In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, inwiefern Text und Bild in den ausgewählten gängigen Bilderbüchern den Otheringprozess konstruieren. Die Bücher, die untersucht werden sind "Am Tag als Saida zu uns kam" (2016) und "Prinzessin Sharifa und der mutige Walter" (2010). Um die Fragestellung zu beantworten, wird die Arbeit wie folgt aufgebaut: Zuerst wird in Kapitel 2 der Begriff "Othering" und seinen theoretischen Hintergrund näher erläutert. Anschließend wird das Literaturmedium Bilder- bzw. Kinderbücher bestimmt, und welche Rolle sie in der Frühwahrnehmung und -orientierung bei Kindern spielen können. Danach wird die Vorgehensweise bzw. die Analysematrix in Anlehnung an Maren Conrad vorgestellt. Nach dem theoretischen Teil erfolgen die Literaturanalyse der zwei ausgewählten Bücher und eine Diskussion der Befunde. Zum Schluss werden die zentralen theoretischen und empirischen Erkenntnisse nach der Analyse zusammengefasst sowie Vorschläge für zukünftige Bilderbücher gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1. Othering
2.2. Bilderbücher
3. Analyse
3.1. Vorgehensweise
3.1.1. Mikrostruktur: Erzählung
3.1.2. Makrostruktur: Bilderbuchgestaltung
3.2. Am Tag, als Saida zu uns kam (2016)
3.3. Prinzessin Sharifa und der mutige Walter. Zwei alte Geschichten neu erzählt. (2013)
4. Diskussion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Literaturanalyse zweisprachiger Bilderbücher, inwiefern Text und Bild den Othering-Prozess konstruieren. Ziel ist es, die Mechanismen von Kategorisierung und Distanzierung zu dekonstruieren und Ansätze für eine sensiblere Gestaltung von Kinderliteratur aufzuzeigen.
- Analyse des Konzepts "Othering" im postkolonialen Kontext
- Untersuchung der Rolle von Bilderbüchern bei der Identitätsbildung
- Multimodale Analyse von Text-Bild-Relationen und Sprachhierarchien
- Gegenüberstellung und Bewertung zweisprachiger Publikationsformate
- Entwicklung von Kriterien gegen stereotype Zuschreibungen in der Literatur
Auszug aus dem Buch
Othering
Das Konzept des Othering ist eine der zentralen Figuren postkolonialer Theoriebildung und wurde vor allem durch postkoloniale Theoretiker*innen wie Edward Said oder Gayatri C. Spivak geprägt. Othering bedeutet, dass per kollektiv zugeschriebener kultureller Charakterisierung Individuen als anders, different dargestellt werden, und zwar unabhängig davon, ob sich diese Differenz tatsächlich in jedem einzelnen Fall in der Realität nachweisen lässt. Othering erscheint deshalb als diskursive Unterscheidung zwischen einem „Wir“ – also der Norm – und „den Anderen“, den von diesem Norm abweichen. Othering ist deshalb ein permanenter Akt der Grenzziehung. Es werden Unterschiede identifiziert und Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten oder Abweichungen ausgeschlossen. Dieser Prozess steht in einem sehr engen Zusammenhang mit Formen von stereotyper Repräsentation und der daraus resultierenden Internalisierung von Stereotypen sowie von Diskriminierungen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Konzept des Othering als Akt der Kategorisierung und Darlegung der Zielsetzung, dieses Phänomen in zweisprachigen Bilderbüchern zu dekonstruieren und Vorschläge für eine sensiblere Kinderliteratur zu erarbeiten.
Begriffsbestimmungen: Theoretische Fundierung durch Erläuterung des Othering-Konzepts sowie Definition der medialen und sozialisatorischen Bedeutung von Bilderbüchern.
Analyse: Detaillierte Untersuchung von „Am Tag, als Saida zu uns kam“ und „Prinzessin Sharifa und der mutige Walter“ anhand einer Analysematrix, die Mikro- und Makrostrukturen wie Text-Bild-Verhältnisse und Sprachhierarchien betrachtet.
Diskussion: Kritische Reflexion der Analyseergebnisse im Hinblick auf formale Konzepte zur Förderung von Gleichberechtigung und Wertschätzung in der Gestaltung zweisprachiger Bilderbücher.
Fazit: Zusammenfassung der zentralen Arbeitsergebnisse und Plädoyer für ein Umdenken bei Autoren und Verlagen, um Stereotypisierungen zu vermeiden und Gemeinsamkeiten spielerisch zu betonen.
Schlüsselwörter
Othering, Bilderbücher, Postkolonialismus, Intersektionalität, Identitätsbildung, Stereotype, Diversität, Sprachhierarchie, Deutsch-Arabisch, Literaturanalyse, Different-Machen, Diskriminierung, Orientalismus, Kinderliteratur, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie in zweisprachigen Bilderbüchern durch Text und Bild Prozesse des "Othering" erzeugt werden, die bestimmte Gruppen ausgrenzen oder als "anders" markieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der postkolonialen Theoriebildung, der Funktion von Kinderliteratur als Sozialisationsinstanz und der Analyse von Machtverhältnissen in der textlichen und bildlichen Gestaltung von Büchern.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Hauptziel ist es, die Mechanismen von Othering in ausgewählten Bilderbüchern aufzudecken, um durch diese Erkenntnisse Wege zu einer diversitätssensiblen und diskriminierungsfreien Kinderliteratur zu bahnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Analysematrix genutzt, die zwischen textinterner Mikrostruktur (Handlung, Identitätszuweisungen) und textexterner Makrostruktur (Buchgestaltung, Paratexte, Sprachhierarchien) unterscheidet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung und die konkrete empirische Analyse der beiden Bilderbücher „Am Tag, als Saida zu uns kam“ und „Prinzessin Sharifa und der mutige Walter“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Othering, Intersektionalität, Postkolonialismus, Identitätsbildung, Stereotypisierung und die Gestaltung von Mehrsprachigkeit in Kinderbüchern.
Welche spezifische Kritik äußert die Arbeit an „Am Tag, als Saida zu uns kam“?
Die Arbeit kritisiert, dass das Arabische im Buch marginalisiert wird, nur ornamentale Funktionen erfüllt und eine klare kulturelle Dominanz des Deutschen etabliert wird, was das Othering eher noch verstärkt.
Warum wird „Prinzessin Sharifa und der mutige Walter“ als positives Beispiel hervorgehoben?
Das Buch wird gelobt, weil es durch seine innovative, von beiden Seiten lesbare Aufmachung eine formale Gleichberechtigung zwischen der deutschen und arabischen Sprache schafft und keine Dominanzkultur erzwingt.
- Citar trabajo
- Linh Hoang (Autor), 2022, Othering in Bilderbüchern. Eine Analyse von "Am Tag als Saida zu uns kam" und "Prinzessin Sharifa und der mutige Walter. Zwei alte Geschichten neu erzählt", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1306128