Unterrichtsentwurf eines erfolgreichen "Großen Unterrichtsbesuches" in einer 10. Realschulklasse mit den Kompetenzen der Unterrichtseinheit, einer vollständigen Gliederung der Unterrichtseinheit, Zielen und Teillernzielen der Unterrichtsstunde, dem geplanten Unterrichtsverlauf in tabellarischer Form, allen Analysen (Anmerkungen zur Klassensituation, Sachanalyse, Didaktische Vorüberlegungen, Methodische Vorüberlegungen), vollständigen Literaturangaben und eingesetzten Arbeitsblättern.
Ziel der Unterrichtstunde: Die Schüler sollen (mit Bezug auf Garys und Brendans Situation) Strategien kennen und reflektieren, mit Hilfe derer Gewalt in einer Klasse (Schule) verringert oder verhindert werden kann (> „richtiges“ Verhalten von Helfer u. Opfer eines körperlichen Übergriffs, Klassenregeln, Wege aus der Anonymität), um Gewaltsituationen auch in der eigenen Lebenswelt sinnvoll entgegentreten zu können.
Gliederung der Unterrichtseinheit
1. „Gewalt hat viele Gesichter“ (Einführung in die Unterrichtseinheit) – Erarbeitung von Formen des zentralen Lektüremotivs im Rollenspiel
2. Gary und Brendan – Beschreibung der Hauptpersonen durch Gestaltung von Steckbriefen
3. Gary und Brendan verändern sich – Analyse einschneidender Erlebnisse
4. Bohemian Rhapsody – Vergleich (Parallelen u. Unterschiede) zwischen Garys Lieblingssong und seinem Abschiedsbrief
5. Brendan Lawlor vor Gericht – Formulierung einer Anklageschrift und Verteidigungsrede
6. Der Tag der Tat – Rekonstruktion des Geschehens anhand eines Zeitungsberichtes
7. Während der Tat – Garys Gedanken als innerer Monolog
8. „Strengere Überwachung von Videos und Computerspielen!?“ – Wir führen ein Streitgespräch zum Thema
9. Bowling for Columbine – der reale Amoklauf von Littleton im Vergleich
10. Die Tatmotive – Zusammenfassung und Einschätzung der Ursachen des Amoklaufs
11. „Wir drehen die Zeit zurück.“ – Strategien zur Gewaltvermeidung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der Arbeit ist es, auf Basis der Lektüre „Ich knall euch ab!“ von Morton Rhue konkrete Handlungsstrategien zur Gewaltprävention und -intervention im schulischen Kontext zu entwickeln, um Schülern einen konstruktiven Umgang mit Gewaltsituationen zu ermöglichen und die Notwendigkeit zivilcouragierten Handelns zu verdeutlichen.
- Analyse der Ursachen und Motive von Amokläufen im Jugendalter.
- Entwicklung von Handlungskompetenzen bei körperlichen Übergriffen für Helfer und Opfer.
- Etablierung verbindlicher Klassenregeln und Sanktionsmechanismen gegen Mobbing.
- Strukturelle Aufdeckung von Anonymität bei Mobbingprozessen in der Schule.
- Förderung der Zivilcourage durch handlungs- und produktionsorientierte Methoden.
Auszug aus dem Buch
Im (schulischen) Alltag zeigt es sich jedoch, dass Zeugen körperlicher Übergriffe oder psychischer Attacken häufig untätig bleiben.
Neben Gleichgültigkeit/Desinteresse und Angst, selber Opfer werden zu können, ist v.a. auch das fehlende Wissen, wie in entsprechenden Situationen gehandelt werden muss, ein Hauptgrund für Passivität. Wichtig ist, dass man Mobbing und Gewalt in Schulen thematisiert und Schüler entsprechend „fit“ gemacht werden, indem sie zuerst einmal grundlegende/einfache Maßnahmen gegen physische und psychische Gewalt kennenlernen und verinnerlichen. Schüler müssen erkennen, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen kann und muss, eine Straftat zu vereiteln oder zu bremsen.
Als Zeugen tätlicher Übergriffe sollten sie umsichtig reagieren (> laut sein, Hilfe anbieten, nicht provozieren, ...), um nicht die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Sie müssen schnell handeln und andere gezielt auf das Verbrechen aufmerksam machen (direkte Ansprache). Für eine spätere Aufklärung des Verbrechens und Überführung des Täters ist es wichtig, dass die Schüler genau hinsehen (Aussehen/Bekleidung des Täters, Auffälligkeiten etc.), Hilfe holen (Polizei informieren) und das Opfer, wenn nötig, (medizinisch) versorgen. Sind sie selber Opfer eines Übergriffes, sollten sie versuchen, möglichst ruhig zu bleiben, um reflexartige Reaktionen des Angreifenden zu vermeiden. Indem sie sich nicht wie ein Opfer verhalten, bringen sie den Täter aus dem Konzept. Der Angegriffene sollte das Umfeld auf die Situation aufmerksam machen (laut werden), aber ebenso den (Blick-)Kontakt zum Angreifer halten und mit diesem reden (durch Antworten des Angreifers lassen sich evtl. dessen Planungen ableiten und das Opfer kann sich besser vorbereiten).
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Gewalt hat viele Gesichter“: Einführung in die Thematik durch ein Rollenspiel, bei dem verschiedene Formen des Leitmottos Gewalt erarbeitet werden.
2. Gary und Brendan: Erarbeitung von Charaktermerkmalen der Hauptfiguren durch die Erstellung von Steckbriefen.
3. Gary und Brendan verändern sich: Analyse der prägenden Erlebnisse, die zu einer Wesensveränderung der Protagonisten führen.
4. Bohemian Rhapsody: Vergleich des Liedtextes mit dem Abschiedsbrief der Figur, um psychologische Parallelen aufzuzeigen.
5. Brendan Lawlor vor Gericht: Transferleistung durch die juristische Simulation einer Anklageschrift und Verteidigungsrede.
6. Der Tag der Tat: Literarische Rekonstruktion des Amoklaufes basierend auf einem fiktiven Zeitungsbericht.
7. Während der Tat: Perspektivwechsel durch das Schreiben eines inneren Monologs aus Sicht des Täters.
8. „Strengere Überwachung von Videos und Computerspielen!?“: Durchführung eines Streitgesprächs zur kritischen Auseinandersetzung mit Medienkonsum als Ursache.
9. Bowling for Columbine: Vergleichende Analyse des Romans mit dem realen Amoklauf von Littleton.
10. Die Tatmotive: Zusammenfassende Einschätzung und Ursachenanalyse für den Amoklauf im Roman.
11. „Wir drehen die Zeit zurück.“: Entwicklung von präventiven Strategien zur Gewaltvermeidung im eigenen Lebensumfeld.
Schlüsselwörter
Gewaltprävention, Amoklauf, Mobbing, Zivilcourage, Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht, Schule, Intervention, Opferverhalten, Helferrolle, Klassenregeln, Medienkonsum, Psychologische Ursachen, soziale Kompetenz, Verhaltensänderung, Schulklima.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf?
Der Entwurf beschreibt eine Unterrichtsstunde, die den Abschluss einer Einheit zur Lektüre „Ich knall euch ab!“ bildet und sich mit der Entwicklung von Strategien zur Gewaltvermeidung befasst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen den Umgang mit körperlicher Gewalt, Strategien gegen Mobbing, die Bedeutung von Zivilcourage und die Analyse von Amoklauf-Ursachen.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Die Schüler sollen erkennen, dass Gewalt kein schicksalhaftes Ereignis ist, sondern durch eigenes Handeln und klare Regeln im schulischen Umfeld verringert oder verhindert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es kommen vorwiegend handlungs- und produktionsorientierte Methoden wie Rollenspiele, Mind-Mapping, Streitgespräche und die Erstellung von Regelwerken zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Unterrichtsstunde behandelt?
Im Hauptteil erarbeiten die Schüler in arbeitsteiligen Gruppen konkrete Lösungsstrategien für verschiedene Szenarien, etwa das Verhalten als Zeuge oder Opfer bei körperlichen Übergriffen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Gewaltprävention, Zivilcourage, Mobbing-Intervention und handlungsorientiertes Lernen.
Warum spielt das Rollenspiel in dieser Stunde eine zentrale Rolle?
Das Rollenspiel ermöglicht eine praktische, affektive Annäherung an die Gewaltvermeidung, da rein theoretisches Dozieren bei diesem sensiblen Thema oft weniger nachhaltig wirkt.
Wie soll das Problem der Anonymität bei Mobbing gelöst werden?
Durch das Offenlegen von Mobbing-Strukturen soll den Tätern ihr Schutzraum entzogen werden, etwa durch gezielte Information und die Etablierung verbindlicher Klassenregeln.
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- Gunnar Norda (Author), 2008, Das Thema „Gewalt“ anhand von Morton Rhues „Ich knall euch ab!“. Strategien zur Gewaltvermeidung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130717