Hesiod: Werke und Tage

Die Stellung der einfachen Bevölkerung bei Hesiod


Seminararbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

A. Einleitung

B. Hauptteil
1. Hesiods Beschreibung bäuerlichen Lebens und des Oikos
a) Diskussion: Zu welcher Schicht gehört Hesiod selbst?
b) Beschreibung des Oikos und der bäuerliche Gesellschaft bei Hesiod
c) Diskussion: Besaßen Hesiods Oikosherren Sklaven?
d) Wirtschaftsform des Oikos
2. Beziehungen des Oikos zur Außenwelt
a) Nachbarschaftliche Beziehungen
b) Diskussion: Nachbarschaftlicher Streit als Förderer der allgemeinen Wirtschaft?
c) Beziehungen zur Polis
d) Diskussion: Wie trug die bäuerliche Schicht zur Polisbildung bei?

C. Schluss

Quellen und Literaturverzeichnis
Literatur:
Quelle:

A. Einleitung

Die Seminararbeit soll sich mit dem Werk „ Werke und Tage“ des Dichters Hesiod, der aus Boiotien, Ascra stammte, befassen. Das Werk wurde ungefähr um 700 v. Chr. geschrieben und sollte für die Bauern ein Leitfaden sein, die Notwendigkeit der Arbeit und die damit einhergehende Ordnung zu begreifen und anzuwenden. Hesiod beschreibt in seinem didaktischen Lehrgedicht Zeitgeschichte und ist auch der erste historisch erfasste Dichter der griechischen Geschichte.

Ausgangspunkt für die Erga ist ein Rechtstreit mit seinem Bruder Perses, der sich mit Hilfe „gabengefräßiger Könige“[1] einen Vorteil bei der Teilung des gemeinsamen Erbes verschaffte.

Im großem und ganzen ist das Lehrgedicht von einst für uns heute eine detaillierte Überlieferung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Griechenland des 7. vorchristlichen Jahrhunderts.[2]

Im ersten Teil der Arbeit soll diskutiert werden, zu welcher Schicht Hesiod selbst gehörte, welche Gesellschaftsschichten es allgemein gab und wie sie sich voneinander abgrenzten. Hier ist besonders der Artikel von Paul Millett weisungsgebend, erschienen in den Proceedings of the Cambridge Philogical Society 1984 mit dem Titel Hesiod and his World. Außerdem wird das Buch Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft im archaischen und klassischen Griechenland von Peter Schmitz, erschienen 2004 großen Einfluss auf das erste Kapitel haben.

Im zweiten Kapitel soll der Aufbau und die wirtschaftliche Funktion des Oikos erklärt werden. Hier soll das Inventar und die Wirtschaftsform des Oikos kurz beleuchtet werden. Ein größeres Augenmerk wird auf die Diskussion der Wissenschaftler Starr, Gordon, Hölkeskamp und Millet gelegt, ob Hesiods Ausdruck der Eris die allgemeine Wirtschaft gefördert hat. Als letzten Punkt erörtert die Arbeit die Beziehungen der Oikoi zur Polis und behandelt in einer letzten Diskussion die Frage, inwiefern die apolitische bäuerliche Schicht Boiotiens zur Polisbildung beigetragen hat. Hier wird sich auf die Thesen von Peter Spahn und Winfried Schmitz gestützt.

Im Schlussteil der Arbeit sollen die Ergebnisse noch einmal prägnant wiedergegeben werden.

Als Primärquelle für die Arbeit dient die deutsche Übersetzung der „Erga kaì Hêmérai“, Werke und Tage (...) Dieses Textstück ist die vollständige Überlieferung von Hesiods Lehrgedicht.

Einen guten Gesamtüberblick über das Thema geben der Aufsatz von Peter Spahn, Oikos und Polis, erschienen in der Historischen Zeitschrift von 1980 und das Buch „An der Polis teilhaben“ von Uwe Walter.

B. Hauptteil

1. Hesiods Beschreibung bäuerlichen Lebens und des Oikos

a) Diskussion: Zu welcher Schicht gehört Hesiod selbst?

Um über die Einteilung der Gesellschaftsschichten und den Aufbau des Oikos in der Erga sprechen zu können, muss man zu allererst diskutieren, aus welcher Schicht der Dichter selbst stammte.

Lange Zeit herrschte unter den Wissenschaftlern die sich mit Hesiod befassten, die Übereinstimmung, dass es sich bei ihm um einen kleinen Landbesitzer in Boiotien, Ascra handeln musste. Wade- Gery beschreibt ihn als kleinen Landbesitzer und belegt seine Aussage damit, dass Hesiod aufgrund seiner bäuerlichen Ausdrucksweise und seinen genauen Details über das bäuerliche Leben eindeutig der bäuerlichen Schicht zuzuordnen war.[3] Auch Winfried Schmitz schließt durch Hesiods bäuerliche Sondersprache und dem aufgenommenen Volkstümlichen Material auf dessen bäuerliche Mentalität.[4]

Doch später änderte sich die Auffassung über Hesiods Herkunft. Die frühere Ansicht wurde von E. Bravo, Mele und Starr grundlegend verändert.

Bravo und Mele sehen Hesiod nun sogar als Aristokraten, der für eine aristokratische Schicht schrieb. Gestützt wird sich hierbei auf eine Passage der Erga, in der Hesiod den Handel beschreibt:[5]

„ Dann aber ziehe das Schiff, das flinke, ins Meer und die Fracht dir Richte hinein, wie es passt, damit du nach Hause gewinn bringst, Wie schon mein Vater und deiner es hielt, mein törichter Perses, Fuhr auf Schiffen zur See, nach Gütern des Lebens zu suchen.“[6]

Der Handel soll im archaischen Griechenland ein Privileg des Adels gewesen sein und die Tatsache dass Hesiod hier seinen Vater als Schifffahrtshändler beschrieb und seinen Bruder zum Seehandel aufrief, ist ein Zeichen dafür, dass Hesiod adeliger Abstammung gewesen sein musste.

Der nächste Beweis, dass Hesiod von höherer Geburt gewesen sein soll, beweißt nach Bravo, Walcot und Starr, die folgende Textstelle[7]:

„Arbeite, hochgeborener Perses“[8]

Dieser Ausspruch soll Perses höhere Geburt beweisen und ihm den Status eines Adeligen verleihen. Bravo vergleicht den Ausspruch „hochgeboren“ mit den Epen Homers, in denen „hochgeboren“ nur Göttern und Heroen vorbehalten ist.

Millett sieht die Ausführungen kritisch. Er behauptet, eine vorschnelle Annahme, Hesiod in die Schicht der Adeligen einordnen zu wollen, sei falsch. Der Dichter schrieb möglicherweise ein mündliches Gedicht auf, indem der Ausspruch „hochgeboren“ eine abgeschwächte Bedeutung gehabt haben könnte. Außerdem gewichtet Millett die Tatsache, dass der übrige Ton des Gedichts Anti-Aristokratische Züge aufweist, sehr stark. Die Textstelle, in der Hesiod Perses offen des Erbraubes bezichtigt, soll hier der Beweis sein:

„Längst schon teilten das Erbe wir uns, doch vieles andere trugst du als Raub mit fort und priesest Lauthals die Herren“[9]

Außerdem wird der Anti-aristokratische Ton auch an vielen anderen Stellen wie in 247- 273 deutlich. Dort wird noch mal auf die krumme Rechtssprechung der Herren hingewiesen.

Als letzte Ansicht soll nun Starrs aufgeführt werden. Der Wissenschaftler ordnet Hesiod einer Gruppe zu, die er Semi-Aristokraten nennt. Sie sind vergleichbar mit den Kakoi. Hesiod kann für ihn kein normaler Bauer gewesen sein, da er sich Ochsen und Werkarbeiter leisten konnte. Für die Aristokraten aber sind die Kakoi eine Bedrohung und somit ausgeschlossen aus ihrer Schicht. Für Starr ist Bäuerlichkeit mit Armut gleichzusetzen, was aber falsch ist. Da Starr Hesiod den Rang eines Kakoi zuspricht und ihn als semi-aristokratisch betitelt, widerspricht sich selbst.[10]

[...]


[1] Hesiod: Werke und Tage, aus dem griechischen Übertragen von Albert von Schirnding, München 1966, Vers 37-40.

[2] Spahn, Peter, Oikos und Polis. Beobachtung zum Prozess der Polisbildung bei Hesiod, Solon und Aischylos. In: HZ CCXXXI (1980). S. 533-535.

[3] Millett, Paul, Hesiod and his world, in: PcPhs 210, Cambridge 1984. S. 86

[4] Schmitz, Winfried, Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft im archaischen und klassischen Griechenland, Berlin 2004. S. 16.

[5] ebd. S. 87.

[6] Hesiod: Werke und Tage, aus dem griechischen Übertragen von Albert von Schirnding, München 1966, Vers 630-635.

[7] Millett, Hesiod, S. 87.

[8] Ebd. V. 298.

[9] Ebd. V. 38-39.

[10] Millett, Hesiod, S. 89.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Hesiod: Werke und Tage
Untertitel
Die Stellung der einfachen Bevölkerung bei Hesiod
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (HIstoricum)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V130267
ISBN (eBook)
9783640387618
ISBN (Buch)
9783640387519
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hesiod, Werke, Tage, Stellung, Bevölkerung, Hesiod
Arbeit zitieren
Ursi Plenk (Autor), 2007, Hesiod: Werke und Tage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130267

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