In Wissenschaft und Politik fand er bis vor wenigen Jahrzehnten kaum Beachtung. Und auch heute gibt es in Deutschland nur wenige Institute und Lehrstühle, die sich mit Struktur und Potenzial des Dritten Sektors beschäftigen. Doch in aktuellen Debatten über die Zukunft der modernen Gesellschaft gewinnt der „Nonprofit-Sektor“ zusehends an Bedeutung. Doch wie lässt sich dieses neu erwachte Interesse an Funktionen und Möglichkeiten von Stiftungswesen, gemeinnützigen Verbänden, Ehrenamt und privaten Einrichtungen im Kultur- und Freizeitbereich etc. erklären? Einen Teil der Antwort sehen Wissenschaftler in dem Wertewandel sowie den tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, „die insbesondere seit 1989 unsere Gesellschaft prägen und ein Ende des industriewirtschaftlichen Wohlfahrtstaates erahnen lassen.“ (ANHEIER 1998:13) Als ein weiterer Faktor wird der letztlich damit einhergehende Vertrauensverlust gegenüber staatlichen Aktivitäten angeführt, welcher nicht-staatliche Organisationen verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken lässt (Vgl. ebd.).
Wie es jedoch zum Entstehen dieses wirtschaftlichen Sektors „zwischen Markt und Staat“, welcher keinesfalls synonym zum Begriff des tertiären Sektors verwendet werden sollte, kam, welche Komponenten ihn konstituieren und wie dieser Sektor sozial in der Gesellschaft verortet ist, wird Thema der vorliegenden Arbeit sein. Hierbei liegt der Fokus der Betrachtung auf der Entwicklung und der gesellschaftspolitischen Bedeutung des Nonprofit-Sektors in Deutschland. Dennoch wird versucht, ebenso einen Einblick in die internationale Entwicklung des Dritten Sektors zu geben und einige Vergleiche zu Deutschland zu ziehen. Darüber hinaus wird der im Laufe der Arbeit zu erläuternden Polyfunktionalität des Sektors ein weiterer Abschnitt gewidmet, welcher zudem einen Ausblick in die Zukunft wagt und Entwicklungschancen sowie Potenziale des Sektors versucht einzuschätzen. In einer abschließenden Zusammenfassung werden die markantesten Eckpunkte der Entwicklung sowie die gesellschafts- und wirtschaftspolitische Relevanz dieses Wirtschaftsbereiches kompakt zusammengestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Der Dritte Sektor – Versuch einer Definition
3 Entwicklung und Struktur des Dritten Sektors
3.1 Entwicklungen in Deutschland
3.2 Entwicklungen im internationalen Vergleich
3.3 Polyfunktionalität und Zukunftschancen
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung, Struktur und gesellschaftspolitische Rolle des sogenannten Dritten Sektors („Nonprofit-Sektor“) in Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf dessen Entwicklung, den Vergleich mit internationalen Modellen sowie das zukünftige Potenzial als Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor liegt.
- Definition und Abgrenzung des Dritten Sektors gegenüber Markt und Staat.
- Historische Entwicklung und Tradition des Nonprofit-Sektors in Deutschland.
- Beschäftigungspotenziale und wirtschaftliche Relevanz im Wandel der Gesellschaft.
- Internationaler Vergleich von Strukturen des Dritten Sektors.
- Multifunktionalität und Zukunftschancen als Vermittler in der Zivilgesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3 Entwicklung und Struktur des Dritten Sektors
Während einige Vereine und Verbände in Europa, die heute zum Dritten Sektor zählen, bereits annähernd 200 Jahre alt sind, etablierten sich der Begriff und der Forschungsansatz um den Dritten Sektor in der Wissenschaft erst in den 1970er Jahren. Der US-amerikanische Soziologe ETZIONI sprach 1973 in seinem Artikel „Organizations for the future“ erstmals von einer dritten Alternative zwischen Markt und Staat (Vgl. ZIMMER 2004:18). Er ging davon aus, dass der Staat auf Dauer nicht alle Probleme regeln könne und Ermüdungserscheinungen eintreten werden. In Europa nahm man zu dieser Zeit an, dass es zu einer Konvergenz der Systeme, also einer Annäherung von Kapitalismus und Sozialismus kommen werde (Vgl. Ebd.). In den folgenden Jahren wurde die Erforschung dieses Sektors in den USA zügig vorangetrieben. Wirtschaftswissenschaftler der Vereinigten Staaten führten die Existenz des „Third Sector“ auf eine Reaktion auf Markt- und Staatsversagen zurück. Nonprofit-Organisationen sollten in den USA die durch Kürzung staatlicher Mittel entstandenen Lücken schließen. In Europa hingegen entwickelte sich die Untersuchung des neu klassifizierten Sektors eher zögerlich. Hier konzentrierte man sich mehr auf die Erforschung der sozialen Faktoren, wie Solidarität und Gemeinwohlorientierung (Vgl. Ebd.). Erst in den letzten Jahren wurden Faktoren, wie die demokratietheoretische Relevanz dieses Sektors bzw. die gesellschaftlichen Integrations- und Artikulationsfunktionen thematisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet das wachsende wissenschaftliche Interesse am Nonprofit-Sektor im Kontext des gesellschaftlichen Wertewandels und der Krise des klassischen Wohlfahrtsstaates.
2 Der Dritte Sektor – Versuch einer Definition: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Dritten Sektors durch das Zusammenspiel von Markt, Staat und Gemeinschaft und grenzt ihn durch Merkmale wie Freiwilligkeit und das Verbot der Gewinnausschüttung ab.
3 Entwicklung und Struktur des Dritten Sektors: Das Hauptkapitel analysiert die historischen Wurzeln in Deutschland, den internationalen Vergleich der Sektoren sowie die vielfältigen zukünftigen Funktionen und Potenziale der Organisationen.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Merkmale, die Bedeutung als Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor sowie die Notwendigkeit einer sozialpolitischen Neuorientierung zusammen.
Schlüsselwörter
Dritter Sektor, Nonprofit-Sektor, Zivilgesellschaft, Gemeinwohlorientierung, Ehrenamt, Wohlfahrtspflege, Sozialwirtschaft, Selbstverwaltung, Subsidiarität, Beschäftigungspotenzial, Soziale Dienste, Intermediärer Bereich, Gemeinwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sogenannten Dritten Sektor, also Organisationen, die nicht primär profitorientiert arbeiten und einen intermediären Bereich zwischen dem staatlichen Sektor und dem privaten Markt bilden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die historische Genese der Nonprofit-Organisationen, ihre aktuelle wirtschaftliche Relevanz, die politische Einordnung durch Prinzipien wie Subsidiarität sowie die Rolle als sozialer Arbeitgeber.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis über die Funktion des Dritten Sektors als Infrastruktur der Zivilgesellschaft zu vermitteln und aufzuzeigen, wie dieser Sektor in Deutschland und international zur gesellschaftlichen Stabilität beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und literaturgestützten Analyse bestehender Forschungsergebnisse, wie etwa des „Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Entwicklung in Deutschland, eine vergleichende Betrachtung der internationalen Sektor-Ausprägungen und eine Untersuchung der zukünftigen Potenziale und Herausforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Nonprofit-Sektor, Zivilgesellschaft, ehrenamtliches Engagement, Gemeinwirtschaft und die Duale Struktur sozialer Dienstleistungen.
Wie unterscheidet sich der Dritte Sektor vom „tertiären Sektor“?
Der Begriff „Dritter Sektor“ bezeichnet einen gesellschaftlich-intermediären Bereich, während der „tertiäre Sektor“ ein rein volkswirtschaftlicher Begriff für den Dienstleistungssektor ist.
Warum spielt das Ehrenamt eine so zentrale Rolle?
Ehrenamtliche Arbeit ist für viele Organisationen des Dritten Sektors eine essenzielle Ressource, die nicht nur Kosten spart, sondern auch eine wichtige soziale Bindungsfunktion erfüllt.
Was bedeutet das „nondistribution constraint“ für Organisationen?
Es bezeichnet den „Zwang der Nichtverteilung“: Gewinne dürfen nicht an Eigner ausgezahlt werden, sondern müssen zwingend in neue Projekte des Vereins oder der Organisation reinvestiert werden.
Welche Rolle spielt der Staat bei der Finanzierung?
In Deutschland wird ein Großteil der Mittel durch staatliche Fördergelder oder Gebühren generiert, was einerseits Planungssicherheit bietet, aber andererseits zu einer gewissen Abhängigkeit von staatlichen Strukturen führt.
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- Peter Heilek (Author), 2006, Die Entwicklung des Dritten Sektors, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130558