Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Beschreibung und Analyse
der Beziehungen zwischen den Ländern Algerien und Frankreich in der
Vergangenheit und Gegenwart. Aus der 132 Jahre andauernden
Kolonialherrschaft haben sich viele verschiedene Einflüsse in beiden
Gesellschaften ergeben, die maßgebliche Auswirkungen auf die heutigen
Beziehungen haben. Auf Grund der gemeinsamen Vergangenheit und den
daraus erwachsenen interkulturellen Problemen, ist zunächst eine
umfassende geschichtliche Analyse notwendig, um die heutigen Beziehungen
sachgerecht und umfassend verstehen zu können. Die gegenwärtige Relation
ist unter dem Geschichtspunkt der weltweiten Ressourcenknappheit
besonders interessant, da die Abhängigkeit der wirtschaftsstarken Länder
steigt. Das Verhältnis der beiden Länder wird von vielen weiteren
Konfliktlinien durchzogen. Nur ein Beispiel von Vielen ist der weltweite
islamistische Terror, der auch in Algerien seine Ableger findet. Neue Brisanz
erhält die Analyse auch durch die Pläne, die besonders von dem französischen
Präsidenten Sarkozy gefördert werden, eine Mittelmeerunion zu gründen.
Durch diese Entwicklung würde ein komplett neues Zeitalter in den algerischfranzösischen
Beziehungen eingeläutet werden. Um diese komplexe Analyse
angemessen durchführen zu können, erfolgt zunächst die Beschreibung der
gemeinsamen kolonialen Vergangenheit. Danach werden die Entwicklungen
nach 1962 beschrieben, um letztendlich die gegenwärtigen Beziehungen unter
den Aspekten Politik, Wirtschaft und Kultur zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gemeinsame Geschichte der Kolonialzeit
3. Beziehungen nach der Kolonialzeit von 1962-2003
4. Beziehungen in der Gegenwart von 2003 bis 2007
4.1 Politische Beziehungen
4.2 Wirtschaftliche Beziehungen
4.3 Kulturelle, wissenschaftliche und technische Beziehungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert die historischen und aktuellen Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich. Ziel ist es, auf Basis der gemeinsamen kolonialen Vergangenheit die heutigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Interdependenzen zu untersuchen und zu bewerten, wie insbesondere wirtschaftliche Interessen zur Stabilisierung und Intensivierung der bilateralen Beziehungen beitragen.
- Historische Aufarbeitung der 132-jährigen französischen Kolonialherrschaft in Algerien
- Analyse der bilateralen Entwicklungen zwischen 1962 und 2003
- Untersuchung der aktuellen politischen Dynamiken und des Einflusses der Mittelmeerunion
- Bewertung der wirtschaftlichen Bedeutung Algeriens als Handelspartner Frankreichs
- Betrachtung der kulturellen und wissenschaftlichen Kooperationsprojekte
Auszug aus dem Buch
2. Gemeinsame Geschichte der Kolonialzeit
Auf Grund einer unbezahlten Kornrechnung ordnete König Charles X. die Blockade des Seehafens von Algier an. Diese im Jahre 1827 begonnene Belagerung dauerte drei Jahre und führte zu der Einnahme des Hafens, sowie der Häfen von Oran, Arzew und Bougie. 1831 überzeugte das Militär König Louis-Philippe davon, den Neuerwerb vor den Osmanen zu schützen, in dem er eine Fremdenlegion gründete. Erst 1840 nachdem viele Siedler angegriffen wurden, beschloss Frankreich die vollkommene Eroberung Algeriens, um weitere Aufstände zu verhindern. Um die Kolonialisierung zu sichern, schickte Frankreich in den darauffolgenden Jahren immer mehr französische Siedler nach Algerien, die sogenannten „Colons“. Die Zahl stieg von 27.000 im Jahr 1841 auf fast 580.000 zur Jahrhundertwende. Allerdings kam die Mehrheit dieser Siedler, trotz der Anstrengungen der französischen Regierung nicht aus Frankreich, sondern aus Malta, Spanien und Italien. Ab dem Jahr 1865 konnten diese europäischen Siedler, die kostenfrei Land in Algerien zugeteilt bekommen hatten, die französische Staatsbürgerschaft erhalten. Algerien war im Gegensatz zu Tunesien und Marokko nicht zu einem Protektorat ernannt worden, sondern zu französischen Boden. Dies hatte zu Folge, dass Algerien der Kolonialmacht unterworfen wurde und darüberhinaus die juristische Eigenstaatlichkeit, die Marokko und Tunesien behalten konnten, verlor.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die komplexe Problematik der algerisch-französischen Beziehungen und betont die Notwendigkeit einer historischen Analyse für das Verständnis der heutigen Dynamiken.
Gemeinsame Geschichte der Kolonialzeit: Dieses Kapitel behandelt die Anfänge der französischen Kolonialherrschaft in Algerien, die systematische Enteignung der einheimischen Bevölkerung und die daraus resultierende Radikalisierung, die zum Unabhängigkeitskrieg 1954 führte.
Beziehungen nach der Kolonialzeit von 1962-2003: Der Abschnitt beschreibt die schwierige Phase nach der Unabhängigkeit, die durch Stagnation und erst ab 1999 durch erste vorsichtige Annäherungsversuche geprägt war.
Beziehungen in der Gegenwart von 2003 bis 2007: Dieses Kapitel analysiert die aktuellen bilateralen Beziehungen, unterteilt in politische Dialoge, wirtschaftliche Verflechtungen sowie kulturelle und wissenschaftliche Kooperationen.
Schlüsselwörter
Algerien, Frankreich, Kolonialzeit, Unabhängigkeitskrieg, Diplomatie, Wirtschaftliche Beziehungen, Mittelmeerunion, Barcelona-Prozess, Migration, Kulturpolitik, Handel, Bilaterale Zusammenarbeit, Energieversorgung, Postkolonialismus, Politische Annäherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich von der historischen Kolonialzeit bis zur heutigen Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die gemeinsame koloniale Vergangenheit, die politischen Herausforderungen nach 1962 sowie die wirtschaftliche und kulturelle Kooperation zwischen den beiden Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, darzulegen, wie trotz einer belasteten historischen Vergangenheit wirtschaftliche Interessen heute als Grundlage für neue politische Kooperationen dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geschichtliche und politikwissenschaftliche Analyse, die den Werdegang der bilateralen Beziehungen unter Einbeziehung relevanter Abkommen und aktueller politischer Initiativen beschreibt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Kolonialära, die Beziehungen von 1962 bis 2003 sowie eine detaillierte Analyse der Politik, Wirtschaft und Kultur zwischen 2003 und 2007.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kolonialgeschichte, Mittelmeerunion, bilaterale Verträge, Wirtschaftsinteressen und interkulturelle Beziehungen definieren.
Warum ist das Thema der "Entschuldigung" so relevant für die heutigen Beziehungen?
Die ausbleibende offizielle Entschuldigung Frankreichs für die Gräueltaten der Kolonialzeit stellt eine dauerhafte Belastung für das Vertrauensverhältnis dar und erschwert die Umsetzung gemeinsamer politischer Projekte.
Welche Rolle spielt die Energieversorgung in den wirtschaftlichen Beziehungen?
Algerien ist ein bedeutender Energielieferant für Frankreich; die Erdöl- und Erdgasvorkommen machen Algerien zu einem wirtschaftlich hochinteressanten Partner, was wiederum den reziproken Wunsch nach Stabilität und Zusammenarbeit fördert.
- Citation du texte
- Jenny Werner (Auteur), 2008, Die Beziehungen Algeriens und Frankreich in der Vergangenheit und Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130975