. Gefolgt wird diese theoretische Grundlage von der Einordnung der in dieser Arbeit behandelten Partei AfD als populistisch. Weiter werden einige der in der theoretischen Grundlage angesprochenen Merkmale für die Erklärung von Wahlerfolgen populistischer Parteien angeführt und in Hinblick auf die AfD untersucht. Abschließend folgt eine Antwort auf die Forschungsfrage sowie ein kurzer Schlussteil.

2 Die Modernisierungsverlierertheorie nach Tim Spier

Populismus kann in den unterschiedlichsten Ausprägungen erscheinen. Auch wenn das den meisten Menschen bekannteste politische Phänomen des Populismus der Rechtspopulismus sein mag, welchem vor allem von den Medien viel Aufmerksamkeit gewidmet und deshalb vermehrt in gesellschaftliche Diskussionen eingeschleust wird, kann Populismus die unterschiedlichsten Formen annehmen. Aufgrund dieser Unterschiedlichkeit des Populismus ist es kein Leichtes dieses Phänomen als Ganzes zu untersuchen.

Gesucht wurde deshalb ein Erklärungsansatz, der die Gemeinsamkeiten verschiedenen populistischer Erscheinungen betont, und nicht die Unterschiede, um ausgehend von diesen Gemeinsamkeiten den Erfolg populistischer Parteien zu erklären. Tim Spier gelingt es mit seiner Modernisierungsverlierertheorie eine Theorie zu formulieren, die auf die unterschiedlichsten Ausprägungsformen des Populismus anwendbar ist.

In dieser Theorie der Modernisierungsverlierer ist es für Tim Spier zunächst von besonderer Bedeutung den Begriff der Modernisierung zu definieren. Dazu verwendet er diesen als analytischen, inhaltlich leeren Begriff, der verschiedene Formen und Ausprägungen annehmen kann (vgl. Spier 2006, S. 34- 35) und versteht darunter „ […] nichts anderes als eine Entwicklung einer Gesellschaft von einem älteren Zustand in einen neuen.“ (Spier 2006, S. 34)

Wenn eine Gesellschaft sich derart schnell entwickelt, dass vor allem für einige Teile der Bevölkerung in kurzer Zeit drastische Veränderungen eintreten, führt dies dazu, dass diese Bevölkerungsgruppen verunsichert und unzufrieden zurückgelassen werden (vgl. Spier 2006, S. 35). Fühlen sich diese Menschen dann von den etablierten Parteien nicht genug beachtet, kann dies dazu führen, dass aus der zunächst allgemeinen Unzufriedenheit über die soziale Situation schließlich politische Unzufriedenheit wird. „Hier entsteht das, was heute allgemein unter dem Schlagwort ‚Politikverdrossenheit‘ diskutiert wird – eine pauschale Unzufriedenheit mit der Politik und den Politikern mit ihren vermeintlich „leeren“ Versprechungen.“ (Spier 2006, S. 36) Tim Spier bezeichnet diese Menschen als „Verlierer“ der Modernisierungsprozesse. Für gewöhnlich sind dies die Teile der Bevölkerung, die von dem Wandel in negativer Weise betroffen sind und zudem nicht dazu in der Lage zu sein scheinen sich ohne weiteres an die Veränderungen anzupassen (vgl. Spier 2006, S. 35). Innerhalb dieser Gruppe von Menschen kommt es allerdings nicht nur zu einer politischen Unzufriedenheit, sondern vielmehr auch zu psychologischen Problemen, die aus der schlechten sozialen Situation dieser Menschen hervorgehen. Spier bezeichnet diesen Prozess als Entfremdung und versteht darunter „[…] einen Zustand oder einen Prozess, in dem die Beziehung zu sich selbst, zu anderen Menschen oder zu Sachen zerstört wird.“ (Spier 2006, S. 36) Die Menschen fühlen sich minderwertig und zurückgelassen, wodurch eine Art Ohnmachtsgefühl ausgelöst wird, welches von den Betroffenen versucht wird mit Groll und Wut zu kompensieren. Sie suchen sich Sündenböcke, von denen sie annehmen, dass sie die Schuld an ihrer Situation tragen.

Nach Tim Spier sind es diese Voraussetzungen, die populistischen Erscheinungen einen Nährboden bieten. Populistische Parteien zeichnen sich vor allem durch ihren Volkszentrismus und Antielitismus aus. Unter Volkszentrismus versteht man die Betrachtung des Volkes als eine homogene Masse, ohne die Berücksichtigung der unterschiedlichen und Interessen, die sich innerhalb des Volkes finden lassen. Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen werden also vollständig außen vor gelassen . „Häufig wird ‚das Volk‘ zudem durch die Populisten romantisch überhöht und ihm viele positive Eigenschaften zugeschrieben. “ (Spier 2006, S. 37) Menschen, die sich von den etablierten Parteien und der schnellen Entwicklung der Gesellschaft abgehängt fühlen, sehnen sich nach etwas, zu dem sie sich zugehörig fühlen können und nach Leidensgenossen von denen sie sich wertgeschätzt und ernst genommen fühlen. Dieser Wunsch ist es, den die meisten populistischen Parteien erfüllen, in dem sie ein homogenes, ehrliches, gutes Volk kreieren, dem die korrupte Elite gegenübersteht.

Ein weiteres Merkmal populistischer Erscheinungen ist folglich der sogenannte Antielitismus. „Die ‚Elite‘ ist in der Vorstellung der Populisten korrupt, selbstsüchtig und nur am Machterhalt orientiert.“ (Spier 2006, S. 37) Dadurch wird die Unzufriedenheit über die etablierten Parteien ausgedrückt, von denen sich die Verlierer von Modernisierungsprozessen ohnehin nicht genug beachtet fühlen.

Populistische Parteien neigen zudem dazu sich von einer bestimmten anderen Gruppe der Gesellschaft abzugrenzen. Dadurch entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, welches besonders ansprechend wirkt. Des Weiteren wird so die Suche nach einem Sündenbock für die schlechte soziale Situation der Menschen befriedigt.

Folglich sind Menschen, die sich von den Modernisierungsprozessen in der Gesellschaft zurückgelassen fühlen, nicht in der Lage sind sich schnell genug anzupassen und sich von der etablierten Politik alleine gelassen fühlen, besonders anfällig für die Mobilisierung durch populistische Parteien. „Dies ist in aller Regel erst dann der Fall, wenn sich die negativen Folgen von Modernisierungsprozessen zu einer krisenhaften Situation verdichten.“ (Spier 2006, S.38) Man bezeichnet dies als populistischen Moment.

3 Einordnung der Partei „AfD“ als populistisch

Damit es möglich ist die theoretische Grundlage in Form der Modernisierungsverlierertheorie von Tim Spier, welche auf die Erklärung von Wahlerfolgen populistischer Parteien abzielt, auf eine Untersuchung der AfD anzuwenden, muss zuerst geklärt werden, ob die AfD als eine populistische Partei angesehen werden kann. In der Literatur gab es hinsichtlich der Definition des Begriffes „Populismus“ seit Aufkommen dieses Phänomens in den 1980er Jahren starke Diskussionen. „Ein grundlegendes Problem besteht darin, dass der Begriff des Rechtspopulismus selbst lange Zeit umstritten war und sich viele Arbeiten damit befassten, wie denn nun die in den 1980er Jahren aufkommende neue Parteienfamilie in Europa zu bezeichnen sei.“ (Lewandowsky 2015 S.119) Dennoch hat sich eine Definition durchsetzen können, die eine breite Anerkennung in der Politikwissenschaft genießt. Cas Mudde definiert Populismus wie folgt:

„I define populism as an ideology that considers society to be ultimately separated into two homogeneous and antagonistic groups, ‘the pure people ’versus ‘the corrupt elite’, and which argues that politics should be an expression of the volante générale (general will) of the people. Populism, so defined, has two opposites: elitism and pluralism.” (Mudde 2004 S.548)

Für meine weitere Arbeit ist es allerdings nicht nur von großer Bedeutung den Begriff des „Populismus“ zu definieren, sondern eben auch die zu untersuchende Partei diesem Parteienspektrum zuzuordnen.

Frank Decker ordnet die Partei in seinem Text „Die ‚Alternative für Deutschland‘ aus der vergleichenden Sicht der Parteienforschung“ aus dem Sammelband „Die Alternative für Deutschland: Programmatik, Entwicklung und politische Verordnung“ eindeutig dem Spektrum des Rechtspopulismus zu.

„Der Populismus fungiert dabei als übergreifendes Scharnier. Er steht für die Anti-Establishment- Orientierung der Partei, die bereits im Namen » Alternative « zum Ausdruck kommt, und für ihren Anspruch, das einfache, also » eigentliche « Volk beziehungsweise dessen schweigende Mehrheit zu vertreten. Dafür lassen sich gerade in den Wahlkampfäußerungen der AfD zahlreiche Belege finden.“ (Decker 2016. S.11)

Die Darstellung der Partei als sowohl anti-elitär als auch volkzentriert entspricht der Definition von Populismus von Cas Mudde.

„Dass die AfD als rechts und als populistisch einzuschätzen ist, zweifelt heute kein/-e Beobachter/-in ernsthaft an.“ (Quent 2017, S. 201)

Für diese Ausarbeitung schließe ich mich diesen Wissenschaftler*innen an und gehe im weiteren Verlauf der Arbeit von der AfD als populistische Partei aus. Aufgrund dieser Annahme stelle ich die Hypothese auf, dass man mithilfe der bereits ausgeführten Modernisierungsverlierertheorie von Tim Spier die Wahlerfolge der AfD in den vergangenen Jahren erklären kann.

4 Methodisches Vorgehen

Um die drei von mir ausgewählten Punkte der Modernisierungsverlierertheorie im Hinblick auf die AfD zu untersuchen, möchte ich mir bereits durchgeführte Forschungen oder theoretische Perspektiven zu diesen Merkmalen anschauen, um die Ergebnisse dieser mit der Modernisierungsverlierertheorie von Tim Spier in Verbindung zu bringen, um schließlich eine Schlussfolgerung auf die Erklärungskraft dieser Theorie für die Wahlerfolge der AfD ziehen zu können. Aufgrund des Umfangs meiner Arbeit wird es mir nicht möglich sein mehrere Forschungen zu den einzelnen Punkten anzuführen. Folglich werde ich mit der Beantwortung meiner Fragestellung eine richtungsweisende und keine endgültige Antwort geben.

5 Die AfD und die Modernisierungstheorie

5.1 Volkszentrismus und Antielitismus

In seiner Ausarbeitung „Populismus und Modernisierung spricht Tim Spier von Volkszentrismus und Antielitismus als Gründe für den Wahlerfolg populistischer Parteien. „Dabei wird ‚das Volk‘ als eine mehr oder weniger homogene Masse betrachtet, Interessenunterschiede zwischen verschiedenen Klassen, Schichten oder Berufsgruppen der Bevölkerung werden weitgehend geleugnet“ (Spier 2006, S. 37). Diesem homogenen Volk wird dann eine „Elite“ gegenübergestellt, die korrupt und selbstsüchtig handelt und nur am Machterhalt interessiert ist (vgl. Spier 2006, S.37). Nutzt die AfD als populistische Partei diese Taktik, um Wählerstimmen für sich zu gewinnen?

Die Linguistin Heidrun Deborah Kämper veröffentliche 2017 eine Untersuchung des Grundsatzprogramms der AfD (Stand 2016) aus der Sicht der Politiklinguistik. Sie vertritt die Auffassung, dass Politik durch Sprache funktioniert und es deshalb von besonderer Bedeutung ist Grundsatzprogramme auf ihre sprachlichen Mittel und ihre Ausdrucksweise zu analysieren (Kämper 2017, S. 1)

In ihrer Analyse heißt es hinsichtlich des Untersuchungspunktes „Antielitismus“: „Die AfD inszeniert sich programmatisch als diejenige Partei, die alle vermeintlichen „Missstände“ in Politik und Gesellschaft beseitigt und Ordnung herstellt. “ (Kämper 2017, S. 4) Daraus ist zu entnehmen, dass sich die Partei als eine Alternative für derzeitig etablierte politische Eliten inszenieren möchte. Es ist also eindeutig ein Antielitismus zu vernehmen.

Betrachtet man den Punkt des Volkszentrismus, so wird sehr schnell erkennbar, dass dies eine der Grundpfeiler des Grundsatzprogramms der AfD darstellt. An mehrere Stellen ihrer Veröffentlichung macht die Autorin dies anhand von Belegen aus dem diesem Programm deutlich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Wahlerfolge der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD). Die Modernisierungsverlierertheorie als Erklärungsansatz?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,3
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V1302030
ISBN (Buch)
9783346772473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wahlerfolge, partei, alternative, deutschland, modernisierungsverlierertheorie, erklärungsansatz
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Die Wahlerfolge der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD). Die Modernisierungsverlierertheorie als Erklärungsansatz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302030

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