Im vorliegenden Text nun soll es darum gehen, die Deutschordensballei Thüringen von ihren Anfängen bis ins 14. Jahrhundert zu beschreiben. Diese Thematik ist schon deswegen spannend, weil sie durch ihr Nischendasein in der Deutschordensliteratur-Landschaft speziellere Einblicke gewähren kann. Geschichtsschreibungen, die den Deutschen Orden zum Thema haben – sei es den gesamten Orden betreffend oder speziell im Sinne einer Balleigeschichte – finden sich zwar nicht in übermäßiger, aber doch in akzeptabler Menge vor. Diese Arbeit unterscheidet sich in dem Sinne von bisheriger Literatur, als sie nicht als rein deskriptive Darstellung verstanden werden sollte. Grundlage ist zu einem eminenten Teil Karl Heinrich Lampes "Urkundenbuch der Deutschordensballei Thüringen", dessen Diplome vollständig für das vierte Kapitel ausgewertet wurden. Dem immensen Umfang des Corpus ist es geschuldet, dass sich, um es mit Lusiardis treffenden Worten zu beschreiben, "ein[…] quantifizierende[r] Zugriff geradezu aufdrängt"
Was kann von der Arbeit erwartet werden, welche Anforderungen sollten an sie nicht gestellt werden? Da als Grundlage zu einem Gutteil die Auswertung der Diplome aus dem Urkundenbuch und zu einem anderen Teil die vorhandene, breit gefächerte Literatur diente, kann eine solide Balleigeschichte Thüringens vorausgesetzt werden. Es wurde sich dabei auf den Zeitraum beschränkt, den auch das Urkundenbuch vorgibt, nämlich von um 1200 bis 1310. Damit befinden wir uns zeitperiodisch in der Phase, in der die meisten Kommenden gegründet wurden. Besonderen Wert bei der Ausarbeitung wurde auf ein Einbinden der Herrschergeschlechter in die Analyse gelegt. Da sich während dieses Prozesses die Namen, Ränge, Familien und so weiter der herrschaftlichen Gönner des Deutschen Ordens ins Unermessliche zu addieren schienen, musste ein geeignetes Ordnungssystem gefunden werden, um alle Förderer ab einem bestimmten ‚Rang‘ aufzunehmen. Hierbei wurden beachtet natürlich die staufischen Könige, die Thüringer Landgrafen, weitere Hoch- und Niederadelsgeschlechter sowie die Päpste und (Erz-)Bischöfe. Weiterhin wurden aufgenommen und verarbeitet Grafen sowie Burggrafen, Vögte und schließlich Ritter, kurz die Ministerialen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Der Deutsche Orden
3.1. Gründung
3.2. Aufbau/Struktur
3.3. wirtschaftliche Grundlagen im Reich
3.4. Zwischenfazit
4. Die Deutschordensballei Thüringen
4.1. Auswertung des UB
4.1.1 Die Ballei und die lokalen Herrschaftsgewalten
4.1.2 Die Ballei und weitere Herrschaftsträger
4.1.3 Die Ballei und der Papst sowie das Episkopat
4.1.4 Fälschungen
4.2. Kommenden der Ballei Thüringen im Einzelnen
4.3. Zusammenfassung: Karte & Grafiken
4.4. Die wirtschaftliche Grundlage der Ballei
4.4.1 Der Deutsche Orden und seine grundherrschaftlichen Einnahmen
4.4.2 weitere Einnahmequellen
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Entwicklungen und wirtschaftlichen Grundlagen der Deutschordensballei Thüringen von ihren Anfängen bis in das 14. Jahrhundert und analysiert dabei das Verhältnis zwischen dem Orden und seinen Adels- und Herrschaftsförderern.
- Integration und Expansion des Deutschen Ordens in Thüringen
- Struktur und Verwaltung der thüringischen Kommenden
- Analyse der herrschaftlichen Gunst und Schenkungspraxis
- Wirtschaftliche Bedeutung und Einnahmequellen der Ballei
Auszug aus dem Buch
Die Deutschordensballei Thüringen von ihren Anfängen bis ins 14. Jahrhundert
Eine Beschäftigung mit der Deutschordensballei Thüringen ist geprägt von einem darstellerischen Spannungsfeld zwischen deutscher bzw. europäischer Ordensgeschichte einerseits und thüringischer Landesgeschichte andererseits. Wo fängt Balleigeschichte an, wo hört Landesgeschichte auf? Dieser Frage kann abschließend nicht geklärt werden, zumindest wenn, wie in der folgenden Arbeit, eine Art Balleigeschichte geschrieben werden soll; hier haben es die Autoren von Literatur über Landesgeschichte sicherlich etwas einfacher, die den DO bei ihren Erzählungen mitunter auch ausklammern können bzw. diesen nur marginal erwähnen (müssen).
Denken wir an den Deutschen Orden, fallen uns wahrscheinlich zuerst Schlagworte wie Jerusalem, Preußen oder Schlacht bei Tannenberg ein. Das ist nicht verwunderlich. Um 1190 in Jerusalem unter dem Banner deutscher Kaufleute gegründet, war es seiner Zeit einer unter nun drei existenten Heiligen Orden. Dies waren jene Orden, die innerhalb der Kreuzzüge auf der Seite des Christentums stehend erst die eigenen Verletzten zu versorgen hatten, später selbst in den Kampf gegen die ungläubigen Muselmanen zogen. Im Einzugsgebiet des Deutschen Reichs wiederum bringen wir den Deutschen Orden zumeist mit Preußen in Verbindung – zusätzlich dazu noch mit dem Baltikum. Auch die Schlacht bei Tannenberg 1410 betraf das Ordensland Preußen und zusätzlich, als gegnerische Partei, natürlich die litauische Union.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Spannungsfeld zwischen Ordens- und Landesgeschichte und erläutert die methodische Herangehensweise durch die Auswertung des Urkundenbuchs.
2. Forschungsstand: Gibt einen Überblick über die bisherige Literatur sowie das Urkundenbuch der Deutschordensballei Thüringen und zeigt bestehende Forschungslücken auf.
3. Der Deutsche Orden: Umfasst die Gründung, Organisationsstruktur und die wirtschaftlichen Grundlagen des Gesamtordens als notwendige Basis für die Analyse.
4. Die Deutschordensballei Thüringen: Kernstück der Arbeit, welches die spezifische Entwicklung in Thüringen, die einzelnen Kommenden und deren Gönner detailliert untersucht.
5. Resümee: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und reflektiert kritisch über das methodische Vorgehen und die Quellenlage.
Schlüsselwörter
Deutscher Orden, Ballei Thüringen, Kommenden, Urkundenbuch, Landgrafen, Staufer, Grundherrschaft, Schenkungspolitik, Wirtschaftsgeschichte, Urkundenanalyse, Ministerialität, Mittelalter, Ordensgeschichte, Kommende Altenburg, Mittelalterliche Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung der Deutschordensballei Thüringen sowie deren Einbettung in das politische und wirtschaftliche Geflecht der Region vom 13. bis zum frühen 14. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Beziehungen des Ordens zu regionalen Herrschaftsträgern, die Organisation der verschiedenen Kommenden und die Analyse der landwirtschaftlichen und finanziellen Einnahmequellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung der Ballei Thüringen anhand der Auswertung des Urkundenbuchs nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie politisches Kalkül und religiöse Stiftungspraxis zusammenwirkten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf der Auswertung und quellenkritischen Analyse erhaltener Diplome aus dem Urkundenbuch der Deutschordensballei Thüringen in Verbindung mit der Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Förderer aus unterschiedlichen sozialen Schichten, wie Staufer, Ludowinger und Wettiner, sowie die Spezifika einzelner Kommenden wie Altenburg, Plauen und Zschillen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Ordensgeschichte, Schenkungspraxis, Grundherrschaft, diplomatischer Analyse und thüringischer Ministerialität.
Wie erklärt der Autor die vermeintliche Fälschungspraxis einiger Urkunden?
Der Autor vermutet, dass wirtschaftlicher Leidensdruck oder der Verlust früherer Dokumente den Orden dazu veranlassten, Ansprüche durch neu angefertigte Urkunden formal abzusichern.
Warum spielt die Kommende Zschillen eine besondere Rolle?
Zschillen nimmt eine Sonderstellung ein, da sie durch Restriktionen des Meißner Bischofs stärker in ihrer wirtschaftlichen Handlungsfreiheit eingeschränkt war als andere Kommenden.
Gibt es eine zusammenfassende Bewertung zur "Bedeutung" der Ballei?
Ja, der Autor relativiert die wirtschaftliche Spitzenstellung der thüringischen Ballei und ordnet ihr stattdessen eine hohe politische Bedeutung durch ihre königsnahe Lage zu.
Was wird im Resümee abschließend reflektiert?
Das Resümee reflektiert die Einseitigkeit der Quellenlage, die politisch-geschichtliche Färbung des Textes und die Herausforderungen einer nicht-chronologisch orientierten Analyse.
- Arbeit zitieren
- Kevin Zwanzig (Autor:in), 2019, Die Deutschordensballei Thüringen von ihren Anfängen bis ins 14. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1308502