In dieser Hausarbeit soll dargelegt werden, dass die Nahtstelle eine energetische Folge des sozialen Diskurses ist. Zwar wird dies zunächst konkret anhand von Rosemary Mayer dargelegt, dieses Beispiel soll aber stellvertretend wirken und alle entstehenden Nahtstellen einbeziehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Phänomen Rosemary Mayer
1.1 Auffälligkeit der Nahtstelle bei Rosemary Mayer
1.2 Sozialer Diskurs Rosemary Mayers
2. Energetik der Nahtstelle
2.1 Greenblatt
2.2 Greenblatts soziale Energie
3. Nahtstelle als energetische Folge des sozialen Diskurses
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Künstlerin Rosemary Mayer unter dem speziellen Fokus ihrer textilbasierten Arbeiten. Ziel ist es, die ästhetische Gestaltung von Nahtstellen als materielle Manifestation sozialer Energien zu begreifen und diese These mithilfe der kulturwissenschaftlichen Theorie Stephen Greenblatts über die Zirkulation sozialer Energie zu untermauern.
- Künstlerische Praxis und Werkgenese von Rosemary Mayer
- Die Bedeutung der Nahtstelle als Verbindungselement
- Feministische und zeitgeschichtliche Diskurse als Einflussfaktoren
- Übertragung der Theorie des New Historicism auf zeitgenössische Kunst
- Die Resonanz zwischen historischem Kontext und ästhetischem Objekt
Auszug aus dem Buch
1.1 Auffälligkeit der Nahtstelle bei Rosemary Mayer
Im Fokus von Rosemary Mayers Arbeiten stehen also die Skulpturen aus verschiedenen Stoffen, die zumeist überlagert oder durch andere Varianten miteinander verbunden werden. In der Ausstellung „Ways of Attaching“ wurden einige Ihrer Stoffskulpturen präsentiert, in denen diese Besonderheiten ihrer Arbeit ins Auge gestochen sind. Ihre Arbeiten wirken „zart und fragil. Sie scheinen zu schweben, haben eine organische Anmutung, die ihnen eine gewisse Leichtigkeit verleiht.“ Viele ihrer Kunstwerke sind nur durch Kordeln gehalten, was darauf schließen lässt, dass viel Mühe und viele Gedanken hinter ihren Arbeiten stehen. Denn trotz des bloßen Haltens durch eine Kordel sind die verschiedenen Skulpturen standhaft. Auch wenn sie instabil wirken und in sich nur unter höchster Spannung Stabilität vorweisen. Dies zeigt nur, dass Rosemary Mayer die Eigenschaften des genutzten Materials ausreizt und nichts dem Zufall überlässt.
Demnach scheinen auch die Nahtstellen nicht zufällig entstanden zu sein, sondern sind sie mit Bedacht in ihre Arbeiten eingeflossen. Die Nahtstellen liegen offen und die überschüssigen Fäden bleiben hängen. Das Auge des Betrachters wird somit automatisch auf die Nähte ihrer Arbeiten gelenkt. Die Nahtstellen und das Garn nicht zu verstecken, erzielen eine ästhetische Erscheinung. In ihren Arbeiten steht das Verknüpfen im Vordergrund, das Zusammennähen ist dabei die offensichtlichste Methode zu zeigen, dass etwas zusammengefügt wurde. Nahtstellen sorgen für neue Verbindungen und schaffen dabei auch neue, andere oder gefestigtere Strukturen. Es entsteht also etwas Neues und oft etwas Gefestigteres, was zumeist auf einer brüchigen Grundlage aufbaut. Das Zusammennähen, also das Entstehen einer Nahtstelle, muss sich ‚lohnen‘. Daher würde Rosemary Mayer nicht unbegründet zwei Stoffe zusammennähen. Diese Naht muss für etwas stehen oder eine gefestigtere Verbindung schaffen, was Attaching verdeutlichen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, skizziert die künstlerische Bedeutung von Rosemary Mayer und erläutert die methodische Herangehensweise anhand von Stephen Greenblatts Theorien.
1. Phänomen Rosemary Mayer: Hier erfolgt eine biografische Einordnung der Künstlerin sowie die Analyse ihrer künstlerischen Entwicklung und Materialität.
1.1 Auffälligkeit der Nahtstelle bei Rosemary Mayer: Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die spezifische Gestaltung der Nahtstellen als bewusstes ästhetisches Element in den Stoffskulpturen der Künstlerin.
1.2 Sozialer Diskurs Rosemary Mayers: Das Kapitel beleuchtet die Einflüsse von Feminismus und Nachkriegszeit auf die inhaltliche Aufladung der Arbeiten von Rosemary Mayer.
2. Energetik der Nahtstelle: Diese Sektion schafft die theoretische Brücke zwischen der Kunstpraxis und der Literaturwissenschaft.
2.1 Greenblatt: Hier wird der theoretische Rahmen des New Historicism und die Bedeutung von Stephen Greenblatts Werk für die kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft dargelegt.
2.2 Greenblatts soziale Energie: Dieses Kapitel definiert den Begriff der sozialen Energie nach Greenblatt und dessen Bedeutung für die Zirkulation von Sinngehalten.
3. Nahtstelle als energetische Folge des sozialen Diskurses: Dies ist das Synthesekapitel, in dem die gewonnenen Erkenntnisse zur Nahtstelle und zur sozialen Energie zusammengeführt werden.
Schlussbemerkung: Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung der These, dass Nahtstellen als energetische Folgen sozialer Prozesse zu verstehen sind.
Schlüsselwörter
Rosemary Mayer, Nahtstelle, Soziale Energie, Stephen Greenblatt, New Historicism, Textilskulptur,Ways of Attaching, Feminismus, Nachkriegszeit, Diskursanalyse, Kunstästhetik, Zirkulation, Kulturwissenschaft, Moderne Kunst, Materialität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die künstlerischen Arbeiten von Rosemary Mayer unter der Prämisse, dass ihre prominent ausgestellten Nahtstellen keine rein handwerklichen Details sind, sondern energetische Folgen sozialer Diskurse darstellen.
Welches wissenschaftliche Instrumentarium wird zur Analyse genutzt?
Die Autorin nutzt die literaturwissenschaftliche Theorie des New Historicism, insbesondere das Konzept der „Zirkulation sozialer Energie“ von Stephen Greenblatt, um die Entstehung von Kunstwerken durch ihren Kontext zu erklären.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Kunstwerke nicht unabhängig von ihrer Entstehungszeit existieren, sondern durch die Aufnahme und Verbindung verschiedener gesellschaftlicher Strömungen („soziale Energie“) energetisch aufgeladen sind.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Neben der Biografie und dem Werk von Rosemary Mayer stehen die Konzepte der sozialen Energie, feministische Diskurse der 1970er Jahre und die Bedeutung des New Historicism als kulturwissenschaftliche Methode im Fokus.
Wie lässt sich die „Nahtstelle“ theoretisch einordnen?
Die Nahtstelle wird als visuelles Symbol für die Heilung von Rissen – sei es in der Gesellschaft oder in der persönlichen Geschichte – gedeutet, die durch soziale Einflüsse auf die Künstlerin entstanden sind.
Warum wird der Begriff der „Energie“ verwendet?
In Anlehnung an Greenblatts „Energia“ beschreibt der Begriff die Macht eines Kunstwerks, auch zeitlich versetzt beim Betrachter kollektive Empfindungen und Denkvorgänge auszulösen.
Welche Rolle spielt die Ausstellung „Ways of Attaching“ für die Argumentation?
Sie dient als zentrale Fallstudie, an der die Künstlerin die bewusste Entscheidung trifft, ihre Arbeitsprozesse (das Verbinden und Nähen) offenzulegen und damit zum zentralen Gestaltungselement zu machen.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit von gängigen Kunstanalysen?
Die Besonderheit liegt in der interdisziplinären Anwendung einer literaturwissenschaftlichen Theorie auf ein bildnerisches Werk, um eine „Energetik“ der Kunst zu definieren, die über rein formale Aspekte hinausgeht.
- Arbeit zitieren
- Lena Anna Schneider (Autor:in), 2022, Die Nahtstelle als energetische Folge des sozialen Diskurses. Das Phänomen Rosemary Mayer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1307693