Das Thema Innenanalyse von Unternehmen kann aus sehr unterschiedlichen Positionen betrachtet werden. Häufig geht in diesem Zusammenhang die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu bewerten. Diese Bewertung nimmt auch der Betriebsrat vor. Allerdings verfolgt dieser in der Regel ein anderes Ziel mit seiner Informationspolitik. Die Aufgabe des Betriebsrates ist es, die Interessen der Beschäftigten zu vertreten. Damit er seine Forderungen begründen kann, müssen diese finanzierbar sein.
Die vorliegende Arbeit befasst sich damit, wie der Betriebsrat die notwendigen Informationen für seine Arbeit gewinnt, diese auswertet und schließlich zur Begründung seiner Forderungen verwenden kann. In diesem Zusammenhang wird auf die Arbeit des Wirtschaftsausschusses eingegangen, welcher eine wichtige Informationsquelle für die Betriebliche Interessenvertretung sein kann. Damit der Betriebsrat die benötigten Informationen systematisch erheben und auswerten kann, ist ein Erhebungsinstrument sinnvoll. Das so genannte Kennziffern-Informationssystem befasst sich im Wesentlichen mit der Erfassung von Sozial-Kennzahlen und deren Verwertbarkeit zur Begründung von Anliegen des Betriebsrates. Im letzten Kapitel wird auf die nicht problemfreie Position des Betriebsrates im Betriebsgefüge eingegangen. Schwerpunkt dieser Betrachtung ist eine Kritische Betrachtung der Legitimation der Betriebsratsarbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Betriebsrat
3 Informationspolitik des Betriebsrates
3.1 Informationsmanagement
3.2 Interne Informationsbeschaffung
3.3 Externe Informationsbeschaffung
4 Der Wirtschaftsausschuss
5 Das Kennziffern-Informationssystem
5.1 Erfassung von Informationen
5.2 Informationen, um Forderungen wirtschaftlich begründen zu können.
5.3 Soziale Kennzahlen
6 Positionierung des Betriebsrats
6.1 Co-Management durch betriebliche Bündnisse für Arbeit
6.1.1 Repräsentationsproblem betrieblicher Interessenvertretungen
6.1.2 Legitimitätsdefizite betrieblicher Bündnisse für Arbeit
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Betriebsräte in einem komplexen wirtschaftlichen Umfeld notwendige Informationen beschaffen und auswerten, um ihre Forderungen zur Interessenvertretung fundiert und wirtschaftlich begründen zu können. Dabei wird insbesondere die Rolle des Wirtschaftsausschusses sowie der Einsatz eines Kennziffern-Informationssystems analysiert und kritisch hinterfragt.
- Informationspolitik und Informationsmanagement des Betriebsrates
- Rolle und Arbeitsweise des Wirtschaftsausschusses
- Aufbau und Nutzung eines Kennziffern-Informationssystems
- Soziale Kennzahlen zur wirtschaftlichen Begründung von Forderungen
- Legitimität und Herausforderungen von Co-Management-Strukturen
Auszug aus dem Buch
3.1 Informationsmanagement
Damit der Betriebsrat wirkungsvoll arbeiten kann, ist er auch ein wirkungsvolles Informationsmanagement angewiesen. Die Informationen müssen gesammelt, ausgewertet und verwertet werden. Eine der wichtigsten Informationsquellen ist der Arbeitgeber selbst. Er und der Betriebsrat sind verpflichtet ein monatliches Treffen abzuhalten, in welchem alle die Arbeitnehmer betreffenden Fragen zu besprechen sind. Darüber hinaus muss der Betriebsrat weitere Informationsquellen erschließen. Hierzu gehören Fachliteratur, Schulungen und Seminare, sowie der direkte Kontakt zu den Arbeitnehmern (vgl. Roggenkamp & Roggenkamp, 2002, S. 22-24).
Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat ist von der Friedenspflicht geprägt, so dass es in diesem Verhältnis keinen Arbeitskampf geben darf. Des Weiteren darf der Betriebsrat keine Aktionen unternehmen, die den geregelten Arbeitsablauf im Betrieb stören. Der Betriebsrat darf sachlich auf Konflikte mit der Unternehmensführung aufmerksam machen – unwahrheitsgemäße Informationen darf er nicht verbreiten. Fragebogenaktionen sind gemäß dem Kontrollrecht des Betriebsrates erlaubt. Außerdem ist dem Betriebsrat eine parteipolitische Betätigung während der Wahrnehmung seiner Aufgaben untersagt. Tritt die Person des Betriebsrats als regulärer Arbeitnehmer auf, gilt dieses Verbot nicht. Ebenso ist das politische Engagement des BR in Angelegenheiten, die den Betrieb und die Arbeitnehmer unmittelbar betreffen, erlaubt. Hierzu zählen tarifpolitische, sozialpolitische und wirtschaftliche Fragen. Außerdem hat der Betriebsrat eine Schweigepflicht über alle Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zu wahren. Die Zusammenarbeit von Gewerkschaften und Betriebsrat ist durchaus sinnvoll. Ein Betriebsrat kann gleichzeitig als dieser und als Gewerkschaftsmitglied tätig sein. So ist es zum Beispiel möglich, dass der Betriebsrat Werbung für seine Gewerkschaft macht. Die Gewerkschaft darf zum Beispiel Plakate im Betrieb anbringen oder eine Gewerkschaftszeitung verteilen (vgl. Roggenkamp & Roggenkamp, 2002, S. 24-27).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Innenanalyse von Unternehmen aus der Sicht des Betriebsrates ein und definiert den Fokus auf die Informationspolitik sowie den Einsatz des Kennziffern-Informationssystems.
2 Der Betriebsrat: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen und Aufgaben des Betriebsrates gemäß dem Betriebsverfassungsgesetz erläutert.
3 Informationspolitik des Betriebsrates: Dieses Kapitel befasst sich mit der Notwendigkeit eines transparenten Informationsmanagements und den Methoden zur internen sowie externen Informationsbeschaffung.
4 Der Wirtschaftsausschuss: Es wird die Funktion des Wirtschaftsausschusses als wichtiges Informationsorgan für den Betriebsrat in Unternehmen ab 100 Mitarbeitern beschrieben.
5 Das Kennziffern-Informationssystem: Dieses Kapitel erläutert den systematischen Aufbau eines Kennzahlensystems zur Erfassung von Daten sowie deren Anwendung zur wirtschaftlichen Begründung von Forderungen.
6 Positionierung des Betriebsrats: Hier wird die Rolle des Betriebsrates als Vermittlerinstitution und das Phänomen des "Co-Managements" kritisch analysiert.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einem Resümee über die Bedeutung eines fundierten Informationsmanagements und die Herausforderungen bei der Interessenvertretung.
Schlüsselwörter
Betriebsrat, Betriebsverfassungsgesetz, Informationsmanagement, Wirtschaftsausschuss, Kennziffern-Informationssystem, Sozial-Kennzahlen, Co-Management, Interessenvertretung, Informationsbeschaffung, Arbeitsproduktivität, betriebliche Bündnisse für Arbeit, Legitimität, Arbeitnehmerinteressen, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten von Betriebsräten, durch eine systematische Informationspolitik und den Einsatz von Kennziffern ihre Forderungen gegenüber der Unternehmensleitung fundiert zu begründen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Informationsbeschaffung, den Wirtschaftsausschuss, die Nutzung von Kennzahlensystemen und die kritische Betrachtung der Rolle des Betriebsrates im modernen betrieblichen Gefüge.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie ein effektives Informationsmanagement den Betriebsrat dabei unterstützt, eine starke Verhandlungsposition einzunehmen und Interessen der Beschäftigten erfolgreich durchzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung gesetzlicher Grundlagen (BetrVG) und relevanter Fachliteratur, um Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte aufzuzeigen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Informationsmanagement, die Rolle des Wirtschaftsausschusses sowie die detaillierte Darstellung, wie Kennzahlen und soziale Daten in der Interessenvertretung genutzt werden können.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Betriebsrat, Informationsmanagement, Wirtschaftsausschuss, Kennziffern, Co-Management und Interessenvertretung.
Was unterscheidet das Kennziffern-Informationssystem von üblichen betriebswirtschaftlichen Daten?
Das Kennziffern-Informationssystem betrachtet Daten primär unter dem Aspekt ihrer Auswirkungen auf die Beschäftigten und deren Arbeitsbedingungen, statt nur aus rein unternehmerischer Gewinnsicht.
Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Positionierung des Betriebsrats als "Co-Manager"?
Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Management kann der Betriebsrat in legitimitätstheoretische Konflikte geraten, wenn er die Interessen der Belegschaft zugunsten des Betriebserhalts zurückstellen muss.
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- Daniel Jäger (Autor), 2009, Betriebsräte: Interessen, Möglichkeiten und Quellen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130739