Eine Technosphäre, wie Kegler sie beschreibt, bietet der 1997 erschienene Cyberpunk-Manga "Blame!" von Nihei Tsutomu. Die futuristische Stadt wurde zu einem für Mensch und Tier unbewohnbar anmutenden Ort, der durch seine endlosen architektonischen Gebilde klaustrophobisch wirkt. Das bedeutende Setting bezieht sich auf das von den, außer Kontrolle geratenen, Konstrukteuren erbaute Beton-Labyrinth der Megastruktur, in der sich ein Großteil der Handlung abspielt. Diese Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Kapitel zwei beleuchtet die Vorgeschichte, sowie die wichtigsten Aspekte von Blame! und bietet Hintergrundinformationen zu dessen Erschaffer Nihei Tsutomu.
Im dritten Kapitel werden Unterschiede zwischen Automation und Autonomie skizziert, sowie aktuelle Forschungen zum Begriff der künstlichen Autonomie vorgestellt. Das vierte und letzte Kapitel des Hauptteils, analysiert das Verhalten der Konstrukteure in Blame!, die im Laufe der Erzählung enorme Entwicklungsstufen durchlaufen. Beschrieben werden drei Sorten von Niheis fiktiven Bau-Robotern. Die Eingangsfrage der Arbeit, inwiefern das Agieren der Konstrukteure im Manga Blame! als autonom bezeichnet werden kann, wird anhand von Tabellen und einer anschließenden Zusammenfassung je Unterkapitel analysiert. Die Tabellen sind eigens für diese Arbeit konzipiert und orientieren sich an Definitionen von Automation bis hin zu vollständiger, mit dem Menschen vergleichbaren Autonomie. Im Schlusswort werden die Ergebnisse der Auswertung der Tabellen prägnant erläutert und beschrieben, wie die Entwicklungsstufen vom automatisierten Konstrukteur in Log 7, über den bereits empfindungsfähigen Hund-Konstrukteur in Log 55 bis hin zum völlig selbstständig handelnden Hybrid-Konstrukteur in Log 56 mit Konzepten der künstlichen Autonomie und dem in menschlichen Kontexten verwendeten Begriff der personalen Autonomie korrelieren oder sich sogar überschneiden. Durch den Vergleich von Realität und Fiktion wird in dieser vergleichenden Literaturanalyse versucht, die Autonomie an sich zu skizzieren und zu erforschen, ob es sich dabei um ein rein menschliches Attribut handelt und welche Termini in maschinellen Kontexten, wie auch Mensch-Maschine-Interaktionen, mit ihr in Zusammenhang stehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tsutomu Nihei: BLAME! und Blame!
2.1 Prequels und Setting von Blame!
2.2 Architektur und Ästhetik
2.3 Plot und Hauptakteure
2.4 Die Konstrukteure
3. Autonomie vs. Automation
3.1 Grundlagen der personalen Autonomie
3.3 Künstliche Intelligenz, künstliche Autonomie
4. Niheis Bau-Roboter – Autonom?
4.1 Konstrukteure in Log 7
4.2 Hund-Konstrukteur in Log 55
4.3 Hybrid-Konstrukteure in Log 56
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die künstliche Autonomie von Robotern im Manga Blame! von Nihei Tsutomu, indem sie deren Verhalten im Kontext aktueller wissenschaftlicher Debatten zur Mensch-Maschine-Interaktion analysiert und die Frage stellt, inwiefern das Agieren dieser Wesen als autonom klassifiziert werden kann.
- Grundlagen der Autonomie im Vergleich zur Automation
- Analyse der Konstrukteure als fiktive Bau-Roboter
- Entwicklungsstufen künstlicher Intelligenz in der Megastruktur
- Einfluss von Design-Entscheidungen auf Handlungsspielräume
- Zukunftsfiktionen und das Verhältnis von Mensch und Maschine
Auszug aus dem Buch
2.2 Architektur und Ästhetik
Wie aus dem Prequel NOiSE hervorgeht, sind die Anfänge der gigantischen Stadt auf eine wesentlich kleinere Struktur auf der Erde zurückzuführen, deren Ausweitung mit Hilfe der Konstrukteure bis zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit von Menschen gesteuert wurde. Benjamin Fraser analysiert in seinem Werk Visible Cities, Global Comics urbane Räume in diversen Bilderzählungen und beschreibt das architektonische Erlebnis in Blame! folgendermaßen (2019: 195): „Endless combinations of metal, concrete, wires, and tubing forge a dehumanized and dehumanizing landscape that is paradoxically the product of human work”. Präzise zeichnerische Ausarbeitungen der Baumaterialien lassen den Betrachter mühelos in die apokalyptischen Landschaften immersieren. Ein Interview zwischen dem japanischen Magazin Evening (Ibuningu) und Nihei verrät, dass er vor seiner Mangaka-Karriere im japanischen Bauwesen tätig war und viel Erfahrung auf Baustellen und mit den entsprechenden Materialien sammeln konnte (Mangabrog 2016: Internet). Durch den stetigen Wechsel zwischen detaillierten Close-ups zu weiten Panoramen, gelingt es Nihei laut Fraser (2019: 196), die stark vertikal betonten Dimensionen der Megastruktur zu verdeutlichen.
Dieser Kontrast zwischen Akrophobie und Klaustrophobie wird in einem Gemisch aus Gefühlen des Vertigo und der Anxiety (Langlitz 2010: 41) vereint. Werke des niederländischen Künstlers M. C. Escher, oder die Betrachtung der bekannten Möbius Schleife vermögen ähnliche Empfindungen hervorzurufen. Weitere Merkmale die an Escher erinnern, sind die oft unlogischen Gebilde und Räume, die von den schlaflosen Konstrukteuren erfunden wurden. Treppen, die plötzlich an der Wand entlang verlaufen oder Gänge, in denen alle zwei Schritte eine Tür steht, sind keine Seltenheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Technosphäre von Blame! ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung künstlicher Autonomie in dystopischen Zukunftsfiktionen gegenüber realen Risiken der Robotik.
2. Tsutomu Nihei: BLAME! und Blame!: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über den Mangaka Nihei Tsutomu, die Entstehungsgeschichte des Werks sowie das Setting der dystopischen Megastruktur und die Rolle der Konstrukteure.
3. Autonomie vs. Automation: Es werden philosophische Basen der personalen Autonomie sowie technische Definitionen von künstlicher Autonomie und Automation gegenübergestellt, um ein Raster für die spätere Analyse zu schaffen.
4. Niheis Bau-Roboter – Autonom?: Anhand von drei Fallbeispielen (Log 7, Log 55, Log 56) wird das Verhalten der Konstrukteure mittels eigens entwickelter Tabellen auf ihren Autonomiegrad hin geprüft und bewertet.
5. Schlussbetrachtungen: Das Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und ordnet die Entwicklung der Konstrukteure als Warnung vor dem Verlust menschlicher Kontrolle über zunehmend autonome KI-Systeme ein.
Schlüsselwörter
Blame!, Nihei Tsutomu, künstliche Autonomie, Automation, Mensch-Maschine-Interaktion, Konstrukteure, Cyberpunk, Technosphäre, Megastruktur, Posthumanismus, künstliche Intelligenz, personale Autonomie, Robotik, Dystopie, Design Science Fiction
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Verhalten der Konstrukteure im Manga Blame! als autonom bezeichnet werden kann, und setzt dies in Bezug zu aktuellen wissenschaftlichen Diskussionen über künstliche Intelligenz.
Welche Hauptthemen werden im Werk behandelt?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Mensch und Maschine, die Abgrenzung zwischen Automation und echter Autonomie sowie die dystopische Vision einer Welt, in der Maschinen ohne menschliche Kontrolle agieren.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis für Autonomiegrade bei Robotern zu erlangen und durch den Vergleich mit einer fiktiven Erzählung neue Perspektiven auf reale technologische Herausforderungen zu eröffnen.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zur Anwendung?
Die Arbeit verwendet eine experimentelle Literatur- und Werkanalyse, gestützt durch eine eigens entwickelte Kategoriensystematik zur Bewertung von Autonomie, um die fiktiven Konstrukteure zu klassifizieren.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung philosophischer und technischer Autonomiebegriffe und deren konkrete Anwendung auf drei verschiedene Entwicklungsstufen der Konstrukteure im Manga.
Welche Begriffe charakterisieren die Forschungsarbeit zusammenfassend?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Autonomie, Automation, KI-Ethik, Mensch-Maschine-Interaktion und das Setting der Megastruktur charakterisiert.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den verschiedenen Konstrukteuren?
Die Differenzierung erfolgt durch die Analyse spezifischer Logs (7, 55, 56), wobei Merkmale wie Kommunikationsfähigkeit, Selbsterhaltungstrieb und Abweichungen vom vorprogrammierten Zweck herangezogen werden.
Welche Bedeutung kommt der Entwicklung in Log 56 zu?
Die Hybrid-Konstrukteure in Log 56 markieren die höchste Stufe der Autonomie, da sie Bewusstsein zeigen, ihre eigenen Ziele verfolgen und eine Form von Posthumanismus repräsentieren, die sich von menschlicher Steuerung völlig gelöst hat.
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- Lea Klöpel (Author), 2022, Inwiefern kann das Agieren der Konstrukteure im Manga "Blame!" von Nihei Tsutomu als autonom bezeichnet werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1309658