Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Kritik Schelers an der Einfühlungstheorie von Theodor Lipps. Um die später von Scheler vorgebrachte Kritik an Lipps’ Einfühlungstheorie sowie dessen konträres Verständnis über die Wahrnehmung anderer nachvollziehen zu können, wird die Einfühlungstheorie zunächst in ihren Grundzügen dargelegt. Es wird versucht, die Theorie der Einfühlung so darzustellen, dass diejenigen zentralen Punkte genannt werden, die für die anschließende Kritik Schelers an Lipps von Bedeutung sind. Darum liegt der Fokus auch auf der von Lipps vorgebrachten Erkenntnisart um das Wissen anderer Individuen. Anhand Lipps’ Verständnis von Einfühlung wird schließlich dargelegt, wie ich ein anderes Individuum erlebe und wie das Wissen eines fremden Ich überhaupt erst zustande kommt.
Daran anschließend soll die unmittelbare Fremdwahrnehmung nach Scheler dargestellt werden. Nach Scheler sind uns die Erlebnisse anderer direkt und unmittelbar in ihren Ausdrucksphänomenen gegeben, weshalb auch besonders der Begriff des Ausdrucks in Bezug auf die Wahrnehmung anderer in diesem Kapitel in den Fokus gerückt wird. Kapitel 2.1 und 2.2 sollen nun eine Grundlage für das Verständnis über die teils sehr konträre Auffassung Schelers und Lipps’ über die Wahrnehmung anderer geschaffen haben.
In Kapitel 3 wird dann schließlich die Kritik, die Max Scheler in seinem Werk Wesen und Formen der Sympathie zur Einfühlungstheorie äußert, herausgearbeitet. Ist mir nach Lipps’ Theorie, sofern ich mich in jemanden hineinprojiziere, nicht ein zweites ich gegeben, aber kein anderer - also eine bloße Verdopplung von mir selbst? Ich bin mir doch, nach Scheler, in einer Weise selbst zugänglich, in der mir ein fremdes Bewusstsein nicht zugänglich ist. Dies sind zentrale Fragen, auf denen Schelers Kritik aufbaut.
Ziel der Arbeit soll es schließlich sein, darzustellen, warum Scheler und Lipps aufgrund unterschiedlicher Konzeptionen zu einer konträren Auffassung über die Wahrnehmung anderer gelangen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Einordnung der Theorien
- Die Theorie der Einfühlung nach Theodor Lipps
- Die Unmittelbarkeit der Wahrnehmung des anderen Ich nach Scheler
- Schelers Kritik an der Einfühlungstheorie Theodor Lipps’
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, Schelers Kritik an Lipps' Einfühlungstheorie darzulegen und seine konträre Auffassung über die Wahrnehmung anderer zu erläutern. Die Arbeit untersucht, warum Scheler und Lipps aufgrund unterschiedlicher Konzeptionen zu gegensätzlichen Schlussfolgerungen über die Wahrnehmung anderer gelangen.
- Einfühlungstheorie von Theodor Lipps
- Schelers Theorie der unmittelbaren Fremdwahrnehmung
- Kritikpunkte Schelers an der Einfühlungstheorie
- Bedeutung des Ausdrucks für die Wahrnehmung anderer
- Unterscheidung zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Thematik der Arbeit vor und erläutert den Fokus auf Schelers Kritik an Lipps' Einfühlungstheorie. Sie beleuchtet die Problematik der Wahrnehmung anderer und stellt die zentrale Frage, wie wir überhaupt mitfühlen können.
Kapitel 2.1 präsentiert Lipps' Einfühlungstheorie und erklärt die zentralen Elemente der Theorie. Es wird hervorgehoben, dass die Einfühlung als eine instinktive Handlung betrachtet wird, durch die wir Lebensäußerungen eines fremden Körpers wahrnehmen. Durch Einfühlung versetzen wir uns in das andere Ich hinein, um dessen psychische Inhalte zu verstehen.
Kapitel 2.2 erläutert Schelers Theorie der unmittelbaren Fremdwahrnehmung. Nach Scheler sind uns die Erlebnisse anderer direkt und unmittelbar in ihren Ausdrucksphänomenen gegeben.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Theorien von Max Scheler und Theodor Lipps und analysiert ihre Ansichten zur Wahrnehmung anderer. Zentrale Begriffe sind Einfühlung, Fremdwahrnehmung, Ausdruck, Sympathie, und Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern der Einfühlungstheorie von Theodor Lipps?
Lipps betrachtet Einfühlung als eine instinktive Handlung, bei der man sich in ein anderes Individuum hineinprojiziert, um dessen psychische Inhalte durch die Wahrnehmung seiner Lebensäußerungen zu verstehen.
Warum kritisiert Max Scheler den Ansatz von Lipps?
Scheler argumentiert, dass Lipps' Theorie nur zu einer „Verdopplung des eigenen Ichs“ führt. Man fände bei Lipps kein echtes „anderes Ich“, sondern projiziere nur sich selbst in den anderen hinein.
Wie funktioniert die Fremdwahrnehmung nach Max Scheler?
Nach Scheler nehmen wir Erlebnisse anderer direkt und unmittelbar in ihren Ausdrucksphänomenen (wie Mimik oder Gestik) wahr, ohne den Umweg über eine Projektion des eigenen Ichs.
Welche Rolle spielt der Begriff des „Ausdrucks“ in dieser Debatte?
Der Ausdruck ist für Scheler das primäre Datum der Wahrnehmung des anderen. Er ermöglicht einen direkten Zugang zum fremden Bewusstsein, der über rein körperliche Beobachtung hinausgeht.
Was ist das Ziel des Vergleichs zwischen Scheler und Lipps?
Die Arbeit soll aufzeigen, warum beide Denker aufgrund unterschiedlicher philosophischer Konzeptionen zu völlig gegensätzlichen Ansichten über das Wissen um fremde Personen gelangen.
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- Alisa Stürmer (Autor), 2022, Max Schelers und Theodor Lipps' Auffassung über die Wahrnehmung anderer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1305842