In dieser Arbeit werden proaktive und präventive Strategien von Unterrichtsstörungen und deren Anwendung im Unterricht analysiert. Neben der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung waren unerwartete, nicht planbare Situationen im Unterricht besondere Herausforderungen. Solche „Störungen“ des Unterrichtsgeschehens haben mich sehr beschäftigt und ich arbeite an Möglichkeiten, damit bestmöglich umzugehen, um möglichst rasch wieder in ein konstruktives Unterrichtsgeschehen „umlenken“ zu können. Dieses Thema möchte ich gerne in meiner Bachelorarbeit weiter vertiefen. Zum Prozess der Professionalisierung einer Lehrkraft gehört unter anderem der angemessene Umgang mit Unterrichtsstörungen und der passenden Handhabung von schwierigen Situationen im Klassenzimmer. Unterrichtsstörungen können sich auf unterschiedliche Weise im Klassenzimmer/Unterricht unterschiedlich häufig äußern.
Außerdem gibt es zahlreiche Ursachen, weshalb es zu Störungen des Lehr- und Lernprozesses kommen kann bzw. kommt. Lohmann beschreibt störungsfreien Unterricht als eine Fiktion. Für diese unterschiedlichen Unterrichtsstörungen gibt es dementsprechend auch eine Menge unterschiedlicher Möglichkeiten darauf zu reagieren bzw. Ansätze ihnen vorzubeugen und mit ihnen umzugehen. Der Umgang mit Unterrichtsstörungen und die Reaktionen auf Unterrichtsstörungen sind von Lehrperson zu Lehrperson unterschiedlich, weil Störungen subjektiv wahrgenommen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG UND AUFGABENSTELLUNG
2 UNTERRICHTSSTÖRUNGEN
2.1 DEFINITIONEN UND BEGRIFFSERKLÄRUNGEN
2.1.1 Definition nach Nolting
2.1.2 Definition nach Winkel
2.1.3 Definition nach Lohmann
2.2 ARTEN VON UNTERRICHTSSTÖRUNGEN
2.3 URSACHEN VON UNTERRICHTSSTÖRUNGEN
2.3.1 Lehrpersonenbezogen
2.3.2 SchülerInnenbezogen
2.3.3 Unterrichtsbezogen
2.3.4 Systembezogen
2.4 ZIELE DER UNTERRICHTSSTÖRUNGEN
2.5 FOLGEN DER UNTERRICHTSSTÖRUNGEN
2.5.1 Forschungsstand
3 PRÄVENTIONSSTRATEGIEN VON UNTERRICHTSSTÖRUNGEN
3.1 DEFINITION CLASSROOM MANAGEMENT/ KLASSENFÜHRUNG
3.2 PRÄVENTION AUF DER DISZIPLIN-MANAGEMENTEBENE
3.2.1 Vorbereitung des Klassenraumes
3.2.2 Organisation und Strukturierung des Unterrichts
3.2.3 Regeln und Routinen planen und unterrichten
3.3 PRÄVENTION AUF DER UNTERRICHTSEBENE DURCH TECHNIKEN EFFIZIENTER KLASSENFÜHRUNG/ CLASSROOM MANAGEMENT
3.3.1 Allgegenwärtigkeit und überlappend handeln
3.3.2 Reibungslosigkeit und Schwung
3.3.3 Aufrechterhaltung des Gruppenfokus
3.3.4 Programmierte Überdrussvermeidung
3.4 PRÄVENTION AUF DER BEZIEHUNGSENEBENE
3.4.1 Beziehungen im Klassenzimmer
3.4.2 Gestaltung eines positiven Lern-und Klassenklimas
3.4.3 Kommunikation
3.4.4 Humor
3.4.5 Prävention auf der Schulebene
4 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
4.1 METHODISCHES VORGEHEN
4.1.1 Konstruktion und Durchführung meiner Interviews
4.1.2 Transkription
4.2 AUSWERTUNG DER INTERVIEWS
4.3 ERGEBNISSE
5 DISKUSSION
6 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert proaktive und präventive Strategien von Unterrichtsstörungen im Kontext eines Grundschulunterrichts. Das primäre Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, mit welchen pädagogischen und didaktischen Maßnahmen Lehrpersonen Störungen im Unterricht begegnen und diese bereits im Vorfeld durch eine strukturierte Klassenführung reduzieren können.
- Grundlagen und Definitionen von Unterrichtsstörungen aus verschiedenen fachwissenschaftlichen Perspektiven.
- Analyse von Ursachen für Unterrichtsstörungen (Lehrperson, SchülerInnen, Unterricht, System).
- Präventionsstrategien auf Disziplin-, Unterrichts- und Beziehungsebene.
- Empirische Untersuchung mittels problemzentrierter Experteninterviews mit Lehrkräften.
- Diskussion über Handlungsoptionen zur Förderung eines positiven Lernklimas und effizienten Classroom Managements.
Auszug aus dem Buch
2 Unterrichtsstörungen
„Unterrichtsstörungen treten in jeder Klasse auf“ (Wettstein/Scherzinger 2019: 15). Nach Lohmann (2009: 15) ist es eine didaktische Fiktion, einen störungsfreien Unterricht mithilfe von pädagogisch-didaktischem Wissen und Können herzustellen. Unterrichtsstörungen sind aus dem schulischen Alltag nicht wegzudenken (vgl. Keller 2010: 27). Im Unterricht laufen komplexe Interaktionsprozesse zwischen der Lehrperson und den SchülerInnen ab (vgl. Wettstein/Scherzinger 2019: 9). Kinder kommen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen, Vorkenntnissen, Vorerwartungen aus ihrem privaten Umfeld in die Schule. Dadurch ergibt sich ein großes Aufkommen an Störungen im Interaktionsprozess (vgl. Braun/Schmischke 2013: 8). Die Ursachen, Erscheinungsformen, Häufigkeit und das Ausmaß der Störungen sind vielfältig und Störungen sind aus dem schulischen Alltag nicht wegzudenken. Unterrichtsstörungen haben einen stark subjektiven Charakter. Das bedeutet, jede Lehrperson beziehungsweise SchülerInnen nehmen das Ausmaß von Störungen individuell unterschiedlich wahr (vgl. Lehmann-Schaufelberger 2011: 14). „Während zwei sich leise unterhaltende Schüler in der einen Situation den erwünschten Normalfall darstellen, können sie in der anderen Unterrichtssituation bereits als störend [...] empfunden werden“ (Rattay et al. 2011: 34). Je nach Störempfindlichkeit besteht für Lehrpersonen die Gefahr, dass Unterrichtsstörungen zu einer gesundheitlichen und emotionalen Belastung werden. Auch die personelle Entwicklung von einzelnen SchülerInnen kann durch Störungen beeinträchtigt werden (vgl. Wettstein/Scherzinger 2019: 17). Unterrichtsstörungen können essenzielle negative Auswirkungen auf die aktive Lernzeit und den Lernerfolg der SchülerInnen haben (vgl. Klaffke 2020: 9). Keller (2010: 19) gibt an, dass sich im Jahresdurchschnitt die effektive Lernzeit um ca. 35% verringert, weil die Unterrichtsstörungen den Lehr- und Lernprozess hemmen. Lehrpersonen müssen Störungen im Unterricht, bis zu einem gewissen Punkt, als normales und ausweichliches Begleitsymptom akzeptieren und sich auf den Umgang bzw. die Prävention von Störungen konzentrieren. Deshalb ist es für angehende Lehrkräfte bedeutsam, aufkommende Störungen zu verstehen, sich ein Bewusstsein für die möglichen Ursachen, das Entgegenwirken und dem lösungsorientierten Umgang mit Unterrichtsstörungen zu schaffen und damit auseinanderzusetzen (vgl. Rüedi 2011: 221). „Beim Umgang mit Störungen sind generell Formen der Prävention und Formen der Intervention zu unterscheiden“ (Braun/Schmischke 2013: 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG UND AUFGABENSTELLUNG: Schilderung der persönlichen Motivation für das Thema und Definition des Untersuchungsgegenstandes.
2 UNTERRICHTSSTÖRUNGEN: Theoretische Auseinandersetzung mit Begriffsdefinitionen, Ursachen, Zielen und Folgen von Unterrichtsstörungen.
3 PRÄVENTIONSSTRATEGIEN VON UNTERRICHTSSTÖRUNGEN: Detaillierte Betrachtung von präventiven Ansätzen, insbesondere Classroom Management auf verschiedenen Ebenen.
4 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Vorstellung der methodischen Vorgehensweise, Durchführung und Auswertung der Interviews.
5 DISKUSSION: Zusammenführung der theoretischen Grundlagen mit den praktischen Ergebnissen aus den Experteninterviews.
6 FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassende Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte und Reflexion des Forschungsbedarfs.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Klassenführung, Classroom Management, Prävention, Lehrer-Schüler-Beziehung, Lernklima, reaktive Maßnahmen, proaktives Handeln, Schulklima, Interaktionsprozess, Störungsursachen, Lehrkompetenz, Kommunikation, Kooperation, pädagogisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Analyse von Unterrichtsstörungen und untersucht explizit, welche proaktiven und präventiven Strategien Lehrkräfte anwenden können, um diese zu minimieren und einen produktiven Unterricht zu gewährleisten.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Die Arbeit umfasst die Definition von Störungen, die Identifikation von Ursachen bei verschiedenen Beteiligten sowie die Darstellung von Strategien zur Klassenführung.
Was ist das primäre Ziel der Befragung?
Ziel ist es herauszufinden, wie Lehrpersonen im schulischen Alltag präventiv und proaktiv handeln, um Unterrichtsstörungen erfolgreich zu begegnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine Kombination aus einer umfassenden Literaturrecherche und einer empirischen, qualitativen Untersuchung mittels leitfadengestützter Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriearbeit zu Managementansätzen (z.B. nach Kounin) und die praktische Auswertung von Interviews mit zwei Grundschullehrkräften.
Wodurch zeichnet sich die Arbeit aus?
Sie verknüpft etablierte Management-Konzepte direkt mit der alltäglichen pädagogischen Praxis und reflektiert die Rolle der Lehrperson im komplexen sozialen System Klasse.
Welche Rolle spielt die Gruppenführung für die Prävention?
Die Arbeit legt dar, dass eine starke Strukturierung des Unterrichts und eine klare Kommunikation von Erwartungen durch die Lehrperson essenziell sind, um den Gruppenfokus zu halten.
Wie gehen Lehrkräfte laut Interviews mit Störungen um?
Die befragten Lehrkräfte betonen die Wichtigkeit von Vorbereitung, Transparenz bei Regeln und einem wertschätzenden, respektvollen Umgang, um Störungen indirekt vorzubeugen.
Welche Bedeutung hat die Beziehungsebene?
Eine positive Beziehung zwischen Lehrperson und SchülerInnen wird als Basis für einen störungsfreien Lernprozess identifiziert, da sie das gegenseitige Verständnis und die Kooperationsbereitschaft fördert.
Welches Fazit zieht die Autorin?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass es kein Allheilmittel gibt, sondern ein professionelles, reflektiertes Handeln sowie die stetige Anpassung von Strategien an die jeweilige Klassensituation entscheidend sind.
- Arbeit zitieren
- Loretta Pohler (Autor:in), 2022, Unterrichtsstörungen effektiv vorbeugen. Proaktive und präventive Strategien und ihre Anwendung im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1305232