In Schweden gehört das Prinzip individualisierten Lernens bzw. individueller Förderung jedes Schülers und jeder Schülerin zu den zentralen Zielvorgaben des Bildungssystems. Das Bewusstsein, dass jede Schülerin und jeder Schüler unabhängig von ihrer/seiner Herkunft ein Recht auf optimale Förderung durch die Schule hat und zunehmend lernt, Verantwortung für ihren/seinen Lernprozess zu übernehmen, ist prägend für die Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern in Schweden. Aber was versteht man eigentlich unter individualisiertem Lernen? Wie wichtig ist individualisiertes Lernen? Und wie unterschiedlich wird mit der Unterrichtsform in den Ländern Deutschland und Schweden umgegangen? Woran liegt es, dass es den Schweden wesentlich einfacher fällt, einen individualisierten Unterricht zu organisieren? Eine Gegenüberstellung der beiden Schulsysteme und einige praktische Beispiele zum individualisierten Lernen sollen Aufschluss darüber geben.
In Deutschland wird momentan viel über das Thema diskutiert, da Deutschland durch Lernstandserhebungen wie TIMS und PISA mit anderen Ländern verglichen wurde und nun versucht wird, die skandinavischen Länder als Vorbild zu sehen, indem Unterrichts-methoden nachgeahmt werden. Warum dies nicht ohne weiteres möglich ist und warum die Tradition der deutschen Schule einem guten Unterricht mit der Verschiedenheit der Einzelnen entgegensteht, soll meine Darstellung zum individualisiertem Lernen zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Bildungssysteme
2.1 Schulsystem Deutschlands
2.2 Schulsystem Schwedens
3. Individualisiertes Lernen
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Vorteile des individualisierten Lernens
3.3 Was machen die Schweden anders?
3.3.1 Beispiel 1: Futurum
3.3.2 Beispiel 2: Annelundskola
3.4 Deutsche „Vorreiter“
3.4.1 Mercatorprojekt „Indive“
3.4.2 Schule für individuelles Lernen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Prinzip des individualisierten Lernens durch einen Ländervergleich zwischen Schweden und Deutschland, um zu ergründen, warum die Umsetzung in Schweden erfolgreicher integriert ist und welche Impulse dies für das deutsche Schulsystem bietet.
- Vergleich der strukturellen Bedingungen der Bildungssysteme in Schweden und Deutschland
- Definition und pädagogische Prinzipien des individualisierten Lernens
- Analyse schwedischer Praxisbeispiele (Futurum, Annelundskola)
- Evaluation deutscher Modellprojekte wie „Indive“ und der „Schule für individuelles Lernen“
- Diskussion über Transfermöglichkeiten und die Rolle der Lehrerbildung
Auszug aus dem Buch
3.3 Was machen die Schweden anders?
„The Swedish Education Act stresses that education shall provide the pupils with knowledge and, in co-operation with the homes, promote their harmonious development into responsible human beings and members of the community. In accordance to this the Swedish Curriculum also says: It is not in itself sufficient that education imparts knowledge of fundamental democratic values. It must also be carried out using democratic working methods and prepare pupils for active participation in civic life. By participating in the planning and evaluation of their daily education, and exercising choices over courses, subjects, themes and activities, pupils will develop their ability to exercise influence and take responsibility.”
In Schweden existiert ein integriertes Schulsystem bis Jahrgang neun und dabei wird weitgehend auf Notenvergabe verzichtet. Da es „kein Sitzenbleiben, keine Zurückstellung und nahezu keine Formen äußerer Differenzierung gibt“, ist der Weg des Individualisierens die einzige Möglichkeit Schüler bis zum Abitur zu bringen. In Deutschland jedoch wird aussortiert und „solange Lehrerinnen und Lehrer nicht ‚passende’ Kinder nach unten abgeben müssen, wenn nicht gar wollen, kann sich nichts ändern“.
So hat auch Sture Norlin, ein ehemaliger schwedischer Lehrer und Schulleiter mit „International Masters Degree in Educational Management and Administration“ versucht zu begründen, warum so viele deutsche Schulleiter zwar an der schwedischen Strategie des individualisierten Lernens interessiert sind, jedoch nicht ohne Grund Zweifel an der problemlosen Umsetzung haben. Sture Norlin hat in seiner Ausarbeitung (Handout) zu dem Seminar „ ‚Jedem Kind gerecht werden’ – Arbeit mit individuellen Entwicklungs-plänen in Schweden“ vom GEW folgende Gründe aufgeführt:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des individualisierten Lernens in Schweden im Kontrast zur aktuellen bildungspolitischen Diskussion in Deutschland nach den PISA-Ergebnissen.
2. Darstellung der Bildungssysteme: Dieses Kapitel stellt das deutsche mehrgliedrige Schulsystem dem schwedischen eingliedrigen System gegenüber und zeigt die strukturellen Unterschiede auf.
3. Individualisiertes Lernen: Hier wird der Begriff definiert, Vorteile erläutert und durch konkrete schwedische sowie deutsche Beispiele in der Praxis veranschaulicht.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Individualisierung im schwedischen System notwendiger Bestandteil ist und Deutschland von diesem Ansatz lernen kann, sofern die unterschiedlichen Voraussetzungen beachtet werden.
Schlüsselwörter
Individualisiertes Lernen, Schulsystemvergleich, Schweden, Deutschland, Grundschule, Pädagogik, Individualisierung, Förderpläne, Bildungspolitik, Lernumgebung, Eigenverantwortung, Schulstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht das Prinzip des individualisierten Lernens in den Schulsystemen von Schweden und Deutschland, um Unterschiede und Transfermöglichkeiten zu identifizieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Schulstruktur, die pädagogische Definition der Individualisierung, praktische Umsetzungen in schwedischen Schulen sowie Ansätze in deutschen Modellprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum individualisiertes Lernen in Schweden erfolgreicher praktiziert wird und ob bzw. wie diese Ansätze auf deutsche Schulen übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einem systematischer Vergleich der Bildungssysteme und der Auswertung von Praxisbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die strukturellen Unterschiede der Bildungssysteme, definiert individualisiertes Lernen theoretisch und stellt Erfolgsbeispiele wie die „Futurum Schule“ den deutschen Projekten gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Individualisierung, Schulsystemvergleich, schwedisches Bildungswesen, Förderung, Eigenverantwortung der Lernenden und Schulentwicklung.
Was zeichnet die schwedische „grundskola“ im Kontext der Individualisierung aus?
Das integrierte System ohne frühe Selektion und ohne Sitzenbleiben macht individuelle Förderung zu einer pädagogischen Notwendigkeit, unterstützt durch ein höheres Investitionsvolumen.
Welche Rolle spielen „Individual Developing Plans“ (IDP) in Schweden?
Seit 2006 sind diese Pläne verpflichtend, um den Lernprozess jedes Schülers in den Fokus zu rücken und für Lehrer, Eltern und Schüler verbindliche Entwicklungsziele festzuhalten.
Warum ist eine direkte Nachahmung schwedischer Methoden in Deutschland laut Autorin schwierig?
Aufgrund grundlegend unterschiedlicher struktureller Voraussetzungen – insbesondere der deutschen Selektion nach Schulformen – lassen sich skandinavische Methoden nicht eins zu eins kopieren.
- Citation du texte
- Laura Holtbecker (Auteur), 2007, Individualisiertes Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130909