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Über die Schlechtigkeit des Aussterbens. Wann bewerten wir etwas als "schlecht"?

Title: Über die Schlechtigkeit des Aussterbens. Wann bewerten wir etwas als "schlecht"?

Term Paper , 2022 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Fabian Fischbach (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob es sich beim anthropogen verursachten Massenaussterben um etwas an sich Schlechtes handelt und wenn dem so ist, worauf sich diese Bewertung gründet.

Um sich einer Antwort zu nähern, soll sich zunächst im Allgemeinen damit beschäftigt werden, was es bedeutet, etwas als an sich schlecht zu bewerten. Beurteilungen dieser Art stehen in einem Zusammenhang mit Werten beziehungsweise Bewertungen im Allgemeinen, insbesondere mit intrinsischen Werten. Im ersten inhaltlichen Kapitel soll daher zunächst eine Werteauffassung dargelegt werden, auf deren Grundlage es möglich ist, die Frage nach der Schlechtigkeit von etwas argumentativ zu klären. Massenaussterben ist eine andere Bezeichnung für Biodiversitätsverlust und schließt sich an die Debatte um Letzteren an. Kapitel 3 soll einige gängige Begründungen für den Wert der Biodiversität analysieren, um herauszustellen, dass deren Wert, einigen Positionen zufolge, in erster Linie instrumentell bestimmt wird. Die damit verbundenen Argumentationen lassen sich teilweise analog auf Spezies übertragen. Es soll gegen diesen Hintergrund herausgestellt werden, wie das basalere Phänomen des Aussterbens in der Biodiversitätsdebatte zu verorten ist und aus welcher Perspektive es idealerweise analysiert wird, um es als unabhängiges Phänomen zu bewerten. Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem Begriff der Spezies. Da Aussterben auf Speziesebene geschieht, ist eine Auseinandersetzung mit der biologischen Speziesindividuation unerlässlich. In Kapitel 4 sollen einige Eigenschaften von biologischen Arten herausgestellt werden. Von wichtiger Bedeutung ist dabei, dass diese, unter anderem, als unstrukturierte Kollektive aufgefasst werden können. Aufgrund der Ontologie solcher Entitäten, ergibt sich ein wichtiger Zusammenhang vom Individuum zur Gruppe, der bei der Diskussion nicht außer Acht gelassen werden sollte. Der zuvor erarbeitete Rahmen soll in Kapitel 5 genutzt werden, um eine Antwort auf die Ausgangsfrage zu finden. Dabei wird zunächst Bezug auf einige Probleme genommen und abschließend ein Vorschlag zum Umgang mit diesen gemacht. Im abschließenden Kapitel soll auf die explizite Problematik des Massenaussterbens gegenüber dem Aussterben an sich zurückgekommen und einige Implikationen des Genannten herausgestellt und die vorangegangene Argumentation rekonstruiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Sterben, Aussterben und Massenaussterben im Anthropozän

2 Schlecht an sich

3 Isolation der Arten in der Biodiversitätsdebatte

4 Speziesindividuation und das Verhältnis von Kollektiv und Individuum

5 Die Verortung intrinsischer Werte und das Schlechte am Aussterben

5.1 Die Reduzierbarkeit von Arten

5.2 Schlecht für alle?

6 Das Schlechte am Aussterben

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Fragestellung, ob es sich bei dem anthropogen verursachten Massenaussterben sowie beim Aussterben von Arten an sich um etwas Schlechtes handelt. Dabei wird analysiert, inwiefern eine Begründung für die Schlechtigkeit des Aussterbens auf intrinsischen Werten oder instrumentellen Wertzuschreibungen basieren kann und welche Rolle die ontologische Einordnung von Spezies als Kollektive dabei spielt.

  • Philosophische Untersuchung von intrinsischen versus instrumentellen Werten in der Natur.
  • Analyse der Speziesontologie im Kontext des biologischen Essentialismus und Populationsdenkens.
  • Kritische Beleuchtung der Argumente für die Schutzwürdigkeit von Spezies.
  • Untersuchung der moralischen Relevanz des Massenaussterbens im Anthropozän.
  • Differenzierung der Schadenswirkung bei Aussterbeprozessen auf Individualebene.

Auszug aus dem Buch

4 Speziesindividuation und das Verhältnis von Kollektiv und Individuum

Um die Frage nach dem Wert einer Spezies und der Schlechtigkeit ihres Aussterbens beantworten zu können ist es unabdingbar zu bestimmen, was Artensind. Diese Bestimmung birgt für die Beurteilung des Wertes wichtige Implikationen. Der Artbegriff ist in der Biologie umstritten. Zwar sind Menschen intuitiv dazu in der Lage, einzelne Spezies in einigen Fällen zu individuieren, allerdings verlaufen die Grenzen zwischen diesen fließend, sodass es sich um vage, „künstlich vom Menschen umgrenzte Einheiten“ handelt. Arten gelten dabei als kleinste Gruppen, „die konsequent und andauernd unterschiedlich sind und bereits äußerlich unterschieden werden können.“ Aus diesem Grund ist es sinnvoll anzunehmen, dass die Individuen einer Art sich durch bestimmte gemeinsame Eigenschaften kennzeichnen lassen.

In der „Alltagsbiologie“ wird häufig davon ausgegangen, dass jede Spezies charakteristische Eigenschaften hat, die über Generationen erhalten bleiben und sie voneinander unterscheiden. Es handelt sich dabei um eine Art von „Essenzen“, die sowohl eine ideale Entwicklung für die Art vorgeben, als auch notwendige sowie hinreichende Bedingungen bereitstellen, anhand derer ein Individuum zweifellos einer Spezies zugeordnet werden kann. Essenzen spielen dementsprechend eine definierende und eine erklärende Rolle – definierend insofern sie die Grenzen einer Art festlegen, erklärend insofern sie aufschlussreich für jegliche artspezifischen Verhaltens- und Entwicklungsweisen sind. Nach diesem Verständnis würde es sich bei biologischen um natürliche Arten handeln. Letztere sind weder zeitlich noch räumlich begrenzt und können also zu jedem Zeitpunkt im Universum auftauchen, ohne jeglichen Kontext. Das beste Beispiel für natürliche Arten sind chemische Elemente. Diese werden durch ihre Atomzahl individuiert, während es ebenfalls die Anzahl der Protonen im Atomkern ist, die für die Eigenschaften eines Elementes maßgeblich und erklärend ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Sterben, Aussterben und Massenaussterben im Anthropozän: Einführung in das Phänomen des Aussterbens, die Differenzierung zum Massenaussterben im Anthropozän und die Problematisierung des moralischen Status der Natur.

2 Schlecht an sich: Darstellung einer Werteauffassung, die als Grundlage für die Beurteilung von „Schlechtigkeit“ dient und zwischen instrumentellen und intrinsischen Werten unterscheidet.

3 Isolation der Arten in der Biodiversitätsdebatte: Analyse des Wertbegriffs innerhalb der Biodiversitätsdebatte und Erörterung, warum dieser oft instrumentell begründet wird.

4 Speziesindividuation und das Verhältnis von Kollektiv und Individuum: Untersuchung der biologischen Definition von Arten, insbesondere unter Ablehnung eines essentialistischen Artbegriffs und Einordnung von Arten als Kollektive.

5 Die Verortung intrinsischer Werte und das Schlechte am Aussterben: Anwendung der erarbeiteten Rahmenbedingungen auf die Kernfrage, wobei die Schadenswirkung auf Individual- und Kollektivebene differenziert wird.

5.1 Die Reduzierbarkeit von Arten: Untersuchung der abstrakten Natur des Artbegriffs und Abgrenzung gegenüber individuellen, intrinsisch wertvollen Entitäten.

5.2 Schlecht für alle?: Analyse, ob Aussterbeprozesse zwangsläufig intrinsisch wertvolle Individuen schädigen und welche moralischen Konsequenzen dies hat.

6 Das Schlechte am Aussterben: Zusammenfassende Schlussfolgerung, dass die Schlechtigkeit des Aussterbens primär instrumentell begründet ist und auf komplexen ökologischen Interaktionsverhältnissen beruht.

Schlüsselwörter

Aussterben, Massenaussterben, Anthropozän, Biodiversität, intrinsischer Wert, instrumenteller Wert, Speziesindividuation, Kollektiv, Individuum, Artbegriff, Bioethik, Natur, Schutzwürdigkeit, ökologische Interaktion, moralische Verantwortung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht philosophisch, ob der Verlust von Arten – insbesondere im Rahmen des anthropogen verursachten Massenaussterbens – ethisch als „an sich schlecht“ bewertet werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentrale Thematik bildet die Spannungsfeld zwischen Biodiversitätsschutz, dem Wert von Naturobjekten (intrinsisch vs. instrumentell) und der philosophischen Ontologie von biologischen Arten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Massenaussterben und das Aussterben von Arten moralisch als an sich schlecht zu verorten sind und worauf diese Bewertung begründet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische methodische Analyse, die Begriffe wie Werte, Arten und Kollektive präzisiert und auf Basis des aktuellen naturwissenschaftlichen Weltbildes auf ihre ethische Relevanz hin untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Werten, die kritische Auseinandersetzung mit dem Biodiversitätsbegriff, die ontologische Klärung des Artbegriffs als Kollektiv sowie eine Detailanalyse von Schadenswirkungen auf Individuen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Kernelemente sind intrinsische Werte, Kollektive, Artenontologie, instrumenteller Nutzen, Massenaussterben und der Begriff des Individuums.

Warum wird der Artbegriff in der Arbeit als problematisch angesehen?

Der Artbegriff ist biologisch und philosophisch umstritten, da er sich oft als künstliche, vom Menschen geschaffene Kategorie erweist, die keinen biologischen „Essenzen“ entspricht, was eine moralische Wertzuweisung erschwert.

Wie unterscheidet die Arbeit das individuelle vom kollektiven Aussterben?

Die Arbeit betont, dass Aussterben auf der Ebene von Arten ein Prozess ist, der sich auf die Ebene der Individuen reduzieren lässt; echtes Leiden oder "Schaden" lässt sich primär nur für Individuen, nicht aber für abstrakte Kollektive wie Spezies postulieren.

Welches Fazit zieht der Autor zum Massenaussterben?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Schlechtigkeit primär instrumenteller Natur ist, da Massenaussterben das lebenswichtige "Wegbrechen" komplexer ökologischer Verstrebungen und Interaktionsmuster beschreibt.

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Details

Title
Über die Schlechtigkeit des Aussterbens. Wann bewerten wir etwas als "schlecht"?
College
University of Bonn
Grade
1,0
Author
Fabian Fischbach (Author)
Publication Year
2022
Pages
28
Catalog Number
V1309646
ISBN (PDF)
9783346786975
ISBN (Book)
9783346786982
Language
German
Tags
Aussterben Umweltethik Holismus Wertekonstruktivismus Spezies Speziesindividuation Antiessentialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabian Fischbach (Author), 2022, Über die Schlechtigkeit des Aussterbens. Wann bewerten wir etwas als "schlecht"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1309646
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