Die Rezeption der Antike am Beispiel des Alexanderromans des Pfaffen Lambrecht


Hausarbeit, 2009

12 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einführung

2 Die Erziehung Alexanders des Großen

3 Das heilsgeschichtliche Exempel

4 Die Candacis- Episode

5 Schlussbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Die Geschichte Alexanders des Großen faszinierte und beschäftigte die Menschen von jeher und dies hat sich von der Antike übers Mittelalter bis in unsere heutige Zeit fortgesetzt. Auffallend im Mittelalter ist die enorme Vielfalt an Texten und Übersetzungen, die sich mit dem Makedonenkönig beschäftigen. Ausgehend vom sogenannten Pseudo-Kallisthenes aus der griechischen Spätantike, wurde der Alexanderroman im Mittelalter in über 30 Sprachen übersetzt und bearbeitet.[1] Die Gründe für eine solche Popularität sind vielseitig und schon sein historisches Leben war so einmalig, dass es genügend literarischen Stoff bietet. Dies konnte leicht als packende Abenteuer– und Herrschergeschichte dargestellt werden und darüberhinaus war es möglich, die Darstellung Alexanders immer wieder zu verwandelt und zu funktionalisieren, je nach Entstehungszeit, kulturellem Umfeld und Publikumserwartungen.[2] Im 12. Jahrhundert setzte zudem eine Wende in der Literatur ein. Das Interesse fokussierte sich nicht mehr nur auf biblische Stoffe und die Heilsgeschichte, sondern es wurden auch zunehmend „säkulare“ Herrschergeschichten thematisiert. Der Alexanderroman des Pfaffen Lamprecht stellt die erste Heldenepik in dieser Reihe dar. Die Wahl antiker Stoffe war in jener Epoche weit verbreitet, da deren Wahrheitsgehalt nicht bezweifelt wurde und die Antike als Leitbild einer säkularen Kultur diente. „Durch die Erwähnung des Makedonierkönigs in der Bibel“ konnte der Roman Lamprechts „als Brücke zwischen geistlicher und aufkommender weltlicher Literatur“[3] dienen. Es wird angenommen, dass sein Alexanderroman um 1160 entstanden ist. Als Vorlage benutzte er offensichtlich Alberic de Pisançons «Roman d’Alexandre», außerdem waren ihm wahrscheinlich die antiken Quellen bekannt. Die Originalversion ist allerdings verlorengegangen, weswegen nur anhand von drei verschiedenen Abschriften, den Versionen Vorau, Straßburg und Basel Rückschlüsse auf das Original gemacht werden können.[4]

Wie schon erwähnt, wurde die Geschichte Alexanders im Mittelalter aus unterschiedlichen Beweggründen und auf unterschiedliche Weise adaptiert und umgeändert. Allgemein wurden von der Forschung die Art und der Umfang der Antikenrezeption im Mittelalter immer wieder anders gedeutet und dargestellt.[5] Nach Meinung von Rüdiger Schnell hat der Rückgriff auf die Antike „einen Dialog zwischen Antike und Neuzeit“ ermöglicht und „die Anverwandlung und Umwandlung der Antike durch das Mittelalter“ ist „als eine besondere Leistung“ zu betrachten.[6] Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit möchte ich Rüdiger Schnells Auffassung nachgehen und untersuchen, inwiefern diese Transformation und Rezeption im Vorauer und im Straßburger Alexanderroman stattfand.

2 Die Erziehung Alexanders des Großen

Da die Beschreibung von Alexanders Erziehung im Vorauer und im Straßburger Alexanderroman fast identisch ist, wird im Folgenden die Straßburger Version als Untersuchungsgegenstand genommen.

Die Darstellung seiner Erziehung ist in drei Sinnesabschnitte gegliedert: anfangs wendet sich der Erzähler an den Leser, indem ein kurzer Überblick über seine Lehrer und ihre Lehrgebiete gegeben wird (V 181-200). Anschließend werden diese dann einzeln aufgeführt und ihre Tätigkeit beschrieben (V 201- 251). Hierbei sind zwei unterschiedliche Wissensgebiete aufgeführt: die geistigen und die weltlichen Fähigkeiten. Die Fächer, die von den ersten vier Lehrern unterrichtet werden, entsprechen weitgehend den » septem artes liberales« des Mittelalters.[7] So lernte Alexander Griechisch und Latein und „vil manige bûch“ (V 205), was dem Fach «grammatica» entspricht. Dementsprechend verhielt es sich mit den Fächern »musica« („mûsicam“, „di seiten zîhen“ V 208f.), »geometria« („allir dinge zale“ V 214) und «astronomia» („ wî der himel umbe geit“ V 222). Die explizite Erwähnung, dass Alexander seine eigene Muttersprache Griechisch gelehrt bekommt, ist auffallend. Während dies in der Antike kaum als außergewöhnliche Leistung betrachtet wurde, stellte die Fähigkeit Lesen und Schreiben zu können im Mittelalter etwas Besonderes dar, dass eine spezielle Ausbildung erforderte.[8]

Die aufgeführten Lehrer werden jeweils in einem Abschnitt von sechs Versen beschrieben; außer dem vierten, deren Darstellung mit zwei weiteren Versen erfolgt und der auch als einziger mit Namen genannt wird. Hierbei handelt es sich um Aristoteles, der auch im Mittelalter den Menschen ein Begriff zu sein gewesen scheint, wodurch der längere Abschnitt und die Namensnennung zu erklären wäre. Der fünfte Lehrer jedoch wird in einem auffallend langen Abschnitt von Vers 227 bis 244 dargestellt. Im Gegensatz zu den vorangegangen geistlichen Fächern handelt es sich hierbei um die Ritterlehre. Alexander lernt „mit gewêfene varen“ (V 229), „kundiclîche slege slân“ (V 237) und viele weitere Methoden des Kampfes und der Theorie der Kriegsführung. Diese dreifach längere Textpassage zeigt die Gewichtung und Bedeutung, die der Ausbildung nach höfischem Ritterideal beigemessen wird. Auch der sechste und letzte Lehrer, der wieder in sechs Versen beschrieben wird, trägt zu diesem Ideal bei. Hier lernt Alexander „wî er von dem unrehten beschiede daz rehte“ (V 248) und wie er gerechte Urteile fällen soll. Auch dies gehört zum höfischen Ritterideal, bei dem „verschiedene Wertvorstellungen zusammenkommen: traditionelle Herrenethik mit den zentralen Begriffen Gerechtigkeit und Freigebigkeit[…]“.[9]

[...]


[1] Vgl. Frenzel 1988: S.30.

[2] Vgl. Lienert 2007: S.12f.

[3] Ebd. S.7.

[4] Vgl. Mackert 199. S.171

[5] Vgl. Schnell 1981:S.218.

[6] Ebd.: S.219.

[7] Vgl. Weddige 2008: S. 52f.

[8] Vgl. Weddige 2008: S. 55f.

[9] Ebd.: S. 171f.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Rezeption der Antike am Beispiel des Alexanderromans des Pfaffen Lambrecht
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V130367
ISBN (eBook)
9783640362592
ISBN (Buch)
9783640362394
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rezeption, Antike, Beispiel, Alexanderromans, Pfaffen, Lambrecht
Arbeit zitieren
Christine Schulz Blank (Autor), 2009, Die Rezeption der Antike am Beispiel des Alexanderromans des Pfaffen Lambrecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130367

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