Die vorliegende Arbeit wird im Rahmen des Aufbaumoduls Literaturen, Medien und Kulturen verfasst. Als Erstes soll analysiert werden, wie das zentrale Reisemotiv im Roman "Homo Faber" narrativ bearbeitet wurde. Dabei liegt der Schwerpunkt der Kategorien auf den im Seminar behandelten Begrifflichkeiten der Erzähltextanalyse nach Scheffel und Martinez. Da das ausgewählte Motiv im Zusammenhang mit der Identitätskrise der Hauptfigur steht, erscheint es mir als wichtig, dass die Begriffe Identität und Selbstkonzept/Selbstbild psychologisch eingeordnet werden, um ein besseres Verständnis für die Charakterentwicklung zu bekommen. Es folgt die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Roman. Dabei wird ebenfalls auf die Zeitstruktur eingegangen.
Anschließend soll sich vor allem auf den Bereich der literaturdidaktischen Darstellung fokussiert werden. Hierbei sollen verschiedene Herangehensweisen zur Adaption des Romans unter Bezugnahme des Reisemotivs erarbeitet werden, die im Deutschunterricht Anwendung finden können. Dafür wird erst auf die Einordnung im Rahmenlehrplan eingegangen und dargestellt, welche verschiedenen inhaltlichen sowie kompetenzorientierten Bereiche abgedeckt werden könnten. Dann folgt eine fiktiv konzipierte Unterrichtseinheit, die in Kurzform dargestellt werden soll. Schließlich wird die Aufschlüsslung möglicher Kompetenzen vorgenommen.
Da der Fokus auf dem Reisemotiv mit Hinblick auf die Identitätsfindung liegt, ist es von zentraler Bedeutung, dass ausgewählte Bedingungen der Schülerinnen und Schüler analysiert werden. Dies ist nötig, da der lebensweltliche Bezug in Zusammenhang mit den vorliegenden Bedingungen gesetzt werden muss. Abschließend folgt eine zusammenfassende Schlussbetrachtung, in welcher alle zentralen Zusammenhänge dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literaturwissenschaftliche Darstellung
2.1 Reisemotiv als Medium der Identitätsfindung und -krise
2.1.1 Zeitstruktur
3. Literaturdidaktische Darstellung
3.1 Bezug zum RLP
3.2 Fiktive Unterrichtseinheit
3.2.1 Einordnung des Stundenthemas
3.2.2 Bedingungsanalyse
3.2.3 Ablauf der Stunde
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das zentrale Motiv der Reise im Roman "Homo Faber" als Medium zur Identitätsfindung und -krise sowie dessen Potenzial für eine literaturdidaktische Umsetzung im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe.
- Analyse der Identitätsentwicklung und Krisenbewältigung des Protagonisten Walter Faber
- Untersuchung des Reisemotivs als narrative Schnittstelle zwischen Selbstbild und Fremderfahrung
- Anwendung erzähltheoretischer Ansätze zur Analyse der komplexen Zeit- und Erzählstruktur
- Didaktische Konzepte zur Implementierung des Romans unter Berücksichtigung adoleszenzspezifischer Lernvoraussetzungen
- Verbindung von fachwissenschaftlicher Aufarbeitung und schulpraktischer Umsetzbarkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Reisemotiv als Medium der Identitätsfindung und -krise
Die zentralen Werke des Autors Max Frisch handeln nicht vordergründig von politischen Themen oder zielen auf die Kritik von gesellschaftlichen Strukturen ab, sondern beschäftigen sich vor allem mit dem Individuum, welches sich seiner Identität nicht sicher ist und in einer Krise steckt (vgl. Gigl, 2011: S. 64). In vielen anderen Werken findet man die Rollenproblematik eines Individuums – meistens des Protagonisten. Das Individuum setzt sich als Figur mit dem Fremdbild, welches sich andere von ihm machen und dem eigenen Selbstbild auseinander. Vor allem durch das Selbstbild erlegen sich die Figuren eine bestimmte Rolle auf, der sie innerhalb der Handlung nicht gerecht werden können und scheitern schließlich in einer Identitätskrise.
Um nachvollziehen zu können, welche Probleme sich durch eine Identitätskrise bzw. -findung ergeben, muss als erstes der Begriff Identität näher betrachtet werden. Hierfür wird aus Sicht der Psychologie erklärt, wie man die unterschiedlichen Begrifflichkeiten - Identität und Selbst – im Zusammenhang einordnen muss. William James hat in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen seine Spuren hinterlassen, sowohl in der Philosophie als auch Psychologie. Er gilt als einer der Gründungsväter der modernen Psychologie, weshalb hier auf seine Erkenntnisse eingegangen wird: Man betrachtet die Lebensspanne eines Menschen, sowohl von dem Moment seiner Geburt als auch des Todes (vgl. Baumann, 2020). Dabei gibt es einen bestimmten Punkt: Das Hier und Jetzt - also der Moment, in dem sich ein Individuum gerade befindet. Das Hier und Jetzt erlebt ein Individuum mit all seinen Sinnen „als ganzes holistisches Ich“ (Baumann, 2020). Dieses „Ich“ ist auch der Begriff, welchen William James für die Ich-Wahrnehmung verwendet – im Englischen „I“ (vgl. Baumann, 2020).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Identitätsproblematik von Max Frischs Roman "Homo Faber" ein und erläutert die Relevanz des Reisemotivs für die Identitätsfindung des Protagonisten sowie für den schulischen Kontext.
2. Literaturwissenschaftliche Darstellung: In diesem Kapitel wird das Reisemotiv als Medium der Identitätskrise psychologisch und literaturwissenschaftlich unter Einbezug von Erzähltheorie und Zeitstruktur analysiert.
3. Literaturdidaktische Darstellung: Der Abschnitt widmet sich der Adaption des Werkes für den Deutschunterricht, inklusive der Einordnung in den Rahmenlehrplan sowie der Entwurfsplanung einer fiktiven Unterrichtseinheit.
4. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zur Identitätsentwicklung des Protagonisten zusammen und reflektiert die Möglichkeiten des Roman-Einsatzes im Deutschunterricht.
Schlüsselwörter
Homo Faber, Max Frisch, Reisemotiv, Identitätsfindung, Identitätskrise, Selbstbild, Erzähltextanalyse, Literaturdidaktik, Deutschunterricht, Protagonist, Zeitstruktur, Adoleszenz, Schullektüre, Walter Faber, Identitätskonzept
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Roman "Homo Faber" von Max Frisch und analysiert die Verknüpfung zwischen dem zentralen Reisemotiv und der Identitätskrise der Hauptfigur Walter Faber.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die literaturwissenschaftliche Analyse von Identität, Selbstkonzept und Erzählstruktur sowie deren didaktische Nutzbarmachung für Lehrkräfte im Deutschunterricht.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Walter Fabers Reise als Identitätsreise narrativ gestaltet ist und wie diese Thematik methodisch im Deutschunterricht einer Oberstufenklasse adaptiert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden erzähltheoretische Kategorien nach Scheffel und Martinez sowie psychologische Theorien zur Identitätsbildung von William James und Erikson herangezogen, um den Roman zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine literaturwissenschaftliche Untersuchung des Menschenbildes, der Zeitstruktur im Roman ("zwei Stationen") und eine literaturdidaktische Planung einer Unterrichtseinheit inklusive Bedingungsanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Homo Faber, Reisemotiv, Identitätsfindung, Identitätskrise, Erzähltextanalyse und Literaturdidaktik.
Warum spielt das Motiv der Reise für den Protagonisten eine so große Rolle?
Die Reise zwingt Faber aus seinem starren, technisch geprägten Weltbild heraus. Sie dient als Medium, durch das er mit seiner diffusen Identität und der Realität konfrontiert wird, was zu einer schleichenden Entwicklung seiner Selbstwahrnehmung führt.
Warum wird im didaktischen Teil eine Bedingungsanalyse durchgeführt?
Die Bedingungsanalyse ist notwendig, um das Vorwissen und die adoleszenzspezifische Entwicklungsphase (Altersspanne 15-17 Jahre) der SuS zu berücksichtigen, was eine zielgerichtete Planung des Unterrichts erst ermöglicht.
Welche Bedeutung hat das Krankenhaus in Athen im Roman?
Athen fungiert als Schlüsselort am Ende der Lebensreise. Faber verarbeitet dort in seinen Aufzeichnungen die Ereignisse und setzt sich mit seinem Scheitern als rationaler Techniker sowie den Schicksalsschlägen auseinander.
Was wird über die "zwei Stationen" des Berichts ausgesagt?
Der Bericht teilt sich in eine Vorgeschichte und eine Haupthandlung, wobei der Aufbau des Romans nicht chronologisch ist, sondern durch Anachronien und Einschübe geprägt, was den psychischen Prozess von Faber widerspiegelt.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2021, Das Motiv der Reise in Max Frischs "Homo Faber". Literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung unter Einbeziehung der didaktischen Umsetzung im Deutschunterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1306290