Die Ziele der Fruchtbringenden Gesellschaft und deren Widerspiegelung im Schaffen von Martin Opitz


Hausarbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Fruchtbringende Gesellschaft im 17. Jahrhundert
2.1 Historischer Kontext
2.2 Die Institution Fruchtbringende Gesellschaft
2.3. Ziele der ersten deutschen Sprachgesellschaft

3. Martin Opitz und sein Einfluss auf die deutsche Sprache
3.1 „Der Vater der deutschen Dichtkunst“- eine umstrittene Person des 17. Jahrhunderts
3.2 Die Ziele von Martin Opitz und seine Bedeutung für die deutsche Sprache

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internet

1. Einleitung

Am 18. Januar 2007, fast vierhundert Jahre nach der Gründung der Fruchtbringenden Gesellschaft, ließen Vertreter mehrerer Sprachpflegevereine und Bürger der Stadt Köthen/ Anhalt jene erste deutsche Sprachgesellschaft wiederaufleben. So fand an diesem Donnerstagabend die Gründungsveranstaltung der „Neuen Fruchtbringenden Gesellschaf zu Köthen/ Anhalt- Vereinigung zur Pflege der deutschen Sprache“ statt.[1] Der Oberbürgermeister begrüßte die Wiederbelebung, da die Bachstadt nun wieder auf dem gleichen Wege wie damals sei, sich „zu einem Zentrum der deutschen Sprache zu entwickeln[.]“[2]

Diese Hausarbeit möchte einen Überblick über jene ursprünglich erste deutsche Sprachgesellschaft geben, die 1617 von Fürst Ludwig I. von Anhalt- Köthen ins Leben gerufen wurde und in diesem Jahr ihre Renaissance erlebte.

Im ersten Teilabschnitt meiner Arbeit werde ich zu Beginn auf die sprachliche Situation und den Status der deutschen Sprache im 17. Jahrhundert eingehen. Laut vielen Sprachwissenschaftlern liegt hier nämlich der Ausgangspunkt für die Gründung vieler Sprachgesellschaften in Deutschland. Es gilt anzumerken, dass man unter dem Terminus Sprachgesellschaften ganz allgemein Zusammenschlüsse, die sich mit Sprache beschäftigten, versteht.[3] Wobei die Art und Intensität ihrer Arbeit von ganz unterschiedlicher Qualität und Quantität sein konnte. Heutzutage verwendet man den Begriff Sprachgesellschaften in der wissenschaftlichen Forschung für jene Verbindungen, die zu Zeiten des Barocks entstanden sind. Ich möchte darauf hinweisen, dass beispielsweise aber auch in der Romantik oder Anfang des 20. Jahrhunderts ähnliche Institutionen entstanden sind. Diese bezeichnet man heute üblicherweise als „Einrichtungen zur Sprachpflege [.]“[4] Weitergehend gehe ich dann näher auf die erste deutsche Sprachgesellschaft, die Fruchtbringende Gesellschaft ein. Hierbei werde ich mich bemühen, die wesentlichen Merkmale jener Institution sowie Zielstellungen herauszuarbeiten.

Schwerpunkt meiner Arbeit wird es im zweiten Teil sein, das Schaffen des Schriftstellers und Mitglieds der Fruchtbringenden Gesellschaft Martin Opitz vorzustellen. Laut Karl F. Otto sind in jener Zeit eine Vielzahl von Werken im Kontext der Sprachbewegung entstanden, wobei meist offen bleibt ob jene Werke als Ergebnis der Spracharbeit der Sozietäten gelten können oder ob sie unabhängig von der Sozietätsarbeit entstanden.[5] Deshalb werde ich versuchen im Verlauf meiner Arbeit, den Einfluss der Fruchtbringenden Gesellschaft auf Opitz und seine verfassten Schriften darzulegen. So will ich zeigen, dass es genau jene Zielstellungen der Sprachgesellschaft sind, die Opitz in seinen Werken so vehement einfordert.

Man muss wissen, dass die Fruchtbringende Gesellschaft selbst nie eine programmatische Ganzschrift herausgegeben hatte. So befürwortete und förderte das Oberhaupt Fürst Ludwig I. von Anhalt- Köthen weitestgehend Übersetzungen ausländischer Werke, anstatt eigene Arbeiten im Namen der Sprachgesellschaft verfassen zu lassen. Zur Glanzzeit der Fruchtbringenden Gesellschaft sahen es trotzdem die „deutschen Dichter als große Ehre an, reguläres Mitglied zu werden“, waren aber „auch in anderen Sprachgesellschaften tätig oder gründeten eigene Vereinigungen[.]“[6]

2. Die Fruchtbringende Gesellschaft im 17. Jahrhundert

2.1 Historischer Kontext

Das Verstehen der Ziele der Fruchtbringenden Gesellschaft und den Forderungen des Mitgliedes Martin Opitz, setzt einige Vorbetrachtungen voraus. Es ist von Nöten sich genauer mit der Akzeptanz der deutschen Sprache im 17. Jahrhundert auseinanderzusetzen. So schrieb beispielsweise Henricus Caninius über den Stellenwert dieser Sprache in jener Zeit: „Was die Teutsche Schreibkunst belanget, machens die Gelehrten alle tag anders und anders. Dazu hat ein jedes Land sein eigen art und Spraach.“[7] Ein wesentlicher Grund für die Verschiedenheit der Schreibung des Deutschen lag zum einen in der, durch die Reformation verstärkte, Kleinstaaterei begründet.

So löste Dr. Martin Luther mit seinen reformatorischen Gedanken gleichzeitig auch eine Gegenbewegung aus. Dabei führten die ausgetragenen Kämpfe zwischen beiden Lagern zu ganz verschiedenartigen Machtverhältnissen in den europäischen Ländern. So setzte sich beispielsweise die Reformation in England, der Schweiz und den Niederlanden durch.[8] Wobei hingegen die Anhänger der Gegenreformation in Ländern wie Italien, Spanien und Polen erfolgreich blieben. Kennzeichnend für all jene Länder war aber, dass die Macht nach kurzer Zeit klar verteilt worden war. In Deutschland war dem aber nicht so. Hier fanden über Jahrzehnte erbitterte Machtkämpfe statt, die zu keinem Sieger führten und schlussendlich Mitte des 17. Jahrhunderts im Dreißigjährigen Krieg mündeten. Jene innenpolitische Situation machte die Schaffung eines starken Nationalstaates, wie in anderen Ländern Europas vollzogen, unmöglich. Vielmehr herrschte eine tiefgehende Kleinstaaterei, die dem Streben nach einer einheitlichen Hochsprache ein jähes Ende bereitet.[9]

Weiterhin sah sich die deutsche Sprache in dieser Zeit außerdem auch der Gefahr der sprachlichen Überfremdung ausgesetzt. So bedrohte doch der exzessive Gebrauch des Lateinischen und Französischen zunehmend deren Existenz. Latein galt im 17. Jahrhundert als eigentliche Gelehrten-, Mediziner- und Juristensprache. Gründe für diese Wertschätzung finden sich vor allem in der Zeit des Humanismus.[10] Beschäftigten sich doch eine Vielzahl bekannter humanistischer Gelehrter mit dem zumeist römischen Kulturgut der Antike und begeisterten sich auch für deren Sprache, dem Lateinischen. Dies mündet dann darin, dass in Deutschland beispielsweise eine Vielzahl wissenschaftlicher Schriften nun noch in jener Sprache verfasst wurden. Auch lässt sich durch die Nachahmung des lateinischen Satzbaus ein Einfluss auf die Grammatik des Deutschen nachweisen.[11]

Neben dem Einfluss des Lateinischen nahm zu Beginn des 17. Jahrhunderts auch der Einfluss der französischen Sprache zu. Dies resultierte vor allem daraus, da sich die deutsche höfische Welt mehr und mehr an der des französischen Könighofes ausrichtet. Man spricht hierbei vom so genannten Auftreten des Alamodewesens.[12] Erkennbar wird dies darin, dass in jener Zeit eine Vielzahl von Hauslehren zur Vermittlung der französischen Sprache und Sitten vom deutschen Adel angestellt wurden, um deren Kindern und späteren Nachfolgern jene ausländische Kultur schon an zu erziehen. Doch war es nicht einzig und allein die höfische Kultur, die sich auch dem Französischen bediente. So übernahm auch das Bildungsbürgertum jene Sprache mit in den Alltag. Wollten sie doch auch, zumindest sprachlich, Teil jener neu beschworenen Kultur sein.[13]

[...]


[1] Zitiert nach: Paulwitz, Thomas: Fruchtbringende Gesellschaft wiedergegründet

http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/pm-2007-01-18.shtml (letzter Zugriff: 12.03.2007)

[2] Zitiert nach: Paulwitz, Thomas: Fruchtbringende Gesellschaft wiedergegründet

[3] Polenz, Peter von: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. (Band II); Gruyter Verlag; Berlin/ New York; 1994; Seite 115 f

[4] Gardt, Andreas: Die Sprachgesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts; In: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprach und ihrer Erforschung. 1. Teilband; Seite 332-348; Hrsg. Werner Besch u.a.; Gruyter Verlag; Berlin/ New York; 1998; Seite 332

[5] Otto, Karl F.: Die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts; Metzlersche Verlagsbuchhandlung; Stuttgart; 1972; Seite 12 f

[6] Grimm, Gunter E.: Die Suche nach der eigenen Identität. Deutsche Literatur im 16. und 17. Jahrhundert; In: Geschichte der Literatur. Renaissance und Barock (Band III); Seite 326-369; Hrsg. Wischer, Erika; Propyläen Verlag; Frankfurt am Main/ Berlin; 1988; Seite 350

[7] Zitiert nach: Straßner, Erich: Deutsche Sprachkultur. Von der Barbarensprache zur Weltsprache; Niemeyer Verlag; Tübingen; 1995; Seite 65

[8] Vgl. Roeck, Bernd: Reformation und Gegenreformation. Die großen geistigen Ereignisse zwischen Mittelalter und Neuzeit; In: Geschichte der Literatur. Renaissance und Barock (Band 3); Seite 68-97; Hrsg. Wischer, Erika; Propyläen Verlag; Frankfurt am Main/ Berlin; 1988; Seite 83 ff

[9] Engels, Heinz: Die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts; Schmitz Verlag; Gießen; 1983; Seite 13

[10] Siehe dazu: Tunz, Erich: Deutsche Literatur zwischen Späthumanismus und Barock; Beck; München; 1995; Seite 83-116

[11] Beispielhaft dafür ist die Existenz des substantivierten Infinitivs im Deutschen.

[12] Vgl. Grimm, Gunter E.; 1988; Seite 349 f

[13] Verspottet wird jener übermäßiger Fremdwortgebrauch durch Deutsche zum Beispiel in „Horribilicribrifax Teutsch“ von Andreas Gryphius.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Ziele der Fruchtbringenden Gesellschaft und deren Widerspiegelung im Schaffen von Martin Opitz
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V130525
ISBN (eBook)
9783640392247
ISBN (Buch)
9783640392186
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ziele, Fruchtbringenden, Gesellschaft, Widerspiegelung, Schaffen, Martin, Opitz
Arbeit zitieren
B.A. Förster Markus (Autor), 2007, Die Ziele der Fruchtbringenden Gesellschaft und deren Widerspiegelung im Schaffen von Martin Opitz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130525

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