Individualisiertes Lernen

Ländervergleich: Schweden - Deutschland


Hausarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung der Bildungssysteme
2.1 Schulsystem Deutschlands
2.2 Schulsystem Schwedens

3. Individualisiertes Lernen
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Vorteile des individualisierten Lernens
3.3 Was machen die Schweden anders?
3.3.1 Beispiel 1: Futurum
3.3.2 Beispiel 2: Annelundskola
3.4 Deutsche „Vorreiter“
3.4.1 Mercatorprojekt „Indive“
3.4.2 Schule für individuelles Lernen

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Schweden gehört das Prinzip individualisierten Lernens bzw. individueller Förderung jedes Schülers und jeder Schülerin zu den zentralen Zielvorgaben des Bildungssystems. Das Bewusstsein, dass jede Schülerin und jeder Schüler unabhängig von ihrer/seiner Herkunft ein Recht auf optimale Förderung durch die Schule hat und zunehmend lernt, Verantwortung für ihren/seinen Lernprozess zu übernehmen, ist prägend für die Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern in Schweden. Aber was versteht man eigentlich unter individualisiertem Lernen? Wie wichtig ist individualisiertes Lernen? Und wie unterschiedlich wird mit der Unterrichtsform in den Ländern Deutschland und Schweden umgegangen? Woran liegt es, dass es den Schweden wesentlich einfacher fällt, einen individualisierten Unterricht zu organisieren? Eine Gegenüberstellung der beiden Schulsysteme und einige praktische Beispiele zum individualisierten Lernen sollen Aufschluss darüber geben.

In Deutschland wird momentan viel über das Thema diskutiert, da Deutschland durch Lernstandserhebungen wie TIMS und PISA mit anderen Ländern verglichen wurde und nun versucht wird, die skandinavischen Länder als Vorbild zu sehen, indem Unterrichts-methoden nachgeahmt werden. Warum dies nicht ohne weiteres möglich ist und warum die Tradition der deutschen Schule einem guten Unterricht mit der Verschiedenheit der Einzelnen entgegensteht, soll die nun folgende Gegenüberstellung zeigen.

2. Darstellung der Bildungssysteme

Aus dem Schulsystemvergleich ist ersichtlich, dass die beiden gegenübergestellten Länder allein durch ihre Schulsysteme ganz unterschiedliche Bedingungen schaffen. Hauptsächlich dabei zu beachten ist die Vielzahl an deutschen weiterführenden Schulen neben einem eingliedrigen Schulsystem in Schweden.

2.1 Schulsystem Deutschlands

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Föderalstaat. Die Zuständigkeit für das Bildungswesen wird durch diese Föderalstruktur geregelt. Die Pflichtschule beginnt für alle Kinder in Deutschland im Alter von sechs Jahren und umfasst in der Regel neun Jahre Vollzeitschule.

„Strukturell ist das Schulsystem in Deutschland ein allenfalls ‚teilintegriertes’ System, das sich nach einem relativ einheitlichen Elementar- und Primarbereich, in den Sekundar-bereich I und II, im Hochschulbereich und im Bereich der Weiterbildung in vielfältiger Weise und mehrgliedrig ausdifferenziert.“[1]

Demnach ist Beginn der Schulpflicht die Grundschule, welche ab dem sechsten Lebensjahr besucht werden kann, deren Dauer vier, in Berlin und Brandenburg sechs Schuljahre umfasst. Das 5. und 6. Schuljahr dient als „Orientierungsstufe“, die die Schüler auf die jeweilige Schulform vorbereiten soll. Für die Sekundarstufe I gibt es unter folgenden Schulformen zu wählen: Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Mittel-schule in Sachsen-Anhalt (mit den gleichen Abschlüssen) und Regelschulen in Thüringen (mit ebenfalls Haupt- und Realschulabschluss) sowie Förderschulen zur speziellen Förderung behinderter Kinder.

Der Sekundarbereich II umfasst die gymnasiale Oberstufe, berufliche Vollzeitschulen, sowie Berufsausbildungsgänge im dualen System. Des Weiteren sind noch die Schulen in freier Trägerschaft, die so genannten privaten Schulen zu nennen, die mit etwa 5 bis 6% Schüleranteil zum deutschen Schulsystem dazu gehören, sowie die Ersatz- und Ergänzungsschule, deren Schüler sich als „Externe“ den Prüfungsbedingungen einer öffentlichen oder staatliche anerkannten Schule stellen müssen.

Verschiedene schulische Ausbildungsgänge des zweiten Bildungsweges, wie Kolleg, Abendrealschule und Abendgymnasium bieten außerdem eine Chance, die allgemeine Hochschulreife zu erwerben.

Die Lehrerbildung lässt sich in zwei Phasen gliedern: zuerst ist ein Hochschulstudium mit abschließendem ersten Staatsexamen zu absolvieren. Darauf folgt ein, mit dem zweiten Staatsexamen abzuschließender, Vorbereitungsdienst (Referendariat).

2.2 Schulsystem Schwedens

Im Gegensatz zu dem deutschen Schulsystem stellt das schwedische eine wesentlich übersichtlichere Struktur dar.

„Eines der wesentlichsten Ziele schwedischer Bildungspolitik ist die Bereitstellung eines nationalen Schulsystems, das allen Schülern gleichen Zugang und gleiche Lehr-Lernbedingungen bietet, ohne dass dies durch ihr Geschlecht, ihren geographischen Wohnort oder ihre sozialen und finanziellen Voraussetzungen beeinflusst ist.“[2]

Die grundskola stellt die größte organisatorische Schuleinheit mit rund eine Million Schülern dar. Fast 99% aller Schüler (7 bis 15 Jahre) besuchen somit die grundskola.[3]

Die Grundschule dauert in den unteren Klassen bis nach dem Mittagessen, das in der Schule eingenommen wird, in den oberen Klassen bis gegen 15.30 Uhr. Für die Zeit nach der Schule gibt es Freizeitheime als pädagogische Gruppenaktivität. Das Gymnasium wird von den Schülern im Anschluss an die neunjährige Grundschulzeit besucht. Es gibt 17 verschiedene landesweite Bildungsgänge, die alle drei Jahre dauern. Sie vermitteln Grundausbildung, berufliche Ausbildung und die Zugangsberechtigung zur Hochschule. In „individuellen Bildungsgängen“ werden Schüler gefördert, die keine ausreichenden Ergebnisse am Ende der Grundschule in Schwedisch, Mathematik und Englisch erworben haben.[4]

Die Finanzierung der Schulen ist zwischen Staat und Kommunen aufgeteilt. Jeder kommun wird ein staatlicher Zuschuss zur Selbstverwaltung zur Verfügung gestellt. „Jede Lehrerin und jeder Lehrer handelt aber mit dem Schulleiter das eigene Gehalt aus. Aus Sicht der Gewerkschaft sei diese Individualisierung eine erfolgreiche Strategie, um die Lehrereinkommen insgesamt zu steigern.“[5]

„Gesonderte Zuschüsse durch den Staat gibt es für die Fortbildung des Schulpersonals, für Fördermaßnahmen für lernschwache Schüler sowie für Schulen in privater Trägerschaft. Die grundskola sowie die gymnasieskola sind kostenlos. Schüler an der gymnasieskola sowie an der folkhögskola (Heimvolkshochschule) erhalten im Alter zwischen 16 und 20 Jahren eine finanzielle Beihilfe.[6]

3. Individualisiertes Lernen

3.1 Begriffsdefinition

Mit Hilfe des individualisierten Lernens soll den Schülern der Zugang zum einzelnen Lernen in der Gemeinschaft eröffnet werden.[7] Individualisierter Unterricht beruht auf sinnstiftender Kommunikation, auf Sinnkonferenzen, Lerntagebüchern, Reichtum an Inszenierungstechniken, individuellem Fördern, Geduld und Zeit, individuellen Lern-standsanalysen, passgenauen Übungsaufträgen, gezielten Hilfestellungen und einer vorbereiteten Umgebung für selbst organisiertes Lernen.[8] Des Weiteren heißt Individualisierung, „das Besondere, Einzigartige, auch Eigentümliche und Verhaltens-originelle eines jeden Kindes wahrzunehmen und wertzuschätzen“[9]. In Schweden wird schon seit längerer Zeit nach dem individualisierten Konzept unterrichtet, wobei die Basis des Unterrichts das Vertrauen zwischen Schüler und Lehrer bildet: „Base of all teachers do at school is a great respect for each child. […] This attitude within the schools that may be characterized by the ideas of respect for the individual, trust in the strong points of everyone and fun to learn is not just valid for pupils but for teachers as well.”[10] Dabei soll Individualisierung keine Methode darstellen, sondern nur ein Prinzip, welches Teil der Pädagogik ist: “Individualization is not a method but part of this attitude. Individualization as well is not a methodical trick but a principle that is demonstrated on every level.”[11] Die Lehrperson stellt für die Schüler einen Lernbegleiter und –beobachter dar, der, wenn nötig, Denkanstöße gibt: „Teachers are there to advice, to help pupils to find solutions for problems, to give hints for learning and to discuss aspects of the subjects with working groups. They structure the surrounding of learning and give inputs concerning the content if necessary.”[12]

[...]


[1] Hans Döbert: „Deutschland“. In: Die Schulsysteme Europas. Hohengehren. 2. Aufl. 2004. S. 92-113, hier S. 96.

[2] Tobias Werler: „Schweden“. In: Die Schulsysteme Europas. Hohengehren. 2. Aufl. 2004. S. 92-113, hier S. 461.

[3] Vgl. Tobias Werler, S. 460.

[4] Vgl. Renate Rastätte/Thomas Gehring: „Individuelles Lernen und anders sein als Prinzip. Reisebericht“. In: Bildung & Wissenschaft 04/2003. S. 34-37, hier S. 36.

[5] Renate Rastätter, S. 37.

[6] Tobias Werler, S. 464.

[7] Johannes Bastian: „Individualisierung“. In: Pädagogik. Individualisierung 01/Januar 2006. S. 3.

[8] Vgl. Susanne Thrun, S. 7.

[9] Susanne Thrun, „Individualisierung kann gelingen. Begriffliche Klärung, Erfahrungen, Gelingensbedingungen“. In: Pädagogik. Individualisierung 01/Januar 2006. S. 6-9, hier S. 6.

[10] Sture Norlin / Christina Norlin: „Individualized Learning in Theory and Practice from a Swedish perspective“. Handout eines Seminars vom GEW: „Jedem Kind gerecht werden“ – Arbeit mit individuellen Entwicklungsplänen in Schweden“. Gelsenkirchen. 27.09.2006. S. 1-19, hier S. 5.

[11] Sture Norlin, S. 15.

[12] Sture Norlin, S. 15.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Individualisiertes Lernen
Untertitel
Ländervergleich: Schweden - Deutschland
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Tendenzen der Grundschulentwicklung
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V130909
ISBN (eBook)
9783640370108
ISBN (Buch)
9783640369768
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
individualisiertes Lernen, Individualisierung, schwedisches Modell, individuelle Förderung, individuelles Lernen, Schweden, schwedisches Schulsystem
Arbeit zitieren
Laura Holtbecker (Autor), 2007, Individualisiertes Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130909

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