In dieser Hausarbeit werde ich zunächst den Begriff der Geschlechterrolle genauer definieren, um daraufhin kurz den Wandel der Familienstrukturen und der Erziehung zu untersuchen. Folglich werde ich den Wandel der Lesekultur klären, um dann auf das geschlechtsspezifische Verhalten von Mädchen und Jungen einzugehen. Die Intention des Autors spielt bei Entwicklung der Literatur ebenso eine Rolle, deshalb werde ich auch darauf eingehen. Im Hauptteil werde ich dann zwei Kinderbücher bezüglich des Wandels analysieren, das erste Buch "Hannelies und Wiltrud" gehört zur Gattung der Jungmädelliteratur, das Zweite mit dem Titel "Wehr dich doch, Ivo!" ist erst letztes Jahr veröffentlicht worden. Schlussendlich werde ich die Ergebnisse des Vergleichs darstellen und auf die Auswirkung der geschlechtsspezifischen Rolle auf die Leser und Leserinnen und die germanistische Literaturdidaktik erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Wandel der Geschlechterrollen in Kinderbüchern von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart – eine Hinführung
2 Der Wandel der Familienstrukturen und der Erziehung
3 Der Wandel der Lesekultur
4 Die Autorenintention zum Verfassen einer Kinderlektüre
5 Die Geschlechterrolle im Kinderbuch der 1950er Jahre
6 Die Geschlechterrolle im Kinderbuch der Gegenwart
7 Die Ergebnisse des Vergleichs
8 Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Rolle in Kinderbüchern auf LeserInnen
9 Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Rolle in Kinderbüchern auf die germanistische Literaturdidaktik
10 Schlußbemerkung
11 Literaturverzeichnis
11.1 Primärliteratur
11.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der Geschlechterrollen in der Kinderliteratur vom Ende der 1950er Jahre bis zur Gegenwart, indem sie literarische Darstellungen in Bezug auf gesellschaftliche Veränderungen analysiert und kontrastiert.
- Historische Entwicklung der Geschlechterrollen in Deutschland
- Einfluss von Familienstrukturen und Erziehungskonzepten auf die Literatur
- Vergleichende Analyse von Kinderbuchklassikern und zeitgenössischen Werken
- Die Rolle der Autorenintention für Sozialisation und Identitätsbildung
- Auswirkungen der literarischen Geschlechterdarstellung auf die Leserschaft
- Relevanz für die moderne germanistische Literaturdidaktik
Auszug aus dem Buch
Die Geschlechterrolle im Kinderbuch der 1950er Jahre
Im Gegensatz zur Trümmerliteratur für Erwachsene gibt es bei der Kinder- und Jugendliteratur keine „Stunde Null“, nur wenige Erzählungen behandeln den Krieg und seine schrecklichen Folgen. Die Kinderbücher der Nachkriegszeit tendieren überwiegend zu Rückgriffen auf restaurative, traditionelle Literatur der Weimarer Republik bis 1933. Viele weltbekannte Bücher wie „Heidi“ und „Winnetou“ werden erneut aufgelegt. Auch in den 50er Jahren neu verfasste Bücher behandeln überwiegend einfache Handlungen mit konventionellen, intakten Familiensituationen und bildungsbürgerlichen Sitten anstatt der aufkommenden demokratischen Idee. Die Szenerie ist überwiegend ländlich und idyllisch, die Konversation zuversichtlich (Schikorsky 140-141).
Genau diese Themen werden auch in Hannelies und Wiltrud behandelt. Die Szenerie ist ländlich, die Mädchen werden am Morgen vom Hahn geweckt und sind umgeben von Tieren (Pfeilstücker 7). Die Familie Köhler wohnt außerhalb einer kleinen Stadt, mitten in einem Tal, das von einem Fluß durchzogen wird. Das große Haus wird von einem imposanten Garten umrahmt, die Kulisse ist also mehr als idyllisch und friedlich. Die Familie ist dank des hauseigenen Sägewerks gut situiert. Der Handlungszeitraum erstreckt sich über ein gutes halbes Jahr und es geht um die mit Freude erwartete Ankunft und den Aufenthalt von Wiltrud im Hause Köhler.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Wandel der Geschlechterrollen in Kinderbüchern von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart – eine Hinführung: Die Einleitung definiert den Begriff der Geschlechterrolle und skizziert den methodischen Ansatz, zwei ausgewählte Kinderbücher zur Analyse des gesellschaftlichen Wandels gegenüberzustellen.
2 Der Wandel der Familienstrukturen und der Erziehung: Das Kapitel beleuchtet den Übergang von der Großfamilie hin zu moderneren Formen und den damit verbundenen Wandel in der Erziehungspraxis sowie den gesellschaftlichen Druck auf die Identitätsbildung.
3 Der Wandel der Lesekultur: Hier wird untersucht, wie sich die Lesekultur durch Medieneinflüsse verändert hat und welche Rolle die familiäre Prägung bei der Förderung junger Leser spielt.
4 Die Autorenintention zum Verfassen einer Kinderlektüre: Das Kapitel analysiert, wie moderne Autoren pädagogische Ziele verfolgen und welche Bedeutung Authentizität für die Identifikation junger Leser mit Literatur hat.
5 Die Geschlechterrolle im Kinderbuch der 1950er Jahre: Eine Analyse von Hannelies und Wiltrud zeigt die konservativen Rollenbilder und das Ideal der "Dame" in der Nachkriegsliteratur auf.
6 Die Geschlechterrolle im Kinderbuch der Gegenwart: Anhand von Wehr dich doch, Ivo! wird demonstriert, wie aktuelle Kinderliteratur zur Entpolarisierung von Geschlechterstereotypen und zur Darstellung realistischer Lebensprobleme beiträgt.
7 Die Ergebnisse des Vergleichs: Diese Zusammenführung arbeitet die gesteigerte Realitätsnähe und den Wandel der Sprachstile als Hauptunterschiede zwischen den untersuchten Epochen heraus.
8 Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Rolle in Kinderbüchern auf LeserInnen: Das Kapitel diskutiert, wie Literatur heute als Hilfsmittel für Selbstvertrauen und Zivilcourage fungiert und Kinder nachhaltig prägen kann.
9 Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Rolle in Kinderbüchern auf die germanistische Literaturdidaktik: Abschließend wird gefordert, dass die Literaturdidaktik eine nicht-dichotome Sicht auf Geschlechterunterschiede fördern sollte, um eine freie Entfaltung aller Kinder zu ermöglichen.
10 Schlußbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass sich Geschlechterrollen von starren Polen zu dynamischen, situativ variablen Verhaltensmustern entwickelt haben.
Schlüsselwörter
Geschlechterrolle, Kinderliteratur, Sozialisation, Emanzipation, Identitätsbildung, 1950er Jahre, Gegenwartsliteratur, Familienstruktur, Erziehung, Geschlechtsneutrale Erziehung, Literaturdidaktik, Rollenstereotype, Realitätsnähe, Jugendliche Identität, Hannelies und Wiltrud
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Darstellung von Geschlechterrollen in der deutschen Kinderliteratur seit den 1950er Jahren bis heute verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören der Wandel von Familienstrukturen, Erziehungskonzepten, die Rolle von Autoren bei der Sozialisation sowie die Entwicklung hin zu einer realistischeren Darstellung kindlicher Lebenswelten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Literatur dazu beiträgt, Kindern bei der Identitätsfindung zu helfen, indem sie das starre Bild geschlechtsspezifischer Rollen aufbricht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet einen komparativen Ansatz, bei dem ein typisches Werk der 1950er Jahre (Hannelies und Wiltrud) einem modernen Kinderbuch (Wehr dich doch, Ivo!) gegenübergestellt wird.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die literarischen Merkmale beider Werke hinsichtlich Sprache, Handlung, Rollenvorbildern und des Einflusses der damaligen beziehungsweise heutigen gesellschaftlichen Erwartungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geschlechterrollen, Emanzipation, Identität, Literaturdidaktik und die Entpolarisierung von Rollenstereotypen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Mädchenfigur zwischen den beiden analysierten Büchern?
Während Hannelies als "wildes Mädchen zur Dame" erzogen werden soll, zeichnet sich die moderne Protagonistin Mia durch Eigenständigkeit, Mut und Frechheit aus.
Welche Rolle spielt der "Scheinkonflikt" in der älteren Literatur?
Die Arbeit stellt fest, dass in den 1950er Jahren Konflikte oft nicht durch klärende Gespräche gelöst wurden, sondern durch Zufälle oder äußere Ereignisse, um ein harmonisches Bild aufrechtzuerhalten.
Warum wird in der Arbeit die "nicht-dichotome" Sichtweise betont?
Es wird argumentiert, dass starre Einteilungen in "typisch Junge" oder "typisch Mädchen" veraltet sind und dass individuelle Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer sind als zwischen ihnen.
- Citation du texte
- Daniela Schulze (Auteur), 2009, Der Wandel der Geschlechterrolle in Kinderbüchern von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130748