Im Grabmal, Denkmal und auf Münzen sind die Porträts bilniswürdiger Personen für die Nachwelt überliefert. Erst Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das Medium Malerei vorwiegend für die Verbreitung von Bildnissen verwendet. Die Frage nach der Wahrheit und Täuschung zwischen Gesicht und Maske stellt sich nun bei jedem Porträt. Anhand der Bildnisse Luthers wird die Schaffung eines "Images" erläutert. Dabei liegt der Schwerpunkt in den Entstehungsbedingungen von den Lutherbildnisssen und welchen Ansprüchen und Vorstellungen sie gerecht werden mußten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Martin Luther
2. Lucas Cranach der Ältere
3. Albrecht Dürer als Vorbild
5. Die graphischen Lutherbildnisse Cranachs
6. Die Rezeption der Lutherbildnisse
7. Bildnisse von Luther nach seinem Tod
8. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entstehungsbedingungen und die inhaltliche Gestaltung der Porträts von Martin Luther, um aufzuzeigen, wie durch die gezielte Nutzung bildkünstlerischer Formensprachen ein wirkungsmächtiges „Image“ des Reformators geschaffen wurde. Dabei wird analysiert, inwieweit der Wittenberger Hof unter Mitwirkung von Lucas Cranach d. Ä. die Porträtkunst als Instrument zur Verbreitung reformatorischer Ideen und zur Stilisierung Luthers nutzte.
- Die systematische Entwicklung eines bildlichen „Images“ von Luther
- Einfluss der Porträtkunst Albrecht Dürers und antiker Vorbilder
- Die Rolle des Wittenberger Hofes bei der Verbreitung der Lutherbildnisse
- Funktion und Wirkung der Luther-Ikonographie im Kontext der Reformation
- Transformation der Bildnisse vom politischen zum kultischen Raum
Auszug aus dem Buch
Die graphischen Lutherbildnisse Cranachs
In seinen frühen Bildmotiven und Kompositionen orientiert sich Cranach an Dürer. Den Kupferstich des Kardinals Albrecht von Brandenburg verwendet er als Vorlage um Kompositions- und Technikstudien zu betreiben. Der Qualitätsunterschied ist noch deutlich sichtbar.
Die Bildkomposition ähnelt in allen Teilen der Dürers. Das Wappenzeichen, die Inschriftentafel, darüber eine Linie, welche die Inschriftentafel von der Gestalt trennt, die sich vor einem dunklen Vorhang vom Hintergrund heraushebt, die Attribute, die Kleidung, welche den Kardinal in seiner Position auszeichnen, all das wird übernommen. Cranach vergrößert jedoch seinen Kupferstich um zwei Zentimeter und durch die Darstellung anderer Wesenszüge testet er die Wirkungskraft des »Images«. Aus dem repräsentativen Antlitz des Kardinals, mit seinem gradlinigem, würdevollen Blick, im Dreiviertelprofil mit der Blickrichtung nach rechts, dem gelocktem Haar und der zurechtgesetzten Kardinalstracht wird bei Cranach ein Kardinal, wie wir ihn in seiner Privatsphäre vermuten, müde vom Tagewerk, mit hängenden Schultern, glattem Haar und legerer, aufgeknüpfter Kardinalstracht.
Zeitgleich sticht er sein erstes Bildnis von Luther. Die Inschriftenplatte wird in ihrer Anlage übernommen, die Mönchskutte und Tonsur am Hinterkopf weisen Luther als Augustinermönch aus, sein entschlossener Blick und die hohe Stirn versprechen eine kämpferische Gesinnung. Stolz ist die gefiederte Schlange, das Monogramm Cranachs, zentriert über der Unterkante der Inschriftenplatte gestochen, während sie im Kupferstich des Kardinals in der linken oberen Ecke des dunklen Vorhangs nur schwerlich zu erkennen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik der Porträtgestaltung als Mittel der Imagebildung sowie die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext der Reformation.
1. Martin Luther: Darstellung des Lebenswegs Luthers bis hin zu den entscheidenden Voraussetzungen für seine weltgeschichtliche Wirksamkeit und seine späte Bildniswürdigkeit.
2. Lucas Cranach der Ältere: Biografie des Hofmalers und Beschreibung seiner engen Verbindung zu Luther sowie seines Einflusses auf die visuelle Verbreitung der Reformationsideen.
3. Albrecht Dürer als Vorbild: Analyse der künstlerischen Vorbildfunktion Dürers und der Bedeutung der Selbstbildnisse für die Etablierung eines Künstler-Images.
5. Die graphischen Lutherbildnisse Cranachs: Untersuchung der frühen Kupferstiche Cranachs, ihrer kompositorischen Anleihen bei Dürer und der gezielten Modifikation zur Schaffung eines spezifischen Luther-Images.
6. Die Rezeption der Lutherbildnisse: Diskussion der zeitgenössischen Nachahmung und Weiterentwicklung der Lutherbildnisse durch andere Künstler sowie der gegnerischen Bildpropaganda.
7. Bildnisse von Luther nach seinem Tod: Analyse der posthumen Bildnispflege und der Transformation Luthers vom zeitgenössischen Reformator zur kultisch verehrten Figur.
8. Zusammenfassung: Resümee über die Bedeutung der Bildniserzeugung für die Etablierung Luthers als Reformationsfigur und die Transformation in den kultischen Raum.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Lucas Cranach der Ältere, Albrecht Dürer, Bildnis, Image, Reformation, Kupferstich, Holzschnitt, Propaganda, Herrscherbildnis, Ikonographie, Bildersprache, Wittenberger Hof, Identitätskonstruktion, Rezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und strategischen Verbreitung der Porträts von Martin Luther und der Rolle, die diese Bilder bei der Schaffung eines bewussten „Images“ des Reformators spielten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Ikonographie der Reformationszeit, die Zusammenarbeit zwischen Luther und Cranach, der Einfluss der Porträtkunst Dürers sowie die Funktion von Bildern als Instrument politischer Propaganda.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Entstehungsprozess der Luther-Bildnisse zu analysieren und aufzuzeigen, wie das „Image“ Luthers gezielt gestaltet wurde, um seine Bedeutung im Kontext der Reformation zu festigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kunsthistorische Analyse der Porträts sowie der druckgraphischen Werke durchgeführt, wobei historische Kontextualisierung und der Vergleich mit zeitgenössischen Kunstvorbildern im Vordergrund stehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Biografie Luthers und Cranachs, die künstlerische Vorbildfunktion von Dürer, die Entwicklung der verschiedenen Luther-Porträts durch Cranach sowie deren Rezeption und die posthume Transformation zum kultischen Bildnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Martin Luther, Bildnis, Image, Reformation, Propaganda, Lucas Cranach und ikonographische Transformation.
Wie unterschied sich Cranachs Luther-Bild von den Herrscherdarstellungen?
Während die Bildsprache sich an Herrscherdarstellungen anlehnte, um Autorität zu unterstreichen, wurde bei Luther durch Variationen in der Physiognomie und Attributierung bewusst zwischen einer kämpferischen und einer milden, vermittelnden Wirkung gesteuert.
Warum war das „Image“ Luthers auch nach seinem Tod noch so relevant?
Das Image wurde postum in den kultischen Raum überführt, um Luther dauerhaft als geistliche Autorität zu verankern und die Kontinuität seiner Reformen sicherzustellen.
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- Karoline Kmetetz-Becker (Author), 2001, Das Portrait Martin Luthers - Die Schaffung eines Images, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13089