Das Bilderverbot in Judentum und Islam


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
22 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Bilderverbot im Alten Testament
2.1. Das Bilderverbot im Dekalog
2.2.Bilderverbot im Alten Testament außerhalb des Dekalogs
2.3. Die Entstehungszeit des Bilderverbots

3. Das Bilderverbot im antiken Judentum

4. Islamische Deutung: das Bilderverbot im Islam
4.1. Das Bilderverbot im Islam: Datierung und Problematik
4.2. Das Bilderverbot in den Haditsammlungen 14
4.3. Bilderverbot und internationale Konflikte mit dem Islam: die Buddahstatuen von Bamiyan und der Karikaturenstreit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Bilderverbot hat von seinem Ausgangspunkt im Dekalog eine interessante und differenzierte Rezeptionsgeschichte in Christentum, Judentum sowie im Islam erfahren. Wie Immanuel Kant bereits anmerkte, ist es zentral im Judentum und Islam.

Vielleicht gibt es keine erhabenere Stelle im Gesetzbuch der Juden, als das Gebot: Du sollst dir kein Bildnis machen, noch irgend ein Gleichnis, weder dessen was im Himmel, noch auf der Erden, noch unter der Erden ist u.s.w. Dieses Gebot allein kann den Enthusiasm erklären, den das jüdische Volk in seiner gesitteten Epoche für seine Religion fühlte, wenn es sich mit anderen verglich, oder denjenigen Stolz, den der Mohammedanism einflößt.“[1]

Aus religionswissenschaftlicher Perspektive ist es spannend, Islam und Judentum (und damit auch die alttestamentarische Überlieferung) zu vergleichen.

2. Das Bilderverbot im Alten Testament

2.1. Das Bilderverbot im Dekalog

Das Bilderverbot findet sich in beiden Überlieferungen des Dekalogs.

1. Exodus 20, 2-6

2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. a 3 Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. b 4 Du sollst dir ckein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: 5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein deifernder Gott, eder die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, 6 aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. f

2. Deuteronomium 5,6-10

6 Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft. 7 Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. a 8 Du sollst dir bkein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. 9 Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin cein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, 10 aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Das Bilderverbot ist an die Ablehnung des Polytheismus gekoppelt. Denn Deut 5,8 und Ex 20,4 wurden immer im Kontext der vorausgehenden gelesen. Das Bilderverbot gehört zum Komplex der direkten Gottesrede, und nicht wie andere Gesetzestexte als durch Mose vermittelte Rede, was am Wechsel der Anredeform vom der 1. Person Singular zur dritten Person deutlich.[2] Auch literarisch wurde dies auch bereits von Philon von Alexandria erkannt[3]. Das Bilderverbot im Dekalog richtet sich ausschließlich gegen die Anfertigung materieller Kultbilder, sei es von Jahwe oder von anderen Gottheiten. Die Formel „im Himmel, auf der Erde oder im Meer“ drückt die Dreiteilung des altorientalischen Weltbildes aus und steht damit für die Schöpfung in ihrer Totalität. Kein Geschöpf darf verehrt werden, wie dies bei benachbarten Völkern geschah, die Mond, Stier, Sterne, … verehrten. Nach dieser Spezifikation erfolgt eine Sanktion gegen Verstöße, die damit begründet wird, das JHWH ein „eifernder Gott“ sei. Hierbei werden sogar nachfolgende Generationen in die Strafe für die Abkehr von Jahwe eingeschlossen. Im Bibeltext wird das Anfertigen von Bildern prinzipiell nicht verboten, sondern nur das Anfertigen eines Bildes mit der Absicht, es zu verehren.

Dadurch soll Gott nicht vergegenständlicht werden.

2.2.Bilderverbot im Alten Testament außerhalb des Dekalogs

Noch an weiteren Stellen des Alten Testaments findet sich ein Bilderverbot. Dies ist aber wie das Bilderverbot im Dekalog gegen die Verehrung von Bildern gerichtet, verbietet aber nie die Kunst im allgemeinen. Der Kunst kommt im Alten Testament sogar ein hoher Stellenwert zu. Dafür sprechen der prächtige Bau des Tempels, die Bundeslade sowie der erste Künstler Bezalel, der mit der Gestaltung des Zelts der Begegnung, der Stiftshütte von Mose beauftragt wurde. (Exodus 35,30)

Die Fülle der Überlieferung an Bilderverboten kann folgendermaßen gegliedert werden:
1) Ein Überlieferungsstrang ist spezifisch gegen die Anfertigung von Metallstatuaren gerichtet. ( lohîm aus Gold bzw. Silber)

Exodus 20,23 Darum sollt ihr keine anderen Götter neben mir haben. Macht euch keine silbernen und goldenen Götzenbilder.

Ex 34,17 Ihr dürft keine gegossenen Götzenbilder machen.

Lev 19,4 Wendet euch nicht anderen Göttern zu und macht euch keine Götterbilder. Ich bin der Herr euer Gott.

2.. Eine andere Gruppe enthält Aufforderungen, vor-israelitische Heiligtümer zu zerstören, was sich auch mit archäologischen Befunden deckt , die eine Fülle von vor-israelitischen Heiligtümern nachweist:

vgl. Dtn 7,5: Es gibt für euch nur eins: Reißt ihre Altäre nieder, zerschlaget ihre Steinmale, haut ihre geweihten Pfähle um und verbrennt ihre Götzenbilder.

Dtn 7,25: Die Standbilder ihrer Götter müßt ihr ins Feuer werfen. Laßt euch auch nicht dazu verleiten, den goldenen und silbernen Belag abzulösen und an euch zu nehmen. Solches Gold verabscheut der Herr, euer Gott und es würde euch Unheil bringen.

Dtn 12,3 Reißt die Altäre ab, zertrümmert die Steinmahle, verbrennt die geweihten Pfähle und stürzt alle Götterbilder um. Nichts darf mehr an die fremden Götter erinnern.

Exodus 23,23f ( im Kontext des Auftrags ins Land der Kanaaniter zu gehen) Übernehmt nicht ihren Götzendienst, betet nicht zu ihren Göttern! Stürzt ihre Götzenbilder um und zerschlagt ihre heiligen Steinmahle.

Exodus 34,13.16 Ihr müsst ihre Altäre zerstören, die heiligen Steinmahle zerschlagen und die geweihten Pfähle umhauen.

3. Unter den 12 Fluchworten des Mose findet sich auch ein Fluch gegen diejenigen, die Götzenbilder anfertigen : Verflucht sei, wer einen aGötzen oder ein gegossenes Bild macht, einen Greuel für den HERRN, ein Werk von den Händen der Werkmeister, und es heimlich aufstellt! Und alles Volk soll antworten und sagen.

Auch in den späten prophetischen Büchern, wie im Hoseabuch, das von den meisten Forschern auf die Exilszeit datiert wird, finden sich Aussagen zum Bilderkult Im Zuge der Reichsteilung hatte Jerobeam I. den Stierkult in den Reichsheiligtümern etabliert. Der Wettergott Jahwe wurde als Nationalgott in einem Stier symbolisch repräsentiert und im Staatskult verehrt. Hosea prophezeit, dass das Kalb der Hauptstadt Samaria zersplittert werden wird. Der Prophet Ezechiel steht am Übergang von der Königszeit zur Exilszeit, ebenso wie für den Wechsel vom ersten zum zweiten Tempel. Für Ezechiel ist die Geschichte Israels seit Ägypten durch Götzenbilder disqualifiziert. Er schildert in der ersten Tempelvision die Gräuel des Abfalls von Jahwe in dem für Ezechiel abscheulichen Bilderdienst an den Wänden des Tempels (Ezechiel 8,10) und in einem Bild, das Jahwes Eifersucht erregt. (Ezechiel 8,5)

Weder Ezechiel noch Hosea beziehen sich auf ein Bilderverbot und die Bilderkritik steht im Dienst der Ausschließlichkeitsforderung Jahwes. Die Fremdgötter werden durch ihre Bilder repräsentiert. Das Bilderverbot in der Bibel wurzelt nicht zuerst in der Kultbildlosigkeit Jahwes, sondern in der Kritik an den Bildern der Fremdgötter. Begründet wird das Bilderverbot nur im Rahmen von Dtn 4,15-18: Nehmt euch um eures Lebens willen sehr in acht, denn ihr habt keine Gestalt gesehen an dem Tag, als Jahwe zu euch vom Horeb aus der Mitte des Feuers geredet hat, dass ich nicht zu eurem Verderben handelt und euch ein Kultbild macht, Gestalt von irgendetwas, kein Bereitgestelltes, kein Abbild, weder eines Männlichen noch Weiblichen, 17 kein Abbild irgendeines Viehes, das auf der Erde ist und auch kein Abbild irgendeines gefiederten Vogels, der im Himmel fliegt, 18 kein Abbild irgendeines Gewürms auf der Erde, kein Abbild irgendeines Fisches, der im Wasser unter der Erde schwimmt.

[...]


[1] Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, B 125, in: Werke in sechs Bänden, hg. Von W. Weischedel, Bd 5, Darmstadt 1966, S.365.

[2] „ Ich bin der HERR, dein Gott“ vs. „ ... wie der HERR, dein Gott dir geboten hat“ ( Dtn 5,6+ 12)

[3] Philo von Alexandria, De Decalogo 5.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Bilderverbot in Judentum und Islam
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Hauptseminar Religionswissenschaft Die 10 Gebote im Judentum und Islam
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V130857
ISBN (eBook)
9783640399543
ISBN (Buch)
9783640399659
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilderverbot, Judentum, Islam
Arbeit zitieren
Michael Ulrich (Autor), 2007, Das Bilderverbot in Judentum und Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130857

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