Das Museum im höfischen Kontext: Begriff und Typus der „Galerie“


Hausarbeit, 2004
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Aktuelle Definition der „Galerie“
2.2. Ursprung des Begriffes und des Typus „Galerie“
2.3. „Galerie“ im höfischen Kontext
2.3.1. Etablierung der „Galerie“
2.3.1.1. Etablierung der „Galerie“ in Frankreich
2.3.1.2. Etablierung der „Galerie“ in Italien
2.3.1.3. Etablierung der „Galerie“ in England
2.3.1.4. Etablierung der „Galerie“ in Deutschland
2.3.2. Zeitspezifische Definition der „Galerie“ des 17. Jh.
2.3.3. Gemäldegalerie des 17./18. Jh.

3. Schlussteil

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „ Das Museum im höfischen Kontext: Begriff und Typus der „Galerie“. Die Erläuterung des Begriffes und des Typus „Galerie“ (also eine Darstellung eines Allgemeinen im Besonderen) soll im Rahmen des höfischen Kontextes mit besonderer Berücksichtigung der Funktion, die einem Museum zukommt, erfolgen.

War die Funktion der Galerie schon immer eine museale? Findet man die Galerie als Raumtyp nur im musealen Kontext? Wurde die „Galerie“ schon immer als Raumtyp verstanden? Seit wann gibt es den Begriff der „Galerie“? Um das gestellte Thema zu erläutern, wird in dieser Hausarbeit über den gesteckten Rahmen hinausgegangen. Die Vielschichtigkeit der aktuellen Definition der „Galerie“ bezüglich der Funktion und architektonischen Ausprägung bildet den Ausgangspunkt für eine Darstellung der Entwicklung des Begriffes und Typus „Galerie“ - anhand von ersten Beispielen - der Etablierung des Begriffes, des Funktionswandels im 17. Jahrhundert und der Entwicklung als Gemäldegalerie im 17./18. Jahrhundert. Zum Abschluss wird auf eine Verbindung der Galerie zum heutigen Museum eingegangen.

2. Hauptteil

2.1. Aktuelle Definition der „Galerie“

Im heutigen Sprachgebrauch versteht man unter einer Galerie einen Ort, an dem Kunstwerke gesammelt oder verkauft werden. Hervorgehoben wird die Funktion des Sammelns, Ausstellens und des Verkaufs.

Das dtv Lexikon der Kunst schreibt zum Begriff der Galerie[1]:

1. Im weitesten Sinn eine Räumlichkeit, die länger als breit und stark durchfenstert ist, meist an einer, manchmal an beiden Langseiten.
2. Pracht- und Schauraum feudal-absolutistischer Schlösser und Paläste, z.T. zur Verbindung mehrerer Empfangs- und Festräume.
3. Von diesen Galerien ging die Bezeichnung Galerie auf größere Gemälde-Sammlungen überhaupt über.

Der Begriff der Galerie beschreibt hier mehrere Bedeutungen mit unterschiedlichen Funktionen. Der Begriffsinhalt beschreibt eine Raumform (Punkt 1) oder einen Raumtyp (Punkt 2) oder man verbindet heute mit diesem Begriff Gemäldesammlungen oder einen selbständigen Bau.

Der Begriff Galerie hat also im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel durchgemacht.

An dieser Stelle sei bereits die Beschreibung der Galerie von Scamozzi vorgegriffen, der 1615 in seinem Buch „L´Idea dell´Architectura universale“[2] schrieb: „in der Tat sind sie (Galerien) von größter Bequemlichkeit und bereichern die Bauwerke als herrlicher Schmuck: sie sind jedoch nur etwas für Herren und hohe Persönlichkeiten“. Eine Galerie ist somit ein Raum, den man nur in einem Hótel[3] (Wohnbau eines Adeligen), Villa[4], Palast[5] oder Schloss[6] (Wohnbau eines Fürsten oder Königs) findet.

2.2. Ursprung des Begriffes und des Typus „Galerie“

Der Frage nach der Entstehung des Typus und des Namens sind wenige Autoren näher nachgegangen, wobei sie zunächst die Fragen der baulichen Form und Dekoration erörtert haben und der Galerie unterschiedliche Funktionen zugeordnet haben.

Sigrid Kümmel[7] vertritt die Ansicht, dass „sich die Galerie organisch aus anderen Raumformen entwickelt hat“. Als Vorformen der Galerie „(…) sind in erster Linie die hölzernen und steinernen Galerien zu nennen, die auf einer oder mehreren Seiten des Burg- oder Schloßhofes ihre Arkaden nach diesem öffneten und die Aufgabe hatten, die auf einem Stockwerk aneinandergereihten Zimmer miteinander zu verbinden.“ „Diese Entwicklung wird so vor sich gegangen sein: im Erdgeschoß, in dem meistens die Wirtschaftsräume liegen, bleiben die Arkaden offen. Das 1. Stockwerk beherbergte die Wohn- und Festräume des Schlosses. Demzufolge werden auch die Gänge, die die Räume miteinander verbinden, sorgsamer ausgestattet. Um die Witterungseinflüsse aus diesen Gängen fernzuhalten, verglast man sie. Da aber Glas in dieser Zeit noch sehr teuer ist, werden die Bogenöffnungen auf Fenstergröße reduziert.(…)“.

Das früheste Beispiel einer Galerie ist für Kümmel die Galerie im Palast Hotel Jacques Coeur in Bourges (Abb.1), das für Jacques Coeur, Großkaufmann und Finanzminister Karls VII. zwischen 1443 und 1453 in Bourges erbaut wurde. Es ist einer der bedeutendsten französischen Profanbauten aus gotischer Zeit, ein palastartiges, reich geschmücktes Patrizierhaus mit einer Galerie (B), die an beiden Schmalseiten geschlossen ist. Es existiert ein Eingang von den Seiten des Wohntraktes und ein Zugang zum Vorraum der Kapelle. Auf der Schmalseite befinden sich 2 Fenster, auf der Seite 2 Fenster zum Außenhof. Die Galerie hat als großer Gesellschaftsraum gedient, worauf die Ausstattung von Schachspielern, Musizierenden und Turnierszenen auf den Kaminen hinweisen.

Die Entstehung der Galerie wird bei Kümmel als eine mechanische gesehen. Sie übergeht den Unterschied in der Wertschätzung und Funktion zwischen Galerie und Korridor.

Auch für Wolfram Prinz[8] ist die Galerie und das Wort aus dem Arkadengang hervorgegangen. Er weist Belegstellen in Du Cange[9] und Vitruv[10] nach, die einen Vergleich der Galerie mit antiken Wandelgängen ermöglicht. Galerie ist jedoch nicht jeder Wandelgang, sondern nur ein geschlossener, einheitlich ausgestatteter Wandelgang. Das Wort „Galerie“ entstammt dem biblischen Wort „Galilea“, seit dem 10. Jh. zunächst in Rom benannte Vorhalle in der Kirche. In seinem Buch ist auch das Hotel Jacques Coeur in Bourges das früheste Beispiel einer Galerie. Die Bedeutung dieser Galerie schränkt er aber im Kolloquim zur Galerie von 1974[11] ein, und ebenfalls korrigiert er seine Ansicht insoweit, dass es den Typus Galerie schon seit dem 14. Jh. und nicht erst seit dem Beginn des 16. Jh. gegeben habe; zunächst in Frankreich, dann in Italien. Als Beispiel nennt er die durch Grundrisse überlieferte Galerie im Palais des Papes in Avignon von 1335 (in der sich 1775 500 oder 600 Bildnisse berühmter Männer befunden haben sollen) (Abb.2). Als Erklärung für die Entstehung der Galerie in Frankreich verweist er auf das rauhere Klima des Nordens und auf die Raumgliederung des französischen Schlossbaues. „Im „Appartement simple“ sind einzelne Räume hintereinander gereiht und zwar innerhalb eines schmalen Traktes. Unterläßt man in einem solchen Trakt jegliche Unterteilung, so entsteht der in seiner Proportion außergewöhnlich langgestreckte Raum der Galerie.“ Der italienische würfelförmige Palast, dessen Räume über die Loggien um den Hof zu erreichen sind, kann kaum eine Galerie in seine offiziellen Raumfluchten aufnehmen. Der Sinn der Galerie wird nur in dem einen Zweck gesehen: Verherrlichung des Bauherrn, wie folgendes Zitat zeigt:

„(...) Aufgabe der königlichen Galerien dürfte wohl im Empfang der Gäste und in Besprechungen während des Wandels in der Galerie unter dem Eindruck der Staatspräsentation im Gewande der Kunst gewesen sein.“ „Kunstsammlungen übernehmen in neutraler Form die Aufgabe der herrschaftsbezogenen Mythologie.“ Die Funktion der Galerie als Ort des Kunstsammelns wird der Funktion der Präsentation untergeordnet.

[...]


[1] Vgl. Dtv Lexikon der Kunst. Band 2. Leipzig 1991. S. 627 f.

[2] Vgl. Büttner: Galleria, I.III.19, S. 305.

[3] Im 17. Jh. als Bezeichnung für die städtischen Palais des französischen Adels üblich.

[4] Herrenhaus des Landeigentümers, stattliche Wohnung des Aristokraten oder reichen Mannes auf dem Lande, unweit der Stadt.

[5] Allgemeine Bezeichnung für Königs- oder Fürstensitze (öffentliche Gebäude) oder für monumentale städtische Wohnhäuser.

[6] Wohnbau des Adels, besonders seiner führenden Vertreter (Territorialfürsten, Könige, Kaiser) der herrschenden Schicht. Sonderformen, bei denen bevorzugt von S. gesprochen wird, sind das Wasserschloss, Lustschloss, Jagdschloss, Stadtschloss, die durch Lage und Gestaltung bestimmten Zwecken dienen.

[7] Kümmel, Sigrid: Die Galerie als architektonische Raumform. Diss. Heidelberg 1947 (Maschinenschr.).

[8] Prinz, Wolfram: Die Entstehung der Galerie in Frankreich und Italien. Berlin 1970.

[9] Du Cange war 1440 Stadtsenator von Toulouse, Bernardinus: „ambulacrum, quod nos galeriam vocamus“

[10] Vitruv war römischer Architekt und Kunsttheoretiker (84 v.Chr.-20-10 v.Chr.). In seinen zehn Bücher über die Baukunst erwähnt er, daß die Ausstattung der Galerie der antiken Wandelgängen entspricht, die mit Landschaftsbildern geschmückt waren.

[11] Prinz, Wolfram: Kolloquim über „Die Galerie“ in Tours. In: Kunstchronik 27 1974 (7).

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Details

Titel
Das Museum im höfischen Kontext: Begriff und Typus der „Galerie“
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: Tempel der Kunst I und II - Museumsarchitektur als Bauaufgabe
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V130730
ISBN (eBook)
9783640363070
ISBN (Buch)
9783640363384
Dateigröße
3385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Museum, Kontext, Begriff, Typus
Arbeit zitieren
Dipl.-Kauffrau / M.A. Alena Salsa (Autor), 2004, Das Museum im höfischen Kontext: Begriff und Typus der „Galerie“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130730

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