Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Einblick in die Erfahrungswelt von Pflegenden und Ärzt*innen, welche auf der Intensivstation arbeiten, zum Thema Diskriminierung durch Patient*innen zu erlangen. Die Forschungsfrage lautet: Welche Diskriminierungserfahrungen ausgehend von Patient*innen haben Pflegende und Ärzt*innen erlebt? Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde als Methodik ein halb-strukturiertes Interview mit n=22 Teilnehmenden durchgeführt.
Patient*innen im deutschen Gesundheitswesen müssen durch das Verbot der Diskriminierung vor Diskriminierung geschützt werden, der diskriminierungsfreie Zugang zur Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht. Es existieren verschiedene Studien und laufende Forschungsprojekte zu Diskriminierungsrisiken von Patient*innen im Gesundheitswesen. Die Literatur gibt beispielsweise Hinweise darauf, dass Menschen mit Migrationshintergrund bezüglich der Qualität der medizinischen Behandlung benachteiligt werden, oder, dass Frauen mit Herzinfarkten häufiger als Männer sterben, wenn sie von einem männlichen Arzt behandelt werden.
Ein bislang vernachlässigtes Phänomen ist, inwiefern Beschäftige im Gesundheitswesen einem Diskriminierungsrisiko ausgesetzt sind und von welcher Form der Diskriminierung sie betroffen sind. „Als besondere Diskriminierungsrisiken des Gesundheitssystems können das kirchliche Diskriminierungsprivileg, sowie der enge Kontakt mit Patient*innen und damit einhergehend das Risiko, auch von dieser Seite Diskriminierung zu erleben, insbesondere in Form von sexueller Belästigung betrachtet werden. Weitere Forschung wäre insbesondere in Bezug auf mögliche weitere für den Gesundheitsbereich relativ spezifische Diskriminierungsrisiken sinnvoll.“ Die Autorin ist in der Pflege tätig und wurde im Laufe ihrer Berufstätigkeit von Patient*innen mehrfach diskriminiert. Die aktuelle Studienlage lässt keine Rückschlüsse zum Thema Diskriminierung von Pflegenden im Berufsalltag zu. An dieser Stelle möchte die Verfasserin mit ihrer Hausarbeit ansetzen. Um Erkenntnisse zur Diskriminierung von Beschäftigten im Gesundheitswesen durch Patient*innen zu erlangen, hat sie Interviews mit Pflegenden und Ärzt*innen, welche auf der Intensivstation tätig sind, durchgeführt und ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG
2.ZIEL UND FRAGESTELLUNG
3. LITERATURRECHERCHE UND METHODIK
4. HINTERGRUND
4.1 DISKRIMINIERUNG
4. 2 FORMEN DER DISKRIMINIERUNG
4.3 DISKRIMINIERUNGSFREIE KOMMUNIKATION
5. QUALITATIVE INTERVIEWS
5.1 DESIGN
5.2 ERGEBNISSE DER INTERVIEWS
5.3 AUSWERTUNG DER INTERVIEWS
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Einblick in die Erfahrungswelt von Pflegenden und Ärzt*innen auf einer Intensivstation hinsichtlich Diskriminierung durch Patient*innen zu gewinnen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Diskriminierungserfahrungen ausgehend von Patient*innen haben Pflegende und Ärzt*innen erlebt?“
- Erfassung und Kategorisierung von Diskriminierungserfahrungen im klinischen Alltag.
- Analyse der verschiedenen Formen von Diskriminierung (u.a. sexuelle Belästigung, Rassismus, Altersdiskriminierung).
- Untersuchung des Umgangs von Fachpersonal mit diskriminierenden Situationen.
- Diskussion von Barrieren bei der Meldung von Vorfällen in medizinischen Einrichtungen.
- Sensibilisierung für die Notwendigkeit diskriminierungsfreier Kommunikation und professioneller Schutzmechanismen.
Auszug aus dem Buch
Befragung Nr. 1
Weiblich, 27 Jahre, Pflege, Pseudonym =P1
Situationsbeschreibung: Es ist Frühdienst auf der Intensivstation. Ein männlicher Patient, 67 Jahre, liegt im Bett, P1 und eine Assistenzärztin gehen in das Zimmer, die Ärztin hängt eine Bluttransfusion an. Der Patient sagt: „Das sind aber zwei süße Popo`s“. Sie verlassen das Zimmer Kommentarlos. Außerhalb des Zimmers tauschen sie sich kurz über die unangenehme Situation aus. P1 muss das Zimmer zu einer späteren Zeit nochmal betreten, es fällt ein erneuter Kommentar: „Wirklich ein süßer Po“ P1 wird wütend und sagt zu dem Patienten, er soll solche Kommentare unterlassen ansonsten werde ich sie nicht mehr betreuen, der Patient entschuldigt sich. Die Situation hatte für den Patienten keine weiteren Konsequenzen und am nächsten Tag war er nicht mehr auf Station.
Zusammenfassung der Kapitel
1.EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Diskriminierung von Beschäftigten im Gesundheitswesen durch Patient*innen und Herleitung der Relevanz dieser Forschungslücke.
2.ZIEL UND FRAGESTELLUNG: Definition des Ziels der Hausarbeit, einen Einblick in die Erfahrungswelt der Mitarbeiter*innen zu erlangen, und Formulierung der Forschungsfrage.
3. LITERATURRECHERCHE UND METHODIK: Beschreibung der Literaturrecherche-Tools und der methodischen Durchführung explorativer, halb-strukturierter Interviews mit 22 Teilnehmenden.
4. HINTERGRUND: Theoretische Fundierung der Begriffe Diskriminierung, deren rechtliche Einordnung, verschiedene Formen der Benachteiligung und Ansätze zur diskriminierungsfreien Kommunikation.
5. QUALITATIVE INTERVIEWS: Detaillierte Darstellung des Forschungsdesigns, der Durchführung der Interviews, der einzelnen Fallberichte sowie der statistischen Auswertung der Ergebnisse.
6. FAZIT: Zusammenfassung der wichtigsten Studienergebnisse, kritische Reflexion der eigenen Methodik sowie Ausblick auf die Notwendigkeit von Meldebarrieren-Forschung.
Schlüsselwörter
Diskriminierung, Intensivstation, Pflegekräfte, Ärzt*innen, sexuelle Belästigung, Rassismus, Altersdiskriminierung, Patient*innen, Gesundheitswesen, Arbeitsalltag, Qualitative Forschung, Menschenrecht, Kommunikation, Aggression, Benachteiligung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die bisher wenig beleuchtete Problematik, inwieweit Beschäftigte (Pflege und ärztliches Personal) auf Intensivstationen von Patient*innen diskriminiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind sexuelle Belästigung, rassistische Diskriminierung, Altersdiskriminierung sowie der Umgang mit Diskriminierung und entsprechenden offiziellen Meldeprozessen.
Wie lautet die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist: „Welche Diskriminierungserfahrungen ausgehend von Patient*innen haben Pflegende und Ärzt*innen erlebt?“
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, basierend auf halb-strukturierten Interviews mit 22 Teilnehmenden, deren Ergebnisse anschließend deskriptiv ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Hintergründe zu Diskriminierungsformen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung von 22 Einzelfallbefragungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Diskriminierung, sexuelle Belästigung, Rassismus, Intensivstation, beruflicher Alltag im Gesundheitswesen und Diskriminierungsrisiken.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Meldehäufigkeit von Vorfällen?
Die Untersuchung zeigt eine alarmierend niedrige Meldequote: Von den 12 Personen, die Diskriminierungserfahrungen machten, hat lediglich eine Person diesen Vorfall formal gemeldet.
Welche Rolle spielt das "kirchliche Diskriminierungsprivileg" im Kontext?
Das Dokument nennt das kirchliche Diskriminierungsprivileg zusammen mit dem engen Patientenkontakt als spezifisches Diskriminierungsrisiko im Gesundheitssystem, welches weitere Forschung rechtfertigt.
- Quote paper
- Alexandra Zühlke (Author), 2022, Diskriminierung von Pflegenden und Ärzten auf der Intensivstation durch Patienten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1303947