In dem folgenden Beitrag möchte ich mich genau diesen reiterativen Gewalter-fahrungen widmen. Allerdings nicht im Kontext eines Erklärungsversuches, weswegen sich diese Gewaltformen manifestiert und verankert haben, sondern unter der Fragestellung, ob ein Zusammenhang zwischen andauernder Gewalt-tätigkeit auf der einen Seite und einer sich akkumulierenden Gewaltbereitschaft im Kontext eines kontinuierlichen Gewöhnungsprozesses auf der anderen Seite existiert. Woher kommt ganz konkret diese Freude an der Gewalt, diese Freude am Quälen? Töten und Quälen sind Nivellierungen des Gewaltbegriffs, welche man einer okasionellen Differenzierung hinsichtlich seiner Intensität unterziehen sollte, besonders in einem Jahrhundert mit so vielen nachweisbaren Genoziden und blutigen Massakern wie das Vergangene.
Ganz konkret gesprochen stellt sich mir die Frage, ob es so etwas wie eine „Gewöhnung“ an Gewalt gibt oder ob das zu Beginn verwendete Zitat aus „Li-tuma en los Andes“ lediglich ein fiktiver Ausspruch einer fiktiven Welt ohne rea-le Analogie darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK
2 DER GEWALTBEGRIFF UND SEINE AMBIVALENZ
3 GEWALTDARSTELLUNGEN INNERHALB DER LATEINAMERIKANISCHEN LITERATUR DES „BOOM“
3.1 GEWALT VERKÖRPERT DURCH STAATLICHE AGGRESSOREN
3.2 GEWALT VERKÖRPERT DURCH NICHT-STAATLICHE AGGRESSOREN
4 GEWALT IM KONTEXT EINES KONTINUIERLICHEN GEWÖHNUNGSPROZESSES
5 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen andauernder Gewalttätigkeit und einer sich akkumulierenden Gewaltbereitschaft im Sinne eines kontinuierlichen Gewöhnungsprozesses existiert, wobei der Fokus auf der Analyse peruanischer Gewaltkontexte in Mario Vargas Llosas Werk "Lituma en los Andes" liegt.
- Analyse der Ambivalenz des Gewaltbegriffs
- Darstellung von Gewaltformen in der lateinamerikanischen Literatur
- Untersuchung von staatlicher und nicht-staatlicher Gewalt
- Sozialpsychologische Betrachtung der Gewaltbereitschaft
- Reflektion über normative Referenzrahmen und historische Genese von Gewalt
Auszug aus dem Buch
3.1 Gewalt verkörpert durch staatliche Aggressoren
Übergriffe ausgehend von staatlichen Aggressoren lassen sich nur bei genauerem Hinsehen im Werk von Vargas Llosa lokalisieren. Allerdings finden sich Hinweise, dass staatliche Gewaltakte nicht selten in Form eines Machtmissbrauches zu Tage treten. Mord, Vertuschungsaktionen und Folter gehören zum omnipräsenten Repertoire dieser Gruppierung. Schockierend ist darüber hinaus auch die Behandlung des Hirten der Vicuña Herde, welcher zu Verhörzwecken grausam mit Phosphor gefoltert wurde. Auch wird später durch die durch Vargas Llosa verwendete Wortwahl der „Initiationshandlung, Feuertaufe“ dem Leser verdeutlicht, dass Gewalthandlungen in Form von Folter zum täglichen Geschäft eines Amtsdieners gehören. Neben den direkten Staatsdienern gibt es auch noch militärische Abteilungen, deren Alltag von brutalen Machtdemonstrationen, Folter und Mord geprägt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK: Einführung in die Fragestellung einer möglichen Gewöhnung an Gewalt unter Einbezug von Literatur und sozialpsychologischer Forschung.
2 DER GEWALTBEGRIFF UND SEINE AMBIVALENZ: Theoretische Klassifizierung und Differenzierung verschiedener Gewaltformen, wie physischer, psychischer, kultureller und struktureller Gewalt.
3 GEWALTDARSTELLUNGEN INNERHALB DER LATEINAMERIKANISCHEN LITERATUR DES „BOOM“: Literarische Untersuchung von Gewaltakten in Vargas Llosas Roman unterteilt in staatliche und nicht-staatliche Akteure.
3.1 GEWALT VERKÖRPERT DURCH STAATLICHE AGGRESSOREN: Analyse staatlichen Machtmissbrauchs, Folter und Mord in der peruanischen Erzählung.
3.2 GEWALT VERKÖRPERT DURCH NICHT-STAATLICHE AGGRESSOREN: Betrachtung von Hinrichtungen und Gewaltexzessen durch bewaffnete Gruppen im Kontext indigener Bevölkerung.
4 GEWALT IM KONTEXT EINES KONTINUIERLICHEN GEWÖHNUNGSPROZESSES: Synthese der Forschungsergebnisse zur Frage, ob Gewaltbereitschaft durch einen Gewöhnungsprozess innerhalb bestimmter Gesellschaftssysteme entsteht.
5 LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Gewalt, Gewöhnungsprozess, Mario Vargas Llosa, Lituma en los Andes, Lateinamerika, Physische Gewalt, Strukturelle Gewalt, Sozialpsychologie, Gewaltbereitschaft, Normativer Referenzrahmen, Machtmissbrauch, Totalisierung, Indigene Bevölkerung, Ideologie, Genozid.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und literarische Dimension von Gewalt in Lateinamerika und prüft, ob sich Menschen durch einen stetigen Gewöhnungsprozess an extreme Gewaltakte adaptieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Gewaltbegriffs, die literarische Darstellung von Gewalt in Peru sowie die sozialpsychologische Analyse von Tätern in totalitären Kontexten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob ein Zusammenhang zwischen andauernder Gewalttätigkeit und einer sich akkumulierenden Gewaltbereitschaft im Sinne eines kontinuierlichen Gewöhnungsprozesses besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch sozialpsychologische Studien (z. B. von Harald Welzer) gestützt und in einen historischen Kontext gesetzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Gewaltbegriff klassifiziert, Gewaltformen in Mario Vargas Llosas Werk analysiert und der Prozess der moralischen Abstumpfung innerhalb totalitärer Systeme diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Gewalt, Gewöhnungsprozess, strukturelle Gewalt, Machtmissbrauch, ideologische Gewalt und die literarische Aufarbeitung in der lateinamerikanischen Geschichte.
Welche Rolle spielt der Roman „Lituma en los Andes“ in der Untersuchung?
Der Roman dient als primäres Fallbeispiel, um die Vielschichtigkeit von Gewalt in der peruanischen Zeitgeschichte und den Umgang damit durch staatliche und nicht-staatliche Akteure aufzuzeigen.
Warum wird der Begriff des „Normativen Referenzrahmens“ eingeführt?
Der Begriff dient dazu zu erklären, wie Täter ihre Gewalthandlungen in einem zeitgenössischen, legitimierenden Kontext verankern, ohne notwendigerweise persönliches Schuldbewusstsein zu empfinden.
Wie wird das Verhältnis zur indigenen Bevölkerung im Werk bewertet?
Die Arbeit hebt hervor, dass ein omnipräsenter Rassismus gegenüber der indigenen Bevölkerung existiert und Vargas Llosa dieses negative Bild im Verlauf seines Werkes nicht korrigiert.
Was ist das Fazit zur „Gewöhnung an Gewalt“?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der soziokulturelle Kontext und die Sozialisation in einem durch Brutalität geprägten Umfeld zu einem Abstumpfungsprozess führen, der Gewalt als konstitutives Element einer Gesellschaft etablieren kann.
- Citation du texte
- Florian Fromm (Auteur), 2009, Gewalt im Kontext eines kontinuierlichen Gewöhnungsprozesses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130627