„Lebensberechtigungsbescheinigung“ statt Aufenthaltsgenehmigung oder „bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt“ statt Ampel. Mit Beamtensprache haben wir selbst in unserer Muttersprache schon Schwierigkeiten. Auch im Englischen häufen sich seit Jahren die Beschwerden über unverständliches „Fachchinesisch“ in Rechts- und Behördentexten oder technischen Texten.
In dieser Arbeit geht es um die bürgernahe Sprache im Englischen, dem sogenannten „plain English“. Außer den Richtlinien, die verschiede Experten aufgestellt haben, geht es im Folgenden um die Gründe für bürgernahe Sprache, und ihre direkte Anwendung in der technischen Redaktion. Die Tipps und Empfehlungen richten sich vor allem an die Autoren von Firmen- und Behördentexten, Kundenverträgen, Rechtstexten und Bedienungsanleitungen. Während meiner Recherchen stieß ich zum Teil auch auf Tipps für die Erstellung von Emails und schöngeistiger Literatur, auf die ich jedoch im Einzelnen nicht weiter eingehen möchte- die beschriebenen Richtlinien lassen sich natürlich in gewissem Maße auch hierfür verwenden.
Fast alle Experten, deren Artikel und Bücher ich zu diesem Thema las, betonen, dass es sich bei ihren Empfehlungen nur um Richtlinien, und nicht um festgelegte Regeln handle. Ob ein Text wirklich eindeutig geschrieben ist, kann letztendlich nicht anders überprüft werden, als ihn einer geeigneten Zielgruppe vorzuführen und die Reaktion zu überprüfen. (Cutts 2004: 3)
„Guidelines are aids to the writer, they are not meant to supplant human judgement.“ (Steinberg 1991: 86)
1.1 Wichtigkeit von bürgernaher Sprache
Gerade bei Texten, die Menschen über einen Sachverhalt informieren sollen, wie Anleitungen oder Firmenanschreiben, ist es wichtig, dass der Leser die Information richtig und vollständig versteht. Ist dies nicht der Fall, führt es nicht nur zu Verärgerung, sondern kann sogar gefährlich werden. Im besten Falle verschwendet ein schlechter Text lediglich die Zeit (und damit auch Geld) des Lesers, im schlimmsten Falle kann es zu Verletzungen oder zum Tod des Lesers kommen, wenn z.B. Anleitungen für elektrische Geräte missverstanden werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Wichtigkeit von bürgernaher Sprache
1.2 Was ist „plain English“?
2 Die „plain English" - Bewegung in den USA und England
3 „Plain English“- Empfehlungen
3.1 Sätze kürzen und Schachtelsätze entschärfen
3.1.1 Teilen und Trennen
3.1.2 Teilen und anders zusammenfügen
3.1.3 Listen machen
3.2 Einfache und eindeutige Wörter bevorzugen
3.3 Knapper schreiben
3.4 Aktiv bevorzugen
3.4.1 Wann das Passiv verwendet werden sollte
3.5 Kräftige Verben benutzen
3.6 Negationen vermeiden – Sätze positiv bilden
3.7 Geschlechtsspezifische Anreden vermeiden
3.8 Korrekte Zeichensetzung beachten
3.9 Mythen hinterfragen
3.10 Effektives Planen
3.11 Leserfreundliche Strukturen verwenden
3.11.1 Alternative Strukturierungen verwenden
3.12 Bessere Anleitungen erstellen
4 Auswirkungen von „plain English“ auf Nicht-Muttersprachler
5 „Plain English“ = Übersetzungsgerechtes Schreiben?
6 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der bürgernahen Sprache, bekannt als „plain English“, und deren Anwendungsmöglichkeiten in der technischen Redaktion. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch klare, verständliche Formulierungen die Informationsvermittlung optimiert, Fehlinterpretationen reduziert und die Effizienz bei der Erstellung von Bedienungsanleitungen und anderen Fachtexten gesteigert werden kann.
- Grundlagen und historische Entwicklung der „plain English“-Bewegung.
- Konkrete sprachliche Empfehlungen zur Optimierung von Satzbau, Wortwahl und Struktur.
- Bedeutung der bürgernahen Sprache für die technische Dokumentation.
- Auswirkungen der verständlichen Sprache auf die Zielgruppe, insbesondere Nicht-Muttersprachler.
- Wirtschaftliche Vorteile durch verbesserte Verständlichkeit und reduzierte Rückfragen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Sätze kürzen und Schachtelsätze entschärfen
Lange, in sich verschachtelte Sätze machen das Lesen komplizierter und langsamer. Martin Cutts empfiehlt daher eine durchschnittliche Satzlänge von 15-20 Wörtern. Selbst wenn die im Satz verwendeten Wörter einfach und klar sind, ist ein überlanger Satz schlecht für die Verständlichkeit. Verwirrung und Durcheinander entstehen eher in Sätzen, die aus 20 oder mehr Wörtern bestehen, es sei denn, der Satzbau ist einfach und gut durchdacht. (Cutts 2004: 19)
Während ein kurzer Satz nur eine Hauptaussage enthält, muss der Leser sich bei langen Schachtelsätzen oft von Aussage zu Aussage kämpfen, bis er am Ende die erste Aussage wieder vergessen hat. Dadurch wird das Kurzzeitgedächtnis der Leser stark belastet, oder bei schwierigen Themen sogar überlastet, was auf Kosten der Verständlichkeit geht.
Die Empfehlung von 15-20 Wörtern ist lediglich eine Richtlinie, die natürlich in Einzelfällen überschritten werden kann. Cutts empfiehlt die Länge der Sätze in einem Dokument stets zu variieren, um die Aufmerksamkeit der Leser zu stärken. Sehr kurze Sätze steigern die Aufmerksamkeit des Lesers, zu viele kurze Sätze können einen Text jedoch schnell langweilig und abgehackt wirken lassen. (Cutts 2004: 19) Eine Mindestlänge bei Sätzen gebe es nicht, auch Einwortsätze wie „Why“, oder Zweiwortsätze wie „I disagree“ oder „Not so“ seien erlaubt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz verständlicher Sprache im professionellen Kontext und definiert „plain English“ als Richtlinie zur effektiven Informationsvermittlung.
2 Die „plain English" - Bewegung in den USA und England: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung und die rechtlichen sowie gesellschaftlichen Bestrebungen zur Förderung von einfachem Englisch in Behörden und Unternehmen nach.
3 „Plain English“- Empfehlungen: Dieser zentrale Teil umfasst eine detaillierte Sammlung von Sprachrichtlinien, von der Satzkürzung und Aktivnutzung bis hin zur korrekten Zeichensetzung und strategischen Planung.
4 Auswirkungen von „plain English“ auf Nicht-Muttersprachler: Es wird untersucht, wie eine klare Ausdrucksweise Nicht-Muttersprachlern den Zugang zu fremdsprachlichen Texten erleichtert und wo dennoch Grenzen bestehen.
5 „Plain English“ = Übersetzungsgerechtes Schreiben?: Das Kapitel beleuchtet die Hypothese, ob „plain English“ automatisch zu besseren Übersetzungsergebnissen führt, und stellt die Grenzen dieser Annahme dar.
6 Schlusswort: Das Fazit fasst die Relevanz der Tipps für die technische Redaktion zusammen und betont den wirtschaftlichen und kommunikativen Nutzen klarer Sprache.
Schlüsselwörter
Bürgernahe Sprache, Plain English, Technische Redaktion, Verständlichkeit, Satzbau, Aktiv, Passiv, Bedienungsanleitungen, Dokumentstruktur, Zielgruppenorientierung, Informationsvermittlung, Fachkommunikation, Sprachrichtlinien, Kurzzeitgedächtnis, Effektive Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Prinzipien des „plain English“, um eine verständliche und effiziente Kommunikation in Fach- und Behördentexten zu etablieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf linguistischen Optimierungsmöglichkeiten für Sätze, der Bedeutung von Nutzerorientierung bei der Dokumenterstellung und den wirtschaftlichen Vorteilen klarer Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Redakteuren praxisnahe Richtlinien an die Hand zu geben, um Texte leserfreundlicher zu gestalten und Fehlkommunikation zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener Expertenmeinungen und Studien zum Thema „plain English“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in konkrete Empfehlungen, wie das Entschärfen von Schachtelsätzen, die Bevorzugung aktiver Formulierungen sowie Methoden zur effektiven Planung und Strukturierung von Dokumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Plain English“, „Technische Redaktion“, „Verständlichkeit“ und „Zielgruppenorientierung“ geprägt.
Wie bewertet der Autor den Einsatz von Lesbarkeitsformeln?
Der Autor steht diesen kritisch gegenüber, da sie oft nur oberflächliche Faktoren wie Wortlänge erfassen und den inhaltlichen Kontext sowie die Zielgruppenkompetenz vernachlässigen.
Warum ist „plain English“ gerade für Bedienungsanleitungen wichtig?
Weil missverständliche Anleitungen nicht nur zu Fehlbedienungen und Kundenfrust, sondern im schlimmsten Fall zu Unfällen, hohen Haftungsrisiken und wirtschaftlichem Schaden führen können.
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- Nike Hirschbiegel (Author), 2008, Bürgernahe Sprache im Englischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130446