Unser alltägliches Leben ist von ständigen Entscheidungen geprägt und wir entscheiden danach, was richtig oder falsch ist – was ist moralisch und was ist unmoralisch? Das vorliegende Paper wird sich der Frage widmen, ob die Bewunderung des Unmoralischen als eine Form der moralischen Abkoppelung verstanden werden kann und demzufolge auch wie das Wissen um die moralische Situation dabei interferiert. Dabei werden die Untersuchungen von Archer und Matheson die Grundlage für die Diskussion bilden, während die Recherchen von Reynolds et al. exemplarisch herangezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Gründe gegen Bewunderung des unmoralischen Künstlers
Unmoralische Bewunderung und ihre Unmoralität
Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende ethische Fragestellung, ob die öffentliche Bewunderung von Künstlern, die sich moralisch verwerflich verhalten haben, als eine Form der moralischen Abkoppelung verstanden werden kann und ob diese Bewunderung selbst als unmoralisch einzustufen ist.
- Analyse der moralischen Implikationen bei der Bewunderung unmoralischer Künstler
- Untersuchung der sozialen Verantwortung und der Wirkung auf Opfer durch öffentliche Preisungen
- Diskussion theoretischer Ansätze zur moralischen Kognition (Kohlberg vs. Bandura)
- Anwendung des Konzepts der "moral disengagement" auf reale Fälle wie Roman Polanski und Whoopi Goldberg
- Reflektion über die Macht von Vorbildfunktionen und deren Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung von moralischen Verfehlungen
Auszug aus dem Buch
Gründe gegen Bewunderung des unmoralischen Künstlers
Archer und Matheson untersuchen die Bewunderung des unmoralischen Künstlers, im Speziellen: sollte man einen Künstler bewundern (dürfen), auch wenn dieser auf eine groteske Art und Weise unmoralisch gehandelt hat? In ihrer Untersuchung stellen sie zunächst fest, dass Bewunderung nicht als globale Emotion verstanden werden kann, da dies bedeuten würde, dass das Unmoralische bewundert wird. Es stellt sich aber heraus, dass Bewunderung auch denen zugesprochen werden kann, die unmoralisch gehandelt haben, ohne sie global zu beurteilen. Diese werden als fitting targets bezeichnet. Dennoch bleibt die Frage offen, ob es all-things-considered appropriate sei dies auch auszudrücken. Archer und Matheson führen drei moralische Gründe auf, die dagegensprechen, Künstlern wie Roman Polanski öffentlich Bewunderung zu schenken.
Zum einen wäre da die öffentliche Bewunderung durch Auszeichnungen wie Oscars. Auch wenn der Künstler in diesem Falle nicht direkt für sein unmoralisches Verhalten belohnt werden würde, so wird dennoch eine indirekte Missachtung der Opfer ausgedrückt, da die Academy durch emotionale Priorisierung die Bewunderung der Verachtung vorzieht. Unsere Taten und emotionalen Ausdrücke haben nämlich auch eine öffentliche Präsenz für die Allgemeinheit. Die bewusste Entscheidung einen Künstler wie Polanski zu bewundern und dies auch öffentlich kundzutun, kann also dazu beitragen, dass das unmoralische Verhalten gebilligt wird, zumindest indirekt. Dabei ist es nicht wichtig, ob dies eingangs unsere Intention ist oder nicht. Archer und Matheson argumentieren weiterhin, dass wir eine öffentliche Verantwortung tragen mit dem, was wir sagen und uns dessen bewusst sein müssen, ob wir vielleicht falsch interpretiert werden könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung steckt das Forschungsfeld ab, indem die moralische Bewertung der Bewunderung von Künstlern in den Kontext theoretischer Ansätze der moralischen Abkoppelung gestellt wird.
Gründe gegen Bewunderung des unmoralischen Künstlers: Dieses Kapitel erläutert drei zentrale moralische Argumente gegen die öffentliche Ehrung moralisch fragwürdiger Künstler, insbesondere im Hinblick auf deren Signalwirkung für Opfer und Gesellschaft.
Unmoralische Bewunderung und ihre Unmoralität: Hier werden psychologische Theorien von Kohlberg und Bandura herangezogen, um zu analysieren, wie moralisches Wissen verarbeitet wird und warum Individuen zur moralischen Abkoppelung neigen.
Schlussfolgerung: Das Abschlusskapitel synthetisiert die Erkenntnisse und reflektiert die Problematik, dass eine moralische Beurteilung der Bewunderer selbst aufgrund der Komplexität moralischer Handlungsprozesse schwierig bleibt.
Schlüsselwörter
Moralpsychologie, moralische Abkoppelung, moral disengagement, moralische Verantwortung, unmoralische Künstler, Roman Polanski, Whoopi Goldberg, kognitive moralische Entwicklung, soziale Sanktionen, Selbstsanktionen, High Moral Intensity, moralische Dilemmata, Vorbildfunktion, Ethik, #metoo Debatte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die moralischen Konsequenzen einer öffentlichen Bewunderung für Künstler, die für unmoralische Taten bekannt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Moralpsychologie, die Theorie der moralischen Abkoppelung (moral disengagement) und der Einfluss von Prominenten auf die öffentliche Moralwahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, philosophische Aufmerksamkeit auf das Dilemma zu lenken, ob die Bewunderung für das Werk eines Künstlers von dessen unmoralischem Verhalten getrennt werden kann, ohne dabei indirekt Schaden anzurichten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine theoretische Diskursanalyse auf Basis der Arbeiten von Archer, Matheson, Kohlberg und Bandura durchgeführt, ergänzt durch die Analyse realer Medienstimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die moralphilosophische Kritik an der Bewunderung unmoralischer Künstler und die psychologische Untersuchung der Mechanismen hinter der "moralischen Abkoppelung" bei der Bewertung von Fehlverhalten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie moralische Verantwortung, soziale Sanktionen, kognitive Rekonstruktion und die bewusste Entscheidung zur moralischen Distanzierung.
Wie bewertet die Arbeit die Aussage von Whoopi Goldberg im Fall Polanski?
Die Arbeit analysiert Goldbergs Äußerung als eine Form der moralischen Abkoppelung, bei der durch die abwertende Bezeichnung eines Vorfalls die Realität verzerrt wird, um eine unmoralische Tat zu verteidigen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "fitting targets" und globaler Bewunderung bedeutsam?
Diese Unterscheidung ist zentral, da die Arbeit diskutiert, ob man die Exzellenz eines Künstlers in seinem Fach würdigen kann, ohne damit automatisch sein gesamtes moralisches Handeln als tolerabel zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Christopher Cerra (Autor:in), 2018, Die Immoralität bei der Bewunderung des Unmoralischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1308013