Aufgrund diverser Vorfälle bzgl. „Missmanagement und Unternehmensschieflagen im In- und Ausland“ hat das Thema Corporate Governance in den letzten Jahren zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Die „Diskussion um effiziente und transparente Formen der Unternehmensführung“ sei auch durch „die Globalisierung der Wirtschaft und die Liberalisierung der Kapitalmärkte“ verstärkt worden. Speziell während der Finanz- und Wirtschaftskrise seien Governance-Konzepte in Frage gestellt worden, sodass es sich mit diesem Bericht anbietet, die Kulturabhängigkeit von Corporate Governance-Konzepten in der Finanzindustrie zu untersuchen, wobei speziell auf das Unternehmen Deutsche Bank aufgrund der internationalen Tätigkeit eingegangen wird.
Hierzu bietet sich der folgende Aufbau der Arbeit an, wobei durchgehend der Schwerpunkt auf dem Bereich Coporate Governance (Abk. CG) liegt. Zunächst wird ein theoretischer Teil bezüglich Governance und die dazu in Beziehung stehenden Bereiche Compliance und Risikomanagement dargestellt. Bei der anschließenden Analyse der kulturellen Abhängigkeit liegt der Fokus hingegen ausschließlich auf der Corporate Governance, wozu ein recht allgemeiner internationaler Querschnitt bzgl. des Status Quo einen ersten Eindruck von der Kulturabhängigkeit liefert. Anschließend werden für einen konkreten Vergleich von Governance-Konzepten das amerikanische monistische und das deutsche dualistische System hinzugezogen, da die Deutsche Bank in diesen Ländern an der Börse gelistet ist. Vor dem Hintergrund dieser theoretischen und kulturellen Analyse wird anschließend das Unternehmen Deutsche Bank bzgl. der Bereiche Governance, Compliance und Risikomanagement vorgestellt. Anschließend werden Beispiele gegeben, in denen Auswirkungen von länderspezifischen Anforderungen auf das Handeln der Deutschen Bank aufgezeigt werden. Es folgen abschließende Empfehlungen, ein Fazit sowie ein Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodik
3. Theoretischer Hintergrund
3.1. Corporate Governance
3.1.1. Allgemeines
3.1.2. Corporate Governance in der Finanzbranche
3.2. Compliance
3.3. Risikomanagement
4. Kulturelle Abhängigkeit von Corporate Governance
4.1. Allgemeiner internationaler Querschnitt
4.2. Ein konkreter Vergleich: Corporate Governance in Deutschland und den USA
4.2.1. Das Dualistische System
4.2.2. Das Monistische System
4.2.3. Annäherungen
5. Vorstellung der Deutschen Bank
5.1. Allgemeine Informationen
5.2. Corporate Governance
5.2.1. Organe
5.2.2. Verhaltens- und Ethikkodex
5.2.3. Die Rolle des Abschlussprüfers
5.2.4. Statement zum Deutschen Corporate Governance Kodex
5.3. Compliance
5.4. Risikomanagement
5.5. Auswirkungen der länderspezifischen Anforderungen auf die Deutsche Bank
6. Empfehlungen
7. Fazit
8. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Kulturabhängigkeit von Corporate Governance-Konzepten in der internationalen Finanzindustrie, wobei insbesondere die Auswirkungen auf das systemrelevante Unternehmen Deutsche Bank analysiert werden.
- Theoretische Grundlagen von Corporate Governance, Compliance und Risikomanagement.
- Internationaler Vergleich von Governance-Systemen mit Fokus auf das deutsche dualistische und das US-amerikanische monistische System.
- Analyse der Governance-Strukturen und der Compliance-Organisation der Deutschen Bank.
- Untersuchung der Auswirkungen unterschiedlicher länderspezifischer Anforderungen auf die Unternehmensführung.
- Ableitung von Empfehlungen zur Harmonisierung und Effizienzsteigerung von Governance-Standards.
Auszug aus dem Buch
4.2.1. DAS DUALISTISCHE SYSTEM
Das dualistische System, das aus dem römischen Recht entnommen die Bereiche „gestio“ und „electio, instructio et custodia“ voneinander trennt, ist in Deutschland seit 1897 für Aktiengesellschaften zwingend (Vgl. Böckli, 2009, S. 256). Dieses „Two-tier-System“ sei „im internationalen Vergleich eher ein Sonderweg“ (Hopt, 2009, S. 45). So wird die „gestio“, also die Führung, allein dem Vorstand übertragen, während dem Aufsichtsrat, der von den Aktionären gewählt wird, „jede instruierende Gewalt entzogen“ werde und der Aufsichtsrat sich somit ausschließlich auf die Funktionen „electio et custodia“ konzentriert (Vgl. Böckli, 2009, S. 256).
Die Aufgabenbereiche des Vorstandes führen dazu, dass dieser eine „starke Stellung“ einnimmt. So ist es bspw. der Vorstand, der die Hauptversammlung mit den Aktionären, von denen er nur indirekt über den Aufsichtsrat gewählt wird, einberuft und die Tagesordnung der Versammlung bestimmt. Somit übt der Vorstand „gegenüber den Aktionären eine in der Praxis sehr weit gehende Führungsfunktion“ aus (Böckli, 2009, S. 258). „Obwohl rechtlich die von den Aktionären und die von den Arbeitnehmern gewählten Aufsichtsratsmitglieder gleichermaßen auf das Unternehmensinteresse verpflichtet sind, hat die paritätische Mitbestimmung auf den Aufsichtsrat stark abgefärbt.“
Obwohl der Aufsichtsrat praktisch die Anteilseigner vertritt, so sei dennoch der Aufsichtsrat eines Unternehmens zum „Austragungsplatz für den institutionalisierten Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmern und Kapitalgebern geworden“, was mit der Überwachung des Vorstandes wenig zu tun habe (Böckli, 2009, S. 260f.). So habe man sich in Deutschland an den „mitbestimmten Aufsichtsrat“ gewöhnt, wobei „die Aufteilung des Aufsichtsrates in „zwei Bänke“ mit je unterschiedlicher Wahl- und Legitimationsbasis“ auch in der Praxis zu erkennen ist, sodass von einem „Dualismus innerhalb des Dualismus“ gesprochen werden kann (Böckli, 2009, S. 261).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die steigende Relevanz von Corporate Governance aufgrund von Missmanagement und Globalisierung sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Methodik: Erläutert die Verwendung von Sekundärliteratur zur Definition der theoretischen Grundlagen und zur Analyse der Deutschen Bank.
3. Theoretischer Hintergrund: Definiert die Begriffe Corporate Governance, Compliance und Risikomanagement und setzt sie in einen gemeinsamen Kontext.
4. Kulturelle Abhängigkeit von Corporate Governance: Analysiert internationale Governance-Systeme und vergleicht das deutsche dualistische System mit dem US-amerikanischen monistischen System.
5. Vorstellung der Deutschen Bank: Untersucht die Governance-, Compliance- und Risikomanagement-Strukturen der Deutschen Bank im Kontext internationaler Anforderungen.
6. Empfehlungen: Schlägt eine Harmonisierung der internationalen Standards vor, um Transparenz zu erhöhen und Komplexität zu reduzieren.
7. Fazit: Fasst zusammen, dass die Annäherung der Governance-Systeme vorangetrieben werden sollte, um eine Basis für internationale Standards zu schaffen.
8. Ausblick: Schlägt für zukünftige Arbeiten eine Korrelationsanalyse zu den kulturellen Dimensionen nach Hofstede vor.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Finanzindustrie, Deutsche Bank, Compliance, Risikomanagement, dualistisches System, monistisches System, Corporate Governance Kodex, Finanzkriminalität, nationale Kodizes, internationale Harmonisierung, Unternehmensführung, Stakeholder, Shareholder, Informationsasymmetrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit unterschiedliche kulturelle und regulatorische Rahmenbedingungen die Ausgestaltung von Corporate Governance-Konzepten in der Finanzbranche beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen von Governance, Compliance und Risikomanagement im Bankenwesen sowie den internationalen Vergleich von Führungssystemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich kulturell bedingte unterschiedliche Regelwerke auf ein systemrelevantes Unternehmen wie die Deutsche Bank auswirken und welche Anpassungsnotwendigkeiten daraus entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Forschungsarbeit basiert rein auf der Auswertung von Sekundärliteratur, darunter Fachbücher, Wirtschaftslexika und Unternehmensberichte.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Rahmen, einen internationalen Querschnitt der Governance-Systeme, einen Vergleich zwischen dualistischen und monistischen Modellen sowie eine detaillierte Fallanalyse der Deutschen Bank.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Corporate Governance, Compliance, Risikomanagement, die Annäherung von dualistischen und monistischen Modellen sowie länderspezifische Anforderungen.
Wie unterscheidet sich das deutsche vom amerikanischen System laut Arbeit?
Das deutsche Modell ist dualistisch geprägt (Vorstand und Aufsichtsrat als Trennung), während das US-System monistisch ist (Board of Directors als Einheit), wobei die Arbeit eine zunehmende Konvergenz beider Systeme feststellt.
Was bedeutet "Konvergenz" im Kontext der Corporate Governance?
Konvergenz bezeichnet die Angleichung der verschiedenen Governance-Systeme aneinander, um gemeinsame Schwächen wie Informationsasymmetrie besser bewältigen zu können.
- Quote paper
- Kristin Lethaus (Author), 2012, Die Kulturabhängigkeit von Corporate-Governance-Konzepten in der Finanzindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1308722