Unterrichtsentwurf eines Unterrichtsbesuches in einer 9. Realschulklasse mit den Kompetenzen der Unterrichtseinheit, einer vollständigen Gliederung der Unterrichtseinheit, Zielen und Teillernzielen/Kompetenzen der Unterrichtsstunde, dem geplanten Unterrichtsverlauf in tabellarischer Form, einer vollständigen Analyse (Anmerkungen zur Klassensituation), vollständigen Literaturangaben und eingesetzten Arbeitsblättern.
Kernkompetenz der Stunde:
Die Schüler wissen durch Analyse von Gesetzestexten, welche Folgen die Nürnberger Gesetze auf das Leben der Juden in Deutschland hatten (Ehe/ Heirat/ sexueller Kontakt zwischen `Ariern` und Juden verboten; Verlust politischer Rechte). Sie wissen, dass die Nürnberger Gesetze die juristische Grundlage für die Entrechtung der Juden in Deutschland bildeten.
Inhaltsverzeichnis der Unterrichtseinheit
1. Einführung in die Unterrichtseinheit: Nationalsozialistische Rassenlehre
2. Die Anfänge der Ausgrenzung und Entrechtung der Juden
3. Die Nürnberger Gesetze
4. Die Pogromnacht – Ausschreitungen und Folgen
5. Verschärfung der Lage für die Juden: Zwangsquartierung und weitere Judengesetze
6. Die Gettoisierung der Juden - Der Aufstand im Warschauer Ghetto
7. Die SS: Akteure des Verbrechens - Wannsee-Konferenz
8. Massenmord in Auschwitz
9. Vertiefung: Der Holocaust im Spielfilm oder Besuch einer Gedenkstätte
10. Klassenarbeit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel der Unterrichtseinheit ist es, den Schülern ein tiefgreifendes Verständnis für die Ursachen, den systematischen Verlauf und die verheerenden Folgen der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland von 1933 bis 1938 sowie darüber hinaus zu vermitteln. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle der Gesetzgebung als Instrument der Entrechtung und räumlichen Isolierung.
- Analyse der nationalsozialistischen Rassenideologie und deren propagandistischer Verbreitung.
- Untersuchung der rechtlichen Instrumentalisierung der Judenverfolgung durch die Nürnberger Gesetze.
- Erkenntnisgewinn über die Auswirkungen der Verfolgung auf den jüdischen Alltag durch Zeitzeugnisse und Quellenarbeit.
- Auseinandersetzung mit der Radikalisierung der Maßnahmen bis hin zur „Endlösung“ und dem Holocaust.
Auszug aus dem Buch
Die Schriftstellerin Ingeborg Hecht, die 1921 in Hamburg als Tochter eines Juden und einer sogenannten Arierin geboren wurde, schrieb über ihre Erinnerungen an die NS-Zeit das Buch „Als unsichtbare Mauern wuchsen. Eine deutsche Familie unter den Nürnberger Rassengesetzen“. Sie beschreibt anhand der einzelnen Gesetze bzw. Durchführungsbestimmungen die zunehmenden Probleme der Juden:
18.09.1935: Personen, die in Fälle von Rassenschande verwickelt sind, sind in Schutzhaft zu nehmen.
Meine Mutter wurde einige Wochen vor Ostern wegen angeblicher Rassenschande mit ihrem geschiedenen Mann, meinem Vater, verhaftet und ins Stadthaus gebracht. Mein Vater hatte auch nach der Scheidung noch fünf Jahre bei uns gelebt und uns später regelmäßig besucht. Er wurde ebenfalls verhaftet.
12.11.1938: Juden ist der Besuch von Theatern, Kinos, Konzerten, Ausstellungen usw. verboten.
Vater und ich gingen gern miteinander ins Kino. In das Kino wagten wir uns nach dem Erlass nicht mehr. Eines Tages war uns so nach Traumfabrik zumute. Wir fuhren in ein enges Vorstadtkino (...). Plötzlich kam die Platzanweiserin, leuchtete die vorderen Reihen ab und winkte uns. Mir blieb das Herz stehen, die Beine begannen zu zittern. Würden da nun zwei Herren in Ledermänteln stehen oder in brauner oder schwarzer Uniform? Hatte irgendjemand den Vater erkannt? „Ich habe jetzt eine Loge frei“, sagte freundlich die aufmerksame Platzanweiserin.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung in die Unterrichtseinheit: Nationalsozialistische Rassenlehre: Die Schüler setzen sich mit der nationalsozialistischen Propaganda und den Grundannahmen der Rassenlehre auseinander.
Die Anfänge der Ausgrenzung und Entrechtung der Juden: Hier wird thematisiert, wie durch Boykottmaßnahmen und Berufsverbote der Prozess der Entrechtung eingeleitet wurde.
Die Nürnberger Gesetze: Dieses Kapitel analysiert die gesetzliche Grundlage, die zur systematischen Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Mitbürger führte.
Die Pogromnacht – Ausschreitungen und Folgen: Die Schüler untersuchen die Ereignisse der Reichspogromnacht und das Verhalten der nicht-jüdischen Bevölkerung.
Verschärfung der Lage für die Juden: Zwangsquartierung und weitere Judengesetze: Es wird die räumliche Isolierung durch Judenhäuser und die Verschlechterung der Wohnverhältnisse behandelt.
Die Gettoisierung der Juden - Der Aufstand im Warschauer Ghetto: Dieses Kapitel behandelt die Lebensbedingungen im Ghetto und die Anzeichen für organisierten Widerstand.
Die SS: Akteure des Verbrechens - Wannsee-Konferenz: Hier wird der Begriff der „Endlösung“ und die Rolle der SS bei der Planung des Massenmords erarbeitet.
Massenmord in Auschwitz: Die Schüler setzen sich mit den grausamen Folgen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in den Konzentrationslagern auseinander.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Antisemitismus, Rassenlehre, Nürnberger Gesetze, Judenverfolgung, Entrechtung, Reichspogromnacht, Gettoisierung, Holocaust, Endlösung, Reichsbürgergesetz, Blutschutzgesetz, Widerstand, Rassenschande, Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf primär?
Der Entwurf dient der Planung einer Geschichtsstunde in einer neunten Klasse über die Nürnberger Gesetze und deren rechtliche sowie soziale Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Themen umfassen die rechtliche Ausgrenzung, den alltäglichen Antisemitismus, die Radikalisierung der NS-Gesetzgebung und die methodische Vermittlung dieser komplexen historischen Inhalte.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Die Schüler sollen erkennen, dass die Nürnberger Gesetze eine juristische Grundlage für die systematische Entrechtung bildeten und welche drastischen Folgen dies für die Betroffenen hatte.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es kommen vorwiegend Quellenarbeit, Gesetzesanalyse, Bildauswertung sowie schülerorientierte Methoden wie Rollenspiele und Gruppenarbeit zum Einsatz.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Unterrichtsstunde?
Im Hauptteil analysieren die Schüler Gesetzestexte zum „Reichsbürgergesetz“ und zum „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes“ und präsentieren deren Folgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Material?
Zu den prägenden Begriffen gehören Antisemitismus, Nürnberger Gesetze, Entrechtung, Rassenschande und Holocaust-Aufarbeitung.
Warum wird im Unterricht mit Rollenspielen gearbeitet?
Rollenspiele sollen den Schülern helfen, sich empathisch in die bedrohliche Lebenssituation jüdischer Menschen während der NS-Zeit hineinzuversetzen.
Welche Rolle spielt die Einbeziehung autobiografischer Texte?
Texte, wie die von Ingeborg Hecht, dienen dazu, die abstrakten Gesetzestexte mit der gelebten Realität und den Gefühlen der Verfolgten zu verknüpfen.
- Citation du texte
- Gunnar Norda (Auteur), 2008, Die Nürnberger Gesetze (Unterrichtsentwurf Geschichte, 9. Klasse), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130551