Leistungsdruck wird heute, speziell bei Schülern, zu fast jeder Zeit und an fast jedem Ort immer stärker deutlich. „Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind: das Abitur.“ (Taffertshofer 2007) Um ihren Kindern den höchsten deutschen Schulabschluss zu ermöglichen, fahren Eltern heute schon früh ein ganzes Arsenal an Unterstützungsangeboten auf: Nachhilfe schon in der Grundschule, Förderunterricht für besonders begabte Schüler und sogar Lehrveranstaltungen, in denen die Kinder lernen sollen, wie sie am effektivsten Lernen (Hüwel 2008).
Eltern helfen sich, bzw. ihren Kindern, heute jedoch auch mit anderen Mitteln um gute Noten auf den Zeugnissen zu lesen: „Mobbing gegen Lehrer, Beschwerden ans Ministerium, Prozess-Androhungen, Schulabmeldungen und gefälschte Gastschulanträge“ (Taffertshofer 2007).
Jedoch übersehen sowohl Eltern als auch viele Lehrer oftmals, dass beim Kampf um gute oder sogar die besten Noten die Entwicklung und Ausbildung von Persönlichkeit und Talenten nicht oder nur unzureichend gefördert werden.
Eine Studie von Bernhard Heinzlmaier ergab, dass 44% der 11- bis 14-Jährigen Befragten der Meinung sind, dass nur ihre Leistungen, nicht aber sie selbst für ihre Umgebung wichtig sind (Marits 2007).
Ich möchte im Folgenden auf die Risiken dieses stetig steigenden Leistungsdrucks eingehen und erörtern, inwieweit das Leben in einer Leistungsgesellschaft förderlich für die Entwicklung und das Auftreten von deviantem Verhalten sein kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition Leistungsdruck
3 Physische und psychische Folgen von Leistungsdruck
4 Leistungsdruck und sozialer Status
5 Leistungsdruck durch Massenmedien
6 Entwicklung von devianten Verhaltensweisen
6.1 Stigmatisierung als Methode zur Ausgrenzung
7 Das Lernen von abweichendem Verhalten
8 Anwendung der Theorien an einem Beispiel
9 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des stetig steigenden Leistungsdrucks auf Schüler und analysiert, inwieweit das Leben in einer Leistungsgesellschaft die Entstehung von deviantem Verhalten begünstigt.
- Zusammenhang zwischen Leistungsdruck und physischen sowie psychischen Folgen.
- Einfluss des sozialen Status auf die Bewältigung von Leistungsanforderungen.
- Rolle der Massenmedien als Vorbildgeber und Leistungsverstärker.
- Erklärung von abweichendem Verhalten durch die Labeling-Approach-Theorie.
- Erlernprozesse abweichenden Verhaltens anhand der Versuch-Irrtum-Theorie.
Auszug aus dem Buch
8 Anwendung der Theorien an einem Beispiel
Die drei erwähnten Theorien (Sozial-kognitive Theorie, Labeling-Approach-Theorie und Versuch-Irrtum-Theorie) möchte ich nun an einem Beispiel verdeutlichen.
Der Junge A hat zwei ältere Geschwister, die beide gute schulische Leistungen erbringen. Seine Eltern haben beide studiert und sind beruflich erfolgreich.
Diese Umstände führen dazu, dass A unter einem relativ hohen Leistungsdruck steht, ähnlich gute Leistungen erbringen zu müssen wie seine Geschwister. Seine persönlichen Erfahrungen haben gezeigt, dass selbst aus sehr langen Lernzeiten nicht die Noten resultieren, die nötig wären, um die Anerkennung seiner Eltern zu erhalten, die er sich wünscht.
Da er so feststellt, dass er den Leistungsanforderungen seiner Eltern mit legitimen Mitteln nicht gerecht werden kann, versucht er es bei einer Klassenarbeit mit abschreiben. Da er bei dieser Arbeit nicht erwischt wird und seine Note die Anforderungen seiner Eltern erfüllt, schreibt er auch bei den weiteren Klassenarbeiten ab.
Nach mehrmaligem erfolgreicheem Abschreiben, wird er jedoch erwischt und von seinem Lehrer vor der Klasse zur Rede gestellt. Hierdurch bekommt er von seinem Lehrer und seinen Mitschülern das Etikett „Abschreiber“. Dadurch verändern sich die Verhaltenserwartungen, die an ihn gerichtet werden, und auch der Umgang zwischen ihm und seiner Umwelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik des wachsenden Leistungsdrucks bei Schülern und die daraus resultierende Gefahr für die Persönlichkeitsentwicklung.
2 Definition Leistungsdruck: Gleichsetzung von Leistungsdruck mit Stressoren, die das Gleichgewicht des Organismus stören.
3 Physische und psychische Folgen von Leistungsdruck: Darstellung der gesundheitlichen Konsequenzen, von Schlafstörungen bis hin zu selbstzerstörerischem Verhalten.
4 Leistungsdruck und sozialer Status: Analyse der schichtspezifischen Sozialisation und des Einflusses des ökonomischen Kapitals auf den Status-Erhaltungs-Druck.
5 Leistungsdruck durch Massenmedien: Untersuchung der Vorbildfunktion von Medienstars und deren Einfluss auf angestrebte Lebensstile.
6 Entwicklung von devianten Verhaltensweisen: Einführung in die Labeling-Approach-Theorie und die soziale Konstruktion von Devianz.
6.1 Stigmatisierung als Methode zur Ausgrenzung: Betrachtung der Folgen von Etikettierungen für die soziale Integration.
7 Das Lernen von abweichendem Verhalten: Erläuterung der Lernprozesse abweichenden Verhaltens basierend auf der Versuch-Irrtum-Theorie.
8 Anwendung der Theorien an einem Beispiel: Konkrete Veranschaulichung der theoretischen Ansätze anhand eines Fallbeispiels eines Schülers.
9 Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Leistungsdruck eine wesentliche, aber nicht alleinige Ursache für abweichendes Verhalten darstellt.
Schlüsselwörter
Leistungsdruck, Devianz, Labeling-Approach, Sozialisation, Stressoren, Schulerfolg, Stigmatisierung, Versuch-Irrtum-Theorie, Schichtspezifische Sozialisation, Verhaltensweisen, Jugendliche, Leistungsgesellschaft, Leistungsmotivation, Sanktionen, Selbstbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen von Leistungsdruck auf Schüler und untersucht, ob und wie dieser Druck zu abweichendem Verhalten führen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen den Leistungsdruck im schulischen Umfeld, den Einfluss des sozialen Status, die mediale Prägung von Lebenszielen und die soziologischen Theorien zur Entstehung von Devianz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Risiken des steigenden Leistungsdrucks aufzuzeigen und zu erörtern, inwieweit das Leben in einer Leistungsgesellschaft deviantes Verhalten begünstigt.
Welche wissenschaftlichen Methoden bzw. Theorien werden verwendet?
Es werden verschiedene soziologische und psychologische Ansätze herangezogen, insbesondere die Labeling-Approach-Theorie, die sozial-kognitive Theorie sowie die Versuch-Irrtum-Theorie nach Thorndike.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Definition von Leistungsdruck, dessen körperliche und psychische Folgen, die Rolle des sozialen Status, Medieneinflüsse sowie die Mechanismen der Stigmatisierung und des Lernens abweichenden Verhaltens detailliert erläutert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Leistungsdruck, Devianz, Stigmatisierung, Sozialisation und Labeling-Approach.
Wie unterscheidet der Autor zwischen primärer und sekundärer Devianz?
Primäre Devianz bezeichnet die einmalige Normübertretung ohne langfristige Folgen, während bei der sekundären Devianz das abweichende Verhalten zur dauerhaften Etikettierung und Identitätsänderung führt.
Warum wird im Beispiel des „Abschreibens“ die Labeling-Approach-Theorie relevant?
Das Beispiel zeigt, wie ein Schüler durch das Etikett „Abschreiber“ von seiner Umwelt und in seinem eigenen Selbstbild definiert wird, was ihn dazu verleiten kann, die ihm zugeschriebene Rolle auch tatsächlich zu erfüllen.
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- Niklas Thoben (Author), 2009, Leistungsdruck in der Schule und Devianz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130437