Zu den Ursprüngen der Demographie

Wann und wo liegen die Ursprünge der Demographie, welches waren ihre Begründer und welche Paradigmen herrschten zu jener Zeit vor?


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition „Demographie“ bzw. Bevölkerungslehre

3. Die politischen Arithmetiker
3.1 John Graunt
3.2 William Petty
3.3 Kaspar Neumann
3.4 Johann Peter Süßmilch

4. Entwicklung des merkantilistischen Staates

5. Thomas Malthus
5.1 Naturalismus

6. Die Biologisten

7. Die Sozialisten

8. Die Wohlstandstheorie

9. Ende

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lange bevor die Demographie als wissenschaftliche Disziplin existierte, wurden bereits Bevölkerungsschätzungen wie zum Beispiel im römischen Reich von Kaiser Augustus durchgeführt. Doch wann und wo liegen die Ursprünge der Demographie, welches waren ihre Begründer und welche Paradigmen herrschten zu jener Zeit vor? Mit diesen Fragen möchte ich mich in meiner Hausarbeit beschäftigen.

Die Entwicklung von Verfahren zur statistischen Aufbereitung von Bevölkerungsdaten begann im 17. Jahrhundert durch die so genannten politischen Arithmetiker in England und Deutschland. Diese Verfahren stellen die Basis für demographische Analysen dar, somit kann man die politischen Arithmetiker als Wegbereiter der Demographie bezeichnen.

Die Geschichte der Bevölkerungstheorie ist auch eine Dogmengeschichte, da die Anschauungen und Theorien der Gründerväter der Demographie unter Berufung auf eine göttliche Ordnung formuliert wurden. Religiöse Ansichten flossen demnach auch in die Wissenschaft mit ein und bedingten ihre Ausrichtung, was besonders in den Arbeiten von Johann Peter Süßmilch zum Ausdruck kommt, die er zum Beispiel mit „Die göttliche Ordnung“ betitelte.

Die Geschichte der Demographie ist nicht nur eine Dogmengeschichte, sondern wurde auch geprägt durch verschiedene zeitgeschichtliche oder politische Umstände. Dieses werde ich kurz am Beispiel des Merkantilismus darlegen, welcher einen Einfluss auf die Bevölkerungspolitik ausübte, und somit auch eine Rolle in der Geschichte der Bevölkerungswissenschaft spielt.

Besonders oft wird im Zusammenhang mit Demographie der Name Thomas Malthus genannt. Malthus beherrschte mit seinen Theorien das Denken über Bevölkerung für fast ein ganzes Jahrhundert, und nimmt daher in der Geschichte der Demographie einen hohen Stellenwert ein. Seine “Bevölkerungsgesetze“ waren die Grundlage und der Auslöser für viele Diskussionen, da sie die Bevölkerungsentwicklung sehr pessimistisch darstellten.

Des Weiteren kann man die Entwicklung der Demographie im Zusammenhang mit verschiedenen Denkweisen bzw. Paradigmen betrachten. Es entwickelten sich z.B. Theorien auf Basis des Naturalismus oder des Sozialismus, auf die ich auch im Einzelnen eingehen werde.

Bevor ich nun genauer auf die Begründer der Demographie eingehe, möchte ich kurz den Begriff Demographie definieren.

2. Definition „Demographie“ bzw. „Bevölkerungslehre“

„Die Bevölkerungslehre ist eine Wissenschaft, der Versuch einer Einordnung des Fortpflanzungsverhaltens in Zusammenhänge und Gesetze“ (Mackenroth 1953, S. 300).

Als Demographie bezeichnet man die wissenschaftlich fundierte Sammlung und Auswertung statistischer Daten. Das heißt, dass der Bevölkerungszustand in Bezug auf Anzahl, Alter und Geschlecht wissenschaftlich erforscht wird. Neben dem Zustand einer bestimmten Bevölkerung werden auch zahlenmäßige Veränderungen wie zum Beispiel die Geburtenrate, Zu- und Abwanderungen sowie die Mortalität untersucht.

3. Die politischen Arithmetiker

Die Wurzeln der Demographie liegen im 17. Jahrhundert, in dem sich in England und Preußen eine Populationsstatistik herausbildete. Die politischen Arithmetiker dieser Zeit unternahmen erste Versuche, das generative Verhalten der Menschen wissenschaftlich zu untersuchen. Soziale Sachverhalte wie etwa Bevölkerungswachstum, Geburtenhäufigkeit, Todesfälle oder Krankheiten wurden anhand von Daten genau erfasst und untersucht.

Die Begründer dieser politischen Arithmetik waren in England zu finden. Den Grundstein für die Entwicklung von wissenschaftlich fundierten Verfahren zur statistischen Aufbereitung von Bevölkerungsdaten legten John Graunt (1620 – 1674) und William Petty (1623 – 1687). Auch in Deutschland fand zu dieser Zeit eine Entwicklung der Populationsstatistik statt. Hier ist Kaspar Neumann (1648 – 1715) und Johann Peter Süßmilch (1707 – 1767) zu nennen.

„Die große Entdeckung dieser Männer war, dass es im Sozialen überhaupt gewisse relative Konstante gibt“ (vgl. Mackenroth 1953, S. 301).

Die neue Entdeckung einer sozialen Konstante wurde zu jener Zeit als Bestätigung einer göttlichen Ordnung gedeutet (vgl. ebd.), was auch in dem Titel des Buches „Die Göttliche Ordnung“ von Süßmilch deutlich zum Ausdruck kommt. Zu jener Zeit brachen erste Unsicherheiten in den christlichen Bestand ein, sodass die Wissenschaft zur Bestätigung und Legitimation der gefundenen “göttlichen Ordnung“ verwendet wurde (vgl. ebd.).

Der rationalistische Grundzug der Zeit war, dass eine gefundene Ordnung als “gute Ordnung“ angesehen wurde. Die christliche Fundierung der „politischen Arithmetiker“ gefährdete nicht ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse, da alle neuen Entdeckungen als von Gott geordnet angesehen wurden. Um geschichtliche oder internationale Zusammenhänge bemühten sie sich jedoch nicht, da Gottes Ordnung noch als selbstverständlich angenommen wurde. Auf das Leben und Wirken der eben genannten politischen Arithmetiker werde ich im Folgenden näher eingehen.

3.1 John Graunt

John Graunt kann als der Gründervater der Bevölkerungswissenschaft in England bezeichnet werden. Er legte den Grundstein für die systematische Sammlung und Auswertung statistischer Daten im 17. Jahrhundert.

Graunt wurde 1620 als Sohn eines Londoner Stoffhändlers geboren und arbeitete nach seiner Schulausbildung in dem Geschäft seines Vaters (vgl. Hald 1990). Während seiner Tätigkeit im dem Geschäft begann er mit der Sammlung und Sortierung der wöchentlich aufgezeichneten Anzahl von Taufen, Beerdigungen und Eheschließungen innerhalb der Anglistischen Kirche in London. Aus den Registern der Toten und den Krankheiten Londons arbeitete er Daten heraus und bearbeitete mit ihnen Fragen nach Todesursachen sowie sozialen Problemen von Großstädten. Zudem stellte er erste Berechnungen zur menschlichen Lebenserwartung auf, die zu jener Zeit aufgrund von Seuchen wie der Pest bei 30 bis 35 Jahren lag (vgl. Birg 2003).

Sein Hauptwerk war „Natural and Political Observations upon the Bills of Mortality“, welches im Jahre 1662 erschien. In diesem Werk präsentierte er die Ergebnisse, welche er durch Berechnungen und Analysen der „Bills of Mortality“, also der “Totenlisten“ der Anglistischen Kirche Londons erlangt hatte.

3.2 William Petty

Sir William Petty (1623 – 1687) wurde in England geboren und war ein britischer Ökonom, Wissenschaftler und Philosoph. Petty bemühte sich bereits zu seiner Zeit um eine systematische Produktionsstatistik und gilt somit als Begründer der volkswirtschaftlichen Statistik. Sich in Zahlen, Maßen oder Gewichten auszudrücken, stellte eine neue Form der ökonomischen Analyse dar.

Zusammen mit Graunt zählt Petty mit seinen Arbeiten zur Arithmetik zu den Begründern der modernen Zähltechnik. Graunt arbeitete eng mit Petty zusammen.

William Petty war auch der Begründer und Namensgeber der “Politischen Arithmetik“ mit der Herausgabe seines Werkes „Political Arithmetic“, welches 1690 erschien und als wesentlich für die Entwicklung der Bevölkerungsgeschichte bezeichnet werden kann. In diesem Werk stellte er mit wissenschaftlichen Methoden Konzepte für eine Verwaltungsform in Irland vor.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zu den Ursprüngen der Demographie
Untertitel
Wann und wo liegen die Ursprünge der Demographie, welches waren ihre Begründer und welche Paradigmen herrschten zu jener Zeit vor?
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Grundlagen der Demographie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V130521
ISBN (eBook)
9783640363827
ISBN (Buch)
9783640364220
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursprüngen, Demographie, Wann, Ursprünge, Demographie, Begründer, Paradigmen, Zeit, Thema Demographischer Wandel
Arbeit zitieren
Ivonne Luenstroth (Autor), 2009, Zu den Ursprüngen der Demographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130521

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