Von der Globalisierung vergessen ist ein provokant gewählter Titel. Bezogen auf die Arabische Halbinsel und den Iran sollte jedoch folgendes hinzugefügt werden: ...oder wird eine Integration verweigert? Laut der International Trade Statistics der World Trade Organization (WTO) von 2008 beläuft sich der Anteil dieser Region am weltweiten Güterwarenexporte im Jahr 2007 nur auf 5,6% (WTO 2008, Seite: 10). Ein Artikel des International Monetary Fund gibt zudem an, dass jedoch immer noch ca. zwei Drittel dieses Exportumsatzes der ölfördernden Länder im Middle East auf Öl basieren (IMF 2003). MOSSIG (2009) definiert als die wichtigsten Indikatoren für die Teilnahme oder auch Abkopplung von der Globalisierung den Anteil von Direktinvestitionen und weltweiten Güterwarenexporten eines Landes. Betrachtet man nun die Zahlen in den Statistiken der WTO, lässt sich allerdings sagen, dass das Betrachtungsgebiet als Ganzes zwar nur marginal an der Globalisierung partizipiert, es jedoch große regionale Differenzen gibt. Wieso ist dies so und welche Faktoren spielen hierbei eine Rolle? Als zentrale Frage wird in dieser Arbeit geklärt, ob ursächlich kulturelle Gründe der entscheidende Faktor für die differenzierte und partiell geringe aber auch hohe Integration im Globalisierungsprozess sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und zentrale Fragestellungen
2 Geographische Abgrenzung des betrachteten Gebietes
3 Der „Clash of Civilizations“ als fragwürdiges Konstrukt der westlichen Welt
3.1 Historische Entwicklung: Staatenbildung und der britische sowie französische Einfluss nach dem Ersten Weltkrieg
3.2 Wirtschaftliche Entwicklung, Politik und heutige Einbindung in die Weltwirtschaft
3.3 Der nahöstliche Blick auf die heutigen Verhältnisse
3.4 Ein Zwischenfazit
4 Die Einbindung von Staaten des Middle East in den Prozess der Globalisierung anhand von Fallbeispielen
4.1 Der Iran und die VAE Untersuchung der weltwirtschaftlichen Integration durch Indikatoren von 1995 bis 2007
4.2 Die Islamische Republik Iran und die VAE: Historische Entwicklung
4.2.1 Die Islamische Republik Iran
4.2.2 Die VAE mit Dubai
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die wirtschaftliche Abkopplung verschiedener Staaten im Nahen Osten vom Globalisierungsprozess ursächlich auf kulturelle Unterschiede zurückzuführen ist oder durch historische, politische und ökonomische Faktoren begründet wird. Anhand der Fallbeispiele Iran und Vereinigte Arabische Emirate wird aufgezeigt, wie heterogen sich Volkswirtschaften in der Region entwickeln können.
- Historische Staatenbildung und imperialer Einfluss nach dem Ersten Weltkrieg
- Kritische Analyse der Theorie des "Clash of Civilizations" nach Huntington
- Wirtschaftliche Integration im Nahen Osten im Vergleich zum Welthandel
- Vergleich der Entwicklungswege: Iran (Isolation) vs. VAE/Dubai (Integration)
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung und zentrale Fragestellungen
Von der Globalisierung vergessen ist ein provokant gewählter Titel. Bezogen auf die Arabische Halbinsel und den Iran sollte jedoch folgendes hinzugefügt werden: ...oder wird eine Integration verweigert? Laut der International Trade Statistics der World Trade Organization (WTO) von 2008 beläuft sich der Anteil dieser Region am weltweiten Güterwarenexporte im Jahr 2007 nur auf 5,6% (WTO 2008, Seite: 10). Ein Artikel des International Monetary Fund gibt zudem an, dass jedoch immer noch ca. zwei Drittel dieses Exportumsatzes der ölfördernden Länder im Middle East auf Öl basieren (IMF 2003). MOSSIG (2009) definiert als die wichtigsten Indikatoren für die Teilnahme oder auch Abkopplung von der Globalisierung den Anteil von Direktinvestitionen und weltweiten Güterwarenexporten eines Landes. Betrachtet man nun die Zahlen in den Statistiken der WTO, lässt sich allerdings sagen, dass das Betrachtungsgebiet als Ganzes zwar nur marginal an der Globalisierung partizipiert, es jedoch große regionale Differenzen gibt. Wieso ist dies so und welche Faktoren spielen hierbei eine Rolle? Als zentrale Frage wird in dieser Arbeit geklärt, ob ursächlich kulturelle Gründe der entscheidende Faktor für die differenzierte und partiell geringe aber auch hohe Integration im Globalisierungsprozess sind.
Diese Hausarbeit teilt sich in zwei Abschnitte. Der Hauptteil wird die zentrale Fragestellung einer ursächlich kulturellen wirtschaftlichen Abkopplung bearbeiten. Der zweite Abschnitt wird anhand von zwei Fallbeispielen nochmal verdeutlichen, dass diese Region eine sehr heterogene Entwicklung, sowohl in geschichtlicher als auch politisch und wirtschaftlicher Hinsicht, erlebt hat. Zunächst gebe ich einen Überblick über die Staaten des Middle East und lege das zu betrachtende Gebiet fest. Anschließend gehe ich auf Samuel Huntingtons These des „Clash of Civilizations“ (Huntington 1993) ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und zentrale Fragestellungen: Vorstellung der Leitfrage, ob kulturelle Faktoren für die wirtschaftliche Abkopplung der Region verantwortlich sind, sowie Erläuterung des methodischen Vorgehens.
2 Geographische Abgrenzung des betrachteten Gebietes: Definition des Untersuchungsraums "Middle East", der die Arabische Halbinsel und den Iran umfasst, basierend auf WTO-Daten.
3 Der „Clash of Civilizations“ als fragwürdiges Konstrukt der westlichen Welt: Kritische Auseinandersetzung mit Huntingtons Thesen und Darstellung des historischen Kontexts der Staatenbildung.
3.1 Historische Entwicklung: Staatenbildung und der britische sowie französische Einfluss nach dem Ersten Weltkrieg: Analyse der kolonialen Grenzziehungen und des Einflusses externer Mächte auf die Region.
3.2 Wirtschaftliche Entwicklung, Politik und heutige Einbindung in die Weltwirtschaft: Untersuchung der wirtschaftlichen Nachkriegsentwicklung und der Rolle westlicher Einflussnahme auf den Ölsektor.
3.3 Der nahöstliche Blick auf die heutigen Verhältnisse: Analyse der muslimischen Wahrnehmung von Globalisierung und westlichem Imperialismus.
3.4 Ein Zwischenfazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass kulturelle Unterschiede nicht die primäre Ursache für wirtschaftliche Abkopplung sind.
4 Die Einbindung von Staaten des Middle East in den Prozess der Globalisierung anhand von Fallbeispielen: Einleitung des Vergleichs zwischen dem Iran und den VAE zur Verdeutlichung unterschiedlicher Integrationspfade.
4.1 Der Iran und die VAE Untersuchung der weltwirtschaftlichen Integration durch Indikatoren von 1995 bis 2007: Quantitative Analyse anhand von FDI-Daten und Güterwarenexporten.
4.2 Die Islamische Republik Iran und die VAE: Historische Entwicklung: Darstellung der unterschiedlichen historischen Hintergründe beider Staaten.
4.2.1 Die Islamische Republik Iran: Erläuterung der politischen Faktoren, die zur Isolation und wirtschaftlichen Stagnation führten.
4.2.2 Die VAE mit Dubai: Darstellung der erfolgreichen Diversifizierungsstrategie und wirtschaftlichen Integration Dubais.
5 Fazit: Abschließende Verneinung der kulturellen Ursache für wirtschaftliche Abkopplung und Einordnung in ein komplexes historisch-politisches Konglomerat.
Schlüsselwörter
Middle East, Globalisierung, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Clash of Civilizations, Wirtschaftsintegration, Ölsektor, Kolonialgeschichte, Diversifizierung, FDI, Modernisierungstheorie, Rentierstaat, Handelsabkommen, Weltwirtschaft, Politische Einflussnahme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gründe für die wirtschaftliche Abkopplung einiger Staaten im Nahen Osten vom globalen Markt und hinterfragt, ob kulturelle Faktoren dabei die Hauptrolle spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die koloniale Geschichte der Region, die kritische Analyse von Huntington-Theorien sowie der Vergleich wirtschaftspolitischer Strategien zwischen dem Iran und den VAE.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage klärt, ob kulturelle Unterschiede ursächlich für die wirtschaftliche Nichtintegration einiger Staaten verantwortlich sind oder ob historische und ökonomische Prozesse überwiegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Analyse geopolitischer Konzepte mit einer empirisch gestützten Untersuchung wirtschaftlicher Indikatoren (FDI, Exporte) anhand konkreter Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung, den westlichen Einfluss im Ölgeschäft, die Rezeption von Globalisierung durch die Region und den Vergleich zweier gegensätzlicher Fallstudien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Middle East, Globalisierung, Clash of Civilizations, Diversifizierung, Wirtschaftsintegration, Rentierstaat, Iran und Vereinigte Arabische Emirate.
Warum unterscheidet sich die wirtschaftliche Entwicklung von Iran und VAE so stark?
Während der Iran durch politische Isolation, Wirtschaftsembargos und eine radikale anti-westliche Haltung geprägt ist, verfolgen die VAE eine Strategie der aktiven wirtschaftlichen Diversifizierung und Integration in globale Finanzmärkte.
Welche Rolle spielt die Rentierökonomie für Dubai?
Das Rentierstaatprinzip ermöglicht in Dubai die Umverteilung von Erdöleinnahmen an die einheimische Bevölkerung, was für soziale Stabilität sorgt und den Weg für eine marktbasierte Diversifizierung ebnet.
Wie bewertet die Autorin die Huntington-These?
Die Autorin lehnt Huntingtons These als ursächliche Erklärung für wirtschaftliche Abkopplung ab und interpretiert sie vielmehr als ein politisch konstruiertes Weltbild zur Wahrung westlicher Hegemonie.
Was ist das zentrale Fazit der Arbeit?
Wirtschaftliche Abkopplung ist kein kulturelles Produkt, sondern das Ergebnis eines komplexen Konglomerats aus Kolonialgeschichte, gebrochenen politischen Versprechen und externer Einmischung.
- Quote paper
- Cornelia Cordes (Author), 2009, Von der Globalisierung vergessen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130733