Ausgehend von der Thematik >Ausstellung in einem Museum< wird unter dem Aspekt der Fotografie die Funktion des Musealaen Raumes bei Per Kirkeby beleuchtet. Darüber hinaus wird die Art und Weise untersucht, wie Kirkeby das fotografische Medium in künstlerischer Hinsicht einsetzt und welchen Stellenwert die Fotografie für ihn einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Medium Fotografie
2. Bildauswahl I 1975
2.1. Das individuelle fotografische Gedächtnis bei Kirkeby
2.1.1. Menschenbilder
2.1.2. Räume, Orte und Landschaften
2.1.3. Illustrationsvorlagen, Zeichnungen und Radierungen
3. Bildauswahl II
3.1. Das kollektive Gedächtnis
3.1.2 Backsteinskulpturen
3.1.2. Der zusammengebrochene Linné, 1972. Lackfarbe und Collage auf Holzfaser, 122 x 122 cm.
3.1.3. Zu Kirkebys Übermalungen
3.1.4.Filme
3.1.5.Radierungen
4. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Stellenwert der Fotografie im künstlerischen Werk von Per Kirkeby, insbesondere im Kontext seiner Publikation „Fliegende Blätter“ und der dort dokumentierten Ausstellungen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Kirkeby das fotografische Medium nutzt, um Erinnerung, Bildgedächtnis und die Transformation kultureller Orte innerhalb des musealen Raumes zu reflektieren.
- Die Funktion der Fotografie als Medium der Spurensicherung und der individuellen Erinnerung.
- Das Spannungsfeld zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis in Kirkebys Werken.
- Die Analyse von Kirkebys künstlerischer Praxis, insbesondere Backsteinskulpturen, Übermalungen und Filme.
- Die Rolle des Museums als Gedächtnisspeicher und Ort der Transformation von Bildrealitäten.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Menschenbilder
Auf dem ersten Bild sehen wir eine karge Felslandschaft. An der unteren Bildkante befindet sich ein steiniger Weg, auf dem eine Frau mit einem langen Tuch auf dem Kopf und mit knöchellangem Kleid zu gehen scheint. Die Kleidung deutet darauf hin, daß die Frau nicht dem westlichen Kulturkreis angehört. Der Lichteinfall von links oben läßt ihren Schatten in ihrer Fortbewegungsrichtung vor ihr erkennen, als würde sie ihrem Schatten folgen. Die Abbildung ist schwarz-weiß und unscharf.
Die Beschreibung des ersten Bildes durch Kirkeby hebt die Erinnerung an die Farbstimmung in den Vordergrund: „Frau in tomatenrotem Gewand vor einer bleich ockergelben Mauer, die Schatten sind schwarz, aber sie haben eben keine andere Farbe. Aus einem Dorf in den Pamir-Bergen.“
Die Schatten sind schwarz. Dies ist der einzige Anhaltspunkt, der tatsächlich einen Teil der Realität auf dem Foto beweist. Die anderen Aussagen können wir nicht überprüfen, denn sie sind ein Teil von Kirkebys Erinnerung und deshalb sehr selektiv. Kirkeby erinnert sich an die Farben. Jemand anderes würde sich vielleicht an die beschwerliche Wegsituation erinnern. Die Betonung des Schattens gegenüber dem Licht zeigt, wie wichtig Kirkeby der Schatten ist. Gerade mit dem Medium der Schwarz-Weiß Fotografie kann man den Kontrast zwischen Licht und Schatten besonders hervorheben.
Dieter Brunner zitiert Kirkebys Aussagen zu Licht und Schatten: „Licht gesehen als Verdichtungen der Stofflichkeit ist die große Einsicht in die Vergänglichkeit. Schatten sind mehr oder weniger das gleiche wie das Grab.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Biografie von Per Kirkeby und Verortung seiner künstlerischen Arbeit zwischen Malerei, Bildhauerei und Fotografie.
1. Das Medium Fotografie: Untersuchung der Bedeutung der Fotografie für das umfangreiche Œuvre von Kirkeby und der Thematik der Ausstellung in einem Museum.
2. Bildauswahl I 1975: Analyse von Kirkebys individuellem fotografischem Gedächtnis anhand ausgewählter Motive wie Menschenbildern, Landschaften und Illustrationsvorlagen.
3. Bildauswahl II: Untersuchung der Transformation von gefundenen Bildern in eine künstlerische Bildrealität, mit Fokus auf das kollektive Gedächtnis und spezifische Werkformen.
4. Resümee: Zusammenführung der Ergebnisse zur Bedeutung des fotografischen Mediums als Bildarchiv und dessen Rolle bei der Untersuchung der eigenen künstlerischen Stilentwicklung.
Schlüsselwörter
Per Kirkeby, Fotografie, Bildgedächtnis, Erinnerung, Museum, Backsteinskulptur, Übermalungen, Photoroman, Bildrealität, Stilentwicklung, kollektives Gedächtnis, Bildarchiv, kulturelle Orte, Dokumentation, künstlerische Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das fotografische Schaffen von Per Kirkeby, insbesondere wie er Fotografien nutzt, um sein individuelles und kollektives Bildgedächtnis sowie seine eigene künstlerische Entwicklung zu reflektieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von Erinnerung und Bild, die Rolle des musealen Raums, die Bedeutung der Vorlage im künstlerischen Prozess sowie die Transformation von Realität in künstlerische Bildformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Stellenwert der Fotografie in Kirkebys Schaffen zu beleuchten und aufzuzeigen, wie er das Medium zur Spurensicherung und Reflexion seiner künstlerischen Arbeit einsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine kulturwissenschaftliche Analyse, die den „Photoroman“ und Kirkebys Bildauswahlen als Ausgangspunkt nimmt, um sie durch den Vergleich von Motiven und kunsthistorischen Kontexten zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des individuellen Bildgedächtnisses (Bildauswahl I) und eine Analyse des kollektiven Gedächtnisses sowie spezifischer Werkgruppen wie Backsteinskulpturen, Übermalungen und Filme (Bildauswahl II).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das Bildgedächtnis, die Spurensicherung, die Transformation von Bildern, die Rolle des Museums als Gedächtnisspeicher und der Begriff der Übermalung.
Warum spielt das Thema „Schatten“ eine so große Rolle im Auszug?
Für Kirkeby fungieren Schatten als existenzielle Anhaltspunkte, die auf die Stofflichkeit und Vergänglichkeit hinweisen – im Zitat wird die Verbindung zwischen Schatten und Grab hervorgehoben.
Wie unterscheidet Kirkeby zwischen „synchronen“ und „unsynchronen“ Bildern bei seinen Übermalungen?
„Synchrone Bilder“ zielen laut Kirkeby auf ein gemeinsames Bild ab, während bei „unsynchronen“ Bildern jede neue Schicht ein eigenständiges, neues Bild erzeugt.
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- Karoline Kmetetz-Becker (Author), 2001, Zu: Per Kirkeby - Photoromane, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13087