Marokko ist vielen Menschen außerhalb Marokkos vor allem als touristische Destination sowie als Produzent von Agrarprodukten und Textilien bekannt. Wenige Menschen wissen hingegen, dass Marokko mit hohem finanziellem und politischem Aufwand versucht, die industrielle Produktion von komplexen Gütern voranzutreiben. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Automobilindustrie zu. Aufgrund der globalen Wertschöpfungsketten und Absatzmärkte der Automobilindustrie spielen zudem Freihandelszonen eine gewichtige Rolle.
Infolge dessen wird in dieser Arbeit zunächst die industrielle Entwicklung sowie die Wirtschafts- und Industriepolitik Marokkos analysiert, bevor betrachtet wird, welche Impulse die Automobilindustrie und die Freihandelszonen um Tanger für die marokkanische Industrialisierung liefern können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Industrielle Entwicklung Marokkos
3. Automobilindustrie in Marokko
4. Freihandelszonen um Tanger
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die industrielle Entwicklung Marokkos im historischen und wirtschaftspolitischen Kontext, mit einem besonderen Fokus auf die strategische Rolle der Automobilindustrie und der Freihandelszonen um Tanger als Wachstumsmotoren für die marokkanische Industrialisierung.
- Historische industrielle Entwicklung und wirtschaftspolitische Kurswende Marokkos
- Aufbau und Bedeutung des Sektors Automobilindustrie in Marokko
- Die Rolle der Freihandelszonen und Tanger Med für den Außenhandel
- Analyse der industriellen Ökosysteme
- Implikationen und Herausforderungen für die zukünftige industrielle Entwicklung
Auszug aus dem Buch
3. Automobilindustrie in Marokko
Die Automobilindustrie in Marokko hat als Wachstumsmotor der industriellen Entwicklung eine strategische Bedeutung in der marokkanischen Industriepolitik erlangt. Automobile werden in Marokko bereits seit über 60 Jahren gefertigt, jedoch konnte die Automobilindustrie erst in den 2010er-Jahren ihre heutige Bedeutung für die marokkanische Industrie erlangen.
Der Beginn der marokkanischen Automobilindustrie war die Gründung der Société Marocaine de Construction Automobile (SOMACA) inklusive eines Werks in Casablanca im Jahre 1959. Bei der Gründung der SOMACA hielt der marokkanische Staat über sein Bureau d'études et de participations industrielles (BEPI), Vorgängerorganisation des Office pour le développement industriel (ODI), ca. 40% des Kapitals der Gesellschaft. Weitere Hauptanteilseigner waren Fiat mit 20% und dessen französische Tochterfirma SIMCA mit 25%. Zunächst wurden daher auch ausschließlich SIMCA- und Fiat-Modelle gefertigt, etwas später jedoch auch Opel- und Renault-Modelle. Im Zeitraum zwischen 2003 und 2019 wurde SOMACA privatisiert und heute ist Renault alleiniger Eigner. Das SOMACA-Werk hat eine Kapazität von ca. 80.000 Fahrzeugen pro Jahr, welche bis 2022 auf 160.000 Fahrzeuge pro Jahr erweitert werden soll. (PERRY et al. 1962: 466; THE NORTH AFRICAN POST 2018; SOMACA CASABLANCA 2020)
Bis zum Jahr 2012 konzentrierte sich die gesamte Automobilproduktion Marokkos auf das Werk in Casablanca. Die Produktionszahlen wuchsen dabei zwischen dem ersten Produktionsjahr von 2.247 Fahrzeuge auf über 25.000 Fahrzeuge p. a. im Jahr 1975. Bis in die Mitte der 1990er-Jahre nahmen die Produktionszahlen allerdings wieder ab, sodass 1995 nur noch 8.482 Fahrzeuge produziert wurden. In der Folge konnte sich die Automobilproduktion Marokkos wieder erholen und mit der Privatisierung des SOMACA-Werks sowie umfangreichen Investitionen konnte die Produktion bis 2011 auf ein neues Allzeithoch von 56.819 Fahrzeugen pro Jahr gesteigert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die industrielle Entwicklung Marokkos ein und definiert die Automobilindustrie sowie die Freihandelszonen als zentrale Untersuchungspunkte der Arbeit.
2. Industrielle Entwicklung Marokkos: Das Kapitel beleuchtet die wirtschaftshistorische Entwicklung Marokkos vom Protektorat bis hin zu den modernen industriellen Strategieplänen wie dem Industrial Acceleration Plan.
3. Automobilindustrie in Marokko: Hier wird der Aufstieg des Automobilsektors von den Anfängen mit der SOMACA bis hin zur Etablierung moderner Fertigungswerke großer Hersteller analysiert.
4. Freihandelszonen um Tanger: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung des Hafens Tanger Med sowie der zugehörigen Sonderwirtschaftszonen als Ankerpunkte für die industrielle Exportfähigkeit des Landes.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftsperspektiven der marokkanischen Industrie vor dem Hintergrund globaler Wettbewerbsherausforderungen.
Schlüsselwörter
Marokko, industrielle Entwicklung, Automobilindustrie, Freihandelszonen, Tanger Med, Exportwirtschaft, Industrial Acceleration Plan, ausländische Direktinvestitionen, Wirtschaftspolitik, Wertschöpfungsketten, Industriepolitik, Ökosysteme, Standortvorteile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die industrielle Transformation Marokkos und die Bestrebungen des Landes, sich durch gezielte Förderung der Automobilindustrie und die Ansiedlung in Freihandelszonen als globaler Industriestandort zu positionieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der wirtschaftshistorischen Analyse, der Strukturierung industrieller Ökosysteme, der Automobilsektorentwicklung sowie dem Beitrag von Sonderwirtschaftszonen zur nationalen Industrialisierung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Impulse zu identifizieren, die von der Automobilindustrie und den Freihandelszonen um Tanger für die industrielle Entwicklung des gesamten Landes ausgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender industrieller Entwicklungspläne, makroökonomischer Daten sowie der Untersuchung der spezifischen Aktivitäten marokkanischer Industrie-Cluster.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die historische industrielle Entwicklung, dann die spezifische Dynamik der Automobilproduktion sowie schließlich die Infrastruktur und Vorteile der Freihandelszonen um Tanger detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das vorliegende Dokument?
Das Dokument wird maßgeblich durch Begriffe wie industrielle Entwicklung, Automobilindustrie, Tanger Med, Industrial Acceleration Plan und Freihandelszonen geprägt.
Welche Bedeutung hat das Werk SOMACA für die Gesamthistorie der marokkanischen Automobilindustrie?
Die SOMACA markiert den historischen Beginn der Automobilfertigung in Marokko im Jahr 1959 und bildete über Jahrzehnte den einzigen Produktionsstandort, bevor die Industrie eine neue Dynamik durch weitere Standorte wie in Tanger oder Kenitra erfuhr.
Warum spielt Tanger eine so exzellente Rolle für die heutige Industrie?
Tanger profitiert aufgrund seiner strategisch exponierten Lage am Mittelmeer und nahe zum europäischen Festland sowie durch die großflächige Investition in den Tiefseehafen Tanger Med und die dort integrierten Sonderwirtschaftszonen.
- Quote paper
- B.A. (Bachelor of Arts) Jonah zur Brügge (Author), 2020, Impulse für die industrielle Entwicklung. Die Automobilindustrie in Marokko und die Freihandelszonen um Tanger, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1306514