Etwas, dass nahezu alle Menschen miteinander verbindet, ist die Erkenntnis von Übel und Leid, welche sowohl als gesellschaftlich-kollektiv (z.B. witschaftliche Rezession bzw. Naturkatasrophe) als auch persönlich-individuell erfahren werden. Für Übel und Leid kennzeichnend ist, dass ihre Empfinden mit relativer Stärke wahrgenommen wird, denn jemand, der so leidet, dass er krank wird, weil er sich als Millionär nicht reich genug fühlt, leidet unter Umständen genauso stark, wie ein Obdachloser der erkrankt, weil ihn sein Schlafsack nicht ausreichend gegen die Kälte geschützt hat.
Da Übel und Leid offenbar existenzielle menschliche Freiheiten bedrohen, versucht der Mensch ihre Ursachen zu finden. Gefundene Ursachen werden in der Folge entweder verurteilt oder legitimiert. Nun ist es leicht nachzuvollziehen, dass jenes Leid, welches durch menschliche Gewalt verursacht wurde (moralische Übel), leichter verurteilt oder legitimiert werden kann, als solches, dessen Ursachen eindeutig nicht an menschliches Handeln geknüpft waren (natürliches Übel). Letzteres stellt ein großes Problem da, weil hier anscheinden niemand für verursachtes Übel und Leid nachhaltig verantwortlich gemacht und verurteilt werden kann: Es hat keinen Sinn die Natur zu verurteilen, da die Umsetzung eventueller Strafen unmöglich ist.
Während der Atheist keine Person für natürliches Übel und Leid verantwortlich machen kann und dies als Erkenntnislücke hinnimmt, ist die Natur für den Christen das Werk eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes. Diese christliche Sicht aber führt geradewegs in einen logischen Widerspruch. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Uminterpretation des Problems
3. Aufhebung des Widerspruchs durch Preisgabe einer Prämisse
3.1 Preisgabe der Allgüte
3.2 Preisgabe der Allmacht
4. Gläubiger Verzicht auf eine Lösung
5. Lösung des Widerspruchs durch Zusatzannahmen
5.1 Free-will-defence
5.2 Soul-making-theodicy
6. Fazit
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das klassische Theodizee-Problem, also den logischen Widerspruch zwischen der Existenz von Übel und Leid und der Annahme eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes. Ziel ist es, anhand der methodischen Aufbereitung von Perry Schmidt-Leukel verschiedene theologisch-philosophische Lösungsansätze auf ihre Argumentationskraft und Konsistenz zu prüfen.
- Die logische Inkonsistenz des Gottesbildes im Angesicht von Leid.
- Versuche zur Uminterpretation und die Preisgabe einzelner göttlicher Attribute.
- Der traditionalistische Ansatz des bewussten Verzichts auf eine rationale Lösung.
- Die Rechtfertigung von Leid durch Zusatzannahmen wie die Willensfreiheit oder die Seelenbildung.
Auszug aus dem Buch
1.Einleitung
Etwas, dass nahezu alle Menschen miteinander verbindet, ist die Erkenntnis von Übel und Leid, welche sowohl als gesellschaftlich-kollektiv (z.B. witschaftliche Rezession bzw. Naturkatasrophe) als auch persönlich-individuell erfahren werden. Für Übel und Leid kennzeichnend ist, dass ihre Empfinden mit relativer Stärke wahrgenommen wird, denn jemand, der so leidet, dass er krank wird, weil er sich als Millionär nicht reich genug fühlt, leidet unter Umständen genauso stark, wie ein Obdachloser der erkrankt, weil ihn sein Schlafsack nicht ausreichend gegen die Kälte geschützt hat.
Da Übel und Leid offenbar existenzielle menschliche Freiheiten bedrohen, versucht der Mensch ihre Ursachen zu finden. Gefundene Ursachen werden in der Folge entweder verurteilt oder legitimiert. Nun ist es leicht nachzuvollziehen, dass jenes Leid, welches durch menschliche Gewalt verursacht wurde (moralische Übel), leichter verurteilt oder legitimiert werden kann, als solches, dessen Ursachen eindeutig nicht an menschliches Handeln geknüpft waren (natürliches Übel). Letzteres stellt ein großes Problem da, weil hier anscheinden niemand für verursachtes Übel und Leid nachhaltig verantwortlich gemacht und verurteilt werden kann: Es hat keinen Sinn die Natur zu verurteilen, da die Umsetzung eventueller Strafen unmöglich ist.
Während der Atheist keine Person für natürliches Übel und Leid verantwortlich machen kann und dies als Erkenntnislücke hinnimmt, ist die Natur für den Christen das Werk eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes. Diese christliche Sicht aber führt geradewegs in einen logischen Widerspruch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die menschliche Wahrnehmung von Übel und Leid ein und arbeitet den fundamentalen logischen Widerspruch heraus, der entsteht, wenn Leid auf die Existenz eines gütigen und allmächtigen Gottes trifft.
2. Uminterpretation des Problems: Dieses Kapitel erörtert Ansätze, die eine theoretische Lösung ablehnen und stattdessen eine praktische Bewältigung des Leids in den Vordergrund stellen, um so dem Vorwurf der theoretischen Unlösbarkeit zu begegnen.
3. Aufhebung des Widerspruchs durch Preisgabe einer Prämisse: Hier werden Ansätze untersucht, die den logischen Widerspruch auflösen, indem sie entweder die absolute Allgüte oder die uneingeschränkte Allmacht Gottes modifizieren oder infrage stellen.
4. Gläubiger Verzicht auf eine Lösung: Das Kapitel beschreibt die Position, die den Widerspruch als menschlich unlösbar betrachtet und darauf vertraut, dass der Sinn des Leids nur Gott verborgen bekannt ist und sich erst eschatologisch erschließt.
5. Lösung des Widerspruchs durch Zusatzannahmen: Dieser Abschnitt analysiert den Versuch, den Widerspruch durch die Einführung zusätzlicher Prämissen zu lösen, wobei insbesondere die menschliche Freiheit und die notwendige Entwicklung des Menschen im Zentrum stehen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass neben praktischen Ansätzen auch theoretische Auseinandersetzungen mit der Theodizee sinnvoll bleiben und reflektiert über die Möglichkeiten, Brücken zwischen traditionalistischen und modernen theologischen Sichtweisen zu schlagen.
7. Literatur: Das Verzeichnis listet die verwendeten Quellen und Fachliteratur auf, die der Argumentation in der Hausarbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Theodizee, Gott, Übel, Leid, Allmacht, Allgüte, Theologie, Religionsphilosophie, Willensfreiheit, Free-will-defence, Soul-making-theodicy, Perry Schmidt-Leukel, Gottesbild, Metaphysik, Glaube.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophische und theologische Frage, wie das Vorhandensein von Übel und Leid in der Welt mit der Existenz eines allmächtigen und gütigen Gottes vereinbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die logische Struktur des Theodizee-Problems, die verschiedenen christlichen Deutungsversuche dieses Konflikts und die kritische Auseinandersetzung mit der menschlichen Willensfreiheit als Rechtfertigungsgrund.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, durch die methodische Strukturierung von Perry Schmidt-Leukel aufzuzeigen, wie verschiedene Denkschulen versuchen, das Theodizee-Problem logisch aufzulösen oder praktisch zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine analytische Aufbereitung der fundamentaltheologischen Literatur, indem verschiedene Erklärungsmodelle auf ihre Konsistenz und ihre Schwachpunkte hin geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Lösungsansätze wie die Preisgabe göttlicher Attribute, den bewussten Verzicht auf rationale Lösungen sowie die Einführung von Zusatzannahmen wie die "Free-will-defence" und die "Soul-making-theodicy".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Theodizee, Allmacht, Allgüte, Leid, Willensfreiheit, Gottesbild und Fundamentaltheologie.
Was kritisiert der Autor an der "Free-will-defence"?
Der Autor führt an, dass die Willensfreiheit allein nicht ausreicht, um natürliches Übel zu rechtfertigen, und dass ein Gott, der durch eine solche Verteidigung legitimiert werden soll, nicht unbedingt dem klassischen Bild eines allmächtigen Schöpfers entspricht.
Welche Rolle spielt der Begriff "Soul-making-theodicy" im Fazit?
Die Seelenbildungs-Theodizee dient als ein wichtiges Beispiel dafür, wie Leid als notwendiger Teil eines Entwicklungsprozesses hin zur Gottesgleichheit interpretiert werden kann, was eine der betrachteten Lösungen für den logischen Widerspruch darstellt.
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- Oliver Siegemund (Author), 2008, Theodizee Widerlegung Gottes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130852