Die Fortschritte in den Informationstechnologien, die Expansion des Internets und des elektronischen Handels (E-Business) sowie die zwischenbetrieblichen Kooperationen im Sinne des Supply Chain Management (Lieferantenanbindungen, Kundenportale, Partnernetzwerke), die immer mehr an Bedeutung gewinnen, stellen Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP-Systeme) vor neue Herausforderungen. Durch die fortschreitende Globalisierung wird es erforderlich, hinsichtlich der Nutzung von Res-sourcen und der damit einhergehenden Unternehmensprozesse Unternehmens- und Ländergrenzen zu überschreiten. Angesicht dieser Situation sind auch die Anforderun-gen und Erwartungen der Unternehmen an ihre ERP Lösungen gestiegen. So werden Themenkomplexe wie Customer Relationship Management (CRM) zur Potenzialaus-schöpfung bestehender Kundenlandschaften, Supply Chain Management (SCM) zur Minderung von Reibungsverlusten innerhalb der Supply Chain sowie Business Process Management (BPM) zur Kontrolle, Optimierung und effizienten Steuerung der innerbetrieblichen Abläufe aktuell zunehmend nachgefragt. Collaborative Business ist das Schlüsselwort.
Aufgrund dieser Entwicklung stellt sich die Frage, ob herkömmliche ERP-Systeme noch zeitgemäß sind oder ob sie einer neuen Informationstechnologie weichen müssen. Am Ende der 90er Jahre brachte die Gartner Group die Studie „ERP is dead – long live ERP II“ auf den Markt. Gartner prägte den Begriff der ERP II-Systeme und legte ein Konzept vor, wie sich die ERP-Systeme entwickeln müssen, um heute noch zeitgemäß zu sein. Die ERP Anbieter setzten zum großen Teil das ERP II Konzept von Gartner um und entwickelten ERP II-Systeme. ERP II-Lösungen charakterisieren sich unter anderem durch offene Web-konforme Basisarchitekturen und implementieren neue Technologien wie Java oder .NET. Hierbei stellt sich die Frage, ob die ERP II-Systeme das beste Werkzeug sind, um die Prozesskosten signifikant zu reduzieren und die Flexibilität der Organisationen zu erhöhen bzw. ob sie den aktuellen Anforderungen stand halten können? Sind ERP II-System State of the Art oder ist dies nur der erste Schritt in die Zukunft?
Kapitelübersicht
1 ERP II – die Zukunft hat schon begonnen
2 Von MRP über ERP zu ERP II
2.1 Definition der Softwaresysteme
2.2 Entwicklung des Handels und der Industrie in den letzten 50 Jahren
2.2.1 In Bezug auf die Supply Chain am Beispiel der Fleischwirtschaft
2.2.2 In Bezug auf deren Anforderungen an die Softwaresysteme
2.3 Entwicklung der Softwaresysteme in den letzten 50 Jahren
3 Konzeptionelles Framework von ERP II
3.1 Systemarchitektur von ERP II-Systeme
3.1.1 Schichten eines ERP II-Systems
3.1.2 Komponenten eines ERP II-Systems
3.1.3 Technologien hinter ERP II-Systeme
3.2 ERP vs. ERP II
4 Semiramis – ein Beispiel aus der Praxis
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Evolution von Unternehmenssoftware, um zu bewerten, ob das Modell ERP II ein zukunftsfähiges Konzept darstellt. Dabei werden die technologischen Anforderungen moderner Wertschöpfungsnetzwerke untersucht, um aufzuzeigen, wie sich ERP-Systeme weiterentwickeln müssen, um den steigenden Anforderungen an Integration und Flexibilität gerecht zu werden.
- Historische Entwicklung von MRP über ERP zu ERP II
- Anforderungen moderner Supply Chains an IT-Systeme
- Systemarchitektur und technologische Grundlagen von ERP II
- Vergleich der Leistungsfähigkeit zwischen klassischen ERP- und neuen ERP II-Systemen
- Praktische Umsetzung von ERP II-Konzepten am Beispiel der Software "Semiramis"
Auszug aus dem Buch
2.2.1 In Bezug auf die Supply Chain am Beispiel der Fleischwirtschaft
Unter einer Supply Chain wird im engeren Sinne eine Versorgungskette, Lieferkette oder eine unternehmensübergreifende Wertschöpfungskette verstanden. In der Praxis wäre es treffender von Versorgungsnetzwerken zu sprechen, da die meisten Unternehmen mit mehreren Organisationen bzw. mehreren Lieferanten und Abnehmern zusammenarbeiten. Es bildet sich somit ein Netzwerk aus verschiedenen Organisationen. Entlang dieser Kette bzw. dieses Netzwerks fließen Güter, Dienstleistungen, Informationen und Gelder. Oft wird die Supply Chain mit der Logistikkette verwechselt, obwohl sie einen entscheidenden Unterschied hat. Bei der Logistikkette entscheidet ein einzelner Teilnehmer aus einem isolierten einzelwirtschaftlichen Entscheidungskalkül heraus, während bei der Supply Chain aus einer ganzheitlichen Betrachtung der Logistikkette entschieden wird. Die Supply Chain fängt bei den Rohstoffen an und endet beim Verbraucher. Im Falle der Fleischindustrie geht diese Supply Chain vom Produzenten der Futtermittel bis zum Verbraucher im Supermarkt. Die Struktur einer Supply Chain ist branchentypisch. Dies bedeutet, dass die Anzahl an Akteuren bzw. die Länge der Supply Chain und die Kettenverzweigung bzw. die Breite nicht a priori fixiert ist, sondern von der Branche abhängig ist.
Wie erwähnt gibt es in der Praxis in den meisten Fällen mehrere Lieferanten und mehrere Abnehmer, so dass sich ein Netzwerk bildet. Dies war nicht immer so. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts übernahmen die Landwirte in den meisten Fällen die Rolle der Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung und des Handels. Sie produzierten die Produkte und vermarkteten diese in ihrer Region. Die Supply Chain bestanden nur aus den Lieferanten, dem Landwirt und den Verbrauchern. Der Landwirt kannte in der Regel seine Lieferanten und seine Kunden persönlich. Dank zunehmender Spezialisierung in der Produktion und durch die Auslagerung von Leistungen, die vorher intern bzw. in den privaten Haushalten erledigt wurden, veränderte sich dieses Bild.
Zusammenfassung der Kapitel
1 ERP II – die Zukunft hat schon begonnen: Einleitung in die technologischen Herausforderungen und die Relevanz von ERP II in einer globalisierten Wirtschaft.
2 Von MRP über ERP zu ERP II: Darstellung der historischen Entwicklung von Softwaresystemen und der veränderten Anforderungen durch komplexe Supply Chains.
3 Konzeptionelles Framework von ERP II: Analyse der Systemarchitekturen, technologischen Grundlagen und der Abgrenzung von ERP II zu klassischen Systemen.
4 Semiramis – ein Beispiel aus der Praxis: Vorstellung der Software Semiramis als eine serviceorientierte, internetbasierte ERP II-Lösung für mittelständische Unternehmen.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Zukunftsfähigkeit von ERP II und Ausblick auf die Rolle von Serviceorientierten Architekturen.
Schlüsselwörter
ERP II, Supply Chain Management, Unternehmenssoftware, Business Process Management, Systemarchitektur, Web Services, Interoperabilität, Skalierbarkeit, Collaborative Business, Semiramis, Wertschöpfungskette, Serviceorientierte Architektur, Softwareintegration, Globalisierung, Prozessoptimierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung von ERP II-Systemen als moderne, webzentrierte Lösung für die gestiegenen Anforderungen an Unternehmenssoftware in globalen Netzwerken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Evolution von ERP-Systemen, die komplexen Anforderungen moderner Supply Chains sowie die technologische Architektur von ERP II-Lösungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es zu klären, ob ERP II-Systeme ein zukunftsfähiges Modell für die Unternehmenssoftware darstellen und wie sie sich von traditionellen ERP-Konzepten abheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer detaillierten Analyse der historischen Entwicklung, der konzeptionellen Frameworks und dem Vergleich von ERP-Systemen, ergänzt durch ein Praxisbeispiel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Historie von Unternehmenssoftware, eine tiefgehende Analyse der Systemarchitekturen sowie einen direkten Vergleich zwischen ERP- und ERP II-Systemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie ERP II, Supply Chain Management, Serviceorientierte Architektur, Interoperabilität und Prozessoptimierung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich ERP II laut der Arbeit von herkömmlichen ERP-Systemen?
Während klassische ERP-Systeme monolithisch und intern ausgerichtet sind, zeichnen sich ERP II-Systeme durch eine webzentrierte Architektur, Integrationsfähigkeit über Unternehmensgrenzen hinweg und eine hohe Flexibilität aus.
Welche Rolle spielt die Software Semiramis in dieser Arbeit?
Semiramis dient als konkretes Fallbeispiel aus der Praxis, um zu verdeutlichen, wie eine internetbasierte, serviceorientierte ERP II-Software in mittelständischen Unternehmen implementiert werden kann.
Welche langfristige Entwicklung wird für Unternehmenssoftware prognostiziert?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ERP II-Systeme zwar der richtige Weg sind, aber langfristig auf lose gekoppelten Services basieren müssen, die durch eine serviceorientierte Architektur (SOA) realisiert werden.
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- Marco Castillo (Author), 2007, ERP II - Ein zukunftsfähiges Modell für Unternehmenssoftware?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130403