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Widerstand in Konzentrations- und Vernichtungslagern aus einer organisationssoziologischen Perspektive. Inwiefern war dieser trotz systematischer Unterdrückung möglich?

Title: Widerstand in Konzentrations- und Vernichtungslagern aus einer organisationssoziologischen Perspektive. Inwiefern war dieser trotz systematischer Unterdrückung möglich?

Term Paper , 2022 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Konrad Steinbrecht (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Durch die Errichtung der Konzentrations- und Vernichtungslager schufen jedoch bereits die Nationalsozialist:innen einen gigantischen Vernichtungsapparat, dem allein ca. vier Millionen jüdische Menschen zum Opfer fielen. Um diese abstrakte, absurd hohe Zahl an Ermordeten auch nur annähernd begreifen zu können, bedarf es einer genaueren Betrachtung des Aufbaus und der Organisation der Lager. Dies soll in der vorliegenden Arbeit geschehen, indem sich unter anderem der Theorie der absoluten Macht nach Wolfgang Sofsky bedient wird. Der Soziologe arbeitet sich in seiner Veröffentlichung an Macht- und Herrschaftssystemen in den Lagern im dritten Reich ab und bildet so mit seinem Werk den theoretischen Rahmen der vorliegenden Arbeit. Sofsky geht von einem Konzept aus, das die Existenz von Widerstand zwar anerkennt, diesen aber als wirkungslos gegen die Allmacht der herrschenden SS ansieht. Anhand dessen soll der Fragestellung nachgegangen werden, ab wann von Widerstand gesprochen werden kann und ob dieser in Angesicht der entsprechenden Umstände überhaupt möglich war.

Es handelt sich um eine sogenannte "große Hausarbeit", d.h. der Umfang liegt zwischen dem einer regulären Hausarbeit und einer Bachelorarbeit. Die Veröffentlichung bedient sich der Theories Sofskys zu absoluter Macht und versucht anhand dieser der Frage nachzugehen, ob und inwiefern Widerstand in Konzentrations- und Vernichtungslagern im dritten Reich stattfinden konnte. Es werden zudem Beispiele für individuellen und kollektiven Widerstand gegeben, nachdem diese näher definiert wurden.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufbau der Lager

2.1 Sofsky’s Konzept der absoluten Macht

2.2 Definition von Widerstand

2.3 Systematische Unterbindung von Widerstand

2.4 Welche Formen von Widerstand waren trotzdem denk- und durchführbar?

2.4.1 Individueller Widerstand

2.4.2 Kollektivwiderstand

2.5 Theoretische Rückbindung

3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht aus organisationssoziologischer Perspektive, ob und in welcher Form Widerstand gegen die systematische Unterdrückung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern möglich war, wobei insbesondere die Theorie der "absoluten Macht" von Wolfgang Sofsky kritisch hinterfragt wird.

  • Analyse der Lagerstrukturen und des bürokratischen Apparats
  • Differenzierung zwischen individuellem Widerstand und Kollektivwiderstand
  • Untersuchung der systematischen Strategien zur Identitätszerstörung
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Theorie der "absoluten Macht"
  • Dokumentation historischer Beispiele für Gegenwehr und Subversion

Auszug aus dem Buch

2.4.2 Kollektivwiderstand

Im Folgenden werden einige ausgewählte Beispiele zu den oben genannten Kategorien gegeben. Diese erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sollen allerdings dazu dienen, einen Überblick über die sehr unterschiedlichen Ausprägungen von Widerstand im Kollektiv zu geben.

Solidarität unter den Häftlingen stellt hierbei den ersten Punkt dar. Gerade für Neuzugänge waren die Umstände in den Lagern nahezu unerträglich (vgl. Garbe 2005: 245). Sie wussten nicht, was ihnen bevorstand, waren oft von der Trennung von ihren Familien und Angehörigen erschüttert und daher stark verunsichert. Um ihnen den Einstieg in den grausamen Lageralltag zu erleichtern, erhielten sie Zuspruch, Aufklärung über die nötigen Verhaltensregeln oder bekamen den Tagesablauf erklärt (vgl. ebd.). Baum (1962: 70 f.) nennt dazu ebenfalls die zusätzliche Beschaffung von Lebensmitteln für Neuankömmlinge, was nicht nur dem Aspekt der Nahrungszufuhr, sondern insbesondere auch der Schaffung von Lebensmut und einer ersten Solidarisierung diente. Durch diese Akte konnten sich Häftlinge bereits früh kennen lernen und erste Kontakte knüpfen, die für das Überleben in den Lagern oft notwendig waren. Dass die Insass:innen sogar bereit waren, dafür drakonische Strafen in Kauf zu nehmen, zeigt folgendes Beispiel. In Buchenwald erfuhren Inhaftierte von der bevorstehenden Einlieferung von 3000 russischen Kriegsgefangenen, die von einem monatelangen Marsch mit einem Minimum an Nahrung völlig ausgezehrt waren (vgl. Adler 1960: 233). Spontan wurden die letzten eigenen Essensvorräte mit den neuen Leidensgenossen geteilt – ausdrücklich trotz der zu erwartenden Strafe für die Gemeinschaft (vgl. ebd.). Letztendlich erfolgte diese Strafe auch, die Gefangenen hatten die Bedeutung von einer Verbrüderung allerdings schon davor verstanden und nahmen sie daher wissentlich hin (vgl. ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Widerstand in Konzentrationslagern trotz systematischer Unterdrückung möglich war, und stellt Sofskys Theorie der absoluten Macht als theoretischen Rahmen vor.

2 Aufbau der Lager: Dieses Kapitel analysiert die Organisationsstruktur der Konzentrationslager und zeigt auf, wie der Verwaltungsapparat sowie Funktionshäftlinge zur Kontrolle eingesetzt wurden.

2.1 Sofsky’s Konzept der absoluten Macht: Hier wird die soziologische Theorie Wolfgang Sofskys erläutert, die die Lager als Orte vollkommener Macht und permanenter Angst charakterisiert.

2.2 Definition von Widerstand: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene Widerstandsbegriffe und wählt eine weite Definition, die auch alltägliche Akte der Selbstbehauptung miteinschließt.

2.3 Systematische Unterbindung von Widerstand: Diese Untersuchung befasst sich mit den Strategien der SS, durch physische und psychische Gewalt, Kennzeichnungen und Isolation jeden Widerstand im Keim zu ersticken.

2.4 Welche Formen von Widerstand waren trotzdem denk- und durchführbar?: In diesem Abschnitt wird auf Basis der gewählten Definition die grundsätzliche Möglichkeit von Widerstand diskutiert.

2.4.1 Individueller Widerstand: Hier werden Akte der Selbsthilfe von Einzelnen beleuchtet, die trotz der extremen Lebensbedingungen das körperliche und moralische Überleben sichern sollten.

2.4.2 Kollektivwiderstand: Dieses Kapitel präsentiert Beispiele für Solidarität, Verweigerung und organisierte Aufstände, die sich gegen die SS-Lagerführungen richteten.

2.5 Theoretische Rückbindung: Hier erfolgt eine kritische Überprüfung von Sofskys Theorie anhand der zuvor dargelegten historischen Beispiele, um deren Plausibilität in der Praxis zu prüfen.

3 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass trotz der absoluten Macht der SS individuell und kollektiv Spielräume für (wenn auch begrenzten) Widerstand existierten.

Schlüsselwörter

Konzentrationslager, Widerstand, SS, absolute Macht, Wolfgang Sofsky, Häftlingsgesellschaft, Funktionalhäftlinge, Identitätszerstörung, Solidarität, Selbstbehauptung, Überlebensstrategien, Organisationssoziologie, Buchenwald, Zwangsarbeit, Unterdrückungsmechanismen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob und wie in nationalsozialistischen Konzentrationslagern Widerstandshandlungen der Häftlinge gegen die SS-Herrschaft möglich waren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themenfelder umfassen die Lagerorganisation, die Analyse soziologischer Machtkonzepte, Strategien der SS zur Widerstandsunterbindung und diverse Formen des Widerstands, von der individuellen Selbsthilfe bis zum bewaffneten Aufstand.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ab wann man unter der systematischen Unterdrückung der Lagerhaft von Widerstand sprechen kann und ob dieser angesichts der Umstände überhaupt möglich war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine auf theoretischen Konzepten (insb. Sofsky) basierende Arbeit, die historische Beispiele und Zeitzeugenberichte analysiert und organisationssoziologisch interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Lagerstruktur, die Definition von Widerstand, die Darstellung der Unterdrückungsmethoden, die Kategorisierung von Widerstandsformen sowie eine kritische Rückbindung an theoretische Ansätze.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind die "absolute Macht" nach Sofsky, "Funktionshäftlinge", "Kollektivwiderstand", die bürokratische Verwaltung der Lager und der Überlebenskampf unter totalen Herrschaftsstrukturen.

Inwiefern hinterfragt die Arbeit Sofskys Theorie?

Die Arbeit kritisiert, dass Sofskys Konzept der absoluten Macht wenig Raum für die empirisch belegte Vielfalt von Widerstandsakten lässt und die "Janusköpfigkeit" der Lagerstrukturen nicht ausreichend berücksichtigt.

Warum wird auch der "individuelle Widerstand" als solcher gewertet?

Weil unter den lebensfeindlichen Bedingungen der Konzentrationslager bereits Handlungen wie das Teilen von Essen oder die Aufrechterhaltung der persönlichen Würde einen Akt der Gegenwehr gegen das Ziel der SS darstellten, die Häftlinge zu brechen.

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Details

Title
Widerstand in Konzentrations- und Vernichtungslagern aus einer organisationssoziologischen Perspektive. Inwiefern war dieser trotz systematischer Unterdrückung möglich?
College
http://www.uni-jena.de/  (Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften)
Grade
1,0
Author
Konrad Steinbrecht (Author)
Publication Year
2022
Pages
34
Catalog Number
V1309515
ISBN (PDF)
9783346800084
ISBN (Book)
9783346800091
Language
German
Tags
Widerstand Konzentrationslager Soziologie SS Sofsky
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Konrad Steinbrecht (Author), 2022, Widerstand in Konzentrations- und Vernichtungslagern aus einer organisationssoziologischen Perspektive. Inwiefern war dieser trotz systematischer Unterdrückung möglich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1309515
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